Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?

Von: , 16.06.2010 12:02 Uhr

Soll die Kirche überhaupt in der Politik mitmischen?
Wie seht ihr die Rolle der Kirche in der Politik?
Wie weit muss sie gehen - wie weit darf sie gehen?

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
    Re: Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?

    Soll die Kirche überhaupt in der Politik mitmischen?
    Wie seht ihr die Rolle der Kirche in der Politik?
    Wie weit muss sie gehen - wie weit darf sie gehen?
    Meine Antwort:
    1. Der Staat sollte sich aus der Kirche grundsätzlich raushalten. Dies betrifft auch den Wegfall der Einziehung der Kirchensteuer.
    2. Der Staat sollte jedoch die grundlegende Einhaltung unserer abendländischen christlichen Kultur überwachen.

  2. Antwort von nach 461 Tagen 0 hilfreich
    Re: Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?

    Guten Tag,
    Kirche und Staat sind deutlich zu trennen. Der laizistische Staat ist mit Nachdruck zu verwirklichen
    Kirche und Religion sind Privatangelegenheiten und haben sich in Politik nirgendwo einzumischen.

    Ich bin Politikwissenschaftler, habe zudem Jura und - tatsächlich auch (zu lange)Theologie! studiert.

  3. Antwort von nach 469 Tagen 0 hilfreich
    Re: Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?


    Soll die Kirche überhaupt in der Politik mitmischen?
    Wie seht ihr die Rolle der Kirche in der Politik?
    Wie weit muss sie gehen - wie weit darf sie gehen?
    Jede gesellschaftliche Gruppierung, und als solche sehe ich die Kirche/Religion, sollte Einfluss auf die Politik nehmen. Ich habe vor ein Paar Tagen eine These von Richard David Precht im Fernsehen darüber gehört: "Unsere Kultur, unsere moralischen/ethischen Werte, basieren im wesentlichen auf christlich/religiösen Lehren. Wenn dieser Einfluss vollkommen wegfallen würde, währe dieses Vakuum nicht zu füllen". Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nicht an Gott Glaube und keiner Religion angehöre. Aber was Herr Precht da sagt, stimmt meines Erachtens nach.
    Eine funktionierende Gesellschaft braucht Regeln, Werte und moralische Prinzipien, die von dem Großteil der Gesellschaft anerkannt und als richtig erachtet werden.
    Ich persönlich sehe die meisten Dogmen der Christlichen Kirchen eher kritisch. Aber die Werte die die Kirche seit viele Jahrhunderten vermittelt und in die Gesellschaft impliziert sind gegenwärtig nicht zu ersetzen. Abgesehen davon, Abgeordnete sind "Volksvertreter". Da ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft religiös mehr oder weniger engagiert ist, müssen auch diese Interessen vertreten werden. Ich finde Deine Frage interessant! Es ist zwar mittlerweile fast heuchlerisch, dass zwei deutsche Parteien ein "C" für angeblich christliche Werte im Perteilogo führen, aber trotz meines Atheismus muss ich den Einfluss der christlichen Lehren auf Moral und Werte anerkennen.
    Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig Inspiration liefern :-)
    Gruß
    Markus Bender

    • Antwort von nach 470 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?

      Vielen Dank für eure Antworten! Ich habe die Frage damals im Hinblick auf meine mündliche Abitursprüfung gestellt - die ist ja nun schon vorbei und wurde auch mit 1,0 bewertet, ich kann mich also nicht beklagen ;-)

      Dennoch find ich das Thema weiterhin sehr interessant und lese auch eure Antworten mit großem Interesse!

      @HPL: danke für deine Meinung! an dem "C" der Parteien merke ich nun auch nicht viel - da gibt es wohl andere Parteien, die viel mehr die christlichen Werte vertreten..... ;-)


      Hier ein Auszug aus der Prüfung damals - sozusagen meine Meinung ;-)


      Ein wichtiger Punkt ist die Meinungsfreiheit in Deutschland. Schließlich leben wir in einem freien Land, in dem jeder sich äußern darf. Meinungen wie diese, dass die Kirche sich ausschließlich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern soll und nicht das Recht hat, sich politisch einzumischen, sind allein deshalb falsch. Gerade eine Demokratie lebt ja von der Teilnahme aller – da darf niemand einfach so ausgeschlossen werden.

      Außerdem hat uns gerade die Vergangenheit gezeigt, dass niemand Wegschauen darf. Den Kirchen wird zu Recht vorgeworfen, dass zu viele Christen zu wenig gegen die nationalsozialistische Herrschaft und Gewalt unternommen haben. Sie haben sich also zu wenig politisch eingemischt und haben zu viel weggeschaut. Das darf nicht noch einmal vorkommen – schon allein deshalb sollte die Kirche Stellung zur Politik beziehen.

