Ein Paar Kreisel

Von: , Frage gestellt am Mi, 11. Okt 2000

Im Brett Mathe/Physik ging es gerade etwas rund, warum also nicht auch hier ?
Ich habe zwei Kreisel, die jeweils in einem Gehäuse gelagert sind und in schnelle Rotation versetzt werden. Beide Kreisel drehen gleich schnell aber in entgegengesetzte Richtung. Das Gehäuse der Kreisel hat eine Spitze, die senkrecht nach unten zeigt. Die Drehachsen stehen auch senkrecht. Die Kreisel werden nebeneinander auf ihre Spitze gestellt und bleiben erwartungsgemäß darauf stehen.
Jetzt nehme ich eine Stange und verbinde die Kreiselgehäuse starr miteinander. Wie verhält sich der "Doppelkreisel" jetzt und warum ?

fragt euch Jörg

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: Ein Paar Kreisel

    Jetzt nehme ich eine Stange und verbinde die Kreiselgehäuse
    starr miteinander. Wie verhält sich der "Doppelkreisel" jetzt
    und warum ?
    1. Die Konstruktion läßt sich problemlos durch die Gegend tragen und um eine senkrechte Achse drehen.

    2. Eine Drehung um eine waagerechte Achse ist nur mit roher Gewalt möglich. Der Grund dafür ist, daß die Kreisel auf ein waagerechtes Drehmoment reagieren wollen, indem sie in entgegengesetzte Richtungen kippen, wobei ihnen die starre Verbindung im Wege ist. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten:

    2a. Das angreifende Drehmoment ändert den Drehimpuls beider Kreisel, was bei genügend hohem Drehmoment zu einer Drehung der gesamten Kontruktion führt, welche danach in der neuen Position verharrt.

    2b. Die durch das äußere Drehmoment verursachte Antwortmoment der Kreisel ist so groß, daß die starre Verbindung bricht.

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: Ein Paar Kreisel

      Hallo MrStupid,
      ich glaube, da haben ich euch wieder eine ziemlich harte Nuß vorgesetzt. Ich bin ja mal gespannt ob's jemand rauskriegt, denn es gibt noch einen 2. Teil der Aufgabe Jetzt nehme ich eine Stange und verbinde die Kreiselgehäuse
      starr miteinander. Wie verhält sich der "Doppelkreisel" jetzt
      und warum ?
      1. Die Konstruktion läßt sich problemlos durch die Gegend
      tragen und um eine senkrechte Achse drehen.
      soweit einverstanden
      2. Eine Drehung um eine waagerechte Achse ist nur mit roher
      Gewalt möglich.
      nein Der Grund dafür ist, daß die Kreisel auf ein
      waagerechtes Drehmoment reagieren wollen, indem sie in
      entgegengesetzte Richtungen kippen, wobei ihnen die starre
      Verbindung im Wege ist.
      stimmt Daraus ergeben sich zwei
      Möglichkeiten:

      2a. Das angreifende Drehmoment ändert den Drehimpuls beider
      Kreisel,
      bis dahin noch richtig was bei genügend hohem Drehmoment zu einer Drehung
      der gesamten Kontruktion führt, welche danach in der neuen
      Position verharrt.
      bist Du da sicher ???
      2b. Die durch das äußere Drehmoment verursachte Antwortmoment
      der Kreisel ist so groß, daß die starre Verbindung bricht.
      Das kann passieren, aber so weit wollen wir es nicht treiben.

      Übrigens war die Aufgabe eigentlich so gedacht, daß der Doppelkreisel sich selbst überlassen werden soll und die Frage einfach nur ist: Bleibt er stehen wie die Einzelkreisel vor der Verbindung, fällt er um oder passiert was ganz anderes ?

      Jörg

      • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
        Re^3: Ein Paar Kreisel

        2. Eine Drehung um eine waagerechte Achse ist nur mit roher
        Gewalt möglich.
        nein
        Warum nicht? was bei genügend hohem Drehmoment zu einer Drehung
        der gesamten Kontruktion führt, welche danach in der neuen
        Position verharrt.
        bist Du da sicher ???
        Eigentlich schon. Übrigens war die Aufgabe eigentlich so gedacht, daß der
        Doppelkreisel sich selbst überlassen werden soll und die Frage
        einfach nur ist: Bleibt er stehen wie die Einzelkreisel vor
        der Verbindung, fällt er um oder passiert was ganz anderes ?
        Er bleibt stehen, obwohl er keinen Drehimpuls besitzt.

        • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
          Re^4: Ein Paar Kreisel

          2. Eine Drehung um eine waagerechte Achse ist nur mit roher
          Gewalt möglich.
          nein
          Warum nicht?
          das will ich jetzt noch nicht verraten, denn das wäre schon fast die Lösung. was bei genügend hohem Drehmoment zu einer Drehung
          der gesamten Kontruktion führt, welche danach in der neuen
          Position verharrt.
          bist Du da sicher ???
          Eigentlich schon. Übrigens war die Aufgabe eigentlich so gedacht, daß der
          Doppelkreisel sich selbst überlassen werden soll und die Frage
          einfach nur ist: Bleibt er stehen wie die Einzelkreisel vor
          der Verbindung, fällt er um oder passiert was ganz anderes ?
          Er bleibt stehen, obwohl er keinen Drehimpuls besitzt.
          Wäre das nicht eine Verletzung fundamentaler physikalischer Gesetzte ?
          Ein Körper ohne Drehimpuls, dem durch eine leichte Schräglage wegen seines Eigengewichts permanent ein Drehmoment zugeführt wird soll sich nicht in Bewegung setzen ? Das kann doch eigentlich nicht sein.

          meint Jörg

          • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
            Re^5: Ein Paar Kreisel

            Ein Körper ohne Drehimpuls, dem durch eine leichte Schräglage
            wegen seines Eigengewichts permanent ein Drehmoment zugeführt
            wird soll sich nicht in Bewegung setzen ? Das kann doch
            eigentlich nicht sein.
            Das Problem besteht darin, daß das System aus Teilsystemen besteht, die einen Drehimpuls haben. Wenn ich die Konstruktion auf die Seite kippe, müssen sie diesen Drehimpuls irgendwie loswerden. Wenn die Konstruktion sogar um eine waagerechte Achse rotieren soll, dann müßten die beiden Kreisel während dieser Rotation permanent ihren Drehimpuls ändern, auch wenn die Drehimpulsänderung des Gesamtsystems Null ist. Dies setzt voraus, daß die Kreisel über die Starre Verbindung ein hinreichend großes Drehmoment aufeinander ausüben.

            Rechnen wir das Mal aus:

            Die Kreisel haben zu Beginn die Drehimpulse Lz und -Lz. Die Konstruktion rotiert mit der Winkelgeschwindigkeit ωx um die X-Achse. Der Energieerhaltungssatz fordert, daß die Rotationsenergie beider Kreisel konstant bleibt, d.h. sie dürfen ihre Winkelgeschwindigkeit um die rotierenden Achsen nicht ändern. Folglich müssen sie die aus der Rotation um die X-Achse resultierenden Drehimpulsänderungen als Drehmoment Dy=±dLz/dt=ωx*Lz über die starre Verbindung austauschen.

            Was mich nun irritiert ist die Tatsache, daß dieses Drehmoment mit steigendem Drehimpuls Lz der Kreisel beliebig wachsen kann. Man könnte dann mit einem verschwindend kleinen Drehmoment Dx ein beliebig großes Dy erzeugen. Sollte das tatsächlich möglich sein?

            • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
              Re^6: Ein Paar Kreisel

              Ein Körper ohne Drehimpuls, dem durch eine leichte Schräglage
              wegen seines Eigengewichts permanent ein Drehmoment zugeführt
              wird soll sich nicht in Bewegung setzen ? Das kann doch
              eigentlich nicht sein.
              Das Problem besteht darin, daß das System aus Teilsystemen
              besteht, die einen Drehimpuls haben. Wenn ich die Konstruktion
              auf die Seite kippe, müssen sie diesen Drehimpuls irgendwie
              loswerden. Wenn die Konstruktion sogar um eine waagerechte
              Achse rotieren soll, dann müßten die beiden Kreisel während
              dieser Rotation permanent ihren Drehimpuls ändern, auch wenn
              die Drehimpulsänderung des Gesamtsystems Null ist. Dies setzt
              voraus, daß die Kreisel über die Starre Verbindung ein
              hinreichend großes Drehmoment aufeinander ausüben.
              So isses
              Rechnen wir das Mal aus:

              Die Kreisel haben zu Beginn die Drehimpulse Lz und
              -Lz. Die Konstruktion rotiert mit der
              Winkelgeschwindigkeit ?x um die X-Achse. Der
              Energieerhaltungssatz fordert, daß die Rotationsenergie beider
              Kreisel konstant bleibt, d.h. sie dürfen ihre
              Winkelgeschwindigkeit um die rotierenden Achsen nicht ändern.
              Folglich müssen sie die aus der Rotation um die X-Achse
              resultierenden Drehimpulsänderungen als Drehmoment
              Dy=±dLz/dt=?x*Lz
              über die starre Verbindung austauschen.

