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Re: neuapostolische kirche sekte
Hallo Bruder,
ja gerne möchte ich dir helfen, habe gleich meinen Bischof gemailt, welcher auch schon geantworte hat und eine offizielle Stellungnahme der Kirche zur Hand hat, aus dem Jahr 2000. Ich hoffe es hilft dir etwas, würde mich freuen von dir zu hören! Viele Grüsse von der dänischen Grenze!!!
Sören
Lehre und Erkenntnis Seite 1 von 7
Neuapostolische Kirche - eine Sekte?
Einleitung
Nicht selten erlebt man, dass ein neuapostolischer Christ, der sich zu seinem Glauben bekannt hat, mit der Frage konfrontiert wird: "Ist das auch so eine Sekte?" Der Gesprächspartner kennt unsere Kirche nicht oder weiß nichts Rechtes mit ihr anzufangen. Vielleicht hat er aus der Medienberichterstattung einige negative Schlagzeilen mitbekommen. Dann fällt der Begriff "Sekte"; man fühlt sich unangenehm berührt, weil dieser Begriff äußerst negativ besetzt ist. Wie negativ das "Sektenimage" ist, belegt z. B. die Tatsache, dass sich in einer Mitte der 90er Jahre durchgeführten Umfrage eines Fernsehsenders (SAT1) 80 % der Anrufer für ein Verbot der Sekten ausgesprochen haben.
Das Thema erlangte in Europa eine besondere Bedeutung durch eine Entschließung des Europa-Parlaments zum Thema Sekten, infolgedessen in mehreren Ländern sich Ausschüsse der Parlamente mit der Problematik beschäftigten. So wurde in der Bundesrepublik Deutschland am 9. Mai 1996 eine Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages gebildet. In dem über 230 Seiten starken Endbericht der Enquete-Kommission ‘Sogenannte Sekten und Psychogruppen’ wird die Neuapostolische Kirche lediglich zweimal erwähnt, einmal im Zusammenhang mit einer nicht veröffentlichten Forschungsarbeit und ein zweites Mal mit der Angabe der Mitgliederstärke. Vertreter unserer Kirche wurden nicht in die Anhörungen einbezogen. (Drucksache 13/10950, Deutscher Bundestag - 13. Wahlperiode: Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen", Bonn 1998).
Die Reaktionen auf den Abschlussbericht der Kommission waren in den Medien und bei Fachleuten uneinheitlich. Eine scharfe Kritik an der Verfahrensweise und dem Abschlussbericht erschien in der "Zeitschrift für Rechtspolitik". Der Kölner Jurist Martin Kriele wandte sich in dem Artikel "Die rechtspolitischen Empfehlungen der Sektenkommission" gegen offenkundige Unsachlichkeit. Er schrieb von "Bedrohtheitsvorstellungen" in der Bevölkerung von den Sekten her, die von "den Sektenbeauftragten mit Hilfe ihres langen Arms in der Publizistik" erzeugt worden seien, spricht von der "Unverantwortlichkeit des agitatorischen Treibens unserer Sektenbeauftragten und ihrer publizistischen Helfer." (M. Kriele, Themen der Zeit - Die rechtspolitischen Empfehlungen der Sektenkommission, in: Zeitschrift für Rechtspolitik Bd. 31 Heft 9, München 1998, S. 349 ff.).
Im Rahmen dieses Artikels können wir keine umfassende Darstellung der gesamten Problematik geben, sondern lediglich in das Thema einführen, um Hilfestellung zur Einschätzung und zum Umgang mit dem Sektenvorwurf zu bieten. Eins aber sei aus unserer Einschätzung vorweg gesagt: Der im heutigen Sprachgebrauch verwendete Begriff "Sekte" wird polemisch verwendet und ist daher dem sachlichen Dialog hinderlich.
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Herkunft des Begriffs "Sekte"
Das oft gebrauchte Wort "Sekte" ist ein vielschichtiger und schwammiger Begriff. Um uns ihm etwas zu nähern, ist es zunächst notwendig, die sprachliche Entwicklung kurz nachzuvollziehen. Wurzeln des Wortes sind
1. das lateinische Substantiv von "sequi" (= nachfolgen) "secta" (= philosophische Lehre, Richtung, Schule, befolgter Grundsatz). Man bezeichnete damit wertneutral eine philosophische, religiöse oder politische Richtung.
2. das ebenfalls lateinische Wort "secare" (= abschneiden). Zwar ist die häufig anzutreffende Ableitung des Begriffs Sekte von secare sprachwissenschaftlich unrichtig. Dieser Sinn "Abtrennung, Abspaltung" hat sich aber mit dem ursprünglichen vermischt und wirkt mit in die umgangssprachliche Verwendung des Wortes Sekte hinein.
