Wie überlebt schlechte Führung?

Guten Morgen,

in beinahe jedem(?) Unternehmen scheint es regelmäßig, manchmal seitens der
immer gleichen „üblichen Verdächtigen“, Situationen etwa wie folgt zu geben:

Eine mittlere Führungskraft wohnt einem Teammeeting bei. Eine Mitarbeiterin,
oder vlt. auch der Teamleiter, fordert hinsichtlich einer aktuellen Fragestellung
zu einem „Best Practice“ Vorgehen auf. Basierend auf ihrer/seiner Ausbildung
und mehrjährigen Erfahrung, sowie mit Hinweis auf einschlägige Diskussion der
Thematik in Literatur, Internet etc. darf man davon ausgehen, dass das Vorgehen
sachdienlich wäre. Dennoch trifft die anwesende Führungskraft nun „spontan“
eine Entscheidung, die der konkreten Good Practice, und auch allgemeiner dem
professionellen Selbstverständnis zumindest der erfahreneren Teammitglieder,
widerspricht. Damit ist das Meeting beendet.

Der oberste Chef vertraut dieser mittleren Führungskraft „blind“. Die Mitarbeiter
neigen also dazu, Entscheidungen wie die oben skizzierte (innerlich kopfschüttelnd)
zu akzeptieren, wohl wissend, dass im Unternehmen das Management für ihr
Weiterkommen wichtiger ist als die Meinung der Kollegen oder eines Team- oder
Projektleiters.

Manchmal geraten sie aber beim Chef in Kritik, und manchmal weisen sie dann dem
Chef gegenüber darauf hin, dass sie sehr gerne nach dem professionellen Stand
des Wissens und guter Praxis arbeiten würden, dies aber nicht ermöglicht werde.
Die besonders Mutigen nennen die o.g. „kreative“ mittlere Führungskraft auch beim
Namen, weil sie sich irgendwann allzu ungerecht behandelt fühlen.

Der Chef ändert allerdings gar nichts. Sicherlich möchte er die Führungskraft nicht
vergraulen (warum eigentlich nicht?), aber Kritik kann (und sollte) ja konstruktiv sein,
also ist das m.E. kein wichtiger Hinderungsgrund. Vielleicht glaubt er auch einfach
stets dieser Führungskraft, und nie den zahlreichen Stimmen „von unten“. Sich selbst
ein Bild zu machen, empfindet er vlt. als unloyal ggü. den mittleren Führungskräften?

Nun kann er ja gerne selbst entscheiden, wie er sein Unternehmen führt. Mit Blick
auf seine Gewinnabsicht, und angesichts der bisweilen aufkommenden Unzufrieden-
heit über den Ertrag, dürften aber Good Practices und die Kenntnisse und
Erfahrungen seiner Mitarbeiter, sofern konstruktiv eingebracht, eigentlich willkommen
sein.

Es ist ja schon „schlimm genug“, dass der Beitrag gut ausgebildeter und teils hoch-
bezahler Fachkräfte so wenig genutzt wird. Dazu kommt auf längere Sicht noch die
Unzufriedenheit der MA über die allgemein dürftige Führung. Einige, oftmals recht
gute MA verlassen das Unternehmen (in der Hoffnung dass es woanders besser ist),
die Fluktuation ist relativ hoch. Nun gut, könnte man sagen, für deren besondere
Leistungsfähigkeit hat man offenbar ohnehin keine Verwendung. Das stimmt allerdings
nicht ganz, denn als „Arbeitstiere“ sind die engagierten MA ja nunmal auch besser.

Ihre Kenntnisse und Erfahrung nutzen sie nicht nur für kluge Sprüche, sondern auch
jeden Tag im Rahmen der zu bewältigenden Arbeit, auch wenn ihnen oft Grenzen
gesetzt werden. Es bleiben also leider eher die Leute, die in jeder Hinsicht
„unterdurchschnittlich engagiert“ sind.

Mir geht es bei meinem Diskussionsansatz jetzt weniger um die Motivation solcher
mittlerer Führungskräfte, sich nicht wirklich an der Sache zu orientieren. Da fällt mir
eine Menge ein.

