Musiktheorie & Praxis
Von: D-Lux, 29.5.2008 23:27 Uhr
Hallo Musik- und Gitarrenfreunde,

meine linke Hand ist scheinbar so schwach, dass ich einige Barré-Griffe einfach nicht sauber spielen kann. Bin Rechtshänder und mit rechts könnte ich eine Walnuss knacken, aber mit links kann ich dieselbige nicht mal festhalten, übertrieben formuliert... habt ihr spezielle Übungen, durch die ich meinen Griff stärken kann?
Danke schonmal



  1. Antwort von Xanadu 0
    Re: Gitarre - Finger stärken
    Eigentlich reicht es immer aus normal weiter zu üben. Hier in deinem Fall würde ich eher die Technik überprüfen, zu schwach drückt man Barre selten, meist versucht mans eher zu stark.

    Ich würde einfach weiter üben und schauen, ob man mit einer anderen Haltung besser zurecht kommt.

    Du kannst es dir auch einfacher machen und deine Barre-Griffe erst einmal in höheren Bünden üben. Gerade im 1. Bund ist ein Barre wirklich schwer zu greifen, vor allem bei dicken Saiten. Vielleicht helfen auch dünnere Saiten.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Hand zu schwach ist. Falls du da trotzdem etwas tun möchtest kannst Du natürlich auch Hammer-Ons probieren oder auch schnelle (!) Hammer-Ons mit "Zupfen" der gedrückten Saite. Die bekannte "Spinne"-Übung kann auch helfen, vor allen wenn dabei den Daumen nicht als Gegendruckpunkt einsetzt, also nicht am Hals aufsetzt.

    Klar gibt auch Grifftrainer, so was z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Gyrotwister
    oder kleine "Expander" wie man sie zum Klettern benutzt. Man kann sie auch einfach selbst bauen, einfach ein paar Holzwäscheklammern auf ein Brett kleben.

    Ich bezweifele aber, dass die Kraft wirklich der Grund für das Problem ist.
    • Antwort von Eillicht zu Vensre (abgemeldet) 0
      Re: Gitarre - Finger stärken
      Holla. habt ihr spezielle Übungen, durch die ich meinen Griff stärken kann?
      Mein Vorposter hat ja schon erwähnt, dass es die Kraft gar nicht so sehr tut. Trotzdem kann man etwas für die Handkraft tun. Ein Tennisball ist da sehr gut. Den kann man immer mal quetschen, halten, loslassen ... Das baut speziell die Maus (den Muskel zwischen Daumen und Zeigefinger auf dem Handrücken) auf. Und hat noch den Vorteil, dass man wirklich Dauertraining machen kann, ohne sich einen Mordsmuskelkater zu holen.

      Wichtiger ist aber, dass die Kraft für das Barré nicht aus dem Handgelenk oder gar aus dem Arm kommen darf. Das führt nur zu Verspannungen und ermüdet gar gewaltiglich. Prüf mal Deine Handhaltung: Der Daumen muss dem Barré genau gegenüber liegen. Dann kann der oben stehende Muskel die entsprechende Kraft - dosiert! - ausüben, ohne dass man gar zu schnell ermüdet. Schaffst Du auf Deinem Eierschneider diese Handhaltung rein anatomisch nicht, ist die Klampfe für Dich nicht geeignet, und da hilft auch Muskulatur vom Hulk wenig bis nix.

      Abgesehen davon spricht natürlich nichts gegen eine Überprüfung der Saitenlage. Wenn zwischen Hals und Saite die Mäuse Seil springen können, ist was faul. Als letztes Mittel bleiben noch weichere Saiten. Aber bitte nicht Nylon auf eine Westerngitarre, sondern bleistiftsweise von Medium auf Light oder Extra Light wechseln. Kann allerleihand bewirken.

      Gruß Eillicht zu Vensre
      • Antwort von Bernd Stephanny 0
        Re: Gitarre - Finger stärken
        Ich habe selbst nach über 40 Jahren Gitarrenspiel noch Probleme Barree-Griffe anzuwenden. Das ist keine Angelegenheit der muskulösen Schwäche, sondern der Übung.
        Wenn du 14 Tage jeden Tag zwei Stunden Etuden übst, dann hast du danach eine ordentliche Hornhaut auf deinen linken Fingern. Wenn du danach 14 Tage nicht mehr übst, bildet sich die Hornhaut wieder zurück. So verhällt es sich auch mit der Muskulatur.
        Es ist auch ziemlich schwierig z B von d-moll auf g-moll im Barree zu greifen. Das muss einige Zeit geübt werden.
        Ich kann z B keinen F-Dur und b-Dur Akkord in Barree greifen, weil es mir immer zu umständlich erschien. Somit greife ich F-Dur konventionell und b-Dur in der 7. Lage indem ich rutsche.
        Wenn du eine konventionelle Akkordfolge greifst (C-Dur, F-Dur. G7, oder D-Dur, G-Dur, C-Dur) kannst du das ja auch auf konventionelle Weise machen.

        Grüßle
        Bernd Stephanny [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
        • Antwort von Huttatta 0
          Re: Gitarre - Finger stärken
          Hallo D-Lux,

          neben dem bereits Gesagten möchte ich noch hinzufügen, dass es einige Tipps gibt, Barrée-Akkorde leichter zu greifen. Diese ergeben sich mit der Übung oft sogar ganz vonselbst.

