Allgemeine Frage zur Psychologie

…auch wenn darauf keine ein-eindeutige Antwort möglich sein sollte:

Hallo zusammen,

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder eben nicht gut genug zu tun?

Das ist sicher so eine Frage, wie die in der Elektrotechnik, ob der Strom von + nach - fließt, oder umgekehrt, worauf es verschiedene richtige Antworten* gibt. Aber ich würde mich trotzdem über Gedanken dazu freuen.

Schöne Grüße
To-i
Indianerhäuptmann d.Res.

* Um diesem Dilemma abzuhelfen, hat man dann den Wechselstrom erfunden.

Guten Tag,

Für mich klingt das nach Perfektionismus. Man ist bestrebt alles immer ohne Fehler und perfekt zu machen. Aber da dies unmöglich ist, empfindet man es als nicht gut oder nicht gut genug.

Mehr zum Perfektionismus in der Psychologie gibts im Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Perfektionismus_(Psycho…

Liebe Grüsse
Wayfaring Stranger

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch
z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder
eben nicht gut genug zu tun?

Hallo Indianer,
da hast du ja eigentlich schon die Antwort gegeben:

…auch wenn darauf keine ein-eindeutige Antwort möglich sein
sollte

Es könnte an allem Möglichen liegen. Und du schreibst:

… , bei allem, was er tut, dies nicht gut oder
eben nicht gut genug zu tun?

Wirklich bei ALLEM???
Gibt es überhaupt keine Bereiche in denen er weniger anspruchsvoll an sich selbst ist?
Oder gibt es Bereiche in denen sein Problem eher auftaucht?

Das ist sicher so eine Frage, wie die in der Elektrotechnik,
ob der Strom von + nach - fließt, oder umgekehrt, worauf es
verschiedene richtige Antworten* gibt.

In der Psychologie oder Pädagogik gibt es selten (oder nie?) eine ganz klare und einzig richtige Antwort. Eben immer nur Meinungen.

trotzdem über Gedanken dazu freuen.

Also wie schon gesagt: Es könnte an allem Möglichen liegen:

  • Mangelndes Selbstwertgefühl (und wo kommt dieses dann her?)

  • Als Kind wurde die Person zu stark unter Druck gesetzt und konnte es so seinen Eltern nie Recht machen.

  • Als Kind wurde die Person nie unter Druck gesetzt, so dass es das Gefühl bekam, egal was ich mache, es ist eh egal und interessiert keinen.

  • schlechte Erfahrungen in der Schule

  • wurde von Freunden/Spielpartnern/Klassenkameraden gemobbt

  • Zu anspruchsvolle Partner

  • vielleicht sogar eine ernsthafte psychische Erkrankungen

Um wirklich eine Hypothese aufstellen zu können, benötigt man m.E. viel mehr Infos.
Die Frage ist auch, leidet der Mensch da überhaupt drunter?

Wer entscheidet, ob was zur Zufriedenheit gemacht wurde?

Vielleicht hat die Person ja auch recht und es ist wirklich alles doof, was sie macht. :wink:

So, das waren auf die Schnelle meine Gedanken dazu ganz ungeordnet. Vielleicht kannst du ja damit was anfangen.

LG
Stefan

Hi,

ok,mein Senf:
hat immer mit negativer Selbstwahrnehmung zu tun.

1.bei daraus resultierendem Perfektionismus:Überforderung in der Kindheit,Übernahme von Verantwortung für eine problematische(familiäre)Situation deren Rettung aber nicht in der Macht der betroffenen Person stehen konnte.Tiefes Versagensgefühl.Person empfindet sich selbst für andere nicht gut genug.

2.bei resultierender Halbherzigkeit des Handelns,heißt,Dinge werden tatsächlich schlechter erledigt,als es den Fähigkeiten desjenigen(z.B.der Person)entspräche.Unterforderung in der Kindheit.„Du kannst das nicht“.Mangelndes Selbstvertrauen im Vergleich mit anderen.

sind aber nur selbstbewertete Fallbeispiele,nix weiter.

viele grüsse
Heidi

Tach Stammesoberhaupt,

ergänzend zu den vorangegangenen Beiträgen fällt mir nur noch ein:
mangelnde Aufmerksamkeit.