              Was mich nun irritiert ist die Tatsache, daß dieses Drehmoment
              mit steigendem Drehimpuls Lz der Kreisel beliebig
              wachsen kann. Man könnte dann mit einem verschwindend kleinen
              Drehmoment Dx ein beliebig großes Dy
              erzeugen. Sollte das tatsächlich möglich sein?
              Das ist zwar schwer vorstellbar, aber genau so isses. Ich kann den Doppelkreisel in einer waagerechten Achse aufhängen und mit dem kleinen Finger in Rotation versetzen, auch wenn sich die Einzelkreisel noch so schnell drehen. Ohne Reibung würde er sich sogar ewig um die waagerechte Achse weiterdrehen. Ich brauche also praktisch kein Drehmoment um die Verbindungsstange zu zerbrechen oder dafür zu sorgen, daß mir die Einzeiteile der Kreisel um die Ohren fliegen. Ich muß nur die Energie für die Drehung um die waagerechte Achse und die Biegung der Stange zuführen.
              Je nachdem in welche Richtung die waagerechte Drehachse liegt, wirkt auch die Stange eine Biege- oder Torsionsspannung bzw. beides.
              Damit dürfte auch die Antwort auf meine Frage klar sein. Teil 2 meiner Frage werde ich dann demnächst bekanntgeben.

              Jörg

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Ein Paar Kreisel Teil 2

    Bevor ich die "offizielle" Lösung bekanntgebe, hier noch der 2. Teil der Aufgabe:

    Die Versuchsanordnung bleibt die gleiche, aber die Kreisel drehen sich in die gleiche Richtung. Die Drehzahl soll sich in Grenzen halten, eben so, daß die Einzeikreisel einigermaßen Stabil auf ihrer Spitze stehen bleiben. Bleibt der Doppelkreisel jetzt stehen ? oder was passiert ?

    Jörg

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Ein Paar Kreisel Teil 2

      Die Versuchsanordnung bleibt die gleiche, aber die Kreisel
      drehen sich in die gleiche Richtung. Die Drehzahl soll sich in
      Grenzen halten, eben so, daß die Einzeikreisel einigermaßen
      Stabil auf ihrer Spitze stehen bleiben. Bleibt der
      Doppelkreisel jetzt stehen ? oder was passiert ?
      Jetzt versucht die Anordnung genau wie ein gewöhnlicher Kreisel senkrecht zum angreifenden Drehmoment auszuweichen. Wenn sie auf einer festen Unterlage steht, dann müßte bei einem seitlichen Drehmoment (durch die Schwerkraft) einer der beiden Kreisel angehoben werden. Ob das tatsächlich passiert, hängt von der Masseverteilung in der Konstruktion ab, da ihre potentielle Energie nach dem Energieerhaltungssatz nicht zunehmen darf. Ist dieses Anheben möglich, dann beginnt die Apparatur sich im Kreis zu drehen, wobei sie langsam auf die Seite kippt.

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3: Ein Paar Kreisel Teil 2

        Die Versuchsanordnung bleibt die gleiche, aber die Kreisel
        drehen sich in die gleiche Richtung. Die Drehzahl soll sich in
        Grenzen halten, eben so, daß die Einzeikreisel einigermaßen
        Stabil auf ihrer Spitze stehen bleiben. Bleibt der
        Doppelkreisel jetzt stehen ? oder was passiert ?
        Jetzt versucht die Anordnung genau wie ein gewöhnlicher
        Kreisel senkrecht zum angreifenden Drehmoment auszuweichen.
        ja, das wird er sicher versuchen Wenn sie auf einer festen Unterlage steht, dann müßte bei
        einem seitlichen Drehmoment (durch die Schwerkraft) einer der
        beiden Kreisel angehoben werden. Ob das tatsächlich passiert,
        hängt von der Masseverteilung in der Konstruktion ab, da ihre
        potentielle Energie nach dem Energieerhaltungssatz nicht
        zunehmen darf. Ist dieses Anheben möglich, dann beginnt die
        Apparatur sich im Kreis zu drehen, wobei sie langsam auf die
        Seite kippt.
        Ich würde sagen, das ist nicht möglich. Wenn ein Kreisel abhebt, muß sich auch der Schwerpunkt der Anordnung nach oben verlagern. Außerdem ist dazu, wegen der Verbindungsstange, ein beträchtliches Drehmoment nötig.
        Soviel kann ich schon verraten: ich habe es nähmlich ausprobiert und die Kreisel heben garantiert nicht ab. Es passiert etwas verblüffendes, womit vermutlich selbst Physiker nicht rechnen würden. Das jedenfalls schließe ich aus den aktuellen Diskussionen im Brett Mahte/Physik.

        Jörg



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