          1. Viele Gitarristen haben am Anfang das Problem, dass der Druck des Zeigefingers auf die Saiten an den Gelenkknorren der Fingergelenke stärker ist als dazwischen. Deshalb müssen sie kräftiger drücken, um auch in den Bereichen zwischen den Gelenken genug Druck auf die Saiten auszuüben, damit es nicht schäppert. Dies kann in vielen Fällen durch ein leichtes Abdrehen des Zeigefingers verbessert werden. Die optimale Stellung muss jeder für sich ermitteln. Dann wird das Greifen langsam ökonomischer. Dazu braucht man: Übungszeit.

          2. Es herrscht bei vielen Anfängergitarristen die Annahme, dass bei Barree-Akkorden über 5 oder 6 Saiten alle 5 oder 6 Saiten tatsächlich gegriffen werden müssen. Dies ist aber in den allermeisten Fällen überhaupt nicht der Fall. Betrachten wir beispielsweise den B-Dur-Akkord (Barree im ersten Bund): F, B und D werden von den anderen drei Fingern gegriffen. Der Zeigefinger muss also eigentlich nur 2 Töne greifen, nämlich das B auf der A-Saite und das F auf der e-Saite. In Wirklichkeit braucht man also bloß mit der Fingerkuppe das B zu spielen und gleichzeitig den Zeigefinger am unteren Griffbrettrand mit mäßiger Kraft auf die e-Saite zu ziehen. Genau so ist es mit dem F-Dur-Akkord: Der Zeigefinger greift mit der Kuppe das F auf der E-Saite sowie C und F auf der h- und e-Saite. Man kann es sich also viel einfacher machen, wenn man das Griffbrett nur dort stark genug drückt, wo es auch wirklich erforderlich ist. Aus den vermeintlichen 5 Saiten werden also in der Realität bloß 2 (B-Dur) und aus den 6 Saiten nur noch 3 (F-Dur). Um solche Vereinfachungen, so zu internalisieren, dass man darüber irgendwann beim Spielen gar nicht mehr nachdenkt, braucht man: Übungszeit.

          3. Oftmals denken Gitarristen auch, dass es die Kraft ist, die den Barrée-Akkord gut klingen lässt. In Wirklichkeit werden hier Kraft und Ausdauer verwechselt. Nach einigen Takten Barrée-Akkorden schwindet die zu Anfang durchaus ausreichende Kraft. Die Beugemuskeln der Finger ermüden am Anfang relativ schnell, bei Barrée-Akkorden wird zusätzlich der Zeigefingerstrecker (das hat anatomische Gründe) beansprucht. Durch regelmäßiges Üben wird zuerst die Ausdauer dieser Muskeln sehr verbessert, die Kraft steigt nur wenig und mit großer zeitlicher Verzögerung. Somit kann man später u.U. stundenlang Barrée-Akkorde greifen, ohne bis zum Daumenkrampf (ist mir bei den allerersten ein- bis mehrstündigen Auftritten einige Male passiert) zu ermüden - und ohne wirklich kräftiger zu greifen als am Anfang, sondern eher im Gegenteil: man wird ökonomischer. Aber erst nach einer gewissen Übungszeit.

          Wie du siehst, ist alles eine Frage der Übung. Was bisher nicht erwähnt wurde, ist der Mentor, der einem direkt auf die Finger schaut und typische Anfängerfehler im Keim erstickt, sodass der Übende schließlich schneller zum Erfolg kommt. Von diesen Grip Trainern (http://www.musik-produktiv.com/bilder2/00/30/99/0030...), wie sie in vielen Musikläden angeboten werden, halte ich nicht besonders viel, weil sie ein Gerät für dynamische Übungen sind. Da der Wrist-Ball oder wie diese rotierenden Bälle (http://www.shopfitness.co.uk/images/products/powerba...) noch genannt werden, im Wesentlichen eine statische Übung für die Finger darstellen und die Situation beim Barrée-Griff viel besser simulieren, traue ich ihnen zu, das Barrée-Spiel tatsächlich zu verbessern. Der Nachteil bei diesen Geräten ist aber auch der, dass sie schnellen, präzisen Fingerbewegungen nicht sehr förderlich sind. Das ist also wirklich nur was für Anfänger. Die Fortgeschrittenen "Schnellfinger" werden mir sicher bestätigen, dass kräftiges Zupacken die Fingerkoordination empfindlich stören kann.

          LG
          Huttatta
          • Antwort von D-Lux 0
            Re: Gitarre - Finger stärken
            danke vielmals für eure Antworten... ich hab das Problem auch erst seit kurzem. Das ist echt seltsam. Ich hab seit ca. nem Jahr ne Western-Gitarre gekauft und eigentlich hat das auch ganz gut funktioniert, spiele aber auch erst seit 2 Jahren Gitarre. Jetzt hab ich seit gut nem Monat keine Gitarre mehr gespielt, und ich bekomme echt keinen einzigen Barré-Griff mehr sauber hin...
            mal zu der Kraft: Ihr kennt doch diese Fingernagelknipser oder? Mit der linken Hand kann ich da kaum genug Druck ausbauen, um mir die Fingernägel zu schneiden :)
            Das ist schon echt seltsam... kann das an der Muskulatur liegen oder woran sonst?