Was bedeutet 'konservativ'?

Ich hab immer gedacht, ich wäre konservativ.

Jetzt lese ich aber folgenden Artikel:
http://onnachrichten.t-online.de/c/73/18/53/7318536…

„… So sagten 71 Prozent der Befragten, es sei die Hauptaufgabe der Frau, ihrem Mann zu dienen. Fast ein Viertel der Befragten findet sogar, ein Mann dürfe seine Frau schlagen, wenn er es für nötig hält. …“

Das wird in dem Artikel als „konservativ“ bezeichnet.

Dumm und gewalttätig ist das, aber nicht „konservativ“, oder doch?

Was ist für Euch „konservativ“?

Nick

Hallo Nick!

Die Einstellungen die du zitiert hast entsprechen dem Frauenbild vergegangener Jahrhunderte. Das Wort „konservativ“ stammt vom lateinischen conservare, auf das auch das Verb konservieren zurückgeht. Als konservativ bezeichnet man Menschen, die an althergebrachten Vorstellungen festhalten.
Da die geäußerten Vorstellungen bereits sehr alt sind, kann man spekulieren, dass die Befragten diese aus Konsvervatismus beibehalen haben. Deshalb sind die Einstellungen aber nicht automatisch konsvervativ. Sie könnten auch ganz andere Beweggründe für ihre Einstellungen haben- z.B. eine postmoderne Ideologie oder neue „wissenschaftliche Erkenntnisse“. Allerdings müssen diese Begründungen mehr als nur ein Vorwand sein. Konservatismus könnte also dennoch das eigentliche Motiv sein.

Wenn du es also sehr genau nimmst, hast du Recht. Konservativ sein und alte Einstellungen haben, sind zwei verschiedene Dinge; zwei allerdings die sehr oft gemeinsam auftreten und fast immer kausal von einander abhängig sind. Deshalb können die Autoren ihre Behauptung auch so stehen lassen. Ich vermute, dass kaum jemand außer dir daran Anstoß nehmen wird.

Beste Grüße
Falk

Hallo, Falk,
wobei ich allerdings „antiquierte Anschauungen“ als den besseren Begriff benutzen würde.

Die Eigenschaft „konservativ“ kann durchaus zwei Bedeutungen annehmen, je nach Standort des Sprechers. Während ein Anhänger einer eher rechten Ideologie wahrscheinlich das wertebewahrende des Konservativismus - und somit einen positiven Aspekt - herausstellen wird, könnte aus dem linken Spektrum genauso legitim eher die fortschrittsbehindernde Wirkung stärker betont werden.

„Antiquert“ kennzeichnet eine Haltung jedoch recht eindeutig als überholt, nicht mehr zeitgemäß. Daher meine Wortwahl.
Gruß
Eckard

Hallo Eckard!

Die Bezeichnung „antiquiert“ finde ich auch passsender. Allerdings wertet sie sehr stark. Ich halte diese Wertung für angebracht. Allerdings kann es durchaus sein, dass der Autor, um objektiv zu bleiben und in Anbetracht der Umfrageergebnisse, sich einer Wertung lieber enthalten möchte. Das Adejektiv „konservativ“ gibt dem Lesser, wie du richtig festgestellt hast, die Wertung nicht vor, sondern ist eher neutral.

Falk

Konservativ heißt nur „bewahrend“. Politisch taucht es um die Wende vom 19. zum 20, Jahrhundert auf und bezeihcnet dort eine Haltung, die die alte monarchistische Ordnung aus dem Biedermeier bewahren will („Konservative Partei, Bismarck…“).

Heute wird der Begriff vor allem als Kampfbegriff in der Diskussion vom linken Spektrum eingesetzt, um die Gegner zu dikreditieren. Wie auch in vielen anderen Fällen geht damit der eigentliche Wortsinn verloren und wird durch Assoziationen, die der Begriff in der neuen Verwendung auslösen soll, überlagert

Hallo Nick!

Dumm und gewalttätig ist das, aber nicht „konservativ“, oder
doch?

Das Wort „dumm“ und verwandte Wörter sollte man aus dem deutschen Wortschatz streichen. Die eigentliche Funktion dieser Worte ist es die Dummen, nicht urteilsfähigen, zu entmündigen. Seine Verwendung ist in hohem Maße diskriminierend. Natürlich widerspricht die Ungleichberechtigung von Mann und Frau nicht unseren europäischen Werten. Es ist richtig, dass sie vielmehr den europäischen Zuständen vor mehr als 250 Jahren entsprechen. Trotzdem haben wir nicht das Recht sie als „dumm“ zu bezeichnen. Woher weißt du denn, dass es richtig ist, dass Frauen und Männder gleiche Rechte haben. Du hast die Eistellung aus unserem Kulturkreis übernommen. Vielleicht führst du sie auch auf unser Moralsystem zurück. Da man aber nicht ein Moralsystem über ein anderes stellen kann, sagt dass auch nichts aus. Es könnte sein, dass zukünftige Generationen, die Aufklärung als Rückschritt bezeichnen. Kann man es ausschließen. Ich weiß, du meinst es sicher nicht so. Trotzdem finde ich deine Formulierung überheblich.

