Hallo Mirijam,
Ich denke, dass in kaum einer Stadt in Deutschland so wenig
Dialekt gesprochen wird, wie in München! Obwohl bayerisch ein
sehr verbreiteter Dialekt ist, wird er doch, hauptsächlich in
München, sehr vermieden.
Da ich als "Zuagrosta" schon seit 1968 in München lebe, dort bei der
"bayrischsten" aller Zeitungen volontiert habe (wir durften nur "Bub" statt
"Junge" und nur "Zamperl" statt "Hund" schreiben) und das Ganze nun 35 1/2 Jahre
beobachtet habe, hier meinen (Weißwurscht-)Sembf dazu:
1. In München leben nur ca. 25% Münchener.
2. Bereits Kinder möchten nicht zu einer Minderheit gehören und passen ihre
Sprache sehr schnell den Nachbarskindern, den Schulkameraden, Freunden usw. an.
3. In der Münchener Schickeria und bei allen, die "dazu" gehören wollen, war es
immer schon üblich, nur ein bayrisch angefärbtes Schriftdeutsch zu sprechen.
Daher rührt auch ein Herunterschauen auf Bayerisch Sprechende: Die sind nie aus
München herausgekommen, die sind niederen Standes und die sind beruflich
Underdogs.
4. Mit dem vorigen Punkt teilweise verwandt ist die Tatsache, dass es sehr auf
den Stadtteil ankommt, in dem man hinhört. Im Zentrum und in Schwabing,
Bogenhausen, mittlerweile auch in Haidhausen, nimmt man das bayerische Idiom kaum
noch wahr. Hier gb es viel Zuzug. In den älteren Stadtvierteln dagegen, früher
"Arbeiterviertel", mit einfacherer Wohnsubstanz (Schwanthaler Höh', Giesing,
Moosach usw.) gibt es heute eine interessante Mischung: Urmünchner Dialekt,
vermischt mit Fremdsprachen (meist Türkisch).
Grüße von der Isar
Bolo2L