Arbeitsrecht
Von: Μісһаеl Јаkаt (abgemeldet), 14.8.2006 13:45 Uhr
Ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, wenn jemand bei der Arbeit einen Fehler macht? Zum Beispiel wenn einer Altenpflegerin eine Patientin beim Umsetzten aus dem Lift in einen Rollstuhl zusammenbricht, sie die Bewohnerin nicht gehalten bekommt, stürtzt und sich die Bewohnerin dabei verletzt?
Danke Gruß Michael



  1. Antwort von Μ.L. 0
    Re: Fristlose Kündigung
    Hallo erstmal. Ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, wenn jemand bei
    der Arbeit einen Fehler macht?
    Kommt drauf an:
    -hat die besagte Person vorher wg. fehlerhafter Arbeit schon Abmahnungen bekommen ?
    -wie wurde vorher bei gleichen oder ähnlichen Fehlern seitens des AG reagiert ?
    -wie qualifiziert und erfahren ist die besagte Person ?
    usw... Zum Beispiel wenn einer
    Altenpflegerin eine Patientin beim Umsetzen aus dem Lift in
    einen Rollstuhl zusammenbricht, sie die Bewohnerin nicht
    gehalten bekommt, stürzt und sich die Bewohnerin dabei
    verletzt?
    Rein tendenziell nicht. Aber im Pflegebereich wird man wohl andere Massstäbe in punkto Sorgfalt im Umgang mit Patienten ansetzen.

    Oder gilt gar Kirchenrecht ? Dort gelten wieder andere Masstäbe.

    HTH
    mfg M.L.
    • Antwort von Еіllісһt zu Vеnѕrе (abgemeldet) 0
      Re: Fristlose Kündigung
      Holla. Ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, wenn jemand bei
      der Arbeit einen Fehler macht?
      Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Zum Beispiel wenn einer Altenpflegerin eine Patientin beim Umsetzten
      aus dem Lift in einen Rollstuhl zusammenbricht, sie die Bewohnerin
      nicht gehalten bekommt, stürtzt und sich die Bewohnerin dabei
      verletzt?
      Wenn es übliche Praxis ist, dass nur eine Person das Umsetzen vornimmt, und wenn dem keine entsprechende, dem Arbeitnehmer bekannte Vorschrift entgegensteht, würde ich noch nicht einmal von leichter Fahrlässigkeit ausgehen.

      Gibt es eine Vorschrift des Inhaltes "Umsetzungen von Patienten dürfen nur von mindestens zwei Personen vorgenommen werden", betreten wir den Grenzbereich zwischen leichter und mittelschwerer Fahrlässigkeit. Grob fahrlässig wäre es, wenn zusätzlich der betreffende AN wusste, dass die Patientin bspw. zu Ohnmachtsanfällen neigt ...

      Wenn es sich um einen einmaligen Vorfall handelt und im vorgenannten Sinne keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, halte ich den Sachverhalt für bestenfalls abmahnfähig, aber nicht für eine Kündigung hinreichend. Schon gar nicht für eine außerordentliche Kündigung.

      Was allerdings passieren muss (immerhin ist eine Person zu Schaden gekommen) : die entsprechenden Abläufe sind zu überprüfen, ob die Sicherheit gewährleistet ist (ist sie ja offensichtlich nicht), und es sind entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um solche Vorfälle für die Zukunft mit hinreichender Sicherheit auszuschließen. Das kann z.B. heißen, dass ab sofort nur noch mindestens zwei Pfleger usw.

      IANAL, deshalb der Hinweis, dass ein Richter vielleicht ganz anders urteilen könnte - im allgemeinen werden aber an eine außerordentliche Kündigung recht strenge Maßstäbe angelegt.

      Gruß Eillicht zu Vensre
      • Antwort von Хоlорһоѕ (abgemeldet) 0
        Re: Fristlose Kündigung
        Ist eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, wenn jemand bei
        der Arbeit einen Fehler macht? Zum Beispiel wenn einer
        Altenpflegerin eine Patientin beim Umsetzten aus dem Lift in
        einen Rollstuhl zusammenbricht, sie die Bewohnerin nicht
        gehalten bekommt, stürtzt und sich die Bewohnerin dabei
        verletzt?
        Hallo Michael,

        Das kann man aus der Ferne bei den paar dürftigen Infos nicht beurteilen. Grundsätzlich ist eine fristlose Kündigung nicht bei jedem Fehler gerechtfertigt. Aber unter bestimmten Umständen schon. Man sollte aber in diesem Fall wissen, ob die Altenpflegerin in dem Fall ihre Arbeit ordnungsgemäß gemacht hat und inwiefern das hätte vermieden werden können, dass ihr die Patientin wegrutscht.

        MfG