Auslandspolitik
Von: Еlіmеlесһ, 19.4.2004 12:15 Uhr
Hallo.

Eigentlich sollte es in diesem Brett ja um Politik gehen, vor allem um Deutsche welche im Ausland wirken soll. Selten liest man davon, aber gerade der Nahostkonflikt wäre doch das Terrain dafür. Statt sich also in Gewaltorgien auszulassen (siehe diverse Themen hier), könnten doch ausgerechnet die Deutschen Friedenspläne machen. Es gibt doch hier soviele, welche für die eine oder andere Seite kämpfen, warum nicht in einem Brett einen Plan aushandeln (und sei es virtuel)? Warum nicht dem Frieden verpflichten? Warum nicht den Frieden als Politik, statt nur als Floskel oder Begründung für weitere Gewalt?

Scholem,
Eli



  1. Antwort von Αnwаr 0
    Problem
    Hallo Eli, warum nicht in einem Brett einen Plan aushandeln (und sei es
    virtuel)? Warum nicht dem Frieden verpflichten? Warum nicht den
    Frieden als Politik, statt nur als Floskel oder Begründung für weitere
    Gewalt?
    Ich sehe da folgendes Problem:
    In jeder der beteiligten Gruppen gibt es eine große Anzahl, die keinen Frieden will. Und persönlich bin ich auch nicht bereit Geld, Material oder Menschenleben von Unbeteiligten zu riskieren, wenn die Erfolgschancen so schlecht stehen, wie hier.


    Grüße,

    Anwar

    PS: Ja, die Welt ist hart, aber ungerecht.
    7 Kommentare
    • Re: Problem
      Hallo Anwar. Ich sehe da folgendes Problem:
      In jeder der beteiligten Gruppen gibt es eine große Anzahl,
      die keinen Frieden will.
      Ich sprach eigentlich zuerst von uns hier. Oder meinst Du die meisten Nutzer hier wollen dort keinen Frieden? [...] Und persönlich bin ich auch nicht
      bereit Geld, Material oder Menschenleben von Unbeteiligten zu
      riskieren, wenn die Erfolgschancen so schlecht stehen, wie
      hier.
      Nu, wenn ich sehe wieviel davon hier in w.w.w. alleine zur Kommentierung und zum streiten verbraucht wird, könnte doch auch ein bisschen davon abfallen, um hier einen Plan aufzustellen?

      Scholem,
      Eli

      PS. Die Welt ist gerecht und alles ist zum Guten.
    • von Frаnk (abgemeldet) 0
      Re^2: Problem
      Hi,

      etwas Sarkasmus: Ich sehe da folgendes Problem:
      In jeder der beteiligten Gruppen gibt es eine große Anzahl,
      die keinen Frieden will.
      Ich sprach eigentlich zuerst von uns hier. Oder meinst Du die
      meisten Nutzer hier wollen dort keinen Frieden?
      Wie stellst du dir dasvor? Sollen wir deutsche Luftwaffe da runter schicken, um die Amis direkt zu verjagen und unser deutsches Öl zu sichern?? Lass das doch die Juniors machen. [...] Und persönlich bin ich auch nicht
      bereit Geld, Material oder Menschenleben von Unbeteiligten zu
      riskieren, wenn die Erfolgschancen so schlecht stehen, wie
      hier.
      Nu, wenn ich sehe wieviel davon hier in w.w.w. alleine zur
      Kommentierung und zum streiten verbraucht wird, könnte doch
      auch ein bisschen davon abfallen, um hier einen Plan
      aufzustellen?
      Man könnte die Araber entweder umsiedeln nach dem Iran vorerst oder das Land heim ins Reich holen. Man könnte zu.B. den Kurden in der Türkei eine ewige Bleibe dort zusichern, sieein wenig unterstützen.
      OK, es wäre dann wieder eine Kolonie, aber egal.