Sondern die Frage: spätestens beim Geld, also beim Ertrag seines Unternehmens,
und wie man diesen durch gut belegte Praxis weiter verbessern kann, sollte doch der
Chef eher rational handeln. Nichts anderes wäre in seinem Interesse. Jedenfalls ist es
kaum vorstellbar, dass er als Psychopath mit Allmachtsfantasien dem munteren Treiben
von Fachkräften und einigen teils wirklich schlechten Führungskräften zuschaut.

Sicher, es spricht für jeden Vorgesetzten (Chef), konsequent zu delegieren. Das Ergebnis
aber zu prüfen, und bei anhaltend unbefriedigenden Erträgen irgendeine Form von
zweiter oder eigener, fundierter Meinung zum Vorgehen in den Abteilungen zu
erreichen, gebietet sich doch eigentlich? Wenn der Chef sein Geld anderweitig
investiert, vergleicht er doch auch die möglichen Optionen, anstatt einmal alles einem
Vermögensverwalter zu übergeben und nach 40 Jahren das Ergebnis zu bestaunen.

Handelt der hier skizzierte Chef also letztlich riskant und irrational?

Danke und viele Grüße,
Hauke

Es ist nun mal so, dass in den meisten Unternehmen klar definiert ist, wer die Verantwortung für bestimmte Bereiche trägt und somit auch die entsprechenden Entscheidungen trifft.

Dass diese Entscheidungen den Untergebenen nicht immer „schmecken“, mag vorkommen. Häufig verfügen diese aber einfach über zu wenig Informationen um auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so nachvollziehbare Entscheidungen verstehen zu können.

Es ist eher ungewöhnlich, dass jede Entscheidung im Unternehmen von der Belegschaft bis ins letzte ausdiskutiert und demokratisch beschlossen wird. Dass Entscheidungen letztendlich vom Verantwortlichen getroffen werden, ist normal. Normal ist es in vielen Betrieben leider auch, dass es Besserwisser gibt, die jede Entscheidung der Vorgesetzten kritisieren, in Frage stellen und meinen, alles selbst viel besser entscheiden zu können.

Lösungsansätze für aus den o.g. Gründen unzufriedene Mitarbeiter:

-Eigenes Unternehmen gründen
-Einen Arbeitgeber suchen, bei dem alle Entscheidungen nach intensiver Diskussion kollektiv von allen Mitarbeitern im demokratischen Verfahren getroffen werden
-Sich selbst um Führungsposition (besser gleich Geschäftsführer) im gegenwärtigen Unternehmen bewerben
-Sich mit den Realitäten des Arbeitsalltags abfinden

Moin moin,

das erklärt nicht, warum der Chef lieber Mitarbeiter kritisiert, als mit ihnen ein echtes
Gespräch zu führen. Meine Frage war, warum er nicht konsequent und rational sein
wirtschaftliches Interesse durchsetzt, wozu nach einer Weile enttäuschender Erträge
und entsprechender Hinweise seitens mehrerer MA auf bisher nicht genutzte Potenziale
durchaus auch die Frage gehören kann, worum es sich im Einzelnen handelt und
worauf sich die Vorschläge stützen. Deine Antwort klingt für mich ein wenig so, als
werde lediglich von einigen Besserwissern ständig unkonstruktiv und ahnungslos
rumgenörgelt.

Das ist nicht so. Die Äußerungen der MA erfolgen fast ausschließlich im Mitarbeiter-
gespräch, zu dem der Chef selbst einlädt, und in aller Regel genau dann, wenn sich
der Chef über die vermeintlichen Arbeitsergebnisse der MA beklagt. Sehr oft ist es
passiert, dass diese Ergebnisse gar nicht vom betreffenden MA kommen. Manchmal
war er nicht im Geringsten überhaupt beteiligt. Und Dein korrekter Hinweis auf die
Verantwortung läuft hier leider ins Leere, denn genau das wird nicht beachtet. Der
MA muss erklären, warum das Projekt nicht so schwarze Zahlen schreibt, wie es
sollte. Dabei ist bestenfalls sein Projektleiter, gemäß Organigramm aber klar und
eindeutig sogar eben jener mittlere Manager für die „Zahlen“ verantwortlich. Ist das
alles nicht ein wenig merkwürdig?

