Ein komischer Beaglespaziergang
Von: , Frage gestellt am Mi, 8. Okt 2003
Hallo Zusammen!
Meine Leute gehen mit mir oft zu Beaglespaziergängen, da sind dann immer gaanz viele Beagle und ihre verrückten Zweibeiner.
Einmal war ich aber auf einem ganz komischen Beaglespaziergang. Da waren Hunderte Leute, aber irgendwie war ich der einzige Beagle, hab jedenfalls keinen weiteren getroffen. Auch muss die Polizei ganz doll um unsere Sicherheit besorgt gewesen sein, denn es waren gaaanz viieele Polizisten da und haben uns davor beschützt, von der Strasse abzukommen. Die wollten wohl, dass wir uns nicht verlaufen. Das fanden aber die netten Leute vom Beaglespaziergang (meine Chefin meint, das waren Demonstranten) nicht so toll und so haben ganz viele versucht, die Polizeiketten zu durchbrechen. Meine Chefin ist mit mir auch durchgeschlüpft und wir sind Querfeldein gerannt. Dann wurde es richtig lustig. Die Polizei hatte eine Jagd organisiert, so mit vielen Pferden und weil sie keine Beagle hatten, mussten sie Schäferhunde nehmen. Plötzlich waren wir umzingelt, die Polizisten auf den Pferden und die Polizisten am anderen Ende von den Schäferhunden waren alle vermummt. Meine Chefin meinte, die hätten Schiss vor uns, dabei waren wir ganz friedlich. Die netten Leute vom Beaglespaziergang ääähm, ich meine die Demonstranten, haben sich hingesetzt und angefangen zu singen. Die Schäferhunde haben sich aber gar nicht gut benommen. Meine Chefin musste denen erst mal mit mir demonstrieren, wie man artig Sitz und Platz macht. Deswegen bin ich jetzt auch ein "Demonstrant". Ungefähr 3h waren wir von den Hunden und Pferden umzingelt, die Chefin meint, wir waren eingekesselt.Dann kamen viele Leute mit schweren Kameras und haben mich gaaanz oft gefilmt. Meine Chefin hat dem ZDF ein Interview gegeben, warum sie da ist und so, hab ich aber da noch nicht so richtig verstanden. Ich glaube, die fanden mich sowieso viieel schöner, denn meine Chefin war so eingemummelt, von der guckte echt nur die Nase aus dem Schneeanzug. Aber als erfahrene Demonstrantin weiß sie, wie kalt das jeden Herbst ist, wenn die Castoren ins Wendland rollen.
Ich hab dann angefangen Mäuschen zu fangen, das hat dann die Schäferhunde so geärgert, das sie abgezogen sind. Irgendwann hatten auch die Pferde keine Lust mehr immer nur blöd rumzustehen und sind auch weggelaufen. Weil es schon anfing dunkel zu werden und weil das ja meine erste Demo war, haben meine Chefin und ich uns auch auf den Heimweg gemacht. Ganz viele von den Demonstranten sind aber da geblieben, die wollten sich auf die Strasse setzen, das heißt "Widersetzen" oder sich X-1000mal quer stellen. Warum die das machen könnt ihr unter http://www.bi-luechow-dannenberg.de ,oder unter http://www.widersetzen.de mit vielen interessanten Links nachlesen, das würde hier zu weit führen. Meine Chefin hat mir dann erklärt, das sie da wegen ihrer Kinder mitmacht, weil sie denen keine verstrahlte Umwelt hinterlassen will. Wenn in Gorleben wie geplant mal über 400 Castoren eingelagert werden, von denen einer ein Fünftel des Potenzials von Tschernobyl hat und die da mindestens 40 Jahre zum Abkühlen in einer Leichtbauhalle stehen, dann kann doch wirklich KEINER dafür garantieren, dass kein Störfall eintritt. Meine Chefin möchte weiterhin mit uns Beaglen über unverstrahlte Felder und durch unverstrahlte Wälder wandern, den Bauern unverstrahlte Produkte abkaufen und ihre Kinder und vielleicht Enkel gesund und munter aufwachsen sehen. Das hat sie auch der ZDF-Tante gesagt und ich glaube, das versteht jeder.
Euer DEMONSTRANT Quinto
