Ratgeber zu V1 und V2

Von: , Frage gestellt am Sa, 23. Dez 2000

Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr Ziel gefunden?
Kann mir jemand helfen?

24 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Stunden 1 hilfreich
    Re: V1 und V2

    Mich interessiert, wie das Steuersystem der 1. Raketeten ganz
    ohne Computer funktioneiert haben? Wie hat die V1 u. V2 ihr
    Ziel gefunden?
    Kann mir jemand helfen?
    Die V1 besaß ein Steuergerät, das auf einem Kreiselkompaß und einem barometrischen Höhenmesser beruhte. Das Gerät hielt die fliegende V1 genau auf dem Kurs, den sie beim Start vorgegeben erhalten hatte. Z.B.: Ein Windstoß von rechts läßt die V1 nach links auswandern; der Kreiselkompaß "registriert" das und öffnet ein Preßluftventil. Die Preßluft strömt durch Leitungen zum Seitenruder und legt dieses nach rechts; die V1 geht wieder auf Kurs.
    Einen Sensor, der "bemerkte", daß sich die Bombe am Ziel befand, gab es nicht. Die V1 flog "nach Abstandszünder", und zwar Abstand vom Startplatz. War die vorgegebenen Entfernung abgeflogen, schalteten sich die Triebwerke ab, und die Bombe stürzte ins Ziel - oder auch daneben.

    Die V2 hatte praktisch gar keine Steuerung. Sie wurde gestartet; nach ca. 60 Sekunden war Brennschluß, und dann flog das Projektil auf einer ballistischen Bahn weiter.


    Computer, Steuerung der Projektile durch Funk u. dgl. hätte die Möglichkeiten der Abwehr verbessert. Die V1 wurde am 13.6.1944 erstmals eingesetzt; sie flog ca. 650 km/h Marschgeschwindigkeit. Die modernsten Jagdflugzeuge mit Kolbenmotor (Hawker "Tempest" und "Spitfire" Version 14) waren gerade noch 20-30 km/h schneller, aber sie mußten sich in der Luft befinden, wenn die V1 kamen. Die Fliegerabwehrartillerie war weit billiger und wirkungsvoller; nach einem weiträumigen Stellungswechsel am 13.7.1944 erzielte sie rd. 50% Abschüsse, ab August 1944 vernichtete sie 85% der anfliegenden V1. Gegen die V2, die am 8.9.1944 eingesetzt wurden, gab es keine Abwehr. Man versuchte, die V2 irgendwie elektronisch zu beeinflussen; es gelang nicht. So half nur die Bombardierung der Fabriken und Abschußrampen - und der Widerstand der KZ-Häftlinge, die die V2 bauen mußten; über ein Drittel der V2 versagte dank Sabotage bei der Herstellung.

    - Django -

    • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
      Ergänzungen

      Hallo Django!

      Ich möchte hier nur Deine sehr guten und ausführlichen Ausführungen ergänzen: Die V1 besaß ein Steuergerät, das auf einem Kreiselkompaß und
      einem barometrischen Höhenmesser beruhte. Das Gerät hielt die
      fliegende V1 genau auf dem Kurs, den sie beim Start vorgegeben
      erhalten hatte. Z.B.: Ein Windstoß von rechts läßt die V1 nach
      links auswandern; der Kreiselkompaß "registriert" das und
      öffnet ein Preßluftventil. Die Preßluft strömt durch Leitungen
      zum Seitenruder und legt dieses nach rechts; die V1 geht
      wieder auf Kurs.
      Dieses Steuergerät war sogar so ausgelegt, daß es noch nach dem Start Richtungsänderungen bis zu 60 Grad nach jeder Seite durchführen konnte, so daß gewissermaßen ein „Winkelschuß“ möglich war.
      Allerdings war dies einsatzmäßig überflüssig und auch technisch ein Überforderung. Dies konnte im ungünstigsten Fall sogar zu „Kreisläufern“ führen. Einen Sensor, der "bemerkte", daß sich die Bombe am Ziel
      befand, gab es nicht. Die V1 flog "nach Abstandszünder", und
      zwar Abstand vom Startplatz. War die vorgegebenen Entfernung
      abgeflogen, schalteten sich die Triebwerke ab, und die Bombe
      stürzte ins Ziel - oder auch daneben.
      Die Entfernungsmessung für die Flugstrecke zum Ziel erfolgte durch ein Zählgerät, das mit einem Propeller im Kopf des Flugkörpers lief. Aus der Umlaufzahl des kleinen Propellers ergab sich die zurückgelegte Flugstrecke.
      Nach Eitritt der eingestellten Entfernung löste das Entfernungsmeßgerät das Abwinkeln des Höhenruders, die Drosselung der Brennstoffzuführung und das Absprengen der Tragflächenstummel entlang der vorher eingebauten Sprengleisten aus. Dadurch kippte der bloße Rumpf mit dem Übergewicht der Sprenglast nach vorn und stürzte unter einem gegebenen Winkel parabelförmig zur Erde bis zum Detonationsaufschlag. Die V2 hatte praktisch gar keine Steuerung. Sie wurde
      gestartet; nach ca. 60 Sekunden war Brennschluß, und dann flog
      das Projektil auf einer ballistischen Bahn weiter.
      Nicht ganz!
      Die SS-Batterie 500 verwendete – allerdings als einzige Einheit – eine Leitstrahlnachführung für die V2. Diese bewirkte eine geringere Seitenabweichung und somit auch eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit.
      Eingesetzt wurde dieses Verfahren u.a. beim einzigen taktischen Einsatz der V2 – dem Beschuß der Brücke von Remagen. Am 17.03.45 wurden 10 V2 verschossen, von denen aber nur ein Treffer mit 1km Abweichung am nächsten lag.
      Das Verfahren wurde aufgrund der Störanfälligkeit durch die Gegnerseite nur wenig verwendet.

      Gruß

      Tom

  2. Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
    Vielen Dank für die Ausführungen!

    Gruss
    Ben

  3. Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
    Wie funktionierten R4M-Luft-Luft-Raketen?

    So weit ich weiss, handelt es sich dabei um ungelenkte Raketen.
    Was für einen Sinn machten diese?

    • Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
      Re: Wie funktionierten R4M-Luft-Luft-Raketen?

      So weit ich weiss, handelt es sich dabei um ungelenkte
      Raketen.
      Was für einen Sinn machten diese?
      Hallo,
      die R4M war eine ungelenkte Luftkampfrakete, die von verschiedenen Flugzeugen aus eingesetzt wurde(Me 262 etc), mit einer Reichweite von etwa 1800 m. Sie diente unter anderem dazu um Bomberboxen aufzusprengen und damit die Abwehr zu verringern, da die Boxen über eine erhebliche Abwehrkraft verfügten.
      Gruss
      Rainer



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