Job & Karriere
Von: Fengshui77, 30.8.2006 15:48 Uhr
Hallo Ihr lieben Experten!

Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen, bin nämlich schon am verzweifeln! Bin gerade mit der Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen-Assistentin fertig und bekam ein auf den 1. Blick gutes, aber auf den 2. Blick ziemlich dubioses Zeugnis ausgestellt.
Da ich mich jetzt aber neu bewerben muss (Kohle wird knapp), weiß ich nicht, ob ich dieses Zeugnis überhaupt einem potenziellen neuen Chef zeigen kann... Aber lest selbst:

"Zu den Aufgaben von Frau X zählte alles, was zum Tätigkeitsfeld einer PTA bzw. PTA-Praktikantin gehört. In Rezeptur und Labor erledigte sie selbständig das Prüfen von Substanzen sowie das Herstellen von Rezepturen und Defekturen. Auch das Nachbestellen fehlender Substanzen fiel in ihren Aufgabenbereich.
All dies erledigte sie zu meiner vollen Zufriedenheit.
Die Hauptaufgaben von Frau X war allerdings die Tätigkeit im Handverkauf. Dies tat sie mit großem Engagement und steter Freundlichkeit. Sie war stets darauf bedacht ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen, um dies dan an die Kunden weitergeben zu können.
Bei den Kollegen war Frau X aufgrund ihrer natürlichen Art und Hilfsbereitschaft sehr beliebt. Mir gegenüber war sie immer freundlich und loyal. Frau X musste uns aufgrund innerbetreiblicher Gründe kurz nach ihrer Prüfung verlassen. Ich wünsche ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles Gute."

Meine Einschätzungen: zur vollen Zufriedenheit - Note 3 (nur?),
war stets darauf bedacht - hat aber nichts erreicht!,
Kollegen zuerst aufgelistet - mit Chef lief's nicht so! (find ich aber nicht!).
Aber: wie war das Verhältnis zu den Kunden? Und warum kein "Danke"?

Ich war 1/2 Jahr im Praktikum dort angestellt. Und es hat mir wirklich Spaß gemacht. Bilde ich mir alles nur ein? Oder ist so ein Zeugnis nach so kurzer Zeit und überhaupt in der Ausbildung normal?

Bitte nehmt mir die Zweifel! Danke im Voraus,

Gruß, Sandra



  1. Antwort von MecFleih 1
    Re: Arbeitszeugnis - so schlecht wie ich denke?
    Hallo,

    zunächst zu den Äußerlichkeiten. Das Zeugnis muß...

    - auf offiziellem Firmenpapier geschrieben sein
    - darf nur geknickt sein wenn man es kopieren kann ohne daß die Knicke auf den Duplikaten sichtbar sind
    - das Adressfeld darf nicht, wie bei einem Brief, ausgefüllt sein
    - das Datum SOLLTE (ist aber nicht einklagbar) auf den Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen datiert sein (nicht etwa auf das Datum, an dem der Text geschrieben wurde)
    - die Unterschrift muß von einem hochrangigen Vertreter der Firma (Chef, Leiter Personalabteilung, ...) persönlich geleistet worden sein. "I. A. Müller, Sekretärin des Abteilungsleiters" reicht nicht
    - unter der Unterschrift müssen Name und Funktion des Unterzeichnenden nochmal in Maschinenschrift stehen.

    Der Rest des Zeugnisses kann dann theoretisch frei formuliert werden, es haben sich aber gewisse Standards herausgebildet und Dein Zeugnis ist offensichtlich von jemandem geschrieben worden, der das nicht jeden Tag macht und sich deswegen nicht ganz darüber im Klaren ist. Ich lese den Text aber nicht so als wolle man Dir ein schlechtes Zeugnis geben, sondern als sei es nur manchmal etwas ungeschickt. "Schlecht" ist das Zeugnis aber deswegen nicht.