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Sekte - der Begriff in der Bibel
In der Bibel taucht der Begriff "Sekte" auch auf. Er geht auf den griechischen Begriff "hairesis" zurück. Davon hat sich später das Wort "Häresie" entwickelt, worunter man eine Irrlehre in Abweichung von der Kirchenlehre verstand. Um die Bedeutungsweite des Begriffs zu erfassen, übersetzen modernere Fassungen der Bibel das Wort mit "Gruppe, Partei, Richtung".
In Apostelgeschichte 5, 17 wird die jüdische Glaubensrichtung der Sadduzäer als Sekte bezeichnet, in Apostelgeschichte 15, 5 und 26, 5 die Richtung der Pharisäer. Dabei ist das Wort nicht abwertend gemeint.
Apostel Paulus verteidigte sich einmal mit den Worten: "Das bekenne ich aber dir, dass ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, dass ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten" (Apostelgeschichte 24, 14). Er versuchte also, den Vorwurf mit den heiligen Schriften der Juden zu entkräften. In Apostelgeschichte 28, 22 lesen wir von Juden, die sich bei Paulus über das Evangelium Christi informieren wollten. Sie sagten: "Doch wollen wir von dir hören, was du hältst; denn von dieser Sekte ist uns kund, dass ihr wird an allen Enden widersprochen." - Die Tatsache, dass der Lehre der Apostel "an allen Enden" widersprochen wurde, ändert nichts an ihrem Wahrheitsgehalt.
In 2. Petrus 2, 1 geht es darum, die Gemeinde Christi vor Irrlehren und Irrlehrern zu bewahren: "Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die nebeneinführen werden verderbliche Sekten und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat ..." Hier war das Motiv zur "Sektenschelte" uneigennützig und lauter, begründet allein in der Sorge um die Reinhaltung des Evangeliums.
Den Herrn verleugnen - wie sähe es aus, wenn dieses Kriterium zur Beurteilung angewendet würde, ob eine Gemeinschaft Kirche oder Sekte sei? Die Glaubenslehre der Neuapostolischen Kirche ist eindeutig ein christliches Bekenntnis! Es heißt im 2. Glaubensartikel: "Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben, begraben, eingegangen in das Reich der Entschlafenen, auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er wiederkommen wird." All das glauben wir ohne Abstriche, ohne den einen oder anderen Teil dieser Glaubenswahrheiten symbolisch zu deuten. Wenn aber die biblisch eindeutig bezeugten Glaubenssätze von der Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist und ohne Zutun eines Mannes, seiner Geburt durch die Jungfrau Maria oder seine tatsächliche Auferstehung nicht mehr geglaubt werden, wenn Jesus Christus nicht mehr als der wahrhaftige Sohn Gottes gesehen wird, dann liegt darin nach unserem Glaubensverständnis eine Verleugnung des Herrn vor. Gleiches gilt, wenn die Naherwartung des Wiederkommens Christi verneint wird.
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Heutige Verwendung des Wortes "Sekte" - Zuordnungskriterien
Im heutigen Sprachgebrauch ist Sekte wie bereits erwähnt keineswegs mehr wertneutral, sondern weist eine deutlich negative Tendenz auf. Daran ändert auch die nicht wertende Herkunft und die wertfreie religionswissenschaftliche Verwendung des Begriffs nichts. Äußerungen von Fachleuten der Evangelischen und Katholischen Kirche ist zu entnehmen, dass man sich der Uneinheitlichkeit und des diffusen Inhalts des Wortes "Sekte" bewusst ist. So gibt der protestantische Autor der beiden Artikel über Sekten im "Evangelischen Staatslexikon" und im "Theologischen Handwörterbuch", Hans-Diether Reimer, in einer Ausarbeitung unumwunden zu: "Wir sind hinsichtlich des heutigen Sektenbegriffes ja noch im Schwimmen, zumal im wissenschaftlichen Bereich das Wort sehr unterschiedlich verwendet wird." (in: Neue Kultbewegungen und Weltanschauungsszene 2, Mönchengladbach o. J., S. 114). Der Abschlussbericht der erwähnten Enquête-Kommission stellt fest, dass in der Umgangssprache der Begriff "Sekte" äußerst façettenreich ist und zudem immer mehr ausgeweitet wird. Die Kommission empfiehlt, den Sektenbegriff nicht ins Staatsrecht aufzunehmen: "Eine staatsrechtliche Einführung des geschichtlich belasteten Sektenbegriffes birgt vor allem aber die Gefahr oder Tendenz in sich, über den Begriff der ‘Sekte’ die Religionsfreiheit aufzuheben oder zu beschränken." (vgl. Endbericht der Enquete-Kommission, a. a. O., S. 21). Die großen christlichen Kirchen legten für die Bestimmung einer Gemeinschaft als "Sekte" unterschiedliche Zuordnungskriterien an. Als Charakteristikum einer "Sekte" galt in der Vergangenheit unter anderem
a. die geringe Zahl der Mitglieder einer Gemeinschaft; die Kirche wäre demnach die zahlenmäßig größere.