Entschuldige, falls es Dir als Chef nicht „schmecken würde“, aber wer fragt, muss
auch die Antwort aushalten können. Soll diese seitens des MA dann lauten: „Ja lieber
Chef, sie haben einfach recht. Per Definition. Auch die mittlere Führung hat automatisch
immer recht. Ich bekomme zwar nie konkrete Hinweise, was ich besser machen kann,
und man versucht auch nicht im Ansatz, irritierende Entscheidungen ein wenig zu
begründen, aber darum geht es nicht, denn ich bin ihr zu Gehorsam verpflichteter
Leibeigener, der auch dann, wenn offensichtlich entgegen den Zielen der Organisation
gearbeitet wird, all seine Kräfte nur darauf richtet, streng nach Vorschrift zu dienen.“ …?
(Wusstest Du, dass sogar beim Militär unter bestimmten Umständen die Verweigerung
eines Befehls legitim ist? Und dass umgekehrt, wenn man Demotivation vermeidet, die
Produktivität höher ist?)

Ich werde mal sehr konkret, dann kannst Du prüfen, ob es sich hier um „schmecken“,
Informationsdefizite bei den MA, den Wunsch nach Ausdiskutieren und Basisdemokratie,
Infragestellen grundsätzlich jeder Entscheidung, und nicht nachvollziehbare („diffuse“?)
Unzufriedenheit geht.

hier die konkrete Situation:

Der Kunde wendet sich für die Umsetzung einer Systemschnittstelle an den
Dienstleister. Mit dem Projekt wird Team X betraut, in dem auch ein erfahrener MA Y
mitarbeitet, der in einem anderen Projekt bereits eine technisch identische (dies bitte
einfach akzeptieren, das lässt sich nämlich beim besten Willen nicht ausdiskutieren)
Schnittstelle umgesetzt hat. Selbst der Kunde erinnert sich daran, und freut sich zu
hören, dass Herr Y mit von der Partie ist. Im Teammeeting erklärt Y kurz den Hinter-
grund und fragt in die Runde, wer bei der Einbettung vorhandenen Programmcodes
in die hier vorliegende Architektur unterstützen kann. Er ist jedenfalls keineswegs
bestrebt, sein „Wissen zu bunkern“ oder sich sonstwie über Gebühr aufzudrängen.
Nun greift Abteilungsleiter Z ein. Er hat vor Jahren selbst Software entwickelt und
kennt sich ein bisschen aus. Für alle überraschend entscheidet er, dass die Schnitt-
stelle (mit einer auslaufenden Technologie!) neu umgesetzt wird. Zufällig sei er
selbst derjenige, der dies an einem halben Tag umsetzen kann.

mit folgendem Ergebnis:

— für das Unternehmen (unmittelbare wirtschaftlich relevante Folge) —
Z benötigt drei Tage für die Umsetzung. In dieser Zeit kommt er außerdem seinen
Aufgaben als Abteilungsleiter nicht nach. 2 MA aus dem Team haben an mindestens
zwei Tagen Wartezeit, da er sie anweist, nichts anderes zu tun, sondern auf sein
Ergebnis zu warten. Die Dokumentation der nunmehr mit etwas exotischen Mitteln
umgesetzten Schnittstelle ist praktisch null. Immer wenn es mit der Schnittstelle
Probleme gibt, muss ein MA, der gerade verfügbar ist, in der für ihn fremden
Technologie regelrecht „herumstochern“ und versuchen, dem Kunden eine halbwegs
erträgliche „Lösung“ zu liefern. Z aber ist leider nie so recht greifbar, wenn man seine
Unterstützung gebrauchen könnte.

— für den Kunden (und damit mittelbar auch für das Unternehmen) —
Der Einsatz der Lieferung, zu deren Umfang die vorliegende Systemschnittstellen-
Umsetzung gehört, erfolgt mit einiger Verspätung, da Folgetermine teilweise neu
vereinbart werden müssen. Mehrere konkrete Zusagen an den Kunden werden
nicht eingehalten. Folgeprojekte müssen später beginnen, ein Projekt wird letztlich
sogar anderweitig vergeben. An das Team erinnert sich der Kunde nun ungern,
da auch die Wartung der Schnittstelle immer wieder schleppend verläuft (s.o.).