Falk

Einen gleichstarken Gegner

Hallo Nick!

Dumm und gewalttätig ist das, aber nicht „konservativ“, oder
doch?

Das Wort „dumm“ und verwandte Wörter sollte man aus dem
deutschen Wortschatz streichen. Die eigentliche Funktion
dieser Worte ist es die Dummen, nicht urteilsfähigen, zu
entmündigen. Seine Verwendung ist in hohem Maße
diskriminierend. Natürlich widerspricht die
Ungleichberechtigung von Mann und Frau nicht unseren
europäischen Werten. Es ist richtig, dass sie vielmehr den
europäischen Zuständen vor mehr als 250 Jahren entsprechen.
Trotzdem haben wir nicht das Recht sie als „dumm“ zu
bezeichnen. Woher weißt du denn, dass es richtig ist, dass
Frauen und Männder gleiche Rechte haben. Du hast die
Eistellung aus unserem Kulturkreis übernommen. Vielleicht
führst du sie auch auf unser Moralsystem zurück. Da man aber
nicht ein Moralsystem über ein anderes stellen kann, sagt dass
auch nichts aus. Es könnte sein, dass zukünftige Generationen,
die Aufklärung als Rückschritt bezeichnen. Kann man es
ausschließen. Ich weiß, du meinst es sicher nicht so. Trotzdem
finde ich deine Formulierung überheblich.

Wenn jemand glaubt, dass ein großer Teil der Bevölkerung das „natürliche Recht“ hat, einen anderen Großen Teil der Bevölkerung zu verprügeln, dann ist das insofern „dumm“:

Es sind nun mal ca. 50% Männer, und 50% Frauen. Körperlich und geistig sind Männer und Frauen zwar nicht exakt gleich stark, aber so ungefähr zumindest.

Also glaubt da ein Teil, dass es ihm nicht schadet, auf einen gleich starken Gegner ohne besonderen Grund einzuhauen. Und das ist einfach falsch. Wer an etwas glaubt, das er ohne großes Nachdenken als falsch erkennen könnte, seine Handlungen aber nicht an dem gesunden Menschenverstand ausrichtet, sondern auf vorgeplappertes „Frau ist schwach, Frau must du schlagen.“-Zeug hört, wie würdest *Du* den bezeichen, wenn nicht als „dumm“?

Zu faul zum Nachdenken?

Zu unselbstständig zum Nachdenken?

Nick

Hallo,

Es könnte sein, dass zukünftige Generationen,
die Aufklärung als Rückschritt bezeichnen. Kann man es
ausschließen. Ich weiß, du meinst es sicher nicht so. Trotzdem
finde ich deine Formulierung überheblich.

Woher weiss ich, ob ein schnelles Flugzeug in 1000 Jahren noch als schnell gilt und der Himmel weiter als blau? Wenn es danach ginge, dürfte man heute überhaupt keine Aussagen machen.

Das Wort „dumm“ und verwandte Wörter sollte man aus dem
deutschen Wortschatz streichen.

Wenn Du alle Werturteile streichen willst, dann bleibt nicht mehr viel übrig.

Im Übrigen haben die angesprochenen „konservativen“ Herren für emanzipierte Frauen meistens auch recht nette Bezeichnungen. Wieso also nicht zurückschlagen? Wenn alle Klugen sich zurücknehmen, dann dominieren am Ende die Dummen.

Ich halte es aber für denkbar, dass der Artikelschreiben ebenfalls Deine Gedanken hatte und deshalb die Worte „dumm“ und „gewalttätig“ mit „konservativ“ umschrieben hat. Womit vielleicht die Ursprungsfrage geklärt wäre.

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

2 Like

Hallo

Körperlich und
geistig sind Männer und Frauen zwar nicht exakt gleich stark,
aber so ungefähr zumindest.

Wie schätzt du denn in etwa ein?
Dass Männer im Durchschnitt körperlich stärker sind als Frauen, wird wohl von wenigen bezweifelt. Aber wie schätzt du das Geistige hier ein?

Ich persönlich habe übrigens die Vorstellung, dass Männer oft ihre Frauen schlagen, wenn sie sich ihnen geistig unterlegen fühlen.

Also glaubt da ein Teil, dass es ihm nicht schadet, auf einen
gleich starken Gegner ohne besonderen Grund einzuhauen. Und
das ist einfach falsch.

Wie würdest du das denn sehen, wenn der Gegner nicht gleich stark ist; z. B. schwächer? Oder stärker?