b. die Abspaltung von einer bestehenden "etablierten" Kirche; (Anmerkung: das Christentum wäre demnach ursprünglich die Abspaltung vom Judentum, also eine jüdische Sekte, die lateinische [Römisch-Katholische] und griechische [Orthodoxe] Kirche sähen einander gegenseitig als Abspaltung von der ursprünglichen christlichen Kirche; der Protestantismus wäre eine katholische Sekte).
c. das Motiv des Protestes gegen eine wohlhabende, verweltlichte Kirche.
d. die fehlende staatliche Anerkennung.
e. abartiges, krankhaftes Denken.
f. der exklusive Heilsanspruch.
g. die autoritäre Führung der Gemeinschaft.
h. die Berufung auf außerbiblische Schriften oder Quellen, die neben der Heiligen Schrift als verbindlich für die jeweilige Lehre gelten.
i. die Abweichung der Lehre von den Glaubensbekenntnissen aus der Frühzeit des Christentums.
Indessen steht heute fest, dass all die angeführten Zuordnungskriterien nicht hinreichen, um Sekten von Kirchen zu unterscheiden. Was jeweils als "Sekte" deklariert wird, lässt sich letzten Endes nicht anhand objektiver und nachprüfbarer Punkte bestimmen.
Mit Blick auf unsere Kirche erübrigt sich eine Stellungnahme zu den unter a) bis e) angeführten Zuordnungskriterien. Beziehen wir in aller Kürze Position zu den unter f) bis i) genannten Merkmalen:
• Der exklusive Heilsanspruch: Die Lehre Jesu verknüpft das Heil untrennbar mit der Person Christi (vgl. Johannes 8, 24). So sagte Apostel Petrus: "Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden" (Apostelgeschichte 4, 12). Auf die Frage, ob unser Glaubensweg der einzig richtige sei, antwortete unser Stammapostel: "Aufgrund der Überlieferung der Heiligen Schrift können wir bezeugen, dass das Evangelium, so wie es in der Neuapostolischen Kirche verkündigt wird, in allen Stücken der Lehre des Herrn Jesus entspricht und biblisch begründet werden kann. Wer auf diesem Weg wandelt und die von Jesu verordneten Sakramente empfängt und treu bleibt, wird das Glaubensziel erreichen. Wie Gott seine Beziehung zu Menschen anderer Religionen und Glaubensrichtungen, die auch geglaubt, gebetet und geopfert haben und auf ihre Weise nachgefolgt sind, gestalten wird, überlassen wir seiner unantastbaren Gerechtigkeit, in der es auch für die anderen Menschen eine Erfüllung geben wird." Außerdem sei angemerkt, dass es seit jeher Bestandteil unserer Lehre ist, dass im Friedensreich allen Menschen, die je gelebt haben, Gelegenheit gegeben wird, sich zu Christo zu bekennen.
• Die autoritäre Führung der Gemeinschaft: Wir haben in unserer Kirche eine klar gegliederte Amtshierarchie und bekennen uns dazu, dass das Apostolat mit dem Stammapostel als Haupt der Apostel in Glaubensfragen als höchste Autorität geachtet wird. Alle Amtsträger sollen zwar Autoritäten sein, aber nicht autoritär führen. Die kirchliche Autorität der Amtsträger soll in Liebe, Gerechtigkeit und beispielhaftem Vorleben ausgeübt werden. Gegenseitige Achtung, Offenheit und Verschwiegenheit sind Voraussetzungen für eine gesegnete Zusammenarbeit und führen zu einer Gott wohlgefälligen Gemeinschaft.
