Familie
Von: Sarah-Mae, 26.1.2006 21:51 Uhr
Hallo und guten Abend,

unsere Tochter, 3 Jahre und 3 Monate alt, hat eine Stomatitis. Das ist eine Mundfäule begleitet von hohem Fieber und starken Schmerzen. Heute ist der 6. Tag. Bis gestern hat sie 2 mal pro Tag Schmerzmittel bekommen, heute nur einmal am nachmittag. Die ersten 4 Tage hatte sie hohes Fieber.
Das Zahnfleisch ist feuerrot und so dick geschwollen, dass man die Zähne kaum noch sieht. Der ganze Mund ist von innen wie eine einzige Wundfläche. Sie ißt so gut wie nichts und trinkt nur das Nötigste. Während der letzten 6 Tage hat mein Kind so viel geweint, wie in seinem ganzen Leben noch nicht. Sie war nur einigermaßen ruhig, wenn sie auf meinem Schoß war. Es ist schwer, wenn man sein Kind vor Schmerzen weinen sieht, während ihm das Blut aus den Mundwinkeln rinnt und ich frage mich, ob es nicht auch stärkere Schmerzmittel für Kinder gibt, außer Paracetamol oder Ibuprofen.
Jedenfalls hatte ich heute zum ersten Mal den Eindruck, dass eine leichte Besserung eingetreten ist. Ihr Verhalten allerdings wird eher schlimmer als besser. Sie ist unendlich quengelig, mit nichts zufrieden, weint bei Nichtigkeiten lauthals los, und möchte 24 Stunden Körperkontakt. Während der ersten Tage hätte ich dieses Verhalten absolut verstanden, aber jetzt, wo es ihr besser geht, scheint sie mich völlig zu vereinnahmen.
Hatten Eure Kinder auch schon mal eine Stomatitis? Wie war der Verlauf? Wann kann man mit der normalen Mundhygiene wieder anfangen? Im Moment ist daran nicht im Entferntesten zu denken. Hatten Eure Kinder auch so eine Trennungsangst und legt sich das bei Gesundung wieder?

Diese Viruserkrankung ist für Kinder und Eltern eine harte Prüfung und ich werde mich nie wieder über einen einfachen Schnupfen aufregen :-(

Danke schon mal,
Sarah



  1. Antwort von Eillicht zu Vensre (abgemeldet) 7
    Re: Stomatitis
    Hallo. Jedenfalls hatte ich heute zum ersten Mal den Eindruck, dass
    eine leichte Besserung eingetreten ist. Ihr Verhalten
    allerdings wird eher schlimmer als besser. Sie ist unendlich
    quengelig, mit nichts zufrieden, weint bei Nichtigkeiten
    lauthals los, und möchte 24 Stunden Körperkontakt. Während der
    ersten Tage hätte ich dieses Verhalten absolut verstanden,
    aber jetzt, wo es ihr besser geht, scheint sie mich völlig zu
    vereinnahmen.
    Das Kleine hat schlicht und ergreifend eine barbarische Angst. Und das ist auch zu verstehen - sie kann nicht, wie ein Erwachsener, rationalisieren und sich sagen "es ist schon ein wenig besser, und bald ist es weg". Sie kann sich nur daran erinnern, dass sie ganz doll Aua hatte (hatte sie in der Tat), vermutlich zum ersten Mal im Leben. Und solange das noch nicht völlig verschwunden ist, bleibt diese üble Erinnerung auch frisch.

    Und wenn ein Kind Schmerzen oder andere Beschwerden hat, rennt es nun einmal zur Mami, auch wenn es eine harmlose (?) Sache wäre. Was diese Krankheit mit Sicherheit nicht ist, denn Du weißt sicherlich selbst, wie schlimm es ist, wenn Dir etwas in der Visage weh tut. Dass Dein Kind jetzt Angst davor hat, dass das dolle Aua wiederkommt, ist daher logisch. Und bei Dir sucht sie jetzt eben Schutz.