— für das Team, insbes. Herrn Y —
Mehrere MA arbeiten in anderen Gebieten als denen, für die sie besonders
qualifiziert sind. Herr Y und ein Unterstützer-Aspirant sind vor den Kopf gestoßen.
Die zwei wartenden MA sind genervt. Z nennt ggü. Chef und Kunde verschiedene
Gründe für die Verzögerung, die letztlich alle auf das Team zurückfallen. Y wird
im zufällig kurz darauf folgenden Jahresgepräch aufgefordert, zu erklären, warum
ein Projekt, wo der Kunde ihn (den Herrn Y) doch als Experten genannt hat, nun
so blöd gelaufen ist. Als Y dann sagt, er habe die Umsetzung nicht vornehmen sollen,
sondern einen anderen Teil bearbeiten sollen (was erfolgreich geschehen ist), starrt
ihn der Chef eine Minute schweigend und mit ernster, fast angewiderter Miene an
und fährt mit dem nächsten, ähnlich „legitimen“ Kritikpunkt fort.

— für Herrn Z —
Abteilungsleiter Z verkündet beim nächsten Abteilungsmeeting, dass sein Name
beim Kunden mit außerordentlich gut laufenden Projekten verknüpft sei. Ihm sei es
auch deshalb nun gelungen, ein neues Projekt an Land zu ziehen, für das der MA F
eingesetzt werden soll. Dieser sei ein grandioser Entwickler und ein leuchtendes
Vorbild für alle. Er (Z) habe weiterhin eine neue Strategie entwickelt, für die er vom
Chef sehr gelobt worden sei. Diese Strategie bestehe darin, in Zukunft einzelne
Komponenten, z.B. Schnittstellen, wiederzuverwenden, um robustere und mittel-
fristig profitablere Projektergebnisse zu erzielen. Mit irgendwem in der Runde habe
er dieses Thema doch auch schon mal besprochen… sei dies der Herr Y gewesen?
Egal, jedenfalls sei dies das nächste große Ding, und er sei sehr stolz.

Tatsächlich sagt ihm Herr Y später unter vier Augen, dass er sehr gerne bei der
„neuen Strategie“ mitmacht und es ja auch schon mehrere Kandidaten für derartige
Komponenten gebe. Herr Z stimmt zu und bedauert, dass es noch keinen konkreten
Zeitplan gebe. Letztlich verläuft die Thematik vollständig im Sand. Z hingegen hat
ein neues Projekt; er lässt bestehende, gut funktionierende und mit vielen Daten
befüllte Informationssysteme einstampfen und setzt eigenhändig neue auf, für
die er die vollständige Kontrolle übernimmt. Mehrmals die Woche schickt er E-Mails
an alle, in denen er seine Fortschritte verkündet. Oft gibt es bei den neuen Systemen
längere Ausfälle, da nur Z die Zugänge und andere wichtige Informationen hat, und
er oft nicht da ist. Z wird im Kreise der MA immer öfter als „Flaschenhals“ identifiziert,
aber irgendwie ist auch allen klar, dass sie nichts daran ändern können. Immerhin
dürfen sie auch in den neuen Systemen in einzelnen Teilbereichen Artikel verfassen,
auch wenn sie diese nicht direkt den richtigen Stellen zuordnen dürfen. Dies macht
Z, der in dem Zuge stets der „Owner“ aller Artikel wird. Die Fachexperten bleiben
namenlos, und manch einer wundert sich, warum trotz des immensen Wissens, das
offensichtlich vorhanden ist, die Projekte nur vereinzelt davon profitieren.

… Es hört sich, wenn ich es selbst nochmal lese, wie eine Satire an.

Fazit:

Ungeachtet der Tatsache, dass jederzeit eine Menge schief gehen kann und vlt. mal
zu ähnlichen Verzögerungen führt, war für praktisch alle Beteiligten absehbar, dass
dies klar nicht die beste Option war (und damit die Entscheidung von Z schlicht falsch).

