@Leo & Allu & Alle:Hofer Weihnachtsgedicht (lang)

Von: , Frage gestellt am Mo, 21. Dez 2009

Hallo!

Im Brett "Dialekte und Mundarten" wurde vor zwei Jahren oder so mal nach einem Hofer Weihnachtsgedicht gefragt, das ist mir heute in die Hände gefallen und ich will sie Euch nicht vorenthalten:



Bloos aamoll is Heiliga Nocht

Etzert senn mer soweit. Erquickend und labend
is endlich moll widder Heiligabend.
Im ganzen Haus riechts noch gebrotna Ebfl,
und driem in der Kichn do kracht scho a Stepfl,
derwall die Mutter a Flaschn vull Sekt
an die Bowle schitt, damit sa uns schmeckt.
Derzu do kocht sa neinerlei Sachn,
diewo unsern Mong ganz rebellisch machn.
Denn so wollns die Sittn, des wär ja gelacht,
im Jahr is bloß amoll die Heiliga Nacht.

Inzwischn isser fertig, der herrlicha Brotn,
und aa die Bowle is sauber gerotn.
Die Mutter fährt nei in ihrn Sonntagsstoot
und macht aa die Kinner schee parod.
Der Vadder der fährt in der bessern Stumm
als Weihnachtsmann wie a Närrischer rum.
Dass der Maxl sei Eisnboh funkzioniert,
und dass mit die Lichter am Baam nix passiert.
Der Hansl der kriegt heier a blecherna Fleetn,
des Gerchla a herrlicha Solotrompetn
fier zwaa Mark fuffzich, und zern musikalischn Rumml
do kehrt fier den Hansl a nuch a blauweißa Trumml.
Doch horch- es erteent a lieblichs Gebimml,
des is na Vadder sei Forodklingl.
Erscht klingelts a bißla, nochert ganz groß,
des is des Signal: Die Bescherung geht los!

Es öffnet die Tier sich zum bessern Zimmer,
der Ofen der prasselt und Kerzenschimmer
empfengt die Mutter nebst Kinderlein,
und mer singt ganz ergriffn zu Kerzenschein,
mit Grammerfonbegleitung, wie althergebracht,
des Lied vo der stillen, heiligen Nacht.

Und während die Mutter, nuch sichtlich beweecht,
a Mordstrumm Paket unters Christbaamla leecht,
do werng die Kinner zum Gabentempel
und bewunnern den Haufn Weihnachtskrempl.
In aaner Schachtl mit blutrota Herzla
senn sauber verpackt zwanzich Raacher-Kerzla.
Und friedlich neber dem Holzpflockgewehr
stett a Flaschn mit herrlichn Kreiterlikeer
nebst Plätzla und Lebkuung und Eelsardina.
In der Eckn stett a Mittl fier die schnella Kathrina,
denn des is wichtich, des derf mer net vergessn
zermoll bei an Heilign-Weihnochtsomd-Essn.

Die Mutter bewunnert die Haushaltungsscherzn,
derwal frißt es Gerchla die Raacher-Kerzn.
Der Vadder, der schnappt sichs Weihnachtspakett
des wos unterm Christbaam ganz hintn stett.
Und während er auspackt hurtig und flink
tut er an Schraa: Mensch a Ozuch vom Fink!
A blauer Kammgarn, a wengla weiß gstraaft,
denn hot na sei Klora zum Christkindla kaaft,
derzu nuch an Schlips und an modischn Hut.
Do grinst er wie a Heipfeer, denn heit gehts na gut.

Dann zwickt er sei Klora ganz glicklich ins Ohr
und ziecht hinterm Sofa an Pappkartong vor.
Und die Mutter die greint, des hätt sa niemols gedacht,
dass des Christkindla ihr solche Sachen gebracht,
a Pelzmantl is, und a hangstickts Bliesla
derzu nuch a Nachthemm mit seidna Rieschla.
Die Kinner senn fertich mit der Christkindla-Sichtung
und spilln a weihnachtlich-sinfonischa Dichtung.
Der Maxl der trummelt, der Hans bleest Trompetn
und des Gerchla hantiert mit der blecherna Fleetn.
Der Hans bleest an Schardasch, der Hans an Choral
es wckln der Christbaam und die Lichter im Saal.
Die Fleetn tut nuch an schmerzlichn Triller
und dodermit endet es Drama von Schiller.

