Re^2: Hals und Beinbruch und einen Stein im Brett
Grüßdi, Bolo,
hmm ... Und woher kommt dann die Verdrehung ins Gegenteil beim
steinigen Garten?
Ich denke schon, dass sich noch mehr solcher Verdrehungen
finden lassen. Ich
denke da auch an das bayerische "A Hund is er scho ...", was
nicht den fiesen
Hundling meint, sondern Respekt ausdrückt.
Ich denke, da hast du schon die Erklärung. Solche Übertragungen - ich übernehme diesen Ausdruck aus Freuds Traumdeutung, wenn das auch nicht ganz statthaft sein mag, um anzudeuten, dass Bedeutungen verschoben, oder gar ins Gegenteil verkehrt werden, wenn die direkte klare Aussage schlechte Folgen haben könnte. Und das geht sicher auch umgekehrt - gibt es sicher noch mehr. Ironie wird am Anfang solcher Entwicklungen gestanden haben.
Es gibt noch mehr, garantiert, fällt mir bloß gerade nicht ein.
Also: nachdenken, nachforschen, fragen! Und gleich das nächste Beispiel: Der Stein im Brett! ;-)
Und was ist mit dem Stein im Brett, den ich schon anführte?
Bitte Fritz, enttäusch mich nicht!
Wie könnte ich? ;-)
<B>Einen Stein bei jemandem im Brett haben</B: gut bei ihm angeschrieben sein, sein Wohlwollen genießen, bevorzugt werden. Die Redensart stammt vom Brettspiel ab, das Puffspiel oder Tricktrack heißt und bereits im Mittelalter beliebt war. Johann Agricola gibt für die Redensart in seiner 'Sprichwörtersammlung' von 1529 einen ersten deutschen Beleg (418): 'Ich hab eyn guten steyn im brette', und erklärt dazu: »Wer auff dem spill eynen gutten bund im brette hatt / darüber ein ander sein steyne spilen muß der hatt das spil halbs gewunnen. Also auch wer vor grossen Herren und Rädten zu schaffen hatt / vnd hatt yemand der sein sach trewlich fordert vnd treibet / der hat eynen gutten steyne im brette / einen gutten freundt / der ym zu seiner sachen redt vnd hilffett« 'Bund' bedeutet zwei nebeneinanderstehende Steine, über die der Gegner nur schwer hinwegkommen kann; hat der Spieler aber auch nur einen Stein schon im nächsten Felde stehen, so kann er dem Gegner das Weiterspielen erschweren, fünfzehn.
Luther hat die Wendung in seinen 'Tischreden' (211a) gebraucht; in übertragener Bedeutung findet sich die Redensart ferner 1560 in des Verlegers Christian Egenolff 'Sprichwörtern' (199b). Der bekannteste literarische Beleg für diese Redensart steht in Schillers Drama 'Wallensteins Lager', wo der erste Kürassier folgendes über Max Piccolomini sagt:
Der versteht sich auf solche Sachen,
Kann bei dem Friedländer alles machen.
Hat auch einen großen Stein im Brett
Bei des Kaisers und Königs Majestät.
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Stein, S. 15. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 6217 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 5, S. 1544) (c) Verlag Herder]
Wenn ich etwas mehr Zeit finde, kriegst du den ganzen Artikel "Stein" von Röhrich. Das sind acht - in Worten 8 - Druckseiten, allerdings mit Bildern.
Gruß Fritz