    Hilft Dir vermutlich wenig hinsichtlich Deiner Belastung - erklärt aber vielleicht, weshalb Deine Tochter jetzt so "anhänglich" ist.

    Alles Gute euch beiden.

    Gruß Eillicht zu Vensre
    1 Kommentare
    • von Willi (abgemeldet) 0
      Angst <----->Geborgenheit

      Das Kleine hat schlicht und ergreifend eine barbarische Angst.
      Und das ist auch zu verstehen - sie kann nicht, wie ein
      Erwachsener, rationalisieren und sich sagen "es ist schon ein
      wenig besser, und bald ist es weg". Sie kann sich nur daran
      erinnern, dass sie ganz doll Aua hatte (hatte sie in der Tat),
      vermutlich zum ersten Mal im Leben. Und solange das noch nicht
      völlig verschwunden ist, bleibt diese üble Erinnerung auch
      frisch.

      Und wenn ein Kind Schmerzen oder andere Beschwerden hat, rennt
      es nun einmal zur Mami, auch wenn es eine harmlose (?) Sache
      wäre. Was diese Krankheit mit Sicherheit nicht ist, denn Du
      weißt sicherlich selbst, wie schlimm es ist, wenn Dir etwas in
      der Visage weh tut. Dass Dein Kind jetzt Angst davor hat, dass
      das dolle Aua wiederkommt, ist daher logisch. Und bei Dir
      sucht sie jetzt eben Schutz.

      Hilft Dir vermutlich wenig hinsichtlich Deiner Belastung -
      erklärt aber vielleicht, weshalb Deine Tochter jetzt so
      "anhänglich" ist.
      genau so ist es. Zu ergänzen wäre noch, daß das Kind wegen seiner Schmerzen (die es nicht einordnen kann) dorthin geht, wo es die meißte Geborgenheit / Sicherheit bekommen hat, und erwartet sie wieder zu bekommen.
      Meine Empfehlung: einen Tragesack (Rücken oder Bauch). Das Kind wird sich durch den engen Körperkontakt beruhigen.
      Ich weiß, das ist anstrengend für den Träger, aber besser für das Kind und vor allen Dingen besser als "....und ich frage mich, ob es nicht auch stärkere Schmerzmittel für Kinder gibt, außer Paracetamol oder Ibuprofen....."
      Salute
  2. Antwort von André (abgemeldet) 1
    • Antwort von Idhre (abgemeldet) 1
      Re: Stomatitis
      Hallo und guten Morgen

      Also ich hatte mit zwei Jahren auch eine Stomatitis, daran kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, meine Eltern dafür umso mehr...
      Es scheint normal zu sein, dass diese Krankheit eine ziemliche Belastungsprobe darstellt, für die Eltern womöglich mehr als für das Kind. Nach Berichten von meinen Eltern hab ich damals auch eine Woche nichts gegessen und kaum was getrunken und war so quengelig, dass sie sich noch heute daran erinnern. Das hat wohl auch noch ein wenig angehalten, nachdem ich schon kein Fieber mehr hatte, einschließlich die Trennungsängste, die wohl auch ganz normal sind. Aber nach ein paar Tagen gesund sein hat sich das laut Eltern auch wieder gelegt, hält also anscheinend nicht monatelang an oder so. Ich hoffe, das beruhigt dich wenigstens ein bißchen...wenn die Symptome schon besser werden, kann es nicht mehr allzulange dauern.

