Leben mit SMS...
Von: , Frage gestellt am So, 12. Aug 2001
Das Schreib-Mir Syndrom, kurz SMS ist eine der vielen Krankheiten unserer Zeit. Immer mehr Menschen werden von ihr befallen und eine Eindämmung scheint aussichtslos.
Betrachten wir diese seltsame Krankheit, der viele wohl auch aus Unwissen mit Intoleranz begegnen, etwas genauer:
Das Übel beginnt – soweit ist sich die Forschung einig – mit dem Kauf eines Mobiltelefons (kurz Handy”). Hierbei tritt das SMS in Verbindung mit allen Handys auf, die Textnachrichten versenden können (wie dies zu erklären ist wird noch diskutiert). Jedoch ist zu beachten, dass das SMS nicht bei allen Menschen gleich stark auftritt. Tests haben gezeigt, dass Menschen, die über 40 Jahre alt sind, deutlich resistenter gegen das SMS zu sein scheinen als die Gruppe der 13- bis 25-jährigen. Auch bei Menschen, die einmal eine überdimensional hohe Handyrechnung zu bezahlen hatten, stellt sich eine kurzzeitige Besserung ein.
Ein großes Display, eine kleine an das Handy anschließbare Tastatur und günstige Tarife für das Versenden von Kurznachrichten hingegen begünstigen das Auftreten des Schreib-Mir Syndroms.
Symptome für die Krankheit sind ein ständiges Zusammenzucken beim Hören eines Pieptons, ein nervöses Kramen in der Tasche beim Hören eines Pieptons in unmittelbarer Nähe und die Betrachtung des Handy-Displays in regelmäßigen, kurzen Intervallen, auch wenn gar kein Piepton erklingt.
Diese Blicke auf das Display ziehen meist ein frustriertes Stirnrunzeln mit sich, oder etwa einen Ausspruch wie: Mann, warum schreibt er mir denn nicht?”
Erhält ein SMS Patient allerdings eine Kurznachricht, so werden in seinem Körper unmittelbar danach Glückshormone ausgeschüttet (etwa vergleichbar mit der Menge, die nach dem Verzehr einer Tafel Schokolade im Körper auftritt). Diese Euphorie wird gefolgt von einem wilden Tippen auf der Handy-Tastatur (texten”). Patienten, die schon länger an dem SMS leiden, tippen 100 Zeichen in weniger als 2 Minuten.
Wer nun festgestellt hat, dass auch er oder sie an SMS leidet, sollte allerdings nicht verzweifeln. Man kann sich durchaus mit dem SMS arrangieren, und echte SMSler schwören darauf, dass sich ihre Lebensqualität durch das SMS verbessert hat. SMS steigert die Kommunikation und ist des weiteren DAS neue Flirtmedium (gleich nach dem AOL Chat). Auch die Tischruhe ist seit SMS wiederentdeckt worden – wozu mit Menschen reden, die direkt vor einem sitzen, wenn man auch mit dem Nachbarn texten kann?
Ferner führen die zum Teil immens hohen Rechnungen dazu, dass man weniger Geld für Zigaretten / Alkohol / Essen / Make up ausgibt und tragen so entscheidend zur Gesundheit / Lebenserwartung / Figur / Natürlichkeit der SMSler bei. Des weiteren schult das in den neueren Handys integrierte Wörterbuch die Orthographie und führt so zu besseren Schulnoten. Zu besseren Schulnoten führt auch das Texten in Klausuren... es sei denn, man wird erwischt, dann tritt eine entgegengesetzte Entwicklung der Schulnoten ein.
Auch die – positiven – globalen Konsequenzen des SMS dürfen nicht verkannt werden: Solange sich das SMS weiter verbreitet, hält auch der Handy-Boom an. Dies führt dazu, dass die deutsche Wirtschaft boomt, was wiederum zu einem stabilen Euro führt. So trägt das SMS maßgeblich zur europäischen Einigung bei und soll deshalb jetzt auch durch europäische Fördergelder unterstützt werden.
Wenn es in nächster Zeit also um sie herum piept – im Kino, im Zug oder an der Oper – bleiben sie gelassen und tolerant, lassen sie sich die Handynummer des Störenfrieds geben und texten sie ihm, dass er doch bitte sein Handy auf lautlos” stellen soll.
