Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

Von: , 11.01.2011 21:10 Uhr


Hallo liebe Gemeinschaft,

als 29 jähriger diplomierter Freiberufler in der IT-Branche habe ich mich bewusst noch nicht auf ein festes Beschäftigungsverhältnis eingelassen. Dies hat sicherlich seine Vor-und Nachteile.

Aus aktuellen Anlass - eine Gründung einer Gesellschaft - benötige ich jedoch zur Bewahrung meiner Liquidität einen Kredit.

Daher interessiert mich, auf welche Weise eine Bonitätsprüfung bei Freiberuflern stattfindet und welche Dinge ich unbedingt beachten muss. Evtl. haben ein paar Finanzexperten ein paar hilfreiche Tipps für Menschen wie mich, die sich mit dieser Materie bisher nicht auskennen.

(Leider) hatte ich bisher noch nie einen Kredit in Anspruch nehmen müssen und selbst einen Dispo kennt mein Girokonto nicht (da nie benötigt).

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Minuten 0 hilfreich
    Re: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

    hallo,

    das wird sicher nicht einfach eine bank zu finden die einen kredit an freiberufler vergibt, das mal vorab...
    bin selbst bänkerin.
    es wird die schufa abgefragt, die akt. einkommensverhältnisse/ steuerbescheide, usw. und es werden abfragen bei der crefo (creditreform) gemacht..


    viel glück und erfolg
    grüße
    sandra

    • Antwort von nach 21 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

      Hallo Sandra,

      vielen Dank für die Auskunft. Negative Schufa- oder crefo-Einträge kann es nicht geben, da ich bisher niemals auch nur eine Rechnung nicht termingerecht gezahlt habe. Das hilft aber in diesem Fall nicht wirklich weiter?

      • Antwort von nach 28 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

        hallo,

        viele banken wollen einfach das riskiko nicht eingehen.
        aber auf jeden fall versuchen. dann weißt du auch was sie so prüfen/ sehen wollen!

        keine negativ-einträge sind schonmal ein guter anfang :-)

        grüße

        • Antwort von nach 36 Minuten 0 hilfreich
          Re^4: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

          Es gibt ja seit 1-2 Jahren die Möglichkeit, sich 1x/Jahr eine Schufa-Auskunft gratis einzuholen. Dies habe ich auch getan. Leider kann ich die vielen Zahlen nicht interpretieren. Der niedrigste Prozentsatz liegt bei 97%, sonst 98 oder 99,x%. Welche Spalte und Zeile (sofern eine Auskunft immer gleich aufgebaut ist) würde eine Bank in diesem Fall besonders viel Wert legen?

  2. Antwort von nach 23 Minuten 0 hilfreich
    Re: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

    Hallo,
    ich empfehle Ihnen, bei der Bank Ihres Vertrauens einen Existenzgründungsberater zu konsultieren. Dieser kann Ihnen Mittel und Wege aufzeigen, wie man sich selbständig machen kann mit entsprechenden Förderdarlehen (sind günstiger als normale Bankdarlehen). Ansonsten wird bei Freiberuflern auch das Vermögen und die Verbindlichkeiten geprüft; beides ist entsprechend zu dokumentieren und ggf. mit Nachweisen zu belegen. Eine Schufa wird eingeholt werden.Desweiteren wird geprüft, inwieweit Kapitaldienstfähigkeit gegeben ist, d.h. alle Einnahmen (falls schon vorhanden) und Ausgaben werden gegenüber gestellt. Wenn Sie sich neu selbständig machen, werden Sie einen Businessplan aufstellen müssen.Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen. Bei weiteren Fragen schreiben Sie bitte einfach nochmal. Alles Gute für Sie! Verena K.

    • Antwort von nach 32 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

      Auch hier vielen Dank für die schnelle Antwort.