Der Vadder probiert erscht en Kreiterlikeer
nochert richt er en Tisch fiers Amdbrot her.
Vo der Kichn rieber klingts Tellergeklapper
und der Mutter ihr Weihnochtsomdselbergeplapper.
Af amoll, do schreit sa, etz wer ich verrickt,
der Katzenkrippl, der hot doch die Brotwerscht verdrickt!
Der Kater kriecht untern Ofen nunter
und schnurrt ganz vergniecht an Weihnochtsfersch runter.

Die Mutter beruhigt sich, zellt Quer und die Leng
die Brotwerscht senn weg, bleim allerweil nuch acht Geng.
Nochert schleppt sa die Suppn und die Leberkleesla
nebst besseren Pressack unds Mostrichdeesla
sammst na Hosnbrotn und geraachertn Speck
mit Spiegeleier und Buttergebäck
und Selleriesalat und Meionees
derzu a Plattnvull Limburgerkees
und a Waschschissl vull gebrotna Fisch
ins bessera Zimmer aufn Omdbrottisch
wo ehrfurchtsvoll brav und ausnahmsweise stumm
hockt der Vadder mit die drei Gunga rum.

Gor klaa is der Mong, die Aung die senn gresser
der Vadder ißt na Fisch mitm Messer.
Die Kinner nehma die Finger zer Hend
derwal is in der Kichn der Kakau oogebrennt.

Des Gerchla schmiert na Vadder na Sempf aufn Schlips,
obber der merkts nimmer, der hot scho an Schwips.
Die Mutter droht na Max mitm Knittl.
Der Hans probiert es Abfiermittl.
Kurzum, die Familie is reichlich satt
und bloß ner die Mutter - is werklich schachmatt.
Es Mäxla, des beegt, die Mutter rennt
der Kerl hot mitm Kakau sich die Guschn verbrennt.
Des Essn is aus, weiter is nix passiert
und inzwischn do werd der tisch abserviert.

Die Kinnerla spilln mit der Eisnboo
und henga Wecherla ab und hengera oo,
a Zuchentgleisung noch der annern passiert
bis sich der Vadder fier die Boh interessiert.
Er setzt sich a Bahnhofsvorstand-Mitzn auf
und nochert, lecht er sich hie aufn Bauch
und hantiert mit die Weing, grod wie die Kinner,
zum Hauptbahnhof wird es bessera Zimmer.
Auf amoll hot die elektrischa Eisenboh
an kurzschlußähnlichen Schnalzer getoh
und wie nuch am Christbaam die Lichtla brenna
do will der Vadder noch der Sicherung renna.
Doch so schnell geht des net, denn der Kreiterlikeer
macht ihm des Aufsteh a klaans bissla schwer.

Und unter Stehna und saumäßichn Schwitzn
do will er sich pfahlgrod am Christbaam schtitzn.
Ober der hälts net aus und nimmts sakrisch krumm
und fällt samt na Schtänder und die Gloskugln um.
Die Lichter verlöschn, es is dunkel im Raum,
der Vadder erwischt vom Tischtuch na Saum
und rappelt sich hoch, doch do klapperts scho widder,
grod wie a Dunnerschloch noch an Gewitter.
Die Schnapsgleeser und der Kreiterlikeer,
die lieng verschtreit im Zimmer umher
und unterm Christbaam do senn die schenn Gabn
mitsamt der Familie begrabn.

Ieber dera Bescheerung nebst na röchelndn Altn
do sicht merr die züchtiche Hausfrau waltn,
und aan nochn annern zerrt sa am Ohr
unterm weihnachtlich duftenden Christbaam hervor
und leecht sa ins Bett beim Kerzenschimmer
zererscht ihrn Altn, und nochert die Kinner.
Und wie nachts um halb zwaa ihr Werk is vollbracht,
do singt sa allaa und ganz leise: Stille Nacht!




So, schöne Weihnachten,
Gruß Dani

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