      Ich hoffe, das hilft dir ein bißchen weiter, bis jemand postet, der Erfahrungen damit gemacht hat und sich auch erinnern kann ;-)

      Es ist schwer, wenn man sein Kind vor Schmerzen weinen sieht, während
      ihm das Blut aus den Mundwinkeln rinnt
      jep, mein Vater sagt heute noch ab und an, ich hätte ihm nie so Leid getan wie damals...
      Ich wünsche dir noch ein paar Tage starke Nerven

      liebe Grüße
      Sonja
      • Antwort von Petzi 1
        Re: Stomatitis
        Hallo Sarah,

        hmm, ich hatte nun so eine üble Geschichte noch nie und hab auch keine Kinder, die sowas kriegen könnten. Aaaber, ich glaub, dass sich Dein Mädel schon völlig normal verhält. Schau, die ersten Tage war sie wegen Schmerzen, Fieber und Schmerzmittel so "daneben" dass sie um sich rum überhaupt gar nix mitgekriegt hat. Inzwischen ist zwar das allerschlimmste überstanden, aber schlimm isses immer noch. Vielleicht hat sie ja doch so langsam Hunger und Durst, aber Essen und Trinken tut soooo weh? Und Du schreibst ja, dass das Fieber nachgelassen hat. Das heisst, so langsam kriegt sie wieder mit, was um sie rum passiert. Und ich muss ehrlich sagen: wenn ich sowas schauderhaftes hätte und auf dem Weg der Besserung wäre, ich würde meine Mama auch keine 10 Sekunden fort lassen :-) Immerhin tut das ja höllisch weh und überhaupt...
        Klar, wenn man nun Mama ist, sieht das wahrscheinlich anders aus und man findet das nicht soo gut, aber ich glaub, sie wird schon von sich aus zur Normalität zurückkehren wenn sie wieder gesund ist. Oder zumindest wenn sie sich auch sonst für "normale" Sachen (Spielzeug, Bücher, Teddy, Freunde) interessiert.

        *wink* und ich wünsch Dir jede Menge Kraft

        Petzi
        • Antwort von Anonym (abgemeldet) 4
          Re: Stomatitis
          Hallo Sarah-Mae,
          ich kann mich erinnern, dass mein Bruder so eine "Mundfäule" hatte, und einige Tage nichts anderes gegessen hat, als eingeweichten Zwieback und Grießbrei.

          Was ich aber eigentlich schreiben will, ist, dass ich solche Verhaltensweisen von unserer Tochter kenne, und zwas IMMER dann, wenn sie irgendwelche "gravierenden" Krankeiten durchmacht (Windpocken, Mittelohrentzündung). Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du denkst, jetzt wo es ihr besser geht, kann sie sich vielleicht auch wieder "normal" verhalten. Ich weiss noch, dass ich einmal dachte, ob es wohl möglich ist, dass Kinder aus solchen Krankheiten "wesensverändert" hervorgehen.

          Unsere Tochter ist im Grunde sehr ausgeglichen, sehr geduldig aber immer anhänglich. Wenn sie krank ist "artet" die Anhänglichkeit in der Form aus, dass sie mich nicht mal aufs Klo lässt ohne zu jammern, je nach Zustand ist das dann ein herzzerreissendes Wimmern.

          Ich habe mir das irgendwann so erklärt:
          Kinder machen innerhalb und durch diese Krankheiten Entwicklungen durch, meist WEITERentwicklungen. Und diese sind nicht unbedingt abgeschlossen, wenn das Fieber nachläßt. Solche Entwicklungen machen den Kleinen ja vielleicht auch Angst, und daher wollen sie, dass die "Großen" bei ihnen bleiben.
          Meine Erfahrung zeigt, dass wenn man dem Kind die Zeit gibt, die es braucht, sich diese Zustände von allein wieder geben, auch wenn man das in der Situation nicht für möglich hält.

