Wenn jedes Netzwerkgerät sowieso eine eindeutige
MAC-Adresse (12 Bytes) hat, warum ging man dann
den Umweg über IP-Adressen?
Versuch mal, irgendwo in den Weiten des Internets ein Gerät zu finden, von dem du nur die MAC-Adresse kennst. Über die MAC-Adresse finden Geräte sich hardwaremässig. Dafür wird ein Paket auf Reise an alle Stationen des Netzes geschickt, es guckt einfach überall mal vorbei und das Gerät, das seine eigene MAC-Adresse in dem Paket erkennt, nimmt es schliesslich entgegen. Dabei hat das Paket in jedem einzelnen Zweig des Netzes Traffic erzeugt, es ist leicht zu erkennen, dass ein derartiges Verfahren in grossen Netzen schnell zu unlösbarer Verstopfung führt.
In den letzten Jahren wurden die alten Hubs zunehmend durch Switches abgelöst. Beim Switch greift der Port, bei dem das Paket ankommt, dieses ab, stellt fest, an welche Zieladresse das Paket weiterzuleiten ist und schickt es anschliessend ausschliesslich an den Port weiter, hinter dem laut Switch-interner Datenbank die Zieladresse zu finden ist.
So ein Switch kann durchaus eine Datenbank über einige tausend MAC-Adressen führen - nicht aber über Milliarden Adressen, die zudem noch höchst volatil sein können, so dass sämtliche Switches dieser Welt sich kontinuierlich untereinander abgleichen müssten.
Um also den Weg von einem Gerät zum anderen mit vernünftigem Aufwand finden zu können benötigtst du ein geografisch abbildbares Adressschema. Ein Schema, in dem zwar kein Knotenpunkt mehr Adressen als die seiner unmittelbaren Nachbarn kennt, in dem der Knoten aber aufgrund spezifischer Merkmale der Adresse anhand einer kurzen Zuordnungstabelle ermitteln kann, welcher seiner Nachbarn dieser Adresse am nächsten sitzt. Das Paket wird an diesen Nachbarn geschickt, der wiederum gibt's nach gleichem Schema einem seiner Nachbarn weiter, so lange, bis schliesslich ein Knoten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Empfänger diesem das Paket gegen Nachnahme und Empfangsbestätigung übergibt.
Limitieren nun nicht die 12 Bytes auch das zukünftige
Internet, d. h. selbst unter IPv6 könnten lange nicht
so viele Geräte tatsächlich in´s Internet, wie
kolportiert wird?
Nein, da die MAC-Adresse eben keine Rolle für den Weg eines Pakets durch's Internet spielt. Schon nach dem ersten Hop, hinter dem ersten Router spielt die MAC-Adresse des Senders keine Rolle mehr, ist sie ausgetauscht worden gegen die des Routers. Daher kann eine MAC-Adresse beliebig oft parallel Verwendung finden - nur nach Möglichkeit nicht im gleichen Segment.
Gruss
Schorsch