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Re: Einen Bericht zum Verhalten von Kindern
Hallo Aileen,
es ist ein sehr schwieriges und anspruchsvolles Thema, das Du dort bearbeiten mußt (darf ich eigentlich Du sagen?)
Es ist bei der Fragestellung nicht klar, welche Altersgruppe von Kindern gemeint ist, in welchem sozialen Milieu diese aufwachsen, wie oft sie selber Gewaltszenen (z.B. auf dem Pausenhof oder im Wohnviertel) ausgesetzt sind bzw. wie oft sie mit gewaltbereiten Menschen in Kontakt sind etc.
Ich denke, es wird keine pauschale Antwort geben, denn es ist zum Einen davon abhängig, wie alt und verständig das Kind ist, wie die Gewalt im Fernsehen dargestellt wird (Echtverfilmung oder Trick - Trick erlaubt seltsamerweise den Kindern eine gewisse Distanz zum Geschehen) und zum Anderen davon, ob das Kind diese Szenen alleine, in der Gruppe mit anderen Kindern oder sogar mit Erwachsenen sieht - und vor allem wie häufig. Es gibt Szenen in Filmen, die laut FSK für Kinder zugelassen sind, bei denen ich bei meinem Sohn (bald 9 Jahre) Erklärungen abgeben muß, daß es sich dabei um Stuntleute handelt und daß für den Film getrickst wird, weil ich merke, daß er angespannt reagiert und die Stirn kraus zieht. Für mich ein untrügliches Zeichen, daß er sich sehr stark mit dieser Szene beschäftigt. Die Tatsache, daß es Gewalt auf der Welt gibt, wird man den Kindern nicht verheimlichen können - aber Kinder verlieren ihre Unbeschwertheit, wenn sie sich über solche Dinge den Kopf zerbrechen müssen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß mein Sohn mit Angst reagiert, wenn er zufällig Gewaltszenen im Fernsehen gesehen hat, was teilweise ja in den Nachrichten nicht zu vermeiden ist (Demonstrationen, Kriegsbilder etc.). Wir reden dann darüber, aber ich beobachte manchmal, daß er zum Beispiel ungerne alleine oben in seinem Zimmer ist, während ich vielleicht unten in der Küche zu tun habe oder daß er ungerne alleine in den Keller geht, um z.B. Getränke zu holen.
Generell würde ich bestätigen, daß häufige und regelmässig gesehene Gewaltszenen im Fernsehen negative Auswirkungen auf Kinder haben, egal in welchem Alter sie sind. Die Jüngeren reagieren mit Angst, die Älteren tun es cool ab, lassen sich diese Bilder aber im Kopf rumgehen und ich denke, es ist dann sehr stark vom Sozialniveau des Kindes abhängig, ob er seine ureigene Hemmschwelle in einer für ihn brenzligen Situation ablegt und selber brutal wird. Wer Kinder beobachtet, die sich raufen/prügeln, wird in den Gesichtern immer auch eine Anspannung bemerken, weil jedes dieser Kinder damit eine innere Grenze überschreitet, wobei ich hier nicht von stadtbekannten Wiederholungstätern im jugendlichen Alter spreche, die eine gewisse Abgebrühtheit an den Tag legen. Als Vorsitzende des Schulelternrats einer Förderschule für soziale und emotionale Förderung habe ich leider viel zu oft Gelegenheit, solche Situationen zu beobachten. Da werden teilweise Szenen aus Filmen nachgestellt, weil man diese so cool fand ... und weil diese Kinder eben oft nicht Herr ihrer eigenen Gefühle sind, wird es dann schnell kritisch.
An Deiner Stelle würde ich mir eine der in Frage kommenden Zielgruppen (gutes häusliches Klima oder eben vernachlässigtes Kind im sozialen Brennpunkt auf der Suche nach Bestätigung und Anerkennung) aussuchen, um dann das Thema mit Fallbeispielen zu untermauern.
Übrigens üben Themen wie Gewalt, Kampf, Krieg etc. auf Kinder in einem gewissen Alter (8 - 10 Jahre) ein enormes Interesse aus, was aber bei "gesunden" Kindern in Spielszenen aufgegriffen und "abgearbeitet" wird. Es ist die Suche nach der eigenen Identität (deutliche Abgrenzung von Jungen zu Mädchen ab einem Alter von ca. 8 Jahren). Selbst Geräusche wie von Kanonen, Maschinengewehren und Ähnlichem brauchen hier keine Panik auszulösen, denn Spielen ist die Arbeit des Kindes. Ein Kind, das in einer ausgeglichenen Umgebung aufwächst, sich mit seinen Sorgen und Kümmernissen nicht alleine gelassen fühlt, wird von einer gelegentlichen Gewaltszene im TV nicht gefährdet. Und wer sich das Spielzeug für diese Altersgruppe anschaut - egal, ob von Playmobil und/oder LEGO - da sind Piraten, Soldaten und Kämpfer jeder Art zu finden. Alleine das Waffenarsenal meines Sohnes für seine Playmobil-Wikinger ist beachtlich.
Wünsche Dir viel Erfolg und hoffe, daß ich ein wenig Denkanstöße geben konnte.
Schöne Grüße,
Sabine