Ratgeber zu Inlay und seine Alternativen, was ist besser ?

Von: , Frage gestellt am Mo, 23. Feb 2009

Hi,

mein Zahnarzt hat mir vorgeschlagen, bei ein paar Zähnen, die bereits mit Füllungen (Kunststoff) versehen waren durch Inlays zu sanieren, da die alten Füllungen mittlerweile am kaputt gehen sind.
Jetzt gibts da nun mehrere Möglichkeiten, die auch unterschiedlich kosten, man kann wieder Kunststoff rein füllen, Keramikkunststoff-Mischung, eine Krone oder Inlays, wobei Inlays glaube ich die teuerste Variante ist. Jetzt preis mein Zahnarzt die Inlays als besonders toll und gut an, bei einer Füllung sagt er, müsse er mehr vom Zahn wegnehmen, als wenn man ein Inlay verwendet...
Da mir die Inlays aber leider etwas zu teuer sind, hätte ich ein Füllung vorgezogen, ist diese wirklich so nachteilig ?

Danke

26 Antworten zu dieser Frage

    • Antwort von nach einem Tag 4 hilfreich
      Re^2: Inlay und seine Alternativen

      Servus Myriam, mein Zahnarzt hat mir das so erklärt: Inlays sind deshalb so
      teuer, weil sie handwerklich recht aufwändig sind und vor
      allem weil sie von der Krankenkasse praktisch nicht
      bezuschusst werden.
      Dazu kommt noch, daß die Kavitäten (Löcher) zwischendurch provisorisch versorgt werden müssen. Andererseits werden dentinadhäsive Composite (Kunststoff)-Füllungen heute meist wie Inlays abgerechnet (GOZ 216, 217), so daß die Honorare ähnlich sind. Dazu kommen dann beim Inlay halt die Material- (Goldlegierung) und Lab-Kosten. Eine Kunststoff-Füllung hält nicht so
      lange und jedes mal, wenn man sie neu macht, verliert man ein
      bißchen mehr vom gesunden Zahn.
      Die modernen Composite Materialen sind, was ihre werkstoffkundlichen Eigenschaften anbelangt, nicht schlechter als Goldlegierungen. Sie erfordern 'nur' äußerst gewissenhaftes, kenntnisreiches und kompromißloses Vorgehen. Und da ist es schon ein Unterschied, ob ich so ein Ding bei bester Beleuchtung vor mir auf der Werkbank habe (wie der Zahntechniker), oder ob ich ein vergeichbares Ergebnis irgendwo in einer dunklen und nassen Mundhöhle zustande bringen muß. DAS ist der Grund, daß die tollen weißen Füllungen nach drei Jahren tatsächlich manchmal nichts mehr taugen. Deshalb ein paar Merksätze:

      . . . Composite Füllungen brauchen Zeit, gute Assistenz, regelmäßige Fortbildung, handwerkliches Geschick, etwas Liebe zum Fummeln. Da fallen manche der Strahlemänner vom 19ten Loch schon durch den Raster.

      . . . Goldfüllungen (Inlays) sind nicht per se die substanzschonendere Lösung. Zahnmediziner haben in den letzten Jahren genug Gelegenheit gehabt, sich mit dem Begriff 'minimalnvasive Präparation' bei Kunstofffüllungen zu befreunden.

      . . . wenn an einem Zahn mit einer ordentlichen Kunststofffüllung etwas bröckelt, ist es meist nicht die Füllung.

      . . . Kronen und Inlays sind KEINE Alternativen. Krone kommt dann, wenn Inlay nicht mehr geht. Zahntechnisch ist ein Inlay schwieriger als eine 'Gold'krone.

      . . . wer keramikverblendete ('angemalte') Goldinlays herstellt-, sich verschafft-, oder in den Handel bringt, wird mit Gefängnis nicht unter zwei Jahren bestraft. Diese völlig obsoleten Dinger verbinden die miesen Eigenschaften der beteiligten Materialien. Sie sind weich, wo sie hart sein sollten, dafür sind sie golden, wo sie weiß sein sollten. Weiß sind sie nicht lange, dann ist die Keramik ab.

      . . . Die - vom Zahnarzt in futuristischen Fräscomputern hergestellten - Keramik (vulgo: CEREC)-Inlays sind nicht besser als der Zahnarzt, der sie macht. Substanzschonend sind sie aus materialkundlichen und produktionstechnischen Gründen eher weniger.

