IPv6 - wozu?

Von: , Frage gestellt am Do, 6. Sep 2007

Ganz triviale Grünschnabelfrage:

Wenn jedes Netzwerkgerät sowieso eine eindeutige
MAC-Adresse (12 Bytes) hat, warum ging man dann
den Umweg über IP-Adressen?

Limitieren nun nicht die 12 Bytes auch das zukünftige
Internet, d. h. selbst unter IPv6 könnten lange nicht
so viele Geräte tatsächlich in´s Internet, wie
kolportiert wird?

Danke für Eure Aufklärung im voraus!

Didi

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 49 Minuten 3 hilfreich
    Re: IPv6 - wozu?

    Wenn jedes Netzwerkgerät sowieso eine eindeutige
    MAC-Adresse (12 Bytes) hat, warum ging man dann
    den Umweg über IP-Adressen?
    Versuch mal, irgendwo in den Weiten des Internets ein Gerät zu finden, von dem du nur die MAC-Adresse kennst. Über die MAC-Adresse finden Geräte sich hardwaremässig. Dafür wird ein Paket auf Reise an alle Stationen des Netzes geschickt, es guckt einfach überall mal vorbei und das Gerät, das seine eigene MAC-Adresse in dem Paket erkennt, nimmt es schliesslich entgegen. Dabei hat das Paket in jedem einzelnen Zweig des Netzes Traffic erzeugt, es ist leicht zu erkennen, dass ein derartiges Verfahren in grossen Netzen schnell zu unlösbarer Verstopfung führt.

    In den letzten Jahren wurden die alten Hubs zunehmend durch Switches abgelöst. Beim Switch greift der Port, bei dem das Paket ankommt, dieses ab, stellt fest, an welche Zieladresse das Paket weiterzuleiten ist und schickt es anschliessend ausschliesslich an den Port weiter, hinter dem laut Switch-interner Datenbank die Zieladresse zu finden ist.

    So ein Switch kann durchaus eine Datenbank über einige tausend MAC-Adressen führen - nicht aber über Milliarden Adressen, die zudem noch höchst volatil sein können, so dass sämtliche Switches dieser Welt sich kontinuierlich untereinander abgleichen müssten.

    Um also den Weg von einem Gerät zum anderen mit vernünftigem Aufwand finden zu können benötigtst du ein geografisch abbildbares Adressschema. Ein Schema, in dem zwar kein Knotenpunkt mehr Adressen als die seiner unmittelbaren Nachbarn kennt, in dem der Knoten aber aufgrund spezifischer Merkmale der Adresse anhand einer kurzen Zuordnungstabelle ermitteln kann, welcher seiner Nachbarn dieser Adresse am nächsten sitzt. Das Paket wird an diesen Nachbarn geschickt, der wiederum gibt's nach gleichem Schema einem seiner Nachbarn weiter, so lange, bis schliesslich ein Knoten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Empfänger diesem das Paket gegen Nachnahme und Empfangsbestätigung übergibt. Limitieren nun nicht die 12 Bytes auch das zukünftige
    Internet, d. h. selbst unter IPv6 könnten lange nicht
    so viele Geräte tatsächlich in´s Internet, wie
    kolportiert wird?
    Nein, da die MAC-Adresse eben keine Rolle für den Weg eines Pakets durch's Internet spielt. Schon nach dem ersten Hop, hinter dem ersten Router spielt die MAC-Adresse des Senders keine Rolle mehr, ist sie ausgetauscht worden gegen die des Routers. Daher kann eine MAC-Adresse beliebig oft parallel Verwendung finden - nur nach Möglichkeit nicht im gleichen Segment.

    Gruss
    Schorsch

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: IPv6 - wozu?

    Hallo Dietmar Wenn jedes Netzwerkgerät sowieso eine eindeutige
    MAC-Adresse (12 Bytes) hat, warum ging man dann
    den Umweg über IP-Adressen?
    Weil es verschiedene Netzwerkprotokolle gibt, nicht nur TCP/IP. Es gibt Appletalk, IPX/SPX, Banyan... um nur ein paar Beispiele zu nennen. Jedes dieser Netzwerkprotokolle arbeitet anders und hat eine andere Art, Geräte anzusprechen.

    Wie die ganze Geschichte vom physikalischen Layer mit den anderen Layern zusammenarbeitet, verrät Dir die Lektüre dieses Artikels:
    http://de.wikipedia.org/wiki/OSI-Modell Limitieren nun nicht die 12 Bytes auch das zukünftige
    Internet, d. h. selbst unter IPv6 könnten lange nicht
    so viele Geräte tatsächlich in´s Internet, wie
    kolportiert wird?
    Ich denke, ≈340 Sextillionen mögliche Adressen dürfte eine ganze Weile genügen. (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/IPv6)

    CU
    Peter

  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Korrektur

    Die MAC-Adresse besteht aus 6 Bytes (nicht aus 12).
    Es lassen sich somit max. 2 hoch 48 Netzwerkgeräte
    anfertigen = ca. 282.000 Mia.

    Die tollen IPv6 Adressen haben 16 Bytes. Das würde
    theoretisch 3,4e+38 mögliche Geräte ergeben.

    Theoretisch gäbe es dann, nach 282.000 Mia. Geräten
    ein Problem mit der MAC-Adresse, weil die dann
    ausgegangen wären.

    Praktisch wird´s halt soweit nicht kommen.
    Was auch immer die sich bei IPv6 mit so vielen
    Adressen gedacht haben...

    Didi

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: Korrektur

      Hallo, Die MAC-Adresse besteht aus 6 Bytes (nicht aus 12).
      Es lassen sich somit max. 2 hoch 48 Netzwerkgeräte
      anfertigen = ca. 282.000 Mia.

      Die tollen IPv6 Adressen haben 16 Bytes. Das würde
      theoretisch 3,4e+38 mögliche Geräte ergeben.

      Theoretisch gäbe es dann, nach 282.000 Mia. Geräten
      ein Problem mit der MAC-Adresse, weil die dann
      ausgegangen wären.
      Ich weiß gar nicht, warum du so auf MAC-Adressen versessen bist.
      MAC-Adressen sind ein Konzept von Ethernet, und verschwinden von der Bildfläche, sobald die Pakete durch den ersten Router