Menschen, die unter geringer oder Nicht-Beachtung von Mitmenschen leiden, geraten womöglich in große Selbstzweifel über ihre eigene Person. Gleichzeitig finden sie vllt. über das Ausharren in der unsicheren schüchternen Ecke endlich die Aufmerksamkeit, die sie sonst so schmerzlich missen.

Gruß
Logan

Moin To-i,

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch
z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder
eben nicht gut genug zu tun?

bspw. darin, daß sich der gemeine Mensch mit anderen vergleicht, denn so ist er sozialisiert worden und daß es ein „besser“ und schlechter" gibt, hat man ihm seit seiner Geburt eingetrichtert. Viele Tore zu schießen ist gut,kein Tor zu schießen ist schlecht. Wer am schnellsten ist auf 100 Metern hat, ist der beste etc.pp. Das ist zwar schwachsinnig, aber es lebt in unseren Köpfen.

Es geht unter den Menschen leider mehr um Kompetition, anstatt um Kooperation. Und daraus resultiert, für Kompetitions-Mitläufer, sich innerhalb der Bewertungsskale ‚gut, mittel, schlecht‘ nur durch Vergleiche mit anderen einordnen zu können.
Selbstgebasteltes Unglück sozusagen.

Mittagsgruß, Shebop

Da fällt mir noch was ein
Der fehlende Mut, Fehler zu machen!

Beim Improtheater gibt es ein Leitspruch:
Habe den Mut Fehler zu machen, denn nur wenn du was probierst, so kannst du wachsen! Beim Probieren darf immer etwas schief gehen.

Vielen Menschen fehlt dieser Mut, eben weil Ihnen z.B. die Außenwirkung zu wichtig ist. Vielleicht gerade wegen permanenten Bewertungen der Person durchs Tuen seitens wichtigen Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Partner, Freunden, …). Damit meine ich die Gleichsetzung von Handlung und Person. Die Bewertung einer Handlungen ist gleich die Bewertung der Person.

LG
Stefan

Hallo

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch
z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder
eben nicht gut genug zu tun?

Hallo
Nun, ich vermute, so extrem gibts das wohl kaum, es ist wohl eher so, das jemand anderen mit ständigem vermeintlichem Perfektionismus auf die Nerven geht.
Da gibts viele mögliche Gründe für.
Beispiel: Er möchte etwas tun, hat aber selbst keine genauen Kriterien, wann es gut ist. Oder er fürchtet, angeschrien zu werden, das er etwas falsch macht. Oder er möchte Aufmerksamkeit, was daran erkennbar wäre, das er keine Probleme hat, wenn er alleine arbeitet, oder er sieht schlecht, Minderwertigkeitskomplexe usw…
MfG
Matthias

narzißtische Kränkung
Hi To-i,

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder eben nicht gut genug zu tun?

um - wie von dir gewünscht - auch mal eine psychologische Antwort auf deine Frage, worin es begründet sein könne, zu geben:

Eine solche Störung der Selbstwertregulierung ist eine Variante im Eigenschaftsspektrum der Narzißtischen Persönlichkeit: FAQ:920

Das Selbstwertbewußtsein wird bereits in einer sehr frühen Phase der Persönlichkeitsentwicklung „enteignet“ bzw. die Bildung eigener Kriterien erst gar nicht gefördert. Das geschieht mit Mitteln der emotionalen Erpressung. Das Kind erfährt Liebesverlust, wenn es nicht genauso ist, wie die übermächige Urteils-Instanz (in der Regel ein Elternteil) es von ihm fordert: „du bist lieb nur dann, wenn du tust, was wir dir sagen“ oder „… wenn du genauso bist, wie wir das von dir erwarten“

Alice Miller hat diesen Mechanismus zuerst beschrieben. In
„Das Drama des begabten Kindes“ ISBN 978-3518374504 Buch anschauen
zeigt sie, wie sich diese sog. „narzißtische Kränkung“ in Fam,ilien über Genrationen fortsetzen kann.