      Am Wichtigsten ist jedoch die Tatsache, dass die Kirche ein Teil der Gesellschaft in Deutschland darstellt – immerhin gehören auch heute noch über die Hälfte der Deutschen einer christlichen Konfession an.
      Es ist daher auch unmöglich, religiöses und weltliches Leben strikt zu trennen.
      Schließlich betrifft die Politik ja auch die Lebenswelt der Christen. Wenn die Kirche die Lebenswelt ihrer Gemeindemitglieder ernst nimmt, kommt sie gar nicht umhin, sich politisch einzumischen. Beispiel dafür ist zum Beispiel die Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

      Insgesamt hat also die Kirche allein von ihrem Auftrag und ihrer Stellung in der Gesellschaft her einen Öffentlichkeitsanspruch, den sie auch wahrnehmen sollte.
      Margot Käßmann sagte dazu folgendes“ „Ich finde es etwas völlig normales, dass eine Kirche sich zu gesellschaftlichen Fragen äußert – von ihrer biblischen Grundüberzeugung her, nicht als politische Partei“

      Und damit betont Margot Käßmann bereits eine Grenze bei der politischen Partizipation der Kirche.
      Die Kirche sollte vermeiden, sich einer bestimmten Partei unterzuordnen. Hier sollte klar die Trennung zwischen Kirche und Politik gezogen werden, die Kirche sollte überparteilich bleiben und weder nur eine Partei unterstützen, noch sich ausschließlich wie eine politische Partei verhalten.

      Daher sollte die Kirche auch keine politischen Programme formulieren oder politische Umsetzungsdetails diskutieren.
      Außerdem sollte die Kirche keinen Politischen Einfluss zugunsten einer Seite ausüben, sofern ihre Grundsätze mehrere politisch diskutierte Lösungen gleichermaßen zulassen.

      Vermieden werden sollten auch zu große Sonderrechte unter dem Deckmantel der Kirche. Ein zu großer oder zu direkter Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung ist kritisch, da das immer auch zur Benachteiligung von Nicht-Christen führen kann.
      Ein kirchlicher Amtsträger sollte immer auch darauf achten, dass seine Amtswürde durch die politische Partizipation keinen Schaden nimmt. Dies könnte beispielsweise geschehen, wenn sich die Person zu sehr auf politische Kleinigkeiten versteift und dabei ihren eigentlichen Auftrag – die Botschaft Jesu Christ weiterzugeben und umzusetzen – vernachlässigt.

      Günther Beckstein, Vize-Präses der EKD-Synode, sagt dazu folgendes: „Eine Bischöfin muss sicherstellen, dass ihr Amt nicht unter der politischen Einmischung leidet. […] Die Grenze ist erreicht, wenn es um "reine Tagespolitik" geht. Kirchliche Stellungnahmen etwa zu bestimmten Gebühren oder Steuern sind fehl am Platz.“

      Mein Fazit ist daher:
      Eine moderne Kirche, die für eine bessere Welt einsteht und sich für ihre Gemeindemitglieder einsetzt, darf, soll und kann sich der Politik nicht verschließen.
      Wichtig ist, dass die Kirche sich auf das Evangelium beruft und sich dafür einsetzt, dass Werte wie Frieden, Gerechtigkeit und Schutz des Menschen und der Natur auch heute ihre Beachtung finden und in der Politik umgesetzt werden.


      Ein interessanter Artikel hierzu (diente auch als Quelle):
      Dieter Hoß: „Kässmann und Afghanistan – Pazifistin unter Beschuss“ (findet sich leicht im Web)

      Mit freundlichen Grüßen,
      Melli

  4. Antwort von nach 594 Tagen 0 hilfreich
    Re: Soll die Kirche Einfluss auf die Politik nehmen?


    Soll die Kirche überhaupt in der Politik mitmischen?
    Wie seht ihr die Rolle der Kirche in der Politik?
    Wie weit muss sie gehen - wie weit darf sie gehen?
    Staat und Religion sind strikt zu trennen.
    Nach christlicher Auffassung ist das in der Bibel klar geregelt:
    1.
    Mein Reich ist nicht von dieser Welt!
    2.
    Gebt dem Kaiser, was des Kaisers
    und Gott, was Gottes ist.

    Diese Trennung kennt der Islam z.B. nicht.
    Hier ist Religion und Politik EINS!

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