Deutsche Sprache
Von: drambeldier, 21.6.2002 15:00 Uhr
Liebe Experten,

wie kommt es zu den Wortschöpfungen aus (Substantiv? Verb?) und der Endung "bar"? Im Spiegel begenete mir kürzlich "bestreitbar" - das dröhnt mir in den Ohren, ohne dass ich mein Unbehagen begründen könnte. Ich bin (manchmal) reizbar - ist ein Pferd reitbar? Wer weiß was?

Danke für jede Antwort!



  1. Antwort von Fritz Ruppricht 1
    Re: Die Endung 'bar'
    Hallo drambeldier,

    da bin ich schon wieder, fast wie das tägliche Brot.

    Die Nachsilbe oder auch das Suffix -bar ..., aber lassen wir doch das Universalwörterbuch zu Wort kommen:

    -bar [mhd. -bære, ahd. -bari; urspr. nur in Zus. vorkommendes Adj. mit der Bed. »tragend, fähig zu tragen«, zu ahd. beran, gebären]: 1. drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass mit der beschriebenen Person oder Sache etw. gemacht werden kann: bebaubar, heizbar, öffenbar. 2. drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass die beschriebene Person oder Sache etw. machen kann: a) brennbar, haftbar; b) <verneint in Verbindungen mit un-> unverwechselbar, unverwitterbar. 3. drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass die beschriebene Sache zu etw. geeignet ist: tanzbar, wanderbar.

    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001


    Und wieder ist es der alltäglich Gebrauch, der uns
    "reizbar" als korrekt, "reitbar" als seltsam und dir "bestreitbar" als falsch erscheinen lässt. Obwohl eben zitiertes Buch folgenden Eintarg hat:

    an|fecht|bar <Adj.>: nicht ohne weiteres gültig; bestreitbar, angreifbar: ein -es Urteil, Testament; der Vertrag, die Entscheidung ist [nicht] a.

    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001


    Hast du noch mehr solche ;-) Idiosynkrasien?
    Ich leide bisweilen auch sehr.
    Gruß Fritz
    10 Kommentare
    • Re^2: Die Endung 'bar'
      Hi fritz,

      erstmal danke.
      Hast du noch mehr solche ;-) Idiosynkrasien?

      Immoment keine bejahenden, allerdings schleichen sich die verneinenden ein: unverzichtbar, unabdingbar fallen mir gerade ein. Ob derjenige, der das "unabdingbar" ins Leben gerufen hat, wohl weiß, was ein Gedinge ist?

      Nebenbei: Wenn das Deutsche Universalwörterbuch zur Erläuterung des -bar den Begriff öffenbar (in Worten: ÖFFENBAR) benutzt, ohne in Schmerzgeheul auszubrechen, dann sollte die Sprache auch schwitzbar (für den Menschen) und unschwitzbar (für den Hund) aushalten [2. drückt ... aus, dass die beschriebene Person oder Sache etw. machen kann].

      © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001

      Gruß Ralf
    • von Eckard (abgemeldet) 0
      Re^3: Die Endung 'bar'
      Erläuterung des -bar den Begriff öffenbar
      Aber lieber Ralf,
      offenbar hast du nie angesichts einer nicht öffenbaren Dose beim Camping geschmachtet, nur weil kein Dosenöffner zur Hand war.
      Gruß Eckard.
    • Re^4: Die Endung 'bar'
      Hi Eckard, offenbar hast du nie angesichts einer nicht öffenbaren Dose
      beim Camping geschmachtet, nur weil kein Dosenöffner zur Hand
      war.
      da scheint mir "offenbar" aber naheliegender (Nahe liegender? nahe Liegender?) - von "Mamma, ma'ma die Dose offen!"

      Gruß Ralf
    • von Uschi Müller (abgemeldet) 1
      warum 'schwitzbar' nicht geht...
      Hallo drambeldier,
      Nebenbei: Wenn das Deutsche Universalwörterbuch zur
      Erläuterung des -bar den Begriff öffenbar (in Worten:
      ÖFFENBAR) benutzt, ohne in Schmerzgeheul auszubrechen, dann
      sollte die Sprache auch schwitzbar (für den Menschen) und
      unschwitzbar (für den Hund) aushalten [2. drückt ... aus,
      dass die beschriebene Person oder Sache etw. machen kann]
      .

      © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001
      da muss ich jetzt doch mal kurz einhaken:
      die Endung -bar drückt nicht nur aus, dass man etwas machen kann, sondern gilt auch als Ersatzform für Passivkonstruktionen. Verben, die in der Regel kein Passiv bilden können (weil sie so genannte intransitive Verben sind, d.h. sie haben kein Objekt), können auch kein Adjektiv mit der Endung -bar bilden.