Gruß
Metapher

worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch
z.B.,

Wer käme denn noch in Frage?

einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder
eben nicht gut genug zu tun?

Hallo Metapher,

dazu interessiert mich:

Das Selbstwertbewußtsein wird bereits in einer sehr frühen
Phase der Persönlichkeitsentwicklung „enteignet“ bzw. die
Bildung eigener Kriterien erst gar nicht gefördert.

Kann diese Funktion später auch ein „Stellvertreter“ übernehmen, der ähnliche Knöpfe drückt wie ein Elternteil/ die Eltern?

Wie kann man diesem Teufelskreis entgehen?

Grüße
Miriam

Teufelskreis
Hi Miriam,

Kann diese Funktion später auch ein „Stellvertreter“ übernehmen, der ähnliche Knöpfe drückt wie ein Elternteil/ die Eltern?

Ja, so ist es sogar die Regel. Zunächst wird es in der Schulzeit auf Lehrpersonen übertragen (und von denen ja auch oft genauso praktiziert). Dann geht es weiter in Partnerschaften (mit den Syndromen krankhafter Eifersucht oder zwanghaftes Einfordern von Liebesbeteuerungen usw.) und Beruf (Leistungsdruck bis zum Burnout u, ä.). Weiter kann jede Autoritätsperson in diese Rolle geschubst werden, wodurch der Weg, von diesen Mechanismen freizukommen …

Wie kann man diesem Teufelskreis entgehen?

… nämlich die Therapie, ebenfalls erschwert wird. Denn dann will man dem Therapeuten gerecht werden und „gefallen“.

Das fatale daran ist das, was die erwähnte Alice Miller aufgedeckt hat: Genau diese emotionale Erpressung, mit der die Person aufgewachsen ist, wird sie später in umgekehrter Rollenverteilung mit ihren Kindern, Partnern und anderen aktiv betreiben - und so den Teufelskreis erhalten und vererben.

Ein günstiger Einfluß auf dieses fatale Selbstwertproblem kann u.a. durch Personen kommen, die auf Augenhöhe begegnen, also mit einer glaubwürdigen und kompetenten Wertschätzung, von der daher auch korrigierende Kritik angenommen werden kann, ohne gleich in existentielle Liebesverlustpanik zu geraten.

Gruß
Metapher

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Hallo Metapher,

vielen Dank für deine Erläuterung!

Zunächst wird es in der Schulzeit auf Lehrpersonen übertragen […] :smiley:ann geht es weiter in Partnerschaften […] und Beruf
Weiter kann jede Autoritätsperson in diese Rolle geschubst werden […]

Lässt sich daraus schlussfolgern, dass man sich bewusst oder unbewusst Freunde/Partner/Bekannte aussucht, die dieses Bild bedienen?

Gruß
Miriam

wenn es paßt wie Topf und Deckel
Hi Miriam,

Zunächst wird es in der Schulzeit auf Lehrpersonen übertragen […] Dann geht es weiter in Partnerschaften […] und Beruf
Weiter kann jede Autoritätsperson in diese Rolle geschubst werden […]

Lässt sich daraus schlussfolgern, dass man sich bewusst oder unbewusst Freunde/Partner/Bekannte aussucht, die dieses Bild bedienen?