      Fazit: Macht Euch keine Gedanken, welchen Materialeigenschaften Ihr trauen solltet, macht Euch Gedanken, wie ihr vertrauenswürdige ZahnärztInnen findet. Sagt Ihr/Ihm worauf es Euch ankommt und wieviel Kohle Ihr habt (oder ausgeben wollt). Wenn Ihr zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen seid, macht's wie die Marlene Dietrich - legt Euch einfach hin ;-))

      Gruß

      Kai

  1. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Inlay und seine Alternativen, was ist besser ?

    Hallo Daniel,

    Du hast jetzt einige Stellungnahmen erhalten, die zum Teil typisch sind für die Unsicherheit der Patienten bei der Wahl einer entsprechenden Füllungsversorgung. Daher möchte ich zur allgemeinen Verwirrung und zum Nachdenklich machen auch noch meinen Senf dazu geben:

    - in vielen Bereichen der Zahnmedizin gilt nicht immer der Grundsatz: je teurer, desto besser

    - ein Goldinlay ist nicht teurer als ein Keramikinlay, das Gegenteil ist eher der Fall.

    - eine gut gemachte Kunststofffüllung hält wesentlich länger als 2-3 Jahre. Wenn sie zu früh erneuert werden muss, ist entweder bei der Herstellung nicht ausreichend ordentlich gearbeitet worden, oder der Ausgangsdefekt im Zahn war zu groß für eine Füllung und es hätte unter dem Aspekt der Langelebigkeit gleich eine Teilkrone gemacht werden müssen.

    - ein Inlay ist bei einem Patient der mit den Zähnen knirscht nicht haltbarer als eine Kunststofffüllung, weil beide die Höcker der Zähne (das sind die Bereiche der Zähne die beim Knirschen besonders belastet werden) nicht schützen.

    - ich kenne keine Zusatzversicherung, die den 5,5fachen Satz erstattet, insofern spielt es auch keine Rolle, ob Deine Versicherung jetzt schon ihre maximalen Zuschüsse gewährt. Der größte Teil der Rechnung wird in jedem Fall an Dir hängen bleiben.

    - eine gut gemachte Kunststofffüllung hält bei entsprechender Indikation (das heisst, das Loch im Zahn darf nicht zu groß sein - für ein langlebiges Inlay gilt übrigens die gleiche Einschränkung) sicherlich 10 Jahre und mehr.

    - eine Zementfüllung ist gar keine Alternative

    - ein Inlay ist nicht die substanzschonendere Lösung, eher das Gegenteil ist der Fall, weil ich als Zahnarzt beim Beschleifen eines Zahnes für ein Inlay ganz bestimmte Bedingungen einhalten muss, damit das Inlay überhaupt eingesetzt werden kann.

    Kais Fazit kann ich mich vollinhaltlich anschliessen.

    Das wichtigste ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Wenn daran der Zweifel nagt, oder aber eine Situation besteht in der ich als Patient mich nicht traue zu sagen, dass mir die angebotene Behandlung zu teuer ist, würde ich mich nach einer Alternative umschauen.

    Gruß Gero

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Inlay und seine Alternativen, was ist besser

      Danke für die ausführliche Info. :)

      Wie kommen denn die Sätze für die Berechnung zustande ?

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Inlay und seine Alternativen, was ist besser

        Danke für die ausführliche Info. :)

        Wie kommen denn die Sätze für die Berechnung zustande ?
        Hallo Daniel,

        der Zahnarzt kalkuliert seinen Zeitaufwand, sein Risiko und seinen erwünschten Gewinn und legt danach den Steigerungsfaktor fest. Wenn er den 3,5fachen Satz überschreitet kann er dies in Absprache mit dem Patienten tun, muss dies aber vor Behandlungsbeginn in einer speziellen Vereinbarung - die den 3,5fachen Satz überschreitende Kosten für jede einzelne Position genau aufschlüsselt - mit dem Patienten schriftlich festhalten. Der Patient muss sich ausdrücklich mit dieser Überschreitung des Gebührenrahmens einverstanden erklären. Diese schriftliche Vereinbarung ist an eine ganz strenge Form gebunden und nur dann auch rechtswirksam.

        Gruß Gero

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Inlay und seine Alternativen, was ist besser

          Hi Gero,

          jetzt wo du es sagst, bei dem Kostenvoranschlag ist auch so etwas dabei:
          Vergütungsvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 GOZ
          für die Positionen mit dem 5,5fachen Satz.

