Grammatikgewirr

Von: , 02.11.2010 14:38 Uhr

Hallo!

Ich formuliere gerade einen Text und stehe vor einem grammatikalischen Problem. Ich schreibe den folgenden Satz:

"(...) der beauftragt wurde ihn auszuspionieren, um dessen umfassende, tiefgreifende und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen."

Ich frage mich, ob es umfassende(n), tiefgreifende(n), verhängnisvolle(n) heißen muss.
So wie ich den Satz formuliert habe, klingt er für mich am sinnvollsten. Aber ist es nicht ein grammatikalischer Bruch, ein "n" an nur eines der Adjektive zu hängen?
Es handelt sich ja um Akkusative, also gilt die Probefrage "wen oder was?" Antwort: Ich nutze die umfassenden/ tiefgreifenden/ verhängnisvollen Erkenntnisse. Oder??

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann und mir eine Merkregel nennen könnte, damit ich ein solches Problem das nächste Mal zu lösen weiß.

Vielen Dank!

9 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Minuten 1 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo Levita,

    ich finde, die Frage, wo man ein n anhängt, gehört zu den schwierigsten. In diesem Fall aber ist zwar die Erklärung schwierig, das Ergebnis aber klar: kein n. Nirgends. Das liegt am Relativpronomen "dessen". Da ist es komischerweise anders als bei "die" und "seine" (Eselsbrücke: "dessen" hat ja schon ein n...) es wird plausibler, wenn man sich einen andern Satz baut: "ich stieg auf Herrn Ribbecks Baum, um dessen gelbE Birnen zu klauen" - "dessen gelben Birnen" würde niemandem einfallen. Ist aber die gleiche Konstruktion (auch wenn der Bezug unklar ist, die Birnen "gehören" ja nicht eigentlich dem Baum)!
    Gruß, Pervita

  2. Antwort von nach 39 Minuten 0 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hey,

    es muss wohl doch eher

    - der beauftragt wurde ihn auszuspionieren, um dessen umfassenden, tiefgreifenden und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen.-

    heißen.

    Erklärung:
    attributive Adjektive stimmenen mit dem Substantiv in Kasus, Numerus und Genus überein.
    Deshalb überall ein "n".

    Gruß

  3. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo,

    Im Satz handelt es sich um starke Deklination,also:umfassende, tiefgreifende und verhängnisvolle Erkenntnisse (ohne "n").

    mfg. Susanne

  4. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Ich formuliere gerade einen Text und stehe vor einem
    grammatikalischen Problem. Ich schreibe den folgenden Satz:

    "(...) der beauftragt wurde ihn auszuspionieren, um dessen
    umfassende, tiefgreifende und verhängnisvollen Erkenntnisse
    für sich zu nutzen."

    Ich frage mich, ob es umfassende(n), tiefgreifende(n),
    verhängnisvolle(n) heißen muss.
    Hey Levita,

    weil du "dessen" voranstellst, gleichen sich die Adjektive nicht mehr im Akkusativ an. Also: dessen umfassende, tiefgreifende und verhängnisvolle Erkenntnisse. Es klingt tatsächlich erstmal seltsam, aber die Endungen müssen einheitlich sein, wenn sich das "dessen" auf alle drei Arten von Erkenntnissen bezieht. Ohne "dessen" wären es "die umfassenden, tiefgeifenden, verhängnisvollen" Erkenntnisse.

    Gruß, Paula

  5. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo Levita,

    das ist aber auch ein Satz! Also, du hast schon mal recht, es handelt sich zwar um ein Genitivpronomen "dessen", aber es ist Akkusativ, weil "nutzen" als Verb im Finalsatz (um ... zu) benutzt wurde - und "nutzen" braucht ein Subjekt und ein Akkusativobjekt.

    Korrekt muss es heißen:

    "(...) der beauftragt wurde(,) ihn auszuspionieren, um dessen umfassende, tiefgreifende und verhängnisvolle Erkenntnisse für sich zu nutzen."

    Erklärung: Du hast einen Plural (Erkenntnisse) und KEINEN Artikel. Wenn man keinen Artikel benutzt, lautet die Pluralendung im Akkusativ -e.

    Wäre es ein bestimmter Artikel, hieße es so:

    "um die umfassenden, tiefgreifenden und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen."