    Generell sollte ein Zeugnis so strukturiert sein daß erst eine Aufgabenbeschreibung kommt, dann Aussagen zu den Leistungen des Mitarbeiters, und dann zum Sozialverhalten. Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen, bin nämlich schon am
    verzweifeln!
    Also das ist nun wirklich nicht nötig... Da ich mich jetzt aber neu bewerben muss (Kohle wird knapp),
    weiß ich nicht, ob ich dieses Zeugnis überhaupt einem
    potenziellen neuen Chef zeigen kann...
    Kannst Du! Trotzdem bietet das ZeEugnis noch Verbesserungspotential, nicht allein nur im Bezug auf die Benotung, sondern vor allem in formaler Hinsicht. Die Grundregeln oben müssen natürlich eh erfüllt sein, aber eine bessere Struktur (siehe auch oben) würde den Text verbessern. Das wertet Dich aber nicht ab und hat mit der Beurteilung nichts zu tu, sondern dient eher dazu daß Dein bisheriger Chef besser dastehen kann wenn er ein besseres Zeugnis schreibt. "Zu den Aufgaben von Frau X zählte alles, was zum
    Tätigkeitsfeld einer PTA bzw. PTA-Praktikantin gehört. In
    Rezeptur und Labor erledigte sie selbständig das Prüfen von
    Substanzen sowie das Herstellen von Rezepturen und Defekturen.
    Auch das Nachbestellen fehlender Substanzen fiel in ihren
    Aufgabenbereich.
    Der Einstieg sollte so aussehen: "Frau Erika Mustermann, geboren am xx.xx.xxxx in xxxxxxx war vom xx.xx.xxxx bis zum xx.xx.xxxx als Pharmazeuthisch-technische Assistentin (klingt besser als gleich die Abkürzung zu benutzen) in meinem Unternehmen angestellt. Zu ihren Aufgaben gehörte..." Und dann erst folgt die Aufzählung Deiner Aufgaben.
    Ob diese Aufzählung vollständig und korrekt ist mußt Du natürlich selber wissen. Gibt es irgendwelche "typischen" PTA-Aufgaben, die Du gemacht hast, die hier aber nicht genannt werden? Man muß hier nicht jeden selbstverständlichen Handgriff nennen, aber das, was Du gemacht hast, sollte benannt werden. Dein Chef schreibt zwar "Zu den Aufgaben von Frau X zählte alles, was zum Tätigkeitsfeld einer PTA bzw. PTA-Praktikantin gehört", besser wäre aber wenn das tatsächlich aufgeführt wird. All dies erledigte sie zu meiner vollen Zufriedenheit.
    Dies ist eine Leistungsbeurteilung, die eigentlich erst etwas später kommen sollte. Die Formulierung "zu meiner vollen Zufriedenheit" wird als glatte 3 gewertet. Dazu muß man wissen daß ein normaler, guter Mitarbeiter mit einer 3 beurteilt wird und das in Arbeitszeugnissen eine normal gute Note ist. Es gibt also keinen Grund das schlecht oder unterdurchschnittlich zu finden. Im Gegenteil, für eine 2 muß man schon außergewöhnlich gut gewesen sein und eine 1 wird fast nie vergeben (oder schnell als unglaubwürdig betrachtet).
    Eine kleine Aufwertung wäre wenn man "stets zu meiner vollen Zufriedenheit" schreiben würde, aber generell ist diese Benotung OK und kein Problem. Die Hauptaufgaben von Frau X war allerdings die Tätigkeit im
    Handverkauf.
    Das gehörrt noch zum Block Tätigkeitsbeschreibung, also an den Anfang, wo Deine Aufgaben genannt werden.. Dies tat sie mit großem Engagement und steter
    Freundlichkeit. Sie war stets darauf bedacht ihr Wissen zu
    erweitern und zu vertiefen, um dies dan an die Kunden
    weitergeben zu können.
    Und dieses in den Bereich Leistungsbeschreibung, und zwar vor das Fazit, also die Benotung (den Satz mit der Zufriedenheit).
    Hier wird Dir Motivation, Engagement und Wille zur Weiterbildung bescheinigt, was sehr gut ist. Bei den Kollegen war Frau X aufgrund ihrer natürlichen Art und
    Hilfsbereitschaft sehr beliebt. Mir gegenüber war sie immer
    freundlich und loyal.
    Eigentlich sollte die Reihenfolge sein "Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kunden". Das geht hier ein wenig durcheinander, weil in Deinem Zeugnis auch vorher schon Passagen stehen, wo Dein Verhältnis zum Chef erwähnt wird. Eigentlich gehört es hier hin. Da man aber merkt daß Dein Chef kein Zeugnis-Profi ist, ist das andererseits kein Problem. Man merkt daß hinter seiner Reihenfolge keine böse Absicht steckt, sondern das nur aus Unwissenheit so dasteht.
    Dir wird bescheinigt "immer" freundlich usw. gewesen zu sein - das ist eine Aufwertung. Frau X musste uns aufgrund
    innerbetreiblicher Gründe kurz nach ihrer Prüfung verlassen.
    Das ist nun ein bißchen mager. Es bleibt nämlich offen was der wirkliche Grund für das Ausscheiden ist und theoretisch könnte es auch sein daß es Ärger gab. Vielleicht kann man etwas deutlicher werden ohne betriebsinterne Dinge zu verraten: vielleicht sowas wie "aufgrund des Praktikumsendes" oder "Ende der Förderung durch die Bundesanstalt für Arbeit", oder sonst irgend etwas, was besagt daß Du nicht gehst weil ihr euch überworfen habt, sondern daß es einfache, neutrale Gründe gibt. Ich wünsche ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles
    Gute."
    Grundsätzlich OK, aber es fehlt der Dank und Bedauern über Dein Ausscheiden. Üblicher, guter Abschlußsatz: "Ich bedauere das Ausscheiden von Frau Mustermann und danke ihr für die gute geleistete Arbeit. Für ihre private und berufliche Zukunft wünsche ich ihr alles Gute und weiterhin viel Erfolg".