      Gruß
      Frank
    • von Αnwаr 0
      Re^2: Problem
      Hallo Eli, Ich sprach eigentlich zuerst von uns hier. Oder meinst Du die
      meisten Nutzer hier wollen dort keinen Frieden?
      Wir wollen wohl schon Frieden (hoffe ich mal). Doch was nützt unser Friedenswille, wenn die Leute vor Ort keinen Frieden wollen? Wenn dort (und jetzt rede ich mal über die ganze Region) die Menschen keine Demokratie wollen bzw. nicht bereit sind dafür zu kämpfen?
      Die Frage geht weiter: Kann man überhaupt Demokratie "weitergeben"? Muss nicht jedes Volk, jeder Staat sich diese Errungenschaft selbst erstreiten und dafür einstehen?
      Bei dem ganzen Gutmenschengerede heutzutage, könnte man fast auf die Idee kommen, es sei gerade umgekehrt: Kein Staat können ohne helfende Hand jemals zur Demokratie finden. Doch beweist die "westliche" Historie genau das Gegenteil. Nu, wenn ich sehe wieviel davon hier in w.w.w. alleine zur
      Kommentierung und zum streiten verbraucht wird, könnte doch
      auch ein bisschen davon abfallen, um hier einen Plan
      aufzustellen?
      Ein erster Ansatz wäre das totale Verbot von Waffenlieferungen in diese Regionen, sowohl an die jeweiligen Regierungen, als auch an alle anderen Gruppen. Wenn sich die Gegner erstmal mindestens auf Steinwurfreichweite nähern müssen, um sich gegenseitig abzuschlachten, vergeht ihnen vielleicht die Lust daran und sie fangen an konstruktiv zu denken?

      Grüße,

      Anwar
    • von dаtаfоx (abgemeldet) 0
      Re: Problem
      Und persönlich bin ich auch nicht
      bereit Geld, Material oder Menschenleben von Unbeteiligten zu
      riskieren, wenn die Erfolgschancen so schlecht stehen, wie
      hier.
      du meinst in hamburg? oder oder in diesem brett?

      gruß
      datafox
    • von Αnwаr 0
      Wenn man's mißverstehen will...
      du meinst in hamburg? oder oder in diesem brett?
      "Hier" = Bei dem beschriebenen/diskutierten Problem.

      Grüße,

      Anwar
    • von dаtаfоx (abgemeldet) 0
      alles klar! (owt)
      no text!
  2. Antwort von еxс 0
    Friedensplan
    Hi, Eigentlich sollte es in diesem Brett ja um Politik gehen, vor
    allem um Deutsche welche im Ausland wirken soll.
    das ist nicht geklärt. Die gängige Interpretation lautet "deutsche Auslandspolitik und ausländische Politik". Selten liest
    man davon, aber gerade der Nahostkonflikt wäre doch das
    Terrain dafür. Statt sich also in Gewaltorgien auszulassen
    (siehe diverse Themen hier), könnten doch ausgerechnet die
    Deutschen Friedenspläne machen. Es gibt doch hier soviele,
    welche für die eine oder andere Seite kämpfen, warum nicht in
    einem Brett einen Plan aushandeln (und sei es virtuel)? Warum
    nicht dem Frieden verpflichten?
    ist doch alle schon dagewesen: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Rd. 2 Jahre alt, immer wieder gern zitiert und bisher nicht umgesetzt.

    Gruß,
    Christian
    5 Kommentare
    • Re: Friedensplan
      Hallo Christian.

      zu 2. "Israel zieht sich aus den bereits ausgehandelten Autonomen Gebieten vollständig zurück"

      Womit aber eben die nicht ausgehandelten Teile weiterhin offen sind. Was soll hiermit passieren?

      Auch andere Fragen sind hier ja noch weiterhin offen. Sollen diese erst nach einer Gründung eines palästinensischen Staates geregelt werden?

      Wie sehen zum Beispiel die Übergänge zwischen Westjordanland und Gazastreifen aus?

      Was ist mit den palästinensischen Flüchtlingen, was mit den jüdischen?