    Genauso mit einem Possessivartikel, weil der Possessivartikel kein "Kasus-Signal" (also eine eigene Akkusativendung) hat:

    "um seine umfassenden, tiefgreifenden und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen."

    "dessen" gilt aber nicht als Artikel (weil es nicht zum Akkusativ gehört), deshalb gibt es keine -n-Endung.

    Das ist überaus kompliziert, deshalb bin ich froh, dass ich Muttersprachler bin und im Zweifelsfall instinktiv handeln kann ;) Hoffe, die Erklärungen sind klar!

  6. Antwort von nach 5 Stunden 1 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo Levita,
    es wird bei keinem der 3 Adjektive ein "n" angehängt, also: ..."um dessen umfassende, tiefgreifende und verhängnisvolle Erkenntnisse für sich zu nutzen."
    Da Du die "Erkenntnisse" ohne Artikel benutzt, ändern sich auch die Endungen, obwohl es sich hier um einen Akkusativ handelt:

    Akk. mit Artikel: die tiefgreifenden Erkenntnisse;
    ohne Artikel: tiefgreifende Erkenntnisse

    Anderes (simples) Beispiel:
    Ich sehe die alten Männer.
    Ich sehe alte Männer.

    Viele Grüße
    Klara

  7. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo Levita,

    eine genaue Quellenangabe für meine Antwort kann ich Dir leider nicht geben. Die Unterlagen, in die ich jetzt geschaut haben wollte, liegen mir zurzeit nicht vor. Ich würde den Satz so wie Du es auch für richtig empfindest formulieren: "(...) der beauftragt wurde ihn auszuspionieren, um dessen umfassenden, tiefgreifenden und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen."
    Hoffentlich kann Dir das jemand noch mit Quellenangabe bestätigen; es ist mein reines Bauchgefühl.

    Viele Grüße
    Rebecca

  8. Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo und Guten Abend!

    Ich denke, korrekt ist:

    "... der beauftragt wurde, ihn auszuspionieren, um dessen umfassende, tiefgreifende und verhängnisvolle Erkenntnisse für sich zu nutzen."

    Ob es eine Aufzählung von Adjektiven ist, ist hier ohne Belang. Man merkt es, wenn man den Satz mit jeweils nur einem der Adjektive für sich spricht. Mit jedem der Adjektive funktioniert es dann.

    Anders wäre es bei

    "... der beauftragt wurde, ihn auszuspionieren, um die umfassenden, tiefgreifenden und verhängnisvollen Erkenntnisse für sich zu nutzen."

    "die" und "dessen" führt hier zu unterschiedlichen Formen.

    Vielleicht klingt hier in unserer inneren Grammatik aber auch das Problem des Dativs bei z.B. den Konstruktionen "... sah sie in einem blauen Kleid ..." oder "... sah sie in blauem Kleid ..." mit.

    Hübsch ist es z.B. immer an der Käsetheke im Supermarkt: "... mit oder ohne Kräuter? ..." Das geht eben nicht zu klammern, da die Präpositionen halt unterschiedliche Kasus regieren.

    Ebenso bei "... vor und während der Verhandlungen ...".

    Eine benennbare Regel kann ich aber so leider auch nicht angeben, da müsste ich dann noch suchen. Ich schaue morgen noch mal nach.

    Eine gute Nacht sei Ihnen und den Ihren.



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    "(...) der beauftragt wurde ihn auszuspionieren, um dessen
    umfassende, tiefgreifende und verhängnisvollen Erkenntnisse
    für sich zu nutzen."

    Ich frage mich, ob es umfassende(n), tiefgreifende(n),
    verhängnisvolle(n) heißen muss.
    So wie ich den Satz formuliert habe, klingt er für mich am
    sinnvollsten. Aber ist es nicht ein grammatikalischer Bruch,
    ein "n" an nur eines der Adjektive zu hängen?

  9. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Grammatikgewirr

    Hallo Levita

    Laut Duden: "Mehrere Adjektive vor einem Substantiv werden parallel dekliniert".
    Nun steht da aber ein "dessen" vor dem Substantiv, was mMn die starke Deklination der Adjektive suggeriert und vermutlich für die "Alarmglocken" deines Sprachgefühls verantwortlich ist: im Plural Akkusativ / starke Deklination ist die Endung "-e"

    Quelle: Duden, Deutsche Grammatik - kurz gefasst, S. 31ff

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