Zweisprachige Erziehung

Von: , 15.08.2009 10:41 Uhr

Lieber Herr Dr. Fischer,

ich habe eine Frage zur zweisprachigen Erziehung. Mein Sohn Marco ist jetzt 19 Monate alt und wird zweisprachig erzogen (deutsch und spanisch).

Mein Mann und ich sind uns nun nicht sicher, ob es sinnvoll ist, unserem Sohn, z.B. wenn er ein Bilderbuch anschaut, jeweils die Wörter beider Sprachen für ein Bild gleichzeitig zu sagen, mein Mann auf Spanisch, ich auf Deutsch. Beispiel: Er zeigt auf einen Baum. Mein Mann sagt "arbol", ich "Baum".

Könnte ihn das verwirren? Sollte er besser nur mit einem von uns das Bilderbuch anschauen und später mit dem anderen?

Wir wären sehr dankbar für Ihren Kommentar hierzu.

Viele Grüße
Elke

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
    Re: Zweisprachige Erziehung

    Liebe Frau Fernández,
    dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt, denn inzwischen haben wir ein Enkelkind von 2 Jahren, und da erlebe ich dieselbe Situation.
    Ich würde davon abraten, wirklich gleichzeitig das Bilderbuch durchzugehen. Ähnlich in anderen Situationen, in denen Begriffe quasi geübt werden.
    Was anderes ist es, wenn man zusammen am Tisch
    sitzt u.ä. und dabei die Alltagskommunikation
    verwendet wird.
    Es ist ja ohnehin normal, dass man sich selbst in
    derselben Sprache verschieden ausdrücken kann. Das merkt ein Kind schnell.
    Nur wie gesagt wenn es um direkte Benennungen ein
    und derselben Sache geht, ist das anders.

    In einzelnen Fällen, wenn wir merken, dass unser
    Enkel in einer Sprache ein Wort gar nicht versteht,
    helfen wir "per Übersetzung": Papa sagt xxx, und Mama
    sagt yyy. Aber das soll Ausnahme bleiben, weil die
    Querverbindungen unter den Sprachen nicht wichtig
    sind. Perfekt lernt man jede Sprache nur als
    unabhängiges System, nicht als Abklatsch einer
    anderen.

    Das Wichtigste ist, dass Mama und Papa immer konsequent
    nur bei ihrer eigenen Sprache bleiben. Durch die
    automatische Zuordnung zu einer Person, bleibt eine
    Sprache als eigenes System erkennbar. Das verhindert
    Mischungen, die übrigens normalerweise selten
    und dann auf Einzelbegriffsebene vorkommen.

    Denken Sie auch daran, dass die eigentliche Muttersprache
    die der Umgebung wird. Wenn Ihr Kind in etwa 1 Jahr
    urplötzlich nur noch in der Umgebungssprache antwortet,
    ist das völlig normal.
    Sobald dann später Verwandte auftauchen, die Spanisch,
    aber kein Deutsch können, aktiviert das Kind seine
    bisher nur passiven Kenntnisse in kürzester Zeit.

    Viele Erfolg weiterhin,
    Rudolf Fischer

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Zweisprachige Erziehung

      Hallo Herr Rudolf,

      vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Wir werden Ihren Rat gerne beherzigen. Ich war mir wegen der Querverbindungen unsicher. Es ist aber gut zu wissen, dass diese unwesentlich sind. Wahrscheinlich denken wir dabei noch zu oft an das Fremdsprachen lernen ;)

      Marco hat den Vorteil, dass wir zweimal im Jahr zu seiner Oma und seinem Cousin nach Spanien reisen. Dort versteht man kein Deutsch. Außerdem sprechen wir zuhause als Familiensprache Spanisch.

      Wir hoffen jedenfalls, dass es weiterhin gut klappt. Langsam lernt er, die Sprachen uns zuzuordnen, aber das funktioniert natürlich noch nicht immer.

      Man sagt ja immer, dass zweisprachig aufwachsende Kinder später mit dem Sprechen anfangen, aber Marco hat schon recht früh drauflos geplappert und macht inzwischen schon 2-Wört-Sätze.

      Nochmals vielen Dank
      Elke Fernandez [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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