      Wie sieht der Aufbau in Palästina aus?

      Scholem,
      Eli
    • Re^2: Friedensplan
      hi Eli
      Nachdem mein kleiner Friedensplan bereits 2 Jahre alt ist, haben sich da doch gewisse Veränderungen der Lage ergeben. Ich habe das Ding auch ineiner ruhigen Stunde mal zusammengestöpselt...
      zu 2. "Israel zieht sich aus den bereits ausgehandelten
      Autonomen Gebieten vollständig zurück"

      Womit aber eben die nicht ausgehandelten Teile weiterhin offen
      sind. Was soll hiermit passieren?
      Dieser Punkt bezieht sich auf den Damaligen Teilungs- und Rückzugsplan... Die nicht ausgehandelten Teile sind weiterhin zu verhandelnde Punkte. Insbesondere erscheint ein Gebietsaustausch durchaus vorstellbar, sprich eine Änderung des Grenzverlaufes von 1948 in gegenseitigem Einvernehmen (So etwas ist eben nicht völkerrechtswidrig).
      Auch andere Fragen sind hier ja noch weiterhin offen. Sollen
      diese erst nach einer Gründung eines palästinensischen Staates
      geregelt werden?
      Wäre meineserachtens besser, da dann eine halbwegs legitimierte palästinensische Führung zur Verfügung steht. Aber eine durch freie wahlen in einem befriedeten gebiet hervorgegangene Autonomieregierung würde schon reichen. Wie sehen zum Beispiel die Übergänge zwischen Westjordanland
      und Gazastreifen aus?
      Transitrouten a la Westberlin-BRD vor 1989, anfangs mit Konvoi-System.
      Was ist mit den palästinensischen Flüchtlingen, was mit den
      jüdischen?
      Jüdische Flüchtlinge? Die von 1948 sind imho sehr gut in israel integriert worden. Die Palästinensischen Flüchtlinge können natürlich nach Palästina zurück... Eventuell ein Ausgleichs- und Entschädigungsfonds einrichten...? So mit einem Betrag, den 1 jahr Militäreinsatz im Westjordanland kostet?

      Und mit dem Geld, das dies Intifada den israelischen Staat kostet, könnte ich vermutlich den halben Negev bewässern...
      Wie sieht der Aufbau in Palästina aus?
      Überlasse ich den Wirtschaftsfachleuten vor Ort. So etwas kann nur regional entschieden werden, wenn es Sinn machen soll.

      Aber es wird nichts werden, solange sich die Meinung in Israel durchsetzt, dass die Sicherheit nur (sic!) durch Gewaltmaßnahmen erreicht werden kann.
      Im übrigen bin ich der Ansicht, dass die gegenwärtige Regierung gar nicht willens ist, diese Krise zu lösen.
      1. wg Machterhalt, Sharon würde in einem befriedeten Palästina sofort weg vom Fenster sein.
      2. Aus innenpolitischen Gründen. In den besetzten Gebieten leben über 200 000 Siedler und es werden immer mehr, vor allem durch Zuzug! Unter diesen Siedlern befinden sich offensichtlich zahlreiche gewaltbereite Radikale. Im Falle einer Räumung der Siedlungen und der Aufgabe "geheiligten Bodens" (Überall wo ein Israelisches Klosett stand...) wären diese Radikalen ein ausserordentlich gefährliches Gewaltpotenzial. Offenbar zieht die Israelische Führung einen Dauerkrieg gegen die Palästinänser dem möglichen Terror innerhalb Israels vor...

      Ach ja, der Vorwurf eines Genozides gegen die Palästinenser ist natürlich absurd (Auch wenn es sicherlich Kreise in Israel gibt, die so etwas wünschen, aber die sind klein und machtlos... g´ttseidank).

