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Re: Zahlen auf Rotwelsch?
Hallo Frau Lettmann,
Sie können geholfen werden! !-))
Rotwelsch-Papst Siegmund A. Wolf schrieb in seinem Wörterbuch des Rotwelschen (Mannheim, 1956):
"Ansätze zu einem eigenen Zahlwörtersystem finden sich nur in der Händlersprache von Breyell (dem Henese-Flick) und der Händlersprache von Mettingen, der Tiöttensprache.
- Breyell zählt:
2 = parz, 3 = troms, 4 = nothringskes, 5 = holf krütskes, 6 = spörkes, 7 = spörkes on ehn, 8 = spörkes on parz, 9 = spörkes on troms, 10 = krütskes, 11 = krütskes on ehn, 20 = parz krütskes, 50 = holf uhr, 100 = uhr, 1000 = krütskes uhr.
Mettingen zählt:
1 = êne, 2 = bêde, 3 = droimes, 4 = snêmans, 5 = mans, 6 = halv brüwel, 12 = brüwel, 100 = null(s), 1000 = trant nul.
Sonst werden die jiddischen Zahlwörter benutzt. Als Beispiel folgen sie hier in der Aussprache der Pfälzer Händler:
1 = oluf (jidd. ollef), 2 = bês, bais (jidd. bes), 3 = gimmel (jidd. gimmel), 4 = dolles (jidd. dollet) 5 = hê, hai (jidd. heh), 6 = fôf, fauf (jidd. wof), 7 = sain (jidd. sojin), 8 = achês(t) (jidd. chess), 9 = dess (jidd. tess), 10 jütt, juss (jidd. jud), 11 = juss ôluf (jidd. jud oleff), 20 = kaff (jidd. kapf), 30 = lames (jidd. lammed), 40 = mem (jidd. mem), 50 = nun (jidd. nun), 60 = samich (jidd.sammech), 70 = dichem (jidd. ajin; jidd. tichim = 90!) 80 = schwânem (jidd. schmonim), 100 = mem (jidd. meo; jidd. mem = 40!).
Bis auf den Circonflex musste ich die diakritischen Zeichen leider weglassen, da ich sie in diesem Textfenster nicht darstellen kann. Bei Bedarf schicke ich Ihnen aber gerne einen Scan des Artikels.
Auch Robert Jütte verweist in seiner Arbeit "Abbild und Soziale Wirklichkeit des Bettler- und Gaunertums zu Beginn der Neuzeit (Böhlau, 1988) auf dieses Phänomen: "Eigentümlich ist das in der niederdeutschen Ausgabe des liber vagatorum in Resten greifbare Zahlensystem, das von den in den späteren Rotwelsch-Quellen anzutreffenden jiddischen Zahlwörtern gänzlich verschieden ist" (S. 136f).
Wenn es ein wenig Zeit hat, kann ich auch noch den Artikel "Rotwelsche Zahlworte" besorgen, der 1902 in der Zeitschrift für deutsche Wortforschung erschienen ist.
Das liber vagatorum werde ich auch noch durchforsten, aber das dauert auch noch ein bisschen.
Jetzt erst einmal
Gajo Ratt
Dieter Paulshofen