Solche Dinge passieren eben regelmäßig, und Z findet immer eine Menge Ausreden,
sollte er doch einmal mit kritischen Nachfragen konfrontiert werden. Das war eben
nicht absehbar, er arbeite mit diesem Team eben immer nur im Rahmen der
Möglichkeiten, mit anderen Methoden oder Technologien wäre es auch nicht
besser gelaufen, etc. pp.

Erneut meine Frage vom Anfang:
Warum lässt der Chef, der erhebliche Unternehmensanteile hat, dies alles so
passieren? Warum gesteht er dem Abteilungsleiter, in dessen Verantwortungs-
bereich zufällig all die unrentablen Projekte liegen, immer noch mehr Kompetenz
zu, als mehreren, stets sachlich argumentierenden, teils langjährigen und auch
beim Kunden anerkannten Mitarbeitern?

Dutzende Projektteams haben jeweils einen Leiter und hängen darüber „direkt“
unterm Chef, d.h. ohne Abteilungsleitung dazwischen. Ausgerechnet 3 Teams
mit besonders gut ausgebildeten Mitarbeitern sind aber zu einer Abteilung mit
Leiter Z zusammengefasst. Der Chef greift häufig auch auf diese MA direkt durch,
z.B. werden Personalgespräche mit den MAn und den Teamleitern geführt, also
ohne Z. Über Neueinstellungen hingegen entscheidet ausschließlich Z. Sind die
MA dann im Unternehmen, werden sie direkt, und manchmal ihre Teamleiter,
für vieles verantwortlich gemacht; fragen sie aber, wer die entsprechenden
Entscheidungen treffen darf, heißt es stets: Z. (Warum nicht die Abteilung als
eigenes Unternehmen ausgliedern? Man sähe dann sehr schnell, wie erfolg-
reich es geführt wird…)

Auch wenn die „Realität“ insbesondere im Berufsleben sicherlich oft alles andere
als streng rational ist - für mich ist das hier teils geradezu absurd. Ein Chef mit
Gewinnabsicht und Vernunftbegabung kann unmöglich denken, dass sich hier
nichts verbessern lässt.

Und ja, Du hast recht: selbst Unternehmer werden, wäre eine Möglichkeit.
Mut beweisen und es besser machen. Auf dem Weg damit möchte ich gerne
die Mechanismen „des Arbeitsalltags“ verstehen.

Viele Grüße
Hauke

Hi,

vielleicht beantwortet das Deine Fragen:
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-05/psychopath…

Gruss
K

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Ehrlich gesagt habe ich Deinen jetzigen Beitrag nur überflogen.

Was Du schreibst ist natürlich sehr subjektiv. Würde man den Vorgesetzten dazu befragen, würde er vermutlich zu einer komplett anderen Bewertung kommen.

Insofern ist das alles sehr müßig…

Ich habe sowohl inkompetente Führungskräfte, als auch absolute Querulanten und Besserwisser unter den Mitarbeitern erlebt. Letztere hätte die von Dir geäußerte Kritik auch über hochkompetente Vorgesetzte geübt. Insofern ist es unmöglich zu beurteilen, wo der Hund in diesem Fall begraben liegt.

Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen.

Gut qualifizierte Mitarbeiter haben bekanntlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Keiner wird gezwungen irgendwo unter irgendwem zu arbeiten. Wenn eine Führungskraft nichts taugt und es in der höchsten Ebene nicht gesehen oder ignoriert wird, wird ein untergeordneter Mitarbeiter daran nichts ändern können. Und es lohnt sich auch nicht dafür zu kämpfen. Der Laden gehört einem ja nicht und der Eigentümer wird schon wissen, was er für richtig hält. Entweder der Laden läuft weiter oder geht in die Binsen. Wen interessiert es?

Insofern: Job wechseln und nicht weiter darüber aufregen. Hat bei mir immer sehr gut funktioniert. Und die Erfahrung zeigt, dass die Firmen, in denen ich unter gestörten Vorgesetzten gearbeitet habe, über kurz oder lang (zumindest in der Form) nicht mehr existierten.