      Einnahmen sind bereits seit Jahren vorhanden. Selbst während meines Studiums hatte ich ein vierstelliges Nettoeinkommen, das ich mit durch die zu der Zeit ebenfalls ausgeübte freiberufliche Tätigkeit verzeichnen konnte. Stehen die "Vorzeichen" für einen kleinen 5-stelligen Kredit in diesem Fall aus der Erfahrung her gut? Ich habe leider hier keine Einschätzung.

      • Antwort von nach 37 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

        Gerne.
        Das kann ich so nicht beantworten; 4-Stelliges Nettoeinkommen können nur EUR 1000,00 p.m. sein und der Darlehensbedarf EUR 99.000,00, wenn 5-stellig. Dann funktioniert es wahrscheinlich nicht. Das Gesamtbild muss passen. Es wird immer materielle und persönliche Kreditwürdigkeit geprüft. Allerdings erscheinen mir die Rahmenbedingungen (bisher keine Verbindlichkeiten, immer Geld verdient) sehr gut. Bitte einfach zu einer Bank gehen und im persönlichen Gespräch alles besprechen. Alles Gute!

  3. Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
    Re: Wie funktioniert Bonitätsprüfung bei Freiberuflern

    Antworten:
    Ein Freiberufler ist ein nicht abhängig Beschäftigter,
    ist also sein eigener Chef.
    Normalerweise ein gern von Banken gesehener Kunde.

    Credere = Vertrauen. Die Bank muß Dir also vertrauen,
    vertrauen, dass Du den Kredit auch bedienen kannst.
    Daher prüft Sie Deine sogenannte Bonität, oder sagen wir anders, Sie macht eine KREDITBEURTEILUNG, prüft u.a. auch Deinen Leumund.
    Unterm Strich mußt Du soviel verdienen, dass nach Abzug der Betriebskosten, Einkommensteuer, Privatversicherungen etc. und Lebenshaltungskosten eine so hohe schwarze Zahl bleibt (Liquidität), mit der der Kredit mit Zinsen/Tilgung bezahlt werden kann, besser noch, eine noch größere schwarze Zahl, damit Du Liquidität hast, also Unvorhergesehens bezahlen kannst.

    Die Bank lässt sich vorlegen:
    Einkommensteuererklärung/en
    Einkommensteuerbescheid/e,
    Vermögen- und Schuldenaufstellung (mit Nachweisungen über die dort stehenden Posten, z.B. LV-Police, Grundbuchauszug, Guthabenskontoauszüge, Depot-/Kurswertaufstellung für Wertpapiere usw.)
    Bilanz, falls Du bilanzierst, wenn Du nicht bilanzierst, wirst Du nach EStG eine EÜR machen =
    Einnahmen-/Überschussrechnung.
    Aus letzterer ist zu ersehen, welche Betriebskosten und welche Umsätze Du machst, wie hoch Deine Abschreibung (= AfA, nicht ausgabewirksamer Aufwand, sogenannter "Tilgungsfaktor für Kredite")ist und wie hoch der Gewinn ist. Gewinn und AfA zusammengezählt nennt sich Brutto-Cash-Flow. Ziehst Du Deine Privatentnahmen vom Gewinn ab, dann bleibt der Netto-Cash-Flow (Kassenfluss), also, das was unterm Strich
    (vor Zahlung Einkommensteuer) überbleibt.
    Ist die letzte EÜR-Rechnung schon etliche Monate alt, wird man vielleicht auch nach der BWA fragen (Betriebswirtschaftliche Auswertung, die normalerweise monatlich vom Unternehmer oder von seinem Steuerberater gefahren wird / DATEV Nürnberg).
    BWAs sind der EÜR ähnlich, aber unterjährig.
    Damit hat die Bank sehr zeitgerechte Nachweisungen.

    Mit diesen Unterlagen erfolgt ein sogenanntes "Rating", welches eine bestimmte Punktezahl ausweist.
    Reichen die Punkte, bekommst Du den Kredit.

    Aber die Bank wird Dich auch nach Sicherheiten fragen.
    (Grundschulden beim Immobilien, Abtretung Lebensversicherung, Abtrertung Risikoversicherung, Bürgschaft von solventen Personen usw.).

