Tipps zu 'Gattig' - wo verbreitet

Von: , Frage gestellt am Mi, 10. Jan 2007
In den alemannischen Dialekten gibt es das Wort "gattig" für "ansehnlich" oder "schön", sowie die eigentlich öfter gebrauchte Negation "ugattig" ("ogattig") "unansehnlich".

Allerdings scheint dieser Begriff nicht in allen alemannischen Gegenden verbreitet zu sein. Stattdessen gibt es in einigen alemannischen Dialekten (z.B. Berndeutsch) Begriffe, die zwar "gattig" enthalten, mit der oben genannten Bedeutung aber nichts zu tun haben, z.B. "öppis agattige" - "etwas anstellen" oder "etwas anfangen".

Wer aus dem alemannischen Sprachgebiet kann mir hier mitteilen, aus welchen Gegenden er den Begriff in der zu Anfang genannten Bedeutung kennt?

Danke!

22 Antworten zu dieser Frage

        • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
          Re: Basel und Umgebung
          Hallo Rolf! Du scheinst dich etwas auszukennen hier ...
          In diesem Fall meinte ich beides, sogar auch das
          solothurnische Schwarzbubenland, wo ich seit bald zwei
          Jahren wohne.
          Aha!

          Ich kenne mich insofern aus, dass ich weiß, dass Baseldytsch eine Art "Sprachinsel" ist (oder war), wo man Niederalemannisch spricht ("Kind" statt "Chind"), und von daher war es für mich interessant zu wissen, ob dieser Begriff nur auf dieser Sprachinsel bekannt ist oder auch darumherum, im Hochalemannischen...

          Freundliche Grüsse

          Mirko
  1. Antwort von (abgemeldet) nach 8 Stunden 1 hilfreich
    Re: 'Gattig' - wo verbreitet
    Hi Mirko,

    'gattig' allein kenne ich nicht, aber 'a Gåttige' / 'a Gåttign' schon.

    z.B.

    "Iatz moch i des weiter dass des do inangalling amol a Gåttige kriag" heißt in Südtirol soviel wie "Jetzt mach ich das weiter dass es bald mal Form annimmt / nach etwas aussieht."

    oder

    "Na, de zwoa mitnond hot koan Gåttige." bedeutet "Nein, die zwei (Leute) passen nicht zusammen."

    oder

    "Do bei de opern Pischtn oarfohrn, des hot koan Gåttige." versteht sich als "Dort bei diesen schneearmen Pisten herunterfahren ist eine Zumutung."

    Bye,
    Rudy
    • Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: 'Gattig' - wo verbreitet
      Hallo Rudy!

      Diese Bedeutung scheint ja aus dem Südbairischen Sprachraum zu kommen und scheint doch der alemannischen Variante relativ nahe zu sein...

      Gruß,
      Mirko [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
  2. Antwort von (abgemeldet) nach 9 Stunden 1 hilfreich
    Re: 'Gattig' - wo verbreitet
    Hallo Mirko,
    im Berndeutschen gibt es zwar 'gattig' nicht, wohl aber 'gattlig' resp. 'ugattlig'.
    Myner Grossbuebe chöi ganz gattlig tue, we si wei! Aber mängisch tüe si de wou ungattlig! Meine Enkel können sich ganz gesittet geben,wenn sie wollen, Aber manchmal benehmen sie sich allzu ungehobelt/ungebärdig.
    gattlig, stadtberndeutsch gattlech, =ordentlich, wohlanständig, schön oder freundlich anzusehen (Berndeutsches Wörterbuch von Ruth Bietenhard/Otto von Greyerz Cosmos Verlag)
    Noch älter ist 'wattlig / uwattlig, das ich aber durchaus noch in meinem aktiven Wortschatz habe. Meine Töchter wissen kaum mehr, dass es 'wattlig/uwattlig gibt, kennen aber gattlig/ u(n)gattlig sehr wohl.
    Mit gattligen Grüssen
    Susette
    • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: 'Gattig' - wo verbreitet
      Hallo Susette!

