Sturz in die Vergangenheit
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Frage gestellt am Fr, 3. Feb 2012
(Ich = 18jährige Galaxy / Kontext der Szene ist die Sklaverei im Alten Orient, die auch den Handel mit Frauen umfasste, die einem Hausherrn, dessen Familie und den Gästen des Hauses sexuell zu Diensten sein mussten. Dass ein so gearteter Menschenhandel auch heute noch grassiert - im Unterschied zu damals aber natürlich illegal -, war kürzlich im TV Thema eines Actionfilms ("96 Hours") mit Liam Neeson, der eine albanische Bande aufmischt, die seine Tochter entführt hat. "96 Hours" bedeutet übrigens, dass eine von solchen Banden entführte Frau nach 96 Stunden erfahrungsgemäß nicht mehr gefunden werden kann)
Direkt vor mir schwebte ein hünenhafter Mann,
um dessen Haupt eine blonde Mähne wehte. Er
steckte in einer Metallrüstung, die das Licht von
hundert Filmlampen zu reflektieren schien. Sein Antlitz
war kantig, seine Miene unerbittlich und sein Blick eine
stählerne Faust, die sich in meine Seele bohrte.
„Ich bin Astaphaios, ein ergebener Diener des
Jaldabaoth“, sagte er mit metallisch vibrierender Stimme.
„Mein Herr wünscht deinen Exitus.“
Er legte seine Pranken um meinen Hals.
„In die Unterwelt schicke ich dich nicht, weil Belias dich
wieder freigeben würde. Aber ich schicke dich dorthin,
von wo du nie wieder zurückkehren wirst.“
Dann zog sich sein Griff zusammen wie ein Schraubstock.
Mir wurde schwarz vor Augen.
***
Als ich wieder zu mir kam, spürte ich ein heftiges Zerren
an meinem Hals, und mein Herz pochte vor Angst. Vor
mir schritt ein Mann in einem langen weißen Gewand, der
mich an einer dünnen Metallkette zog. Wieder riss er an ihr,
und ich stolperte und stürzte mit den Knien schmerzhaft
auf einen mit Steinplatten ausgelegten Weg.
Der Mann drehte sich um und lachte. Sein Gesicht war
tiefbraun und hakennasig, und sein schwarzes Haar fiel an
beiden Seiten in geflochteten Zöpfen herab. Der Jüngste
war er nicht, so um die Fünfzig.
Ein Araber vielleicht.
Wo in aller Welt war ich gelandet?
„Du bist“, sagte er und zeigte sein weißes Gebiss, „ein
Edelstein, der geschliffen werden muss.“
„Ja, Herr, ja, Herr“, hörte ich mich mit einer furchtsamem
Mädchenstimme sagen.
Und da merkte ich, dass die Lage vollständig aus dem
Ruder gelaufen war.
Denn nicht ich hatte gesprochen.
Sondern jemand anders.
„Nun komm endlich“, knurrte der Typ. „Meine Gäste
warten.“
Mein Körper erhob sich ganz ohne meinen Willen. Ich
konnte nur zuschauen, was geschah. Der Mann packte
meinen nackten Oberarm und schleppte mich neben sich
her. Mein Blick war auf den von Blumenbeeten
gesäumten Weg gerichtet, bis er zu einer offenstehenden
Tür schwenkte, durch die ein gelblicher Schein fiel. Da
ich nicht fähig war, willentlich meinen Kopf zu bewegen,
konnte ich die weitere Umgebung nicht sondieren. Dem
Dämmerlicht nach zu schließen, schien es am Abend zu
sein.
Bevor wir durch die Tür traten, sah meine Augen an mir
herab.
Mein Körper war unbekleidet. Außer der Metallkette um
meinen Hals trug ich nichts. Zwei braungefärbte kleine,
aber feste Brüste mit dunklen Nippeln sprachen für einen
orientalischen oder asiatischen Körper.
Ich wurde durch die Tür gestoßen. Der Raum dahinter
lag im Schein von flackernden Öllampen, die in Kopfhöhe
an den steinernen Wänden hingen. Ein würziger
Essensgeruch hing in der Luft. Geradeaus sah ich eine
Tür mit einem faltigen Vorhang, durch den rauhe
Männerstimmen drangen. Rechts führte eine an die
Seitenwand gemauerte Treppe zu einem oberen
Stockwerk. An der linken Wand hockte ein düster
blickender Geselle am Boden und kaute auf etwas
herum.
„Wage es nie, abzuhauen“, schärfte mein ´Herr´ mir
ein, „sonst wird Omed dich verprügeln.“
Er schob den Vorhang zur Seite und stieß mich in das
Zimmer, das auf die gleiche Weise wie der Vorraum
erhellt wurde. Sechs Gestalten in orientalischen
Gewändern, vier Männer und zwei Frauen, saßen auf
einfachen Stühlen um einen Tisch. Mein Blick huschte so
schnell über ihre Gesichter, dass ich Details kaum
ausmachen konnte, und blieb an einer meterhohen
Statue in einer Zimmerecke hängen. Sie war bunt bemalt
und stellte in groben Formen eine Frau dar. Dass sie von
zwei Öllampen gezielt beleuchtet wurde, sprach für einen
kultischen Zweck.
„Hier ist sie“, rief mein ´Herr´ den anderen zu. „Sie
heißt Sala.“
„Sala“, sagte einer der Männer gedehnt und
genießerisch. Immer noch klebte mein Blick an der
Statue. Ich fühlte Angst und Scham, aber das war nicht
meine Gefühle. Irgendwie war ich in den Körper einer
fremden Frau geraten.