          Aber etwas gesagt hat er darüber nicht, war bisher auch nicht so ganz bewusst, dass die da solchen Spielraum haben, war der Ansicht, dass es da eine Gebührenordnung gibt an die er sich halten muss, so ähnlich wie Anwälte und Notare auch...
          Aber auch hier scheint es sich dann ja zu lohnen, sich mehrere Angebote einzuholen...
          Musste mich glücklicherweise bisher nicht mit dem Thema auseinandersetzen, da bisher nichts aufwendigeres gemacht werden musste und dann von der GKV bezahlt wurde...
          Ist denn so ein hoher Satz von 5,5 überhaupt gerechtfertigt oder ergibt sich dabei nur eine hohe Gewinnspanne für den Zahnarzt ?

          Gruss
          Daniel

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Inlay und seine Alternativen, was ist besser

            Hallo Daniel, ...war der Ansicht, dass es da eine Gebührenordnung gibt an die
            er sich halten muss, so ähnlich wie Anwälte und Notare auch...
            Der Kollege hält sich auch allem Anschein nach an die Gebührenordnung (er verlässt nur den Gebührenrahmen) aber wie in allen freien Berufen, die eine amtlich festgesetzte Gebührenordnung haben, gibt es auch in der Zahnmedizin die Möglichkeit der sogenannten freien Vereinbarung. Das bedeutet, dass es möglich ist den amtlichen Gebührenrahmen zu überschreiten wenn beide Parteien damit einverstanden sind. Ist denn so ein hoher Satz von 5,5 überhaupt gerechtfertigt
            oder ergibt sich dabei nur eine hohe Gewinnspanne für den
            Zahnarzt ?
            Schwierige Frage!! Es kann durchaus sein, dass diese Vergütung gerechtfertigt ist, wenn der Kollege einen wesentlich höheren Aufwand treibt als im Normalfall, er sich durch u.U. jahrelange Fortbildung besonders qualifiziert hat oder aber der Schwierigkeitsgrad besonders hoch ist.

            Es kann aber auch sein, dass der Kollege nur einfach ein gutes Geschäft machen will.

            Ich gebe allerdings allgemein zu bedenken, daß der 2,3fache Satz im Jahr 1987 der Honorierung eines durchschnittlichen Schwierigkeitsgrades entsprach und diese Honorierung seit nunmehr 21 Jahren nicht verändert wurde, d.h. es hat keinerlei Anpassungen an die gestiegenen Kosten der letzten 20 Jahre gegeben.

            Ein Zahnarzt, welcher den Gebührenrahmen der GOZ verlässt, ist im übrigen nicht mehr an eine Begründungspflicht gebunden. Der Gesetzgeber geht in so einem Fall davon aus, dass Zahnarzt und Patient ausreichend miteinander gesprochen haben und der Patient weiss, dass er keinen vollständigen Erstattungsanspruch gegenüber seiner Versicherung hat.

            Gruß Gero

            P.S. es ist immer sinnvoll sich Alternativangebote einzuholen, wenn Zweifel an der Integrität des Dienstleisters bestehen.

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Inlay und seine Alternativen, was ist besser

              Ich gebe allerdings allgemein zu bedenken, daß der 2,3fache
              Satz im Jahr 1987 der Honorierung eines durchschnittlichen
              Schwierigkeitsgrades entsprach und diese Honorierung seit
              nunmehr 21 Jahren nicht verändert wurde, d.h. es hat keinerlei
              Anpassungen an die gestiegenen Kosten der letzten 20 Jahre
              gegeben.
              Servus Gero,

              es ist noch viel unverschämter: als die augenblicklich geltende Gebührenordnung 'geschaffen' wurde, geschah das unter einer Auflage. Die hätte, befreit von Juristendeutsch und Polit-Sprech so geklungen:

              Okay, okay, wenn die Zahnheilkunde sich wirklich so geändert hat, wenn ganze Fachgebiete neu dazu kommen müssen, und wenn andere Behandlungsweisen ganz weggefallen sind, dann macht halt eine neue Gebührenordnung. Aber, daß ihr euch ja nicht einbildet, daß es mehr kosten darf als bisher! Ob jetzt das Zahnziehen teurer wird, ob die ganze Spangenbehandlung anders geordnet wird, müssen die Fachleute wissen. Das sollen Wissenschaftler und Praktiker ausraufen - solange das alles aufwandsneutral bleibt. Schließlich sind wir mit unseren staatlichen Beihilfen für die öffentlichen Diener am Ende die geklemmten." (so - inhaltlich - die damalige Ministerpräsidentin von Schleswig Holstein seligen Angedenkens)

              In dürren Worten: der staatlich festgelegte Preisrahmen für zahnärztliche Leistungen außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ist VIERZIG Jahre im Grunde gleichgeblieben. Wenn man das einem Gewerkschaftler erzählt, geht ein stilles Grinsen über seine Züge :-(

              Gruß

              Kai



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!