Die Erschaffung der Tiere

Von: , Frage gestellt am Di, 7. Jan 2003

Hallo allseits!

Hier gibt's wieder etwas aus Namibia.
(Den Wunsch, gewisse Mit-(bzw. Gegen-)menschen in irgendwelche Viecher zu verwandeln, verspüre ich auch hin und wieder ;-)))

Beste Grüße
Barney


Die Welt war voll von Sand und Wasser, Wüsten und Wäldern, Gräsern und Sträuchern und Blumen. Die Menschen ernährten sich von Früchten und Wurzeln, von Samen und Nüssen und auch von so manchen Blättern. Aber es gab keine Kühe und Schafe, keine Milch und keinen Käse, keine Hühner und Eier, aber auch keine Löwen oder Elefanten, keine Gazellen oder Schakale, denn die Welt war abgesehen von den Menschen unbelebt. Kalunga sah, daß es nicht gut war, die Menschen allein in dieser Welt leben zu lassen, und er beschloß, Tiere zu erschaffen.
Also rief er die Menschen zu einer Versammlung und offenbarte ihnen seinen Plan:
„Ich sehe, daß euch etwas fehlt, als Spielgefährten, aber auch als Nahrung, ja sogar als Feinde. Ich werde Tiere machen. Dazu brauche ich aber einige von euch. Ich werde mir die richtigen unter euch aussuchen. Die werde ich rufen, aus denen werde ich Tiere machen. Die anderen aber leben so weiter wie bisher, noch sechs Monate, dann erst erlaube ich, daß die Tiere gejagt werden und getötet werden zum Verzehr!“
Damit entließ er die Menschen und begann sein Werk. Und wirklich: Schon nach einigen Tagen sahen die Menschen neue Lebewesen in den Wäldern und den Steppen, im Wasser und in den Lüften. Viele flüchteten die Menschen, andere bedrohten sie, manche waren aber auch ganz zutraulich.
Und die Menschen begannen zu überlegen, wie sie denn die Tiere fangen sollten, oder gar töten, oder sich ihre Vorteile zu Nutze machen. Sie lernten, Fallen zu bauen und mit Pfeilen zu schießen, aber auch Kühe zu melken und Ziegen, und den Hühnern die Eier wegzunehmen. Dennoch wurde die Zeit lang, in der noch das Verbot der Jagd und Tötung herrschte.
Tukwa konnte es nicht erwarten. Ihm fehlte die Geduld. Eines Morgens lief er in den Busch, um zu sehen, was er denn vielleicht jagen konnte. Kalunga würde es schon nicht bemerken, er war ja mit der Erschaffung weiterer Tiere beschäftigt. Tukwa erspähte ein Blauböckchen und schoß mit seinen Pfeilen. Schließlich traf er und konnte seine Beute mitnehmen. Er brachte das Böckchen heim und zeigte es seinere Frau.
„Schau, was ich dir heute bringe, da haben wir für ein paar Tage zu essen. Wir ziehen die Haut ab und braten uns das Fleisch.“
Aber Tukwas Frau erschrak: “Kalunga hat doch verboten, eines von den Tieren zu töten, bevor sechs Monate vergangen sind. Nein, ich will das Böckchen nicht, ich könnte nicht mehr ruhig schlafen!“
Tukwa versuchte sie zu beruhigen, aber es gelang ihm nicht.
Also nahm er seufzend sein Böckchen und ging. „Ich werde es dann eben Kalunga bringen, vielleicht freut er sich mehr darüber, was für ein guter Jäger ich bin,“ dachte Tukwa. Und so wanderte Tukwa zu Kalunga.
Als er zu Kalunga kam, wunderte dieser sich: „Was willst du hier? Dich habe ich nicht gerufen.“
„Ja, ich weiß schon,“ sagte Tukwa. „Aber ich wollte dir eine Freude machen und dir dieses Böckchen schenken!“ – Und er nahm seine Jagdbeute vom Rücken und legte sie Kalunga zu Füßen.
Da aber wurde Kalunga böse und rief: „Was bist du doch für ein schlechter Mensch! Ich habe verboten zu jagen, für ganze sechs Monate! Und du weißt nichts Klügeres als das Gegenteil zu tun und glaubst auch noch, ich würde dich loben, wenn du mich beschenkst?
Weißt du, vor wenigen Tagen war das noch ein kleines Mädchen, aus dem habe ich das Böckchen gemacht, und du bringst es gleich um. Nun, dafür sollst du bestraft werden. Obwohl ich dich nicht gerufen habe, werde ich auch aus dir ein Tier machen. Aber eines, das niemand mag, das häßlich ist und auch eine scheußliche Stimme hat, eins, das alle anderen meiden, weil es stinkt, das sich immer feige verstecken muß und immer nur die Reste fressen darf, die andere übriglassen.“
Und Kalunga machte aus Tukwa zur Strafe für seine Untat eine Hyäne.

(Mythologie der San, welche zumeist Buschmänner genannt werden)

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