Greis und Jüngling

Von: , Frage gestellt am Do, 28. Dez 2000

Das Haus ist alt, der Gang verqualmt
die Treppe knarrt bei jedem Schritt
Dort oben feiern sie. Ein Korken knallt.
Es ist schon spät, und alle feiern mit.

Da steigt ein junger Mann treppan,
er hat ein kindliches Gesicht
Die Augen strahlen, und er lacht
und wo er hintritt, wird es Licht.

Zur gleichen Zeit, da schlurft gebeugt
ein grimmer Greis die Treppe runter
Sie treffen sich im ersten Stock.
Der Junge lacht und fragt ganz munter:

"Was gehst Du schon, wenn ich erst komm,
wir feiern doch das neue Jahr?"
"Ach, lass mich gehn, du wirst verstehn,
Wenn du erfährst, was dies Jahr war!

Da ist doch alles schief gelaufen,
was ich mir vorgenommen hab.
Mir blieb nichts anderes, als zu saufen,
drum sink ich bald schon in mein Grab!

Ich habe mein Talent verprasst!"
Da sagt der Junge: "Lebe wohl!
Du hast dein heeres Ziel verpasst
drum redest Du nun solchen Kohl!"

Der Alte weicht. Der Junge steigt
hinauf zu jenen, die jetzt singen
derweil die Glocke zwölf Uhr schlägt,
um uns das neue Jahr zu bringen.


Wirds gut? Wirds schlecht? Mein Lieber, Bester,
das sehn wir erst am kommenden Sylvester!

(einem einmal gelesenen aber längst wieder vergessenen Gedicht
nachgedichtet von Bernhard

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