    Du kannst das Zeugnis so akzeptieren, weil so schlecht ist es nicht. Ich würde allerdings mit dem Argument, daß auch der Chef ein besseres Bild abgibt wenn man ein - schon formal - optimaleres Zeugnis anfertigt, um Nachbesserung bitten. Stillschweigend kann man darin ja auch die Note noch ein wenig hochbringen, obwohl eine 3 in Ordnung ist. :-)

    Belies Dich mal bei http://www.arbeitszeugnis.de und schreibe einen eigenen Zeugnis-Vorschlag. Oft haben Chefs kein Problem damit und das ist völlig OK, denn sie profitieren auch von einem ordentlichen Zeugnis.

    Gruß,

    MecFleih
    1 Kommentare
    • Dankeschööööön!
      Halli-Hallo!

      Vielen Dank für die promten Antworten! Jetzt bin ich doch beruhigter.
      Und ich habe gelernt, daß ich mir in Zukunft besser ein eigenes
      Zeugnis schreibe ; )
      Bin mal gespannt, wie potenzielle zukünftige Chef's auf
      das Zeugnis reagieren werden...

      Nochmal Danke,

      Gruß, Sandra
  2. Antwort von M.L. 0
    Re: Arbeitszeugnis - so schlecht wie ich denke?
    Auch hallo. Hallo Ihr lieben Experten!
    Oh ♥ ;-) Da ich mich jetzt aber neu bewerben muss (Kohle wird knapp),
    weiß ich nicht, ob ich dieses Zeugnis überhaupt einem
    potenziellen neuen Chef zeigen kann... Aber lest selbst:
    *FAQ:2027 befrag'*:
    Von den Formalien mal abgesehen (Firmendokument, Unterschrift einer berechtigten Person,...), klingt es als ob eine eher unerfahrene Person hier etwas fabriziert hat (sicher: auch ein übelgelaunter Profi kann ein solches Zeugnis verfassen. Vor allem, weil man als neutraler Leser den Weg vom Produkt zum Erzeuger nicht kennt...)

    Deswegen eine Empfehlung: selbst ein wahrheitsgemässes Zeugnis aufsetzen und unterschreiben lassen. Der Link hat einen ja eben angelächelt: http://www.hr-manager.de/hr_man/html/zeugnis_gen_net...

    HTH
    mfg M.L.