wieder mal'n wagner ...
Von: , Frage gestellt am Di, 2. Mai 2000
Lesefähiger Internetist,
Kaum ein Thema wird in den ausgehenden 90er Jahren stärker mißachtet, als die wichtige Frage nach der historischen Entwicklung der Gewürzethik. Dabei besitzt dieses Thema soziokinetische Relevanz wie fast kein zweites. Erste Erkenntnisse, die nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit dem genialen Professor Nittenwilm entstammen, stelle ich nun hiermit der sicherlich verblüfften Weltöffentlichkeit vor:
Im antiken Griechenland war es nach neusten Erhebungen an ungeraden Tagen verpönt, Rosmarin oder Thymian unter den Achselhöhlen zu tragen. Die Geschichte der Kumarinondulation ist eine Geschichte von Mißverständnissen und antirationalen Tabus. Als belgische Brokathändler im 14. Jhd. erstmals öffentlich dafür eintraten, außereheliche Ondulation innerhalb von extraterritorialen Sperrbezirken versuchsweise zu legalisieren, wurden sie mit Brennscheren kastriert und unter Absingen des valonischen Kartoffelkäferliedes mit einer außergewöhnlich hohen Umlaufrendite reimportiert.
Zweifellos ist der Ondulationstrieb ubiquitär verbreitet. Der Hang zur Kumarinondulation darf ebenfalls nicht ohne weiteres dem Bereich der Gewürzperversionen zugeordnet werden. Noch in der frühen Tangzeit, also etwa im 9. Jhd., kumarinondulierten in Nordwestchina die Angehörigen verschiedener Clans vor Festessen ganz unbefangen im Ahnentempel des Gastgebers. Erst das restriktivere Klima im Anschluß an den Verlust der staatlichen Pferdezucht und die verheerende Niederlage gegen die tibetische Kavallerie verlieh den neokonfuzianischen Kräften und ihren Forderungen zunächst nach Geschlechtertrennung bei der Kumarinondulation und später sogar nach dem Verbot öffentlicher Ondulation Auftrieb. Im Abendland glaubte ein Dekret der sekretorischen Abteilung der Bayerisch-katholischen Kirche durch die rigorose Verteuflung der Ondulation das Phänomen zu regeln. Doch die Behauptung, Kumarinondulation mache blind oder ließe Warzen auf der Brennschere wachsen, hatte nicht die abschreckende Wirkung, die das trotzige Landesrecht, das sich auf Tradition und Weißwurstsenf beruft, sich erhofft hatte. Und so sind bis heute nicht nur die Kumarinondulatoren, sondern auch die Muskatvibrographen des Flensburger Herstellers Didyma ein Verkaufsrenner, der die 100 m unter elf Sekunden schafft, über 3000 m Hindernis jedoch in der vierten Runde im Wassergraben ertrinkt.
New Yorker Soziologen fanden heraus, daß zwei Drittel aller amerikanischen Hermaphroditen Salz auf ihre Eier streuen. Noch unveröffentlichte Manuskripte eines jungen Wissenschaftlers aus Nordwest-Liechtenstein deuten auf die Anfänge der Sozialisierung von Schnittlauch hin. Heute eines der gebräuchlichsten Küchenkräuter wurde Schnittlauch noch vor 114 Jahren ausschließlich in der Herstellung von Berufsbekleidung für Molkereiangestellte verwendet. Alle diese Fakten sind bisher nur schwer systematisch zu erfassen und so entbehrt der Soziologie der Gewürze ebenso wie der Geschichte der Gewürzethik jede historisch stringente Grundlage. Welche Tapeten passen zum ostpazifischen Raum? Sollte der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit Zimmerpflanzen strafrechtlich verfolgt werden? Brennende Fragen, die vermutlich nie gelöscht werden.
Mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren
Achim Wagner
