Wagners Briefe an die Realität ... 2
Von: , Frage gestellt am Mi, 24. Nov 1999
Gewichtige Pykniker,
als kortikal stimulierter Apopretiker stelle ich heute die Frage: ‚Kann das metaphorische Motiv der strickenden Posticheuse allein eine Parabase tragen?‘ orientierungslos in Raum 264. Außerdem noch ein Podium und drei Stühle. Nur damit keine Mißverständnisse entstehen:
Parabase ist nicht die nächstgrößere Einheit zu Paralyse und auch nicht die Tante der Paranuß, sondern wie jeder weiß, ein Einschub in der attischen Komödie in Form einer satirisch angehauchten Zwiesprache zwischen Chorleiter und Chor.
Die soziokinetisch fulminant-relevante Fragestellung weist im Bezug auf folgende Phänomene eine minderschwere Indifferenz auf:
1. Die Absolutheit der Relativität.
2. Die Relativität alles Absoluten.
3. Die Klümpchenbildung von Kakaopulver auf Milchschaum.
Gerade die Klümpchenbildung von Kakaopulver auf Milchschaum in all ihren schier unvorhersehbaren Varianten inklusive der Adhäsion überschüssigen Pulvers an Oberlippenbehaarung und Nasenspitzen nährt in mir Zweifel, ob eine wolleknotende Perückenmacherin die thematische Grundlage eines espritreichen Dialogs zwischen in Laken gewickelten Sängern bilden kann.
Mal unter uns Kranioten (Wirbellose jetzt mal schnell eine andere Seite anclicken): Wann haben Sie denn zuletzt in der Pause einer attischen Komödie Cappuchino geschlürft? Ist bei Ihnen doch sicher auch schon wieder zwei, wenn nicht gar drei Wochen her. Na und?
Müssen wir uns dafür schämen? Ich sage nein! Aber ich sage Ihnen nicht warum. Sollten Sie zu jener Sorte bipedaler Humanoiden gehören, die die Realität als eine theoretisch mögliche Manifestation der Wirklichkeit halten, möchte ich Ihnen eins mit auf den Weg geben: Morgenstund hat keinen Mund.
Sollte Ihr Wirklichkeitsbegriff die Realität ausgrenzen, betrachten Sie die attische Komödie natürlich unter transponierten Vorzeichen. Ganz zu schweigen von den Komplikationen, die Sie erleben, wenn Sie sich in ein reales Telefonnetz einwählen wollen. Doch möglicherweise mutierte ja eben bei der Suche nach realen Telekommunikationsanbietern ihr Weltbild. Oder war es doch während einer Soziologievorlesung zum Thema ‘Neue Elemente der Bodenhygiene im Briefwechsel von Marx und Engels: Ist der Besen ein Produktionsmittel oder ein jahreszeitlich gebundener Dekorationsgegenstand?‘. Und just zu diesem Thema schrieb unlängst der russische Exilschwede Bengtonid Bengtsonov im linksgerichteten Philatelisten-Fachblatt ‘Rote Mauritius‘: "Wir kehren wieder!"
Diese atavistische Einschätzung wirft Fragen auf wie: Sind die Volksparteien an den Rändern perforiert oder gefalzt? Gehen die Weihnachtsgeschenke dieses Jahr noch auf eine Kuhhaut? Ist Extremsiedeln der neue Trendsport aus dem Nahen Osten?
Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung dieser Fragen führen, werden mit einer Bachblütentherapie behandelt.
Mit psychrophilen Kryometern
Achim Wagner
