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Re: Zweisprachige Erziehung
Liebe Frau Fernández,
dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt, denn inzwischen haben wir ein Enkelkind von 2 Jahren, und da erlebe ich dieselbe Situation.
Ich würde davon abraten, wirklich gleichzeitig das Bilderbuch durchzugehen. Ähnlich in anderen Situationen, in denen Begriffe quasi geübt werden.
Was anderes ist es, wenn man zusammen am Tisch
sitzt u.ä. und dabei die Alltagskommunikation
verwendet wird.
Es ist ja ohnehin normal, dass man sich selbst in
derselben Sprache verschieden ausdrücken kann. Das merkt ein Kind schnell.
Nur wie gesagt wenn es um direkte Benennungen ein
und derselben Sache geht, ist das anders.
In einzelnen Fällen, wenn wir merken, dass unser
Enkel in einer Sprache ein Wort gar nicht versteht,
helfen wir "per Übersetzung": Papa sagt xxx, und Mama
sagt yyy. Aber das soll Ausnahme bleiben, weil die
Querverbindungen unter den Sprachen nicht wichtig
sind. Perfekt lernt man jede Sprache nur als
unabhängiges System, nicht als Abklatsch einer
anderen.
Das Wichtigste ist, dass Mama und Papa immer konsequent
nur bei ihrer eigenen Sprache bleiben. Durch die
automatische Zuordnung zu einer Person, bleibt eine
Sprache als eigenes System erkennbar. Das verhindert
Mischungen, die übrigens normalerweise selten
und dann auf Einzelbegriffsebene vorkommen.
Denken Sie auch daran, dass die eigentliche Muttersprache
die der Umgebung wird. Wenn Ihr Kind in etwa 1 Jahr
urplötzlich nur noch in der Umgebungssprache antwortet,
ist das völlig normal.
Sobald dann später Verwandte auftauchen, die Spanisch,
aber kein Deutsch können, aktiviert das Kind seine
bisher nur passiven Kenntnisse in kürzester Zeit.
Viele Erfolg weiterhin,
Rudolf Fischer