An dieser Tatsache war nicht zu rütteln.
„Sala...“, wiederholte ein anderer. „Dieser Name ist
babylonisch. Ist deine Neuwerbung, mein lieber
Amschesch, eine Babylonierin?“
Der Amschesch Genannte streichelte über mein Haar.
„Ja und nein. Sala wurde vor achtzehn Jahren in
Babylon geboren, wo ihre Eltern, die aus unserem Volk
sind, als Sklaven leben. Deshalb spricht sie unsere
Sprache.“
Ich hörte Schritte. Mein Blick glitt von der Statue zu
einem Mann, der dicht an mich herantrat und meine
Brüste betätschelte.
„Ein guter Kauf“, sagte er und sah mir in die Augen.
„Was bedeutet dieser schöne Name ´Sala´, mein Kind?“
Nach ein paar Schluckbewegungen sagte mein Körper:
„Sala... das ist Licht, mein Herr.“
„Oh Katmun“, sagte ein anderer am Tisch. „Das hätte
ich dir auch sagen können, denn ich beherrsche das
Babylonische.“
Der Typ vor mir, Katmun, runzelte beleidigt die Stirn.
„Nicht jeder, Haram, ist wie du ein Beamter am Hof.“
„Aber du bist ein Kaufmann, und als ein solcher solltest
du diese Sprache beherrschen.“
Katmun gab mir einen Klatsch auf den Hintern und
kehrte an seinen Platz zurück.
„Ich habe einen Diener, der mir fremde Sprachen
übersetzt“, knurrte er missgelaunt. „Damit bin ich
zufrieden.“
Amschesch schüttelte mit der Kette, dass sie laut
klirrte.
„Wir wollen uns den Abend doch nicht mit Gezänk
verderben, meine Freunde“, rief er. „Ich bringe Sala jetzt
in den oberen Raum, wo sie gewaschen und vorbereitet
wird. Bis sie fertig ist, dürft ihr die Reize der Phönizierin
genießen.“
Ein Raunen ging durch die Runde. Auch den beiden
Frauen schien das Abendprogramm zu gefallen. Als mein
Blick das schöne Gesicht einer von ihnen streifte, sah ich
Begierde in ihren Augen.
Dann zerrte mich Amschesch zurück durch den
Vorhang und stieg mit mir die Treppe hinauf. Oben gab
es ein von wunderbaren Düften erfülltes Zimmer, in
dessen Mitte ein hölzerner Wasserbottich stand.
Daneben legten zwei einfach gewandete Frauen Hand an
die Garderobe einer bronzehäutigen jungen Frau an.
Sie hatte hüftlanges feuerrotes Haar und grüngefärbte
Fingernägel. Ihre üppigen Lippen waren tiefblau
geschminkt. Um ihren zarten Körper hing ein seidenes
weißes, bis zu den Knöcheln herabfallendes Kleid, in
das säuberlich drei Löcher geschnitten war: zwei kleine
um die Nippel und ein großes vor ihrem schwarzen Busch
zwischen den Schenkeln.
Nun war definitiv klar, dass in diesem Haus
Sexsklavinnen gehalten wurden. In einer von ihnen
war ich gelandet.
„Meine schöne Ariri“, sprach Amschesch das Mädchen
an, „meine Frau und meine Gäste erwarten dich. Wenn
du sie zufriedenstellst, darfst du morgen den Tempel der
Astarte besuchen und der Göttin opfern.“
Ihr Lächeln verschönte noch ihre anmutigen Züge.
„Oh danke, mein Herr.“
Babylon... Phönizien... Astarte... Schätzungsweise war
ich um drei- oder viertausend Jahre in die Vergangenheit
geschleudert worden. Geschichte war in der Schule zwar
nie meine Leidenschaft gewesen, doch dank meines
guten Gedächtnisses war das eine oder andere über den
Alten Orient hängen geblieben. Wer auch immer den
Spruch ´In der Schule lernt man für das Leben´
verbrochen hat, an meine jetzige Situation hatte er aber
sicher nicht gedacht.
Astarte... das war eine altorientalische Göttin, aber
keine babylonische. Vielmehr wurde sie in... na, wo war
das doch gleich?... ja, im alten Syrien verehrt.
Amscheschs knarrende Stimme unterbrach meine
historischen Betrachtungen.
„Geh nach unten, Ariri.“
Der Feuerschopf nickte demütig und verließ das
Zimmer. Mit flinken Fingern löste Amschesch die Kette
von meinem Hals, die wie ein Lasso geschlungen war,
und zwickte mir in den Hintern.
„Lass dich von den Frauen schönmachen. Wir sehen
uns später.“
Dann verzog er sich.
Die Frauen, nahe am Großmutteralter, lächelten mich
freundlich an. Für sie schien die Situation gar nichts
Anstößiges zu haben. Junge Frauen für den Gruppensex
mit Gästen herzurichten, gehörte vermutlich zu ihrer
Routine.
Eine von ihnen nahm mich an der Hand und führte
mich zu dem Bottich.
„Ariri hat darin schon gebadet“, sagte sie, „aber das
wird dich sicher nicht stören.“
Keine Ahnung, wie Sala darüber dachte, aber was mich
anging, störte mich das nicht. Was im Moment wirklich
nervte, war vielmehr meine Unfähigkeit, mit anderen
Menschen Kontakt aufzunehmen. Immerhin verstand ich die
Sprache dieser Leute, vielleicht weil ich mit Sala so
eng verbunden war.
Der erste Schritt war, mit Sala Kontakt aufzunehmen.
(by Chan)
