Expertenwissen
Von: , 15.12.2009 16:58 Uhr
Guten Tag,
in der Schule haben wir über den radioaktiven Abfall, der bei der gewinnung von Erdöl und Erdgas anfällt, gesprochen. Dabei kamen wir auch auf das Thema, das Großbritanien seinen radioaktiven Müll in die Nordsee leitet. Jetzt würde mich interesieren, wie viele Tonnen(?) das pro Jahr sind und ob es deshalb ernsthafte Schäden an der Unterwasserwelt der Nordsee gibt.

1 Antworten zu dieser Frage
  1. Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
    Re: Wie viel radiaktiver Abfall landet in der Nordsee?
    MoinMoin,
    ich habe folgendes zu diesem Thema gefunden:

    Rund neun Millionen Liter radioaktiver Abwässer verseuchen täglich die Irische See. Auch aufgrund technischer Probleme mit der 1994 in Betrieb genommenen zweiten Wiederaufarbeitungsanlage THORP (ThermaI Oxide Reprocessing Plant) hat die Betreiberfirma Ende 1990 erneut einen Antrag auf Erhöhung der ohnehin schon großzügig bemessenen Grenzwerte gestellt. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Genehmigungen erteilt, die den am Standort sich erhöhenden radioaktiven Abgaben angepaßt wurden. Im Zeitraum 1993 bis 1995 wurde beispielsweise 27-mal (!) soviel radioaktives Technetium-99 (Tc-99) in die Irische See eingeleitet wie in vergleichbaren Zeiträumen zuvor. So verwundert es nicht daß Fische, Krebse und Muscheln in der Nähe von Sellafield inzwischen Tc-99-Werte aufweisen, die um den Faktor 40 höher liegen als 1993. Krebse aus der Irischen See weisen 13-mal so hohe Radioaktivitätswerte auf, wie sie die Europäische Kommission der Bevölkerung nach einem Atomunfall gesetzlich zumutet.

    Aufgrund der Meeresströmung verteilen sich die radioaktiven Abwässer von Sellafield weiträumig. Spätestens in neun Monaten erreichen sie die Nordsee, gelangen über die Ringströmung in der Nordsee in die Deutsche Bucht, dann teilweise in die Ostsee und werden weiter an Skandinavien vorbei in die Barent- und Kara-See gespült. Im Mai wiesen kanadische Wissenschaftler des Bedford Institutes für Ozeanographie in Halifax erstmals radioaktive Isotope aus der Wiederaufarbeitung Sellafield in der kanadischen Arktis nach.
    s.a. http://www.anti-atom-aktuell.de/archiv/054-100/94.htm

    Bei der Erdöl- und Erdgasförderung fallen Millionen Tonnen radioaktiv verseuchter Rückstände an - allein in Deutschland bis zu 2000 Tonnen pro Jahr. Für einen Großteil fehlt laut WDR-Informationen der Nachweis der sicheren Entsorgung. Die Industrie verschweigt die Gefahren.
    Diese Aussage ist falsch und widerspricht den eigenen Angaben des Verbandes. Denn danach ist die durchschnittliche Belastung der radioaktiven Öl- und Gasabfälle fast 700 mal höher als die durchschnittliche Belastung des Erdbodens. Dem WDR liegt ein Papier der Firma Exxon vor, wonach die mittlere Belastung der Abfälle sogar 3000 mal höher ist.

    Auch die Mengenangaben der Erdölindustrie sind äußerst fragwürdig. Der Verband spricht von 300 Tonnen pro Jahr. Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit nennt wesentlich höhere Zahlen. "Wir sprechen in der Summe im Jahr - also auf Trockenmasse bezogen, Frischmasse ist etwas mehr - von 1000 bis 2000 Tonnen", erklärt der Radioökologe Weiß. Die sichere Entsorgung dieser Abfallmengen ist nicht nachgewiesen.
    s.a. http://meta.tagesschau.de/id/30716/strahlender-abfal...

    Wie radioaktiv ist das Meer?
    Verglichen mit der Irischen See, die durch die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield gefährlich verstrahlt ist, ist die Nordsee mäßig belastet.

    Woher kommt der strahlende Dreck?
    Hauptquelle der Radioaktivität in der Nordsee sind die atomaren Wiederaufbereitungsanlagen Sellafield (= Windscale) in England, Dounreay in Schottland und La Hague in Frankreich. Dort wird auch viel deutscher Atommüll bearbeitet. Meeresströmungen bringen 10 % der Strahlung aus Sellafield und alle strahlenden Abwässer aus La Hague in die Nordsee.

    Ist die Strahlung ein Problem?
    Strahlung ist immer ein Problem, da sie auch in geringen Dosen Krebs oder Mutationen auslösen kann. Außerdem können sich bestimmte Radionuklide in Organismen anreichern. Ein durchschnittlicher langfristiger Verzehr von Nordseefisch erhöht die Strahlenbelastung jedoch nur um 1%.

    Was ist zu tun?
    Die "Wiederaufbereitung" von Atomabfällen ist sofort zu stoppen, da sie die Menge des verstrahlten Materials vervielfacht (Lösungsmittel, Geräte...). Stattdessen sind die vorhandenen Brennstäbe ungeöffnet zwischenzulagern, bis eine geeignete Endlagerstätte gefunden ist.

    Quelle: Lozan (1990): Warnsignale aus der Nordsee, Parey Verlag
    s.a. http://www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/radioa...

    LG
    Strandperle
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