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Re: was macht ein Winzer?
Hallo Segeltörn
Was aber
genau ist die Aufgabe eines Winzers ?
Es wäre toll, wenn mir das jemand erklären könnte!
ein Winzer bereitet Wein (stellt ihn her). Wie er das tut, ist heutzutage schwierig zu sagen, da es verschiedene Geschäftsmodelle gibt. Traditionell ist es, vereinfacht gesagt, so:
Der Winzer hat einen oder mehrere Weinberge (Wingerte), auf denen Rebstöcke wachsen. Die müssen das ganze Jahr über gepflegt werden, damit sie im Herbst voller Weintrauben hängen. Diese werden geerntet und die Beeren werden gepresst, um Traubensaft zu erzeugen.
Diesen lässt man gären (Hefepilze wandeln den Zucker durch ihren Stoffwechsel in Alkohol um; Alkohol ist also eigentlich Hefe-Pipi), bis sich der Zucker im Saft in Alkohol umgewandelt hat. Da der Alkohol in großen Mengen für die Hefen giftig ist, sterben diese dann ab (oder es geht ihnen der Zucker als Nahrung aus). Beides geschieht bei einem Alkoholgehalt zwischen ca. 10 % bis 15 %. In Jahren mit wenig Sonnenschein produziert der Rebstock weniger Zucker, dann geht den Hefen die Nahrung aus, in Jahren mit viel Sonne tritt eher der andere Effekt ein.
Der neue Wein ruht anschließend in Fässern oder Tanks, wird gesäubert und in Flaschen gefüllt. Der Prozess unterscheidet sich für Rot- und Weißwein ein wenig. In Wikipedia kannst Du unter "Weinbereitung" die Details erfahren. Dann wird der Wein verkauft oder es wird Sekt, Sherry oder Portwein daraus hergestellt. Ein Hektar Weinberg liefert je nach Lage, Jahr und Ertragsbeschränkung (zur Qualitätsverbesserung) zwischen 30 und 120 Hektoliter Wein.
Die Kunst besteht nun darin, die folgenden Komponenten zu optimieren und aufeinander abzustimmen, um einen Wein zu erzeugen, der von vielen Leuten gerne getrunken wird:
Weinberg: Lage, Boden, Besonnung, Erziehungssystem der Reben, Klima, auf alle diese Punkte optimal ausgesuchte Rebsorte
Weinbereitung: richtige Wahl des Lesezeitpunktes, schonende Behandlung des Lesegutes, Art der verwendeten Hefe, Art der Gärung und Nachbehandlung.
Hier gibt es ein über Jahrhunderte gewachsenes Wissen, hinzu kommen Verbesserungen in der Technik (Kühlung bei der Gärung, Stahltanks, Reinzuchthefen). Darüber muss der Winzer Bescheid wissen und alles so einsetzen, dass er nach Möglichkeit ein möglichst hochwertiges Produkt erzeugt.
Hinzu kommt, dass es gute und schlechte Jahre gibt und der Kundengeschmack sich ändert. Es ist also gar nicht so leicht, das alles unter einen Hut zu bringen. Zudem erfordert die moderne Technik große Investitionen in die Anlagen.
Daher haben sich (zumeist) heutzutage verschiedene Geschäftsmodelle herausgebildet: der traditionelle Winzer, der alles selbst mit eigener Technik macht. Das lohnt zumeist nur, wenn man sehr hochwertige Weinberge mit einem guten Ruf besitzt und seine Weine entsprechend teuer verkaufen kann. Viele Winzer schließen sich auch zu Genossenschaften zusammen, um den Invest in die Anlagentechnik zu teilen. Andere wiederum spezialisieren sich und kaufen Lesegut oder Grundweine von anderen Winzern, um Sekt oder Essig zu produzieren und verdienen vielleicht durch das Brennen von Weinbrand, Trester oder anderen Bränden hinzu.
Wichtig sind natürlich die Vertriebswege, also dass man z.B. bei einem Supermarkt ins Sortiment kommt, in den Weinversandhandel oder bei spezialisierten Ketten (Mövenpick, Jaques, etc.) unterkommt oder von einem der Weintester gut bewertet wird.
Alles in allem also ein sehr mühsames Geschäft. Um so mehr ist zu loben, wer all' dies so beherrscht, dass er ein gutes Produkt erzeugen kann. Wobei man vielleicht zwischen Qualität und persönlichem Geschmack unterscheiden muss: ein Wein kann von sehr guter Qualität sein (das kann man mit etwas Erfahrung auch schmecken und anerkennen), muss einem deshalb persönlich aber nicht unbedingt schmecken.
Und weil das so schwierig ist, wird um den Wein auch viel Brimborium gemacht. Das muss man nicht mitmachen. Aber es hilft, wenn man zumindest so viel von Wein versteht und sich so ausdrücken kann, dass man im Restaurant oder im Laden dem Gegenüber verständlich machen kann, was einem schmeckt. Wenn man also weiß, welche Rebsorten einem normalerweise schmecken, wenn sie sortentypisch ausgebaut sind oder wenn man den Geschmack beschreiben kann, den man bevorzugt. Aus Deiner Frage schließe ich aber, dass Du eher Biertrinker bist ;-)
Ein Letztes noch: Winzer sind im allgemeinen Überzeugungstäter und stolz auf ihre Leistung (das können sie auch sein) und ihr Produkt. Du kannst Deinem neuen Verwandten also gerne sagen, dass er einen tollen Job macht und hervorragende Weine produziert. Dann wird er auch eher akzeptieren, wenn Du darauf hinweist, dass Du vielleicht eher andere Getränke bevorzugst oder Weine in einem anderen Stil, als er sie produziert (falls das so sein sollte). Aber ich würde Dich um die neue Verwandtschaft beneiden.
Grüße, Thomas