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lol, wie geil ist das denn - hab mich gefragt, wer ist hier der bekloppte?   :wink:
ne mal im ernst
hauke: wir üben mal „sich kurz fassen“

aber davon mal ab, irgendwas stinkt doch da bei euch.
ich nehme mal an du versuchst da ernsthaft und vernünftig ranzugehen.
die eine antwort hat ja insofern ganz recht. es geschehen halt öfters mal dinge, die man nicht versteht. vor allem in größeren organisationen. was mir in der antwort fehlt, ist das zugeständnis, dass manager auch fehler machen. und dass die fachleute nicht immer fachidioten sind, und durchaus mitdenken können, tellerrand usw. und im gespräch auch oft erstaunliche bereitschaft und verständnis zeigen - wenn man denn überhaupt mal ernsthaft und konstruktiv miteinander redet. ich habe mal gelesen, das wird eher noch zunehmen dass man die fachleute ernst nehmen muss und auch nicht mehr so autoritär wird führen können.

die wahrheit liegt wohl wie immer in der mitte. was auf jeden fall stimmt: egal ob die basta vertreter recht haben oder nicht, das hilft alles nix wenn dir die leute weglaufen. über die theorie - was ist gute und richtige führung, wie weit soll das fußvolk mitbestimmen - muss man gar nicht sprechen.

wenn du siehst du gehst deinen mitarbeitern nur noch auf den … zeiger, dann stimmt was nicht! dann hauen die ab, egal ob sie wirklich was besseres bekommen. und das kannst du dir nur in sehr begrenztem maß leisten.

was ich auch noch gelesen hab, dass firmen sich in phasen bzw. größenordnungen entwickeln. am anfang geht es sehr um die sache, und man hat ein oftmals recht gut funktionierendes kernteam. dann wird der laden größer und die führungskompetenzen werden sehr wichtig. wenn der laden aber dann mal richtig groß wird, wirkt die macht der statistik. d.h. du hast kaum wirklich so viel bessere leute als die konkurrenz. skaleneffekte wirken in diesen sphären viel mehr, als eine gute unternehmenskultur. d.h. die müssen sich nicht sooo sehr anstrengen dass sie bestmöglich arbeiten. vergleiche mal das innovative startup mit der behörde großkonzern…

ihr seid anscheinend dazwischen und werdet es auch bleiben, wie’s aussieht.

entscheide dich zunächst mal, was dir wichtiger ist. freiheit oder sicherheit. im kleinen laden bekommst du häufig ersteres, im großen manchmal letzteres. im mittelgroßen laden - so wie bei euch? - eine mischung, die sehr unterschiedlich ausfallen kann. die kundenstruktur spielt dabei eine nicht unerhebliche rolle. ist man sehr abhängig, kann es mit den spielräumen schnell eng werden, und trotzdem hast du keine große sicherheit. da würde ich als junge fachkraft vlt. nicht bleiben wollen. bedienst du als kmu aber einen relativ breiten kundenstamm, und bleibst innovativ und beweglich, dann kannst du deinen mitarbeitern in gewissem umfang beides bieten, freiheit und sicherheit.

einfach ist es selten, aber wenn du schon mal weißt, was dir wichtig ist, und von psychopathen verschont bleibst  *g*  dann ist noch nicht alles im … eimer.

good luck
c-k

Hallo,

Entschuldige, falls es Dir als Chef nicht „schmecken würde“,
aber wer fragt, muss
auch die Antwort aushalten können. Soll diese seitens des MA
dann lauten: "Ja lieber
Chef, sie haben einfach recht.:.

Völlig falsch.

um solche Vorfälle beurteilen zu können, muss man immer beide Seiten hören.
Dann erst kann man eine Entscheidung treffen.

Es ist möglich, dass der Mitarbeiter recht hat.
Es kann allerdings auch sein, dass er den gesamten Zusammenhang nicht richtig einschätzen kann.

Und bevor man hier falsche Schlüsse zieht.

Ich war schon als Mitarbeiter eines Unternehmens tätig und hatte auch schon eine Führungskraft die von ihrer Arbeit keinen blassen Schimmer hatte.