          Dein Kind ist nun noch recht klein, aber möglicherweise kannst du bald mit ihm einen Deal schliessen, nach dem Motto "Ich les dir jetzt eine Geschichte vor, und dann geh ich kurz in die Küche und räum die Spüli aus und dann bin ich wieder bei dir" (wahlweise durch andere Aktivitäten austauschbar)
          Und sei gewiss, ein Kind welches in solchen Situationen sicher sein kann, dass die Eltern bei ihm bleiben, geht gestärkt daraus hervor.
          Dir wünsche ich viel Kraft für die nächste Zeit,
          und sicher kannst du hier (oder im Plauderbrett) auch ein bisschen jammern, wenns mal wieder zu arg wird.
          Ganz liege Grüße,
          Conny
          • Antwort von Semjon Michailowitsch (abgemeldet) 3
            Re: Stomatitis
            Hallo Jedenfalls hatte ich heute zum ersten Mal den Eindruck, dass
            eine leichte Besserung eingetreten ist. Ihr Verhalten
            allerdings wird eher schlimmer als besser. Sie ist unendlich
            quengelig, mit nichts zufrieden, weint bei Nichtigkeiten
            lauthals los,
            Ihre Erfahrungen dürften traumatisch gewesen sein.
            Sowas macht Angst und kann ein Kind aus der ver-
            trauten Bahn werfen. und möchte 24 Stunden Körperkontakt.
            Das sind ihre tatsächlichen Bedürfnisse. Sie ist
            nicht in der Position, jemanden "reinzulegen"
            oder "auszutrixen" oder "zu vereinnahmen". Während der ersten Tage hätte ich dieses
            Verhalten absolut verstanden, aber jetzt,
            wo es ihr besser geht, scheint sie mich
            völlig zu vereinnahmen.
            Wie soll sich denn Dein Kind in 40 Jahren
            verhalten, wenn Du dann ...

            Wird Sie dann sagen "ohh diese Olle scheint
            mich wieder vollig zu vereinnahmen zu wollen ..." ;-)

            Grüße

            CMБ
            • Antwort von A.Adler (abgemeldet) 0
              Re: Stomatitis
              Hi Sarah,

              hatte das als Teenager - es war eine Qual. Selbst das Schlucken der Spucke bereitet höllische Schmerzen. Hab' in 10 Tagen 8 Kg abgenommen (was ich als pummeliger Teenie später dann toll fand).

              Gib' Deiner Tochter alle Zeit und alle Geduld, die Du hast .... sie weiß ja nicht, dass dieser Zustand irgendwann vorbei geht und das kann einen schon zur Verzweiflung bringen.

              Liebe Grüße,
              Anja
              • Antwort von Sarah-Mae 4
                @ all
                Ich möchte Euch allen für Eure lieben und aufmunternden Antworten danken! Ich habe 4 Kinder und schon einiges mitgemacht (eines meiner Kinder ist mit 15 Monaten nach schwerer Krankheit verstorben) und an dem Tag, wo ich hier gepostet habe, war ich einfach mit meiner Kraft am Ende. Meine Kinder sind für mich das Wichtigste und meine Aufmerksamkeit gehört immer zuerst ihnen. Bei mir stapeln sich schon mal die Wäschekörbe und das Altpapier, aber wenn sie mich brauchen, dann lasse ich alles andere liegen. Und Körperkontakt steht ganz oben auf der Liste (erstaunlicherweise auch noch bei der 13-jährigen).
                Zwischen unserer Jüngsten und mir besteht eine besonders enge Bindung. Vielleicht weil sie einfach noch so klein ist, oder vielleicht weil sie als Nesthäkchen nach unserem traumatischen Verlust geboren wurde.
                Es geht ihr mittlerweile besser, sie braucht kein Schmerzmittel mehr, mag aber trotzdem kaum essen oder trinken. Nur die Hühnerbrühe, die ich ihr jeden 2. Tag koche. Sie verbringt noch immer den halben Tag auf meinem Schoß, aber sie leidet nicht mehr so schrecklich und so ist es für mich viel schöner, mit ihr zu kuscheln. Ich hatte einfach an einem gewissen Punkt pure Angst um sie.

                Ich möchte Euch nochmals danken, auch für die kraftspendenen Wünsche. An so etwas glaube ich nämlich.

                Liebe Grüße
                Sarah