Neulich in der U-Bahn,,,
Von: , Frage gestellt am Do, 12. Feb 2009
Da steht er an der Bahnsteigkante.
Er trägt eine schwarze Hose mit
Unmengen von Schnallen und Karabinern.
Hohe Stiefel mit Stahlkappe und dicker Sohle
verankern ihn am Boden.
Thors Hammer ziert seine Brust,
ein Skelett ziert sein T-Shirt,
ein tätowierter Schädel ziert seinen Hals.
Die Seiten des Kopfes sind kahlgeschoren,
die restlichen Haare
- schwarzgefärbt -
zu einem Pferdeschwanz gebunden.
Unter dem langen Ärmel seines Ledermantels
blitzen Killernieten vom Lederarmband.
Die Finger sind voller Spinnen, Kreuze und Schädel,
gefangen auf Ringen aus Silber.
Infernalische Musik
bahnt sich aus seinen Kopfhörern,
die er
- aus welchem Grund auch immer -
locker um den Hals gehängt hat
den Weg in die Außenwelt.
Sein Gesicht ist gezeichnet von Kajal
und von der Konzentration, die es erfordert,
keine Lebensfreude zu zeigen.
Neben ihm: Zwei junge Herren,
adrett in Anzüge gekleidet,
ordentlich frisiert.
Angeregt unterhalten sie sich
über die die Schlechtigkeit der Welt,
über die Abkehr der Menschen von Gott
und über die Verrohung der Sitten.
Sie reden lauter, als es eigentlich nötig wäre.
Da steht er - und er scheint nicht zu merken, dass er es ist,
der Anlass und auch Ziel dieser Diskussion ist.
Fast scheint es, als pralle alle Kritik
des niederen Gewürms
an seiner schieren Existenz ab.
Nichts davon dringt bis zu ihm vor.
Nicht eine Regung geht durch sein Gesicht.
Der Zug fährt ein und der Bahnsteig leert sich.
3 Stationen später...
Da steht er in der U-Bahn.
Und neben ihm sitzen die beiden jungen Herren
und diskutieren noch immer.
Und da, wo er bis eben noch saß
sitzt jetzt eine alte Frau.
Als er vier weitere Stationen später aussteigt
scheint es fast so,
als würde er lächeln.