Dann hilft nur eins: lasst sie einfach ins Leere laufen, damit auch der Chef erkennen kann was er für eine Pflaume hat.

Aber ich war auch schon als Abteilungsleiter tätig und heute bin ich mein eigener Chef.

Gruß Merger

Sie tut es einfach
Hallo Hauke

ich habe deine Beiträge, insbesondere den Zweiten nur überflogen.
Du schreibst dir deinen ganzen Frust von der Seele.
Ich denke, ich verstehe dich.

Ich schätze du bist der allgemeinen Propaganda auf dem Leim gegangen, die da lautet: In der Marktwirtschaft überleben nur die Firmen, die in ihrer Ganzheit rational und effektiv handeln.

Nein.

  • Eine Firma kann dennoch munter weiter existieren, wenn eine oder mehrere Abteilungen ineffektiv sind.
  • Eine Firma kann sich häufig selbst dann am Markt halten, wenn sie sie weniger produktiv als Mitbewerber ist (man achte auf Branche und Standort).
  • Eine Abteilung kann dennoch gut funktionieren, wenn es einzelne Mitarbeiter unproduktiv sind.
  • Eine Abteilung kann selbst dann funktionieren, wenn der Abteilungsleiter eine Pflaume ist.
  • Eine Firma kann sich selbst dann eine geraume Zeit am Markt halten, wenn der Firmeninhaber eine Pflaume ist.

Der zweite Fehler, den du wahrscheinlich unbewusst machst, ist das staatliche Prinzip der Gleichwertigkeit aller Menschen auf deinen Arbeitsplatz anzuwenden.

Menschen sind soziale Lebewesen und bilden Hierarchien aus, auch in Firmen. Diese Hierarchein können flach oder fein gestaffelt sein. Sie unsichtbar oder deutlich ausgeprägt sein.
Dein direkter Vorgesetzter wurde vom Chef eingesetzt. Wenn du also deinen Vorgesetzten als unfähig darstellst, gibst du damit als untergeordnete Person zu Verstehen, dass dein Chef unfähig ist, seinen Job zu machen.
Nicht gut.

Solange die Firma und die Abteilung halbwegs läuft, ist also deine Kritik unberechtigt.
Und wenn nicht, dann waren es schlechte Bedingungen am Markt oder die Mitarbeiter haben schlecht gearbeitet.

Hier ist die Erklärung in einem Bild:
http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fbild…

Gruß
Carlos

Moin,

jo… sehr hilfreich… ich befürchte Du hast recht :wink:

ich überlege noch, was ich am besten draus mache.
Deine Analyse ist wohl zutreffend…

Danke und viele Grüße,
Hauke

Moin,

auch hier im Teil-Thread: sehr gute Denkanstöße, vielen Dank!

Das macht es ohne Dritte (die idealerweise einen unverstellten Blick haben)
ja so schwer: inwieweit ist man durch Frust und angehäufte negative Erlebnisse
schon allzu subjektiv.

Einerseits wäre es schade, sich über eine im Großen und Ganzen noch
normale Firma allzu sehr aufzuregen, und sich womöglich durch unpassendes
Verhalten die (wenn auch vlt. wenigen) vorhandenen Spielräume und Entwicklungs-
möglichkeiten ganz zu verbauen.

Andererseits ist es ja weiterhin möglich, dass diese Entwicklungsmöglichkeiten

  • oder auch nur Einsatzmöglichkeiten vorhandener Kompetenzen - tatsächlich
    deutlich unterdurchschnittlich sind. Dass man wirklich Rahmenbedingungen
    vorfindet (Management, Strukturen, vlt. sogar regionale/Branchen-Besonder-
    heiten), die für einen selbst durchaus unpassend sind, und man mit großer
    Sicherheit seine Potenziale (wie hoch auch immer sie sein mögen) nicht aus-
    schöpfen kann. Und vor allem immer wieder „unglücklich“ sein wird.

Im Prinzip muss man diese Erfahrung konkret in anderen Organisationen
machen. Nur gilt man (so höre ich) auch schnell mal als unstet, wenn man
alle paar Jahre den Arbeitgeber wechselt.

Danke und viele Grüße,
Hauke