      Gruß
      Mike
    • Re^3: Friedensplan
      Hallo Micheal. Dieser Punkt bezieht sich auf den Damaligen Teilungs- und
      Rückzugsplan... Die nicht ausgehandelten Teile sind weiterhin
      zu verhandelnde Punkte. Insbesondere erscheint ein
      Gebietsaustausch durchaus vorstellbar, sprich eine Änderung
      des Grenzverlaufes von 1948 in gegenseitigem Einvernehmen (So
      etwas ist eben nicht völkerrechtswidrig).
      Völkerrechtswidrig ist dort sowieso fast nichts, vor allem weil es keinen palästinensischen Staat gibt. Das Völkerrecht basiert auf Annahmen, welche bei vielen Konflikten mittlerweile hinfällig wurde, unter anderem dort.

      Dieses sollte man dann auch als Chance erkennen, bezüglich dieser Verhandlungen. Wäre meineserachtens besser, da dann eine halbwegs
      legitimierte palästinensische Führung zur Verfügung steht.
      Aber eine durch freie wahlen in einem befriedeten gebiet
      hervorgegangene Autonomieregierung würde schon reichen.
      Ich denke, hierfür müsste es eine klar definierte Übergangsphase mit klaren Verantwortlichkeiten. Deine UNO-Verwaltung deutet dieses ja schon an, aber hier müsste die UN mehr Rechte und Pflichte besitzen, als bei anderen Aufträgen.

      Somit kann ich mir das auch in Phasen vorstellen. Wer sagt denn, dass ein Staat sofort ein abgeschlossenes Staatsgebiet besitzen muss? Was ist mit den palästinensischen Flüchtlingen, was mit den
      jüdischen?
      Jüdische Flüchtlinge?
      Ja, jüdische Flüchtlinge. Ich sehe halt den Konflikt etwas globaler und dass daran auch zahlreiche arabische Staaten beteiligt sind. In diesem Sinne würde ich auch diesen Punkt behandelt wissen und auch eine Anerkennung Israels dieser Staaten (und nicht nur der PLO). Die von 1948 sind imho sehr gut in
      israel integriert worden. Die Palästinensischen Flüchtlinge
      können natürlich nach Palästina zurück... Eventuell ein
      Ausgleichs- und Entschädigungsfonds einrichten...? So mit
      einem Betrag, den 1 jahr Militäreinsatz im Westjordanland
      kostet?
      Ich denke, dass es auch Palästina überfordern würde, wenn die alle aufnehmen müsste. Auch hier kämen also wieder die anderen arabischen Staaten ins Spiel, in welchen diese Flüchtlinge zum Teil immer noch in bewachten Lagern leben. Und mit dem Geld, das dies Intifada den israelischen Staat
      kostet, könnte ich vermutlich den halben Negev bewässern...
      Was auch einen Punkt erfordern sollte, dass auch gemeinsame Projekte gefördert werden und von Anfang an, wirtschaftliche Zusammenarbeit geregelt wird, gerade in den Grenzregionen. Überlasse ich den Wirtschaftsfachleuten vor Ort. So etwas kann
      nur regional entschieden werden, wenn es Sinn machen soll.
      Halte ich aufgrund der Erfahrungen mit der PA für einen kritischen Punkt. Der Frieden entsteht ja nicht durch Staatsgründungen, sondern dass der Hass auf beiden Seiten abgebaut wird. Hierzu müssten auch einige Punkte erfolgen und ich denke hier müssten auch Rahmenbedingungen für die palästinensische Führung festgelegt werden. Ansonsten werden frustrierte Palästinenser sich zuerst gegen Israel wenden.

