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Re: Welches Studium ist vorteilhafter für Grundschule?
Hallo,
habe deine Frage erst heute beim Stöbern gefunden. Um dir zu helfen, müssen wir das Bundesland wissen, in dem du arbeiten möchtest. Die Lage und die möglichen Ansprechpartner sind von Land zu Land gelegentlich stark unterschiedlich und hängen in der Regel auch stark vom jeweiligen Lehrerbedarf ab.
So merkwürdig sich das für Leute anhört, die einen Beruf in unserem Gebiet (soziales / Lehramt) übernehmen wollen: Du solltest dich auf jeden Fall informieren, wie du später finanziel dastehen wirst. Meist verdienen Lehrer ( insbesondere verbeamtete) deutlich mehr, als Sozialarbeiter / Sozialpädagogen mit zusätzlicher "Lehrerqualifikation". Da je nach Schule / Schulform / gesellschaftlicher Weiterentwicklung die Aufgaben und Arbeitsbelastung in beiden Berufen sehr ähnlich sein können, ist es auf Dauer sehr frustierend für die (fast) gleiche Arbeit deutlich weniger Geld (d.h. impliziet auch Anerkennung) zu bekommen. Hört sich im Moment für dich vielleicht etwas "spießig" an, aber denk daran, dass du den Job wahrscheinlich jahrelang machst. Irgendwann werden solche Sachen wichtig.
Ansonsten hat Aenaria sehr viel sinnvolles geschrieben. An einer Stelle möchte ich ihr jedoch (zumindest unter den Bedingungern in Nordrhein-Westfalen) deutlich wiedersprechen: Wir unterrichten, insbesondere in Schulen in sozialen Brennpunkten nicht nur. Wir übernehmen sowohl im Bereich Elternarbeit, als auch im Bereich Schülerarbeit viele Aufgaben, die eigentlich ausgebildete Sozialarbeiter/-pädagogen und Psychologen übernehmen müssten. Die fehlen aber meist an den Schulen. Das wird sich meiner Einschätzung nach in NRW auch, wenn überhaupt, nur sehr langsam ändern. Diese "Sozialarbeit" bindet viel zeit und (wenn man den Beruf ernst nummt) bei vielen auch sehr viele emotionale Resourcen (kurz ausgedrückt: der Stress in dem Bereich ist oft höher, als der, den man für den Unterricht aufwenden muss).
Zum Thema unterrichten: Auch für den GS-Unterricht brauchst du ein solides Grundwissen der Fächer. Z.B. ist Matheunterricht deutlich mehr, als das Beibringen der Grundrechenarten und von Sachrechnen ( nur ein Beispiel: schon mal vom kardinalem, ordinalen und Mengenaspekt von Zahlen gehört? Wenn nicht, dann wirst du wahrscheinlich viele Probleme von schlechteren Mathe-Anfängern nicht verstehen können und ihnen dann auch nicht helfen können. Das ist auch für dich frustierend, da du das dann möglicherweise entweder unter "ich kann Kindern nichts beibringen" oder "ich muss immer nur mit dummen Kindern zusammenarbeiten". Das war jetzt natürlich sehr überzogen, der fachliche Teil im guten GS-Unterricht ist aber wesentlich komplexer, als man im ersten Moment glaubt. Nicht umsonst ist der erste Teil der Ausbildung ja an den Unis angesiedelt.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Berufs- und Ausbildungswahl. Zumindest für den GS-Beruf kann ich sagen: Trotz der nervigen Sachen kann es ein ganz toller Beruf sein. Ich denke aber, dass die 2 Hauptvorraussetzungen zum einen Freude an Kindern (auch an gelegentlich stinkenden mit schlechten Manieren) und eigenes Interesse und Freude an zumindest der Hälfte der Fächer, die du unterrichtest, sind.
Gruß,
C. Funke