    Deine Schufa-Auskunft (siehe: www.meineschufa.de) muß sauber sein (ohne Negativvermerke).

    Dein Einkommen sollte einigermaßen regelmäßig sein. Kreditnehmer, die mal 2 Monate was verdienen, dann 6 Monate nichts, mag eine Bank weniger).

    Wenn Du selbständig bist, mußt Du unbedingt auf Deine Liquidität achten, also LLL = Liquidität, Liquidität, Liquidität.
    Denn wenn Du keine Liquidität hast, bist Du schnell in der Insolvenz. Also finanziere niemals Anlagevermögen (Einrichtung, Büro, betriebl. KFZ usw.) mit kurzfristigen Mitteln, sondern mittel- bis langfristig, je nach wirtschaftlicher Lebensdauer des Gutes.

    Die Bank will von einem Unternehmer etliches wissen, so z.B. auch einen Bericht über den Stand des Unternehmens, will wissen, ob der Unternehmer kaufmännisch gut drauf ist. Es hilft nicht, nur der gute Techniker zu sein und vom Bürokram und Betriebswirtschaft keine Ahnung zu haben.
    Dann macht ein Unternehmer Fehler, die ihn seine Existenz kosten können.
    Das will ein Kreditgeber vermeiden.
    Man muß sich also gut "verkaufen". Aber bitte absolut ehrlich bleiben, keine großspurigen Phrasen bringen.

    Versprich der Bank nur das, was Du 100%ig halten kannst (auch in der späteren Kreditbeziehung), ansonsten hast Du schnell das Vertrauen der Bank verloren. Die lässt Dich später dann den Kontokorrentkredit nicht überziehen, wenns mal enger wird, es sei denn die von Dir gegebenen Sicherheiten sind bombig.
    Wenn Du etwas nicht versprechen kannst, artikuliere Dich entsprechend anders.

    Der Banker will sehen, ob Du was von Deiner Branche verstehst und mit den Gedanken (Investitionen/ die Art und Weise, wie Du Deinen Selbständigen-Job meistern willst) immer im Bereich der Realität stehst.

    Es gibt zu viele Spinner, Leute die viele Dinge beginnen und selten zu Ende bringen. Manchmal sind bei den Genannten kluge Köpfe dabei, können aber Verschiedenes nicht richtig umsetzen.
    IT ist eine schnell-lebige Branche. Wichtig ist, dass Du der Bank auch erklären kannst, dass Du vielseitig
    und beweglich bist.

    Wichtig ist, für wen Du arbeitest. Dieser "Wen" muß zahlungskräftig sein. Wenn Du nach und nach "Debitoren" hast (Forderungen an Auftraggeber), die zweifelhaft werden (Du kriegst Dein Geld nicht rein)
    hast Du schnell ein Liquiditätsproblem und vermutlich schon zum ersten mal Krach mit Deiner Bank.
    Also: lieber einen Auftrag nicht annehmen, wenn Du weißt, dass Dein Auftraggeber zahlungsschwach ist.

    Wenn Du eine Existenzgründung vor hast, gehe zum Steuerberater. Der ist Experte in solchen Dingen.
    Du brauchst ein schlüssiges Konzept, eine Finanzierungsdarstellung und eine künftige Soll-Rechnung, also die Schätzung Deiner Einnahmen, Ausgaben, Erträge für die nächsten 2, 3 oder 4 Jahre.
    Da kann ein Steuerberater sehr hilfreich sein.
    Aber gehe zu einem guten.
    Achte darauf, die richtigen Compagnons, mit der Du eine Firma aufmachst, auszuwählen. Streit ist schnell
    im Hause, das kann teuer werden.
    Vor allem achte auf wasserdichte Verträge, die Eventualitäten auschließen und Deine Seite ausreichend berücksichtigen. Hier helfen Steuerbereater / Notare.

    Das wärs mal im Groben. Wenn Du noch Detailfragen hast, gerne.

    Grüsse
    Bracco

    Jetzt auf diese Frage antworten.