      Gegenseitige Anti-Diskriminierungs-Stellen wären hier vielleicht ein Ansatz. Aber es wird nichts werden, solange sich die Meinung in Israel
      durchsetzt, dass die Sicherheit nur (sic!) durch
      Gewaltmaßnahmen erreicht werden kann.
      Wie oben schon auf die Palästinenser bezogen, muss auch hier über die Zeit erst wieder ein Klima des Friedens entstehen. Das dieses durch solchen massiven Terror verschwindet, sollte niemand wundern. Dennoch halte ich den Friedenswunsch in Israel für sehr hoch. Problematisch ist nur, dass beide Seite vom anderen erst einmal Beweise erwarten. 2. Aus innenpolitischen Gründen. In den besetzten Gebieten
      leben über 200 000 Siedler und es werden immer mehr, vor allem
      durch Zuzug!
      Hiervon sind nur ein Bruchteil radikal. Die meisten leben dort, weil sie dort die besten Möglichkeiten sahen. Mit der Räumung von radikalen Siedlern hat Israel auch schon Erfahrungen ebenso mit Radikalen im eigenen Land *hüstel*. Ich mache mir hier weniger Sorgen, als die ganzen anderen inneren Probleme, welche durch den Konflikt lange offen blieben. Aber Konflikte bedeuten immer auch die Chance zum Wachstum und somit könnten beide auch in diesem Bereich nur profitieren.

      Scholem,
      Eli
    • von dаtаfоx (abgemeldet) 0
      Re: Friedensplan
      Rd. 2 Jahre alt, immer wieder gern zitiert und bisher nicht
      umgesetzt.
      dem stimme ich zu, aber punkt 6 hätte ich gern vor punkt 1. damit ich ruhig schlafen kann.

      gruß
      datafox
    • Re^2: Friedensplan
      Rd. 2 Jahre alt, immer wieder gern zitiert und bisher nicht
      umgesetzt.
      dem stimme ich zu, aber punkt 6 hätte ich gern vor punkt 1.
      damit ich ruhig schlafen kann.

      Servus Datafox
      Die Aufzählung der Punkte ist keine Zeitliche Reihenfolge
      Gruß

      Mike
  3. Antwort von реndrаgоn (abgemeldet) 0
    Re: Auslands-POLITIK?!
    Moin, Es gibt doch hier soviele,
    welche für die eine oder andere Seite kämpfen, warum nicht in
    einem Brett einen Plan aushandeln (und sei es virtuel)?
    Vielleicht, weil es diesen Plan bereits gab. Er war unter dem Namen "Oslo-Abkommen" bekannt und ich glaube kaum, dass es von den Leuten hier jemand besser machen könnte. Nachzulesen ist das ganze unter:

    "Oslo - Tor zum Frieden in Nahost?" von Matthias Ries, ISBN 3933325161 [Buch anschauen].

    Das Buch ist 2000 erschienen. Der erste Satz des Vorworts in der Ausgabe von 2000 lautete: "Der Nahostkonflikt, wie wir ihn seit 1948 kennen, ist zu Ende. Der arabisch-israelische Konflikt ist heute kein existenzieller Konflikt mehr". ....tja, das waren noch Zeiten. Warum
    nicht dem Frieden verpflichten? Warum nicht den Frieden als
    Politik, statt nur als Floskel oder Begründung für weitere
    Gewalt?
    Weil das voraussetzen würde, dass die Leute sich ernsthaft mit dem Konflikt beschäftigen. Den meisten fehlt dazu vermutlich das Interesse, sprich: es ist vielen einfach zu mühsem.

    Eine Meinung haben kann jeder, diese zu begründen und ernsthaft zur Diskussion zu stellen ist schon wesentlich schwieriger und setzt zumindest die Fähigkeit voraus, einen gewissen Abstand zur eigenen Meinung zu gewinnen.

    Gruß
    Marion
    2 Kommentare
    • Re^2: Oslo und heute
      Hallo Marion. Vielleicht, weil es diesen Plan bereits gab. Er war unter dem
      Namen "Oslo-Abkommen" bekannt und ich glaube kaum, dass es von
      den Leuten hier jemand besser machen könnte.
      Da fehlt aber heute der Plan, wie man wieder nach Oslo kommt und dann keine der beiden Parteien einfach die Verhandlungen abbrechen kann. So halte ich diesen Plan auch noch für den am ausgereiftesten, ganz im Gegensatz zur Roadmap, welche ja keine einzige Lösung enthält.