• Die Berufung auf außerbiblische Schriften oder Quellen: Die Grundlage der Lehre der Neuapostolischen Kirche ist die Heilige Schrift. Außerbiblische Schriften stellen für uns keine Lehrgrundlage dar. Die Verkündigung des Evangeliums muss sich immer an der Bibel orientieren und darf nicht im Gegensatz dazu stehen. Die Auslegung der Heiligen Schrift darf nicht der Beliebigkeit anheim gestellt werden. Wir bekennen uns zu der Lehrautorität des Apostelamtes, zu dessen Amtsvermögen auch die Gabe gehört, aus der Kraft des Heiligen Geistes die Schrift zu deuten.
• Die Abweichung der Lehre von den Glaubensbekenntnissen aus der Frühzeit des Christentums: Unsere ersten drei Glaubensartikel sind weitgehend wortgleich mit dem sogenannten "Apostolischen Glaubensbekenntnis", das in seiner endgültigen Form wohl frühestens im 5. Jahrhundert vorlag. Die wenigen Veränderungen ergaben sich aus Gründen der Missverständlichkeit. Der wesentliche Eingriff ist die Weglassung der Worte am Ende unseres zweiten Glaubensartikels "zu richten die Lebenden und Toten". Selbstverständlich glauben auch wir an das Endgericht. Dieses oft als "Jüngstes Gericht" bezeichnete Ereignis wird aber nach biblischen Aussagen nicht beim ersten Wiederkommen Jesu stattfinden.
Ein letzter Vorwurf sei noch genannt, die Bezeichnung unserer Kirche als "Endzeitsekte". Diese Bezeichnung wird an der Tatsache festgemacht, dass wir an das baldige Wiederkommen des Sohnes Gottes glauben und an seiner Verheißung festhalten: "Siehe, ich komme bald" (Offenbarung 22, 7). Solche Anschuldigungen richten sich letztlich gegen die Worte Jesu in der Heilige Schrift, denn er selbst hat wiederholt gemahnt, sein Wiederkommen stets im Bewusstsein zu halten (vgl. z. B. Matthäus 24, 42).
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Ökumene?
In den deutschen Bundesländern bestehen regionale Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen. Der bundesweiten "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland" (ACK) gehören die 24 evangelischen Landeskirchen Deutschlands, die Römisch-katholische Kirche und vier Orthodoxe Kirchen sowie weitere neun Denominationen an. Weitere fünf Glaubensgemeinschaften sind als Gastmitglieder und ständige Beobachter angeschlossen.
Nach Einschätzung der ACK handelt es sich bei der Neuapostolischen Kirche um eine "klassische Sekte". Sie wird direkt neben die "Zeugen Jehovas" und die "Mormonen" gestellt. Begründet wird dies vor allem mit dem "exklusiven Anspruch", allein den richtigen Weg zu vertreten, allein die wahre Kirche Christi zu sein. Doch wenn man es genau betrachtet, findet man auch bei Mitgliedskirchen der ACK den Anspruch, letztendlich allein die Kirche Christi zu sein. Deutliches Beispiel bietet der Katechismus der Katholischen Kirche: "Die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen, ... ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird, auch wenn sich außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit finden." (Ecclesia Catholica: Katechismus der Katholischen Kirche, München 1993, S. 258).
1987 hatte die ACK im "Rundbrief der Ökumenischen Zentrale Nr. 11" festgelegt: "In keinem Fall sollte jedoch der Begriff ‘Sekte’ auf Kirchen, Freikirchen und kirchliche Gemeinschaften angewandt werden, die durch Lehre und Leben zu erkennen geben, dass sie sich den großen christlichen Grundwahrheiten verpflichtet wissen, wie sie in der Heiligen Schrift und in den altkirchlichen Bekenntnissen zum Ausdruck kommen, und dass sie sich nicht im alleinigen Besitz der christlichen Wahrheit wähnen, sondern zur Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften bereit sind." (vgl. Neue Kultbewegungen, a. a. O., S. 115). Unsere Kirche ist derzeit weder in ökumenische Verbänden noch in Dachorganisationen oder andere Zusammenschlüsse eingebunden. Darin mitzuwirken ist aber aus der Sicht der ACK wichtiger praktischer Hinweis darauf, ob man es mit einer "partnerschaftlich eingestellten, seriösen Kirche oder Gemeinde zu tun hat." (vgl. Die christlichen Kirchen und Sekten, Hrsg. Ökumenische Zentrale, Frankfurt/Main 1998).