      Zu diesen Verben gehört z.B. auch "schwitzen" oder kannst du "geschwitzt werden"?
      Mit allen anderen Verben ist diese Wortbildung aber prinzipiell möglich... da könnte ich mir so manches, bis jetzt ungebräuchliche, Adjektiv vorstellen:
      Diese Strecke ist nicht laufbar.
      Dieses Kleid ist nicht anziehbar....

      Gruß
      Uschi
    • Jetzt wird's schwierig ...
      Hi Uschi,
      Zu diesen Verben gehört z.B. auch "schwitzen" oder kannst du
      "geschwitzt werden"?

      Kann ich gehaftet werden? Eher verhaftet, wenn's so weitergeht.

      Gruß Ralf
    • von Eckard (abgemeldet) 0
      Re: warum 'schwitzbar' doch geht...
      Hallo liebe Uschi,
      Deine Aussage erscheint mir anfechtbar. Ich selbst mag nicht schwitzbar sein, aber Schadstoffe und Salz sind durchaus ausschwitzbar, jedenfalls meiner Meinung nach.
      Ich gebe allerdings zu, dass in vielen Fällen die Benutzbarmachung der Endsilbe "-bar" furchtbar klingt, und besser durch eine anderen Konstruktion ersetzbar ist.

      Bar-bar-ische Grüße
      Eckard.
    • von Uschi Müller (abgemeldet) 0
      Vorsilben...
      Guten Morgen Eckard, Deine Aussage erscheint mir anfechtbar. Ich selbst mag nicht
      schwitzbar sein, aber Schadstoffe und Salz sind durchaus
      ausschwitzbar, jedenfalls meiner Meinung nach.
      Ich gebe allerdings zu, dass in vielen Fällen die
      Benutzbarmachung der Endsilbe "-bar" furchtbar klingt, und
      besser durch eine anderen Konstruktion ersetzbar ist.
      ich gebe ja zu, dass es wohl Ausnahmen gibt (haftbar z.B.), aber "ausschwitzbar" folgt eindeutig der von mir genannten Regel...
      Intransitive Verben können im Deutschen nämlich durch eine Vorsilbe transitiv werden, und genau das ist bei deinem Beispiel der Fall.
      Oder nimm "gehen", das durch die Vorsilbe be- zu "begehen" und damit transitiv wird. Und schon ist der Weg "begehbar".

      Ich behaupte ja gar nicht, dass Adjektive mit dem Suffix -bar die Schönsten sind, aber es ist ein Wesensmerkmal der deutschen Sprache und ihrer Vielfalt, neue Wörter durch Vor- und Nachsilben bilden zu können. Meine fortgeschrittenen Kursteilnehmer sind jedenfalls immer ganz fasziniert von diesen Möglichkeiten und ihre Kreativität kennt dann manchmal keine Grenzen ;-)

      Liebe Grüße
      Uschi, unbelehrbar, wunderbar und im Moment barfuß ;-))
    • Re^3: Die Endung 'bar'
      Nichts zu machen, lieber Ralf, öffenbar (in Worten: ÖFFENBAR)
      steht so im Buch.
      Gruß Fritz
    • von Anonym (abgemeldet) 0
      Re^3: Die Endung 'bar'
      Hi, Immoment keine bejahenden, allerdings schleichen sich die
      verneinenden ein: unverzichtbar, unabdingbar fallen mir gerade
      ein.
      Wobei es durchaus ernstzunehmende Stimmen gibt, die behaupten, "unverzichtbar" sei eine Fehlkonstruktion - was ist "verzichtbar"? Kann ich "etwas verzichten"?
      Hierzu gibt es ein besseres Wort, nämlich "unentbehrlich".

      Gruß

      J.
    • von Eckard (abgemeldet) 0
      Re^4: Die Endung 'bar'
      Hola José, was ist "verzichtbar"? Kann ich "etwas verzichten"?
      Hierzu gibt es ein besseres Wort, nämlich "unentbehrlich".
      ob "entbehrlich" mit "verzichtbar" gleichzusetzen ist halte ich für zweifelhaft.
      Verzichten kann ich auf etwas, das ich bereits habe, oder das mir zusteht. Mir entsteht dadurch kein Mangel.
      Entbehren tue ich etwas, was ich nicht habe, wenngleich es mir zusteht oder ich es benötige.
      Die Konstruktion "ich kann etwas entbehren" ist also eigentlich falsch - oder kontraktiert aus "ich kann es erdulden etwas zu entbehren".

      Aber das führt uns von der von der baren Diskussion etwas weg.

      Grüße Eckard.