      Wie kommt man also wieder nach Oslo und wie kommt es dann auch zu einem Abschluss?

      Scholem,
      Eli
    • von реndrаgоn (abgemeldet) 0
      Re^3: Oslo und heute
      Moin Eli, Wie kommt man also wieder nach Oslo und wie kommt es dann auch
      zu einem Abschluss?
      Ich denke, diese Frage stellen sich eine Menge Leute zwischen Rafah und Haifa. Um sie zu beantworten sollten man sich vielleicht anschauen, wie es damals zu Oslo kam, warum Oslo scheiterte und wie die Bedingungen heute sich von den Bedingungen vor Oslo und während des Scheiterns von Oslo unterscheiden. Ich denke, Stoff genug für eine Doktorarbeit :-)

      Ich versuche mal, mich möglichst kurz zu halten. Was die Bedingungen betrifft, die zum Erfolg von Oslo führten, möchte ich auf die Arbeiten von Herbert Kelman, einem Experten für internationale Konflikte verweisen: Kelman, Herbert C: 1990: Wie Verhandlungsbereitschaft entstehen kann. Zur politischen Psychologie des israelisch-palästinensischen Konflikts, in: Steinweg, Reiner und Wellmann, Christian (Hg): Die vergessene Dimension internationaler Konflikte: Subjektivität. ISBN 3518116177 [Buch anschauen]

      Zusammegefasst lassen sich hier folgende Punkte herausarbeiten:
      1) Verzicht auf Deutung der Vergangenheit, Jetztzeit als Basis für die Grundlage zum Finden eines gemeinsamen Wegs für die Zukunft
      2) Gewährleistung des Selbstbestimmungsrechts beider Parteien in dm von ihnen beanpruchten Land. (Ein ganz großes Problem, weil jede der beiden Parteien die Existenz des anderen als Bedrohung der eigenen Existenz empfindet)
      3) Legitimisierung der Verhandlungspartner von ihren jeweligen gesellschaften, was nicht nur für die Seite der palästinenser ein Problem war (demokratisch legitimiert) sondern auch für die isrealische Seite (Weigerung offizieller Regierungsvertreter an Verhandlungen teilzunehmen, Bruch durch einem möglichen Machtwechsel nach Beendigung einer Legislaturperiode).
      4) Grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten mit dem Ziel der <b<Veränderung des Status quo (hier muss insbesondere der stärkere Verhandlungspartner bereit sein, den Status quo aufzugeben)
      5) Gegenseitige Anerkennung, also Verzicht auf eine Dämonisierung, Abbau von Feindbildern, Fähigkeit zu Differenzieren, was pragmatisch machbar ist und das zu ignorieren, was als Ideologie zwar noch vorhanden, aber im Grunde unbedeutend ist. Hierzu hählt auch, dass sich eben nicht nur die jeweiligen Kuscheltypen gegenübersitzen, sondern tatsächlich die ganz bösen Buben und Hardliner auf beiden Seiten.
      6) Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen, vertrauensbildende Maßnahmen auf einem subjektiv menschlichen Niveau

      Das Scheitern von Oslo und seine unmittelbaren Konsequenzen werden IMHO in folgendem Artikel recht gut beschrieben:

      http://www.google.de/search?q=cache:UQP_qAkW7mgJ:www...

      Und zur Situation heute...naja, die Prognosen sind allgemein recht düster. Das Hauptproblem scheint nach wie vor zu sein, dass Oslo nicht das Sicherheitsbedürfnis der Israelis erfüllen konnte (die Attentate gingen weiter) und auch nicht die Selbstbestimmungswünsche der Palästinenser (weniger Autonomie als je zuvor).