Nun ist die Haltung der großen Kirchen uns gegenüber zwiespältig. Auf der einen Seite werden ökumenische Offenheit und Gesprächsfähigkeit angemahnt, auf der anderen Seite schlägt einem nicht selten die Haltung entgegen, die im "Evangelischen Erwachsenenkatechismus" von 1989 skizziert ist: "Es kann der Fall eintreten, dass ein Christ bei allem Respekt vor der Meinung des Sektierers ein Gespräch abbrechen muss. Das geschieht dann, wenn der andere nicht mehr bereit ist zu hören oder die Grenzen der Toleranz überschreitet. ... Toleranz heißt nicht ‘alles laufen lassen’, sondern zuallererst ‘Liebe zum Nächsten’. Für die Auseinandersetzung mit Sekten und Sektenlehren gilt der Toleranzgrundsatz Augustins (350-430): ‘Liebe die Irrenden, (darum) hasse die Irrlehren.’" (Evangelischer Erwachsenenkatechismus, Gütersloh 1989, S. 1012).
Die Lehre - das ist für uns das Entscheidende! Und was Irrlehre ist, muss mit der Heiligen Schrift widerlegt werden; was Wahrheit ist, muss sich am Evangelium festmachen lassen. Es ist eine hinlänglich bekannte Tatsache, dass die Wahrheit nicht unbedingt dort zu finden sein muss, wo die Mehrheit ist. Die Wahrheit des Evangeliums offenbart sich vielmehr dort, wo Menschen bereit sind, den Geist Gottes wirken zu lassen. Das Wirken des Heiligen Geistes, das laut biblischem Zeugnis bereits in der Zeit des Alten Testaments vorhanden war, ist auch durch die Jahrhunderte der nachapostolischen Zeit vielfach deutlich zu erkennen. Nicht zuletzt gehen auch unsere ersten drei Glaubensartikel auf Formulierungen aus dem 4./5. Jahrhundert nach Christo zurück. Ebenso erkennen wir in der Ausbreitung des Christentums durch gläubige Missionare und in den Erneuerungsbemühungen der Reformatoren Einwirkungen des Geistes Gottes. Solches Wirken des Heiligen Geistes ist allerdings zu unterscheiden von der Spendung des Heiligen Geistes durch einen Apostel Jesu bei der Heiligen Versiegelung.
Was nun die Frage angeht, wie die Neuapostolische Kirche zu den anderen großen christlichen Kirchen steht, zum Beispiel zum Thema Ökumene, äußerte Stammapostel Richard Fehr: "Vorsichtig abwartend! Wir behandeln das Thema Ökumene im Kreis der Bezirksapostel. Was dies bringen wird für die Zukunft, weiß ich aber noch nicht. Wie gesagt: Wir behandeln das Thema. Früher hat man sich gar nicht damit beschäftigt." (in: Maran atha - unser Herr kommt, Frankfurt/Main 1998, S. 85).
Halten wir fest: Wer den Inhalt der Lehre, die in der Neuapostolischen Kirche verkündigt wird, am Evangelium misst, wird uns nicht einfach als "Sekte" abqualifizieren können. So wenig dies anderen zusteht, so wenig steht es selbstverständlich auch uns zu, andere gläubige Christen abzuwerten - ob mit dem Wort "Sekte" oder mit anderen abwertenden Bezeichnungen.
Kommen wir noch einmal auf die eingangs geschilderte Situation zurück. Wenn man uns als "Sekte" bezeichnet, versuchen wir die Grundlage für ein sachliches Gespräch zu legen. Wir geben Informationen aus der eigenen Erfahrung und laden die Fragenden ein, die Gottesdienste zu besuchen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und selbst wenn wir uns angegriffen und ungerecht behandelt fühlen, weil wir in der öffentlichen Auseinandersetzung elementare Gebote der Objektivität vermissen, wollen wir uns davor hüten, unsachlich oder polemisch zu reagieren.
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Quellenverzeichnis:
Die christlichen Kirchen und die Sekten, Hg. Ökumenische Zentrale, Frankfurt/Main 1998
Drucksache 13/10950, Deutscher Bundestag - 13. Wahlperiode: Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen", Bonn 1998
Ecclesia Catholica: Katechismus der Katholischen Kirche, München 1993
Evangelischer Erwachsenenkatechismus, Gütersloh 1989
Evangelisches Kirchenlexikon, erste Auflage, Göttingen 1959
Evangelisches Kirchenlexikon, dritte Auflage, Göttingen 1996
EZW-Texte 1999 Nr. 146, Berlin 1999
Handbuch religiöse Gemeinschaften, Gütersloh 1985
Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Freiburg 1992
Lexikon für Theologie und Kirche, zweite Auflage, Freiburg 1964
Maranatha - unser Herr kommt, Frankfurt/Main 1998
Neue Kultbewegungen und Weltanschauungsszene 2, Mönchengladbach o. J.
Zeitschrift für Rechtspolitik, München 1998