      Danke! Das war mir neu, denn ich kannte bisher aus dem Berndeutschen nur die Form "öpis aagattige", die aber ja eine etwas unterschiedliche Bedeutung hat.
      "Gattlig" und "gattig" ist ja nur ein minimaler Unterschied, also verzeichne ich dies als Treffer in Bern ;)

      Gruß,
      Mirko [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: 'Gattig' - wo verbreitet
      im Berndeutschen gibt es zwar 'gattig' nicht, wohl aber
      'gattlig' resp. 'ugattlig'.
      Myner Grossbuebe chöi ganz gattlig tue, we si wei! Aber
      mängisch tüe si de wou ungattlig!
      mal dazu eine mich brennend interessierende frage!

      ich finde als bayer das schwitzerdütsch zum schießen -im positiven-

      wie schreibt ihr denn? hochdeutsch oder schweizerisch? tun sich euere kinder nicht narrisch hart da umzudenken? meine deandeln hatten schon probleme das bayrisch ins hochdeutsche schriftlich umzusetzen, wobei ich schon glaube, dass da noch eine gewisse grundwurzel erkennbar ist, auch gramatisch ist es nicht so weit weg. wie ist das bei euch in der schweiz? mal angenommen ihr schreibt hochdeutsch.

      grüße
      • Antwort von (abgemeldet) nach 3 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: 'Gattig' - wo verbreitet OT
        Hallo Fred ich finde als bayer das schwitzerdütsch zum schießen -im
        positiven-
        Wir sind auch Schwitzer (weil wir so viel arbeiten) und Schwyzer,
        weil man das so schreibt. wie schreibt ihr denn? hochdeutsch oder schweizerisch?
        Die Amtssprache im deutschsprachigen Teil ist deutsch. Deutsch wird
        ab der ersten Schulklasse gelernt und das mündlich, wie schriftlich. tun sich euere kinder nicht narrisch hart da umzudenken?
        Die Kleinen lernen noch ganz locker, aber es ist wie das Erlernen
        einer Fremdsprache. wie ist das bei euch in der schweiz? mal
        angenommen ihr schreibt hochdeutsch.
        Es ist für die meisten Schweizer schwieriger, Dialkt zu schreiben,
        als Deutsch. Beim Reden ist das jedoch eher umgekehrt. Da kugeln sich
        dann die Deutschen, wenn wir "Hauchdeutsch" probieren. Wir werden ja
        gemeinhin belächelt, weil wir so langsam sind. Gedanklich bringen wir
        es schon, aber bis das über unsere Lippen kommt ;-)

        Gruss
        Heinz
        • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: 'Gattig' - wo verbreitet OT
          gemeinhin belächelt, weil wir so langsam sind. Gedanklich
          bringen wir
          es schon, aber bis das über unsere Lippen kommt ;-)

          Gruss
          Heinz
          Hallo Heinz!

          bin froh, dass wenigstens die schweizer ihren dialekt so pflegen! wir bayern verkaufen ihn, für den glauben, dann intelligenter zu wirken.

          was aber gewiss nicht so ist!

          besondere grüße an unsere nachbarn und dich heinz
      • Antwort von (abgemeldet) nach 3 Tagen 2 hilfreich
        Re^3: 'Gattig' - wo verbreitet
        Lieber Fred,
        Von Heinz hast Du ja schon weitgehend Antwort gekriegt. Ich möchte bloss noch darauf hinweisen, dass es Schweizerdeutsch/ Schwyzerdütsch eigentlich gar nicht gibt. Schwyzerdütsch mit langem y ist für mich die Mundart, die im Kt. Schwyz gesprochen wird. Das Berndeutsche unterscheidet sich zudem von anderen Dialekten einmal vom Wortschatz her ( Anke-Butter, Nydle-Rahm, Hamme-Schinken etc.), zum andern daurch, dass unsere Höflichkeitsform die zweite Person Mz. benutzt wie das Französische, und nicht wie die meisten andern Dialekte die dritte. 'Mir Bärner/inne säge Dihr, nid Sie; Grüessech( Grüss Euch) nid Grüezi (Grüss Sie). In einigen Kantonen wird andernteils das Verb 'kommen' statt 'werden' verwendet. 'I khume verrukht' sagt der Bündner, wenn er wütend wird. Du siehst: Nicht nur 'deutsche Sprach, schwere Sprach' sondern auch 'Schweizersprach ca. 25 schwere Sprach'
        Falls Du Fragen hast...Wer-weiss-was! (Mundartbrett)
        Mit emene fründleche Gruess us em Bärnbiet
        Susette
        • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: 'Gattig' - wo verbreitet
          narrisch!!!

          super susette, ich verfolg das wie einen spannenden roman!
          hab vor kurzen einen bericht über eine mount everest besteigung gesehen, das waren scheizer. kann nur sagen, wenn da kein untertitel gekommen wäre, hätte ich arge probleme gehabt, da folgen zu können.
          die höhenangaben waren krass!

          stell mir das lustig vor, wenn ein kind bei euch eingeschult wird und plötzlich ganz anders schreiben soll, wie es zu sprechen gelernt hat, hatte da selber als kind immer arge probleme mit meinem lehrer. gott hab ihn selig.

          bedanke mich für die ausführliche erklärung zum schwyzerdütsch!

          mid am genaus so freindlichn gruaß ausm bayanlandl


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