Mit dem oft ins Feld geführten (unbewußten) suchen bei Partnerschaften mit fatalen Formen von Bindung kann ich mich nicht so anfreunden. Eher scheint es mir ähnlich zu sein wie bei der „Selektion“ in der Biologie: Da, wo wenig eigene bewußte Kriterien für Partnereigenschaften existieren, da findet sich halt hier und da eine Persönlichkeitsstruktur, die auf die eigene (komplementär) „paßt“ wie Topf und Deckel. Wir hatten hier im Brett und in den Erotikbrettern schon zahlreiche Bespiele. Dann haften sie zusammen, aber warum das so ist, wird nicht erkannt und die angeführten Interessen an gerade diesem Partner sind aufgesetzte sog. „Rationalisierungen“ - bis der Grad an Unerträglichkeit eine Schwelle überschreitet oder einer von beiden sich selbst besser durchschaut.

Gruß
Metapher

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Eine solche Störung der Selbstwertregulierung ist eine
Variante im Eigenschaftsspektrum der Narzißtischen
Persönlichkeit: FAQ:920

Hallo Metapher,

bezeichnet man nicht den Narzissmus eher als „Selbstverliebtheit“ und nicht als Minderung des Selbstwertgefühls? Oder ist der Begriff umfassend für Minderung sowie Steigerung des Selbstwertgefühls?

Begriff Narzißmus
Hi,

bezeichnet man nicht den Narzissmus eher als „Selbstverliebtheit“

in der Umganssprache wird es tatsächlich oft so gemeint. Das lehnt sich dann nicht an den psychologischen Fachbegriff an sondern, an die diversen griechischen Mythen um „Narziß“
http://de.wikipedia.org/wiki/Narziss

und nicht als Minderung des Selbstwertgefühls? Oder ist der Begriff umfassend für Minderung sowie Steigerung des Selbstwertgefühls?

Narzißmus hat drei Bedeutungen:

  1. ist es eine wichtige Phase in der Persönlichkeitsentwicklung
  2. ist es eine Komponente der Persönlichkeitstruktur

Darauf basiert dann der Ausdruck „narzißtische Kränkung“ oder „narzißtische Verletzung“ (wie in den Beispielen besprochen), die sich dann zu der danach benannten
3. Narzißtischen Persönlichkeitsstörung
entwickeln kann.

Dabei geht es aber weniger direkt um eine Minderung oder Steigerung des Selbstwertgefühls, sondern um die Unfähigkeit, dieses sozialkompatibel, also in der Interaktion mit der sozialen Umwelt zu regulieren.

Gruß
Metapher

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Dank
Ich danke Euch allen für die interessanten und aufschlussreichen Antworten und Meinungen.

Tatsächlich betrifft meine Frage nicht mich, oder nur zum Teil.
Ich kenne nur einige solche Leute und frug mich, wie es zu einem -allerdings wirklich problematischen - Verhalten kommt, dass z.B. einer wie ein dressierter Zirkusaffe sofort aufspringt und mir mit brennenden Feuerzeug zueilt, wenn ich mir nur eine Zigarette in den Mund stecke.

Tokei-ihto

Hallo,

den Zusammenhang zwischen deiner ursprünglichen Frage

„worin kann es begründet sein, dass sich jemand, ein Mensch z.B., einbildet, bei allem, was er tut, dies nicht gut oder eben nicht gut genug zu tun?“

und dem hier

…und frug mich, wie es zu einem -allerdings wirklich
problematischen - Verhalten kommt, dass z.B. einer wie ein
dressierter Zirkusaffe sofort aufspringt und mir mit brennenden :Feuerzeug zueilt, wenn ich mir nur eine Zigarette in den Mund stecke.

versteh ich nicht ganz.

Grüße
Miriam

Hallo, diesen Menschen schätze ich so ein, dass er mit aller Macht und Gewalt herbeiführen will, beliebt zu sein. Daraus, und anderen Wahrnehmungen, schließe ich, dass er sich nicht beliebt fühlen könnte.

Und davon leite ich ab, dass ihm vielleicht nicht vermittelt wurde, dass es seinem Ansehen auch auf Dauer nicht abträglich ist, wenn er hin und wieder mal alle Fünfe gerade sein lässt.

Viele Grüße

To-i