Was ist eine Wärmebrücke in (schimmeligen) Räumen ?

Im Zusammenhang mit Schimmelbildung in einem Raum, kann mir da
jemand sagen was eine Wärmebrücke ist?
Welche Rolle spielt dabei das Heizen im Zimmer und welche
Rolle spielt eine schlechte (oder gar keine) Hausisolierung
(Hauswände von aussen)?
Hallo Daniel,

die Außenmauern eines Wohngebäudes bestehen üblicherweise aus 3 Schichten: Außenmauerwerk gegen Wasser, Wind und Wetter, eine thermische Isolierschicht und das Innenmauerwerk. Letzteres ist gleichzeitig die tragende Konstruktion, auf der Decken und Dachstuhl lasten. Im Idealfall hat die Oberfläche des Innenmauerwerks genau Raumtemperatur. Die warme Raumluft kühlt sich dann an den Wänden nicht ab und behält ihre temperaturabhängige Fähigkeit, Wasser zu speichern.

Bei schlechter thermischer Isolation ist die Wandoberfläche kühler als die Raumluft. Die an der Wand vorbei streichende Raumluft kühlt ab und verliert dabei einen Teil ihrer Wasser-Speicherfähigkeit. Die Feuchtigkeit schlägt sich auf der Wandoberfläche nieder und bildet so den Nährboden für Schimmel.
Es kann beim Bau des Hauses passieren, daß es zu unbeabsichtigten Berührungspunkten von Außen- und Innenmauerwerk kommt. Statt Isoliermaterial landet z. B. Mörtel zwischen die Gebäudeschalen. Oder beim Schütten der Decke wird die Isolierschicht zerstört. Das gibt dann Wärmebrücken zwischen Außen- und Innenmauerwerk. An diesen Stellen wird die Oberfläche der Innenwand kalt, Luftfeuchtigkeit kondensiert, Schimmel ist die Folge.

Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch mangelhafte Planung und Berechnung des Gemäuers. Da meint es ein Architekt besonders gut und isoliert sehr dick und vermeintlich gut. Das gesamte Temperaturgefälle zwischen Außen- und Innentemperatur findet dann in der gut gemeinten Isolierschicht statt. Damit liegt aber auch der Taupunkt in der Isolierschicht, die deshalb langfristig durchfeuchtet. Eine nasse Isolierschicht isoliert aber nicht. Das Haus vergammelt vom Inneren der Mauern. Bald hat der Schimmel das Innenmauerwerk stellenweise vollständig durchsetzt. Dieses Haus verhält sich trotz hohem Isolieraufwand wie ein Gebäude aus Massivwänden ohne thermische Isolation.

Eine weitere Ursache für Schimmelbildung könnten Innenwandverkleidungen in Verbindung mit einer ohnehin nicht guten thermischen Gebäudeisolation sein. Oder - wieder vorzugsweise in Verbindung mit nicht optimaler thermischer Isolation - wasserundurchlässige Wandanstriche auf Innenwänden, z. B. Lack- oder Latexfarben.

Auch ganz und gar mit Schränken zugestellte Wände neigen zu Schimmelbildung und schließlich ist manches vom Heiz- und Lüftungsverhalten abhängig. In bewohnten Räumen wird durch die Bewohner selbst und durch Kochen, Baden etc. ständig Wasserdampf eingebracht. Die Wände haben nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für Wasser und irgendwann wird es so feucht, daß Schimmel leben kann.

Es gibt also mehrere Möglichkeiten und alle Ursachen kommen sehr, sehr häufig vor. Baupfusch ist ohne akribische Kontrolle WÄHREND der Arbeiten an der Tagesordnung, aber auch praktisch nicht mehr behebbare Planungsmängel sind keine Seltenheit. So weit es sich um Gebäudemängel handelt, hat man ohne genaue Untersuchung des Maueraufbaus keine Chance, die Ursache zu finden. Zur Untersuchung muß man sich die verwendeten Baumaterialien von den Steinen bis zum Innenputz mit den jeweiligen Schichtstärken ansehen und kann mit dann bekannten Materialeigenschaften exakt rechnen, wie es um die Temperaturverhältnisse und die Lage des Taupunkts bestellt ist. An einigen kritischen Stellen, wie Fensterstürze und Geschoßdecken muß man separat gucken, was passiert ist.

Solche genauen Überlegungen mußte man früher nicht anstellen. Da war die Bauweise insgesamt so zugig, daß immer frische Luft nachkam, ob man wollte oder nicht. Das will aber auch keiner mehr, ist für Neubauten auch nicht mehr zulässig und hinsichtlich der Heizkosten unbezahlbar.

Gruß
Wolfgang