Baujahr der Handfeuerwaffe

Wann wurde die Pistole gebaut:
Habe folgende Daten:

Ortgies Patent
Cal. 6.35
Deutsche Werke Werk Erfurt
Germany 185 422

Gruss

Matthias

Das gute alte 1987er Schützenwaffenlexikon …

Wann wurde die Pistole gebaut? Habe folgende Daten:

Ortgies Patent
Cal. 6.35
Deutsche Werke Werk Erfurt
Germany 185 422


Das gute alte 1987er Schützenwaffenlexikon (Militräverlag der DDR) läßt einen auch bei so einer Frage nicht im Stich:

Die Patrone 6,35 mm Browning (= 0.25 ACP = 6,35 x 15,5 HR) ist sehr schwach (Anfangsenergie ganze 86 Joule) und daher recht selten. Es gibt tschechische Konstruktionen (Selbstladepistole CZ 45), aber die scheiden aus, da in Brno hergestellt. Seit ca. 1970 existiert auch eine 6,35er-(Spielzeug)-Variante der Pistole HK 4 (Heckler-Koch), aber die kommt aus Oberndorf.
Bleibt die Pistole von Walther, Modell 8. Die wird seit 1945 nicht mehr hergestellt, also schaut man in das Buch von Jaroslav Lugs: Handfeuerwaffen. Systematischer Überblick über die Hanfeuerwaffen und ihre Geschichte, Militärverlag der DDR (wo auch sonst), deutsche Ausgabe des 1956er Originals aus Prag. Auf S. 441 sind Bilder der Pistole 8, aber darauf ist deutlich zu lesen: „Walther Patent“.

Zurück zum Schützenwaffenlexikon. Hatte ich doch bei der Charakteristik der 6,35er Patrone glatt überlesen, daß sie auch für „eine große Anzahl von Billigprodukten“ verwendet wird. Kennt Lugs einen Waffenproduzenten „Ortgies“? Tatsächlich: Unter der Rubrik „Gasdrucklader mit feststehendem Lauf und beweglichem gefedertem Masseverschuß, neuere Typen“ steht S. 431 in Lugs’ „Handfeuerwaffen“: „Ortgies, Deutschland. Kaliber 6,35mm, …, Taschenpistole, von der Waffenfabrik Deutsche Werke in Erfurt hergestellt, besonders verbreitet in Nord-, Mittel- und Südamerika [in ganz Amerika, hätte ich gesagt]“. Bild 978 zeigt die Ortgies-Pistole, aber dort steht: „Ortgies Patent. Deutsche Werke Aktiengesellschaft Berlin“.

Die Pistole war also schon Anfang der 1950er Jahre schon „weit verbreitet“ und nur ein „neueres“, kein neues Modell. Ich wüßte nicht, daß die Nazis in den 1930er Jahren Waffenexporte, und seien es Pistolen, erlaubt hätten. Außerdem muß es Ortgies schon so gut gegangen sein, daß die Firma mehrere Werke und den Sitz in Berlin haben konnte. Bleibt also eigentlich nur die zweite Hälfte der 1920er Jahre als die Zeit, in welcher die bewußte Pistole produziert wurde.

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