      Von israelischer Seite sehe ich im Moment überhaupt keine Motivation, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sharon führt eine Politik der militärischen Dominanz und scheint im Grunde erfolgreich (wenn man mal von den Attentaten absieht, aber die hätte es vermutlich auch weiterhin gegeben). Wäre ich Sharon, würde ich jedenfalls jeden Abend zur Feier eine Flasche Sekt köpfen, so gut läuft es im Moment für seine Pläne. (Also Punkt 4 und 5 sind nicht gewährleistet, Sharon weigert sich z.B. mit der Hamas zu verhandeln). Auf palästiensischer Seite sehe ich einsbesonder Problem bei den Punkten 3 (wer soll überhaupt legitimiert für die Palästinenser verhandeln ?) und Punkt 2 (mit der Militärpräsenz und Militäraktionen in den besetzten Gebieten und dem Bau der Mauer dürften gewaltige Existenzängste bei den Palästinensern verbunden sein)

      Allerdings erscheint mir insbesondere die Freude Sharons, wie gut doch alles läuft, etwas arg kurzsichtig. In dem oben von mir verlinkten Artikel wird ja bereits darauf hingewiesen, dass sich die Art des Widerstands der Palästinenser grundlegend verändern könnte. Der bisherige im Wesentlichen national begründetet Widerstand mit dem Ziel einer politischen und staatlichen Existenz und Unabhängigkeit könnte abgelöst werden durch einen religiös motivierten Widerstand. Was das bedeuten kann, muss ich im Spiegel der diesjährigen Ereignisse glaube ich nicht weiter erläutern.

      Gruß
      Marion
  4. Antwort von dаtаfоx (abgemeldet) 0
    Re: Auslands-POLITIK?!
    das brett hat den falschen titel. es müßte weltpolitik heißen.
    was deutsche im ausland tun oder nicht tun ist hier fast nie thema.

    ich schlage ein nahostpolitikbrett vor, oder besser "israelundpalästinenser", 90% des brettes ist voll damit.

    gruß
    datafox
    3 Kommentare
    • von Frаnk (abgemeldet) 0
      Re^2: Auslands-POLITIK?!
      was deutsche im ausland tun oder nicht tun ist hier fast nie
      thema.
      Das findest du passender Weise unter Militärpolitik. :-)

      Gruß
      Frank
    • von Јаn-Ρһіlірр (abgemeldet) 0
      Re^2: Auslands-POLITIK?!
      ich schlage ein nahostpolitikbrett vor, oder besser
      "israelundpalästinenser", 90% des brettes ist voll damit.

      gruß
      datafox
      EIn fantastischer Plan. Aber nur, wenn Henryk Broder als Moderator gewonnen werden kann ;-)

      Grüße

      jp
    • von dаtаfоx (abgemeldet) 0
      Re^3: Auslands-POLITIK?!
      Aber nur, wenn Henryk Broder als
      Moderator gewonnen werden kann ;-)
      das würde den unterhaltungswert steigern!

      gruß
      datafox
  5. Antwort von Τіburón 0
    Re: Auslands-POLITIK?!
    Hallo (siehe diverse Themen hier), könnten doch ausgerechnet die
    Deutschen Friedenspläne machen.
    WIESO ausgerechtet Deutsche?


    Gruss


    Tibu
    3 Kommentare
    • Re^2: Auslands-POLITIK?!
      (siehe diverse Themen hier), könnten doch ausgerechnet die
      Deutschen Friedenspläne machen.
      WIESO ausgerechtet Deutsche?
      Warum nicht?
    • Re^3: Auslands-POLITIK?!
      wieso nicht AUSGERECHNET Dänen, Franzosen, Norweger oder Österreicher? [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
    • Re^4: Auslands-POLITIK?!
      wieso nicht AUSGERECHNET Dänen, Franzosen, Norweger oder
      Österreicher?
      Weil ich davon ausging, dass die Zahl der Dänen, Franzosen, Norweger und auch Österreicher unter den Nutzern von w.w.w. nicht sehr hoch ist - vor allem im Verhältnis. Aber ich würde mich nicht stören, wenn es ein europäischer www-Plan wäre.

      Scholem.