„Frau ist schwach, Frau must du
schlagen.“

Wer erzählt denn sowas? Ich dachte, wenn schon, dann würde es entweder heißen: „Frau ist schwach, Frau kannst du ungestraft schlagen.“ oder „Frau ist stark, Frau musst du schlagen.“

Viele Grüße
Thea

Hallo

Körperlich und
geistig sind Männer und Frauen zwar nicht exakt gleich stark,
aber so ungefähr zumindest.

Wie schätzt du denn in etwa ein?
Dass Männer im Durchschnitt körperlich stärker sind als
Frauen, wird wohl von wenigen bezweifelt. Aber wie schätzt du
das Geistige hier ein?

Ich persönlich schätze es so ein:
wenn es um körperliche Kraft geht sind viele Männer vielen Frauen überlegen. Das ist einfach so.
Das ist auch nicht schlimm. Wenn es darum geht, was zu heben, zu wuchten, dann bin ich für eine Frau zwar noch ganz gut, aber Männer sind da häufig besser, obwohl ich mich an schwere Sachen wage.
Das liegt einfach daran, dass ich lange alleine lebte und es mir zu langwierig war, auf Hilfe zu warten. Ich probiere immer erst mal, wie weit ich komme. Hilfe kann ich mir immer noch holen.

Ich persönlich habe übrigens die Vorstellung, dass Männer oft
ihre Frauen schlagen, wenn sie sich ihnen geistig unterlegen
fühlen.

Das würde ich bedingt so sehen. Ein Mann muss nicht geistig unterlegen sein. Ich denke, es ist häufig, wenn einem die Worte fehlen. Also, wenn man nicht mehr argumentieren kann, wenn einem einfach die Worte ausgehen. Ansonsten kann man ja noch reden. Wenn man sich aber hilflos fühlt, da spricht m.E. oft nur noch Kraft… das ist natürlich nicht gut, aber ich denke, daran kann man arbeiten und lernen

LG

Sarah

Keine Aussage über Ethik beabsichtigt.

Hallo

Körperlich und
geistig sind Männer und Frauen zwar nicht exakt gleich stark,
aber so ungefähr zumindest.

Wie schätzt du denn in etwa ein?
Dass Männer im Durchschnitt körperlich stärker sind als
Frauen, wird wohl von wenigen bezweifelt. Aber wie schätzt du
das Geistige hier ein?

Ich persönlich habe übrigens die Vorstellung, dass Männer oft
ihre Frauen schlagen, wenn sie sich ihnen geistig unterlegen
fühlen.

Also glaubt da ein Teil, dass es ihm nicht schadet, auf einen
gleich starken Gegner ohne besonderen Grund einzuhauen. Und
das ist einfach falsch.

Wie würdest du das denn sehen, wenn der Gegner nicht gleich
stark ist; z. B. schwächer? Oder stärker?

Gewalt ist grundsätzlich ein ethisch sehr kompliziertes Thema. Ich wollte in diesem Punkt auch gar keine ethische Aussage machen.

Einen stärkeren oder gleich starken Gegner ohne wichtigen Grund angreifen und *gleichzeitig* zu glauben, dass das keine negativen Folgen hat, ist einfach nur dumm.

Denn es hat spätestens dann negative Folgen, wenn sich der (gleichstarke) „Gegner“ entschliesst, sich zu wehren.

„Gegner“ habe ich übrigens hier bewusst als Begriff gewählt, denn jeder friedliche Mensch wird, wenn er angegriffen (geschlagen) wird, automatisch zum Gegner.

Das ist übrigens auch eine interessante, vielleicht eher philosophische Frage: Sind in einer Kultur, in der es ganz normal ist, dass Männer Frauen schlagen dürfen/müssen, schon vor der Gewalttat Frauen und Männer „Gegner“, oder erst hinterher?

Nick

Ich hab immer gedacht, ich wäre konservativ.

Was ist für Euch „konservativ“?

Hallo Nick,

Ich bin, was ich denke. Dabei ziehe höchstens Umständehalber konservative Überlegungen in Betracht und handle danach.

Andersmal handle ich liberal, solidarisch oder tolerant. Konservativismus ist für mich nur eine Sichtweise. Zuwenig zum Leben.

Die vier Begriffe bedingen räumliches Denken. Stell Dir eine Art imaginären Würfel vor, in dem wir alle leben. Dieser umfasst den Mikro- und Makrokosmos.

Ausgangspunkt ist Akzeptanz bzw. Liberalismus. Daran schließt sich konservatives, daran wiederum solidarisches und zuletzt tolerantes (umfassendes) Denken und Handeln. Ich bemühe mich darum, mich in diesem immaginären Würfel unentwegt zu bewegen.

Die von Dir vorgestellte Aussge fällt eindeutig außerhalb meines skizierten Raum/Zeitgefühles. Diese Aussage nötigt mir regelrechte Abscheu ab. Rundweg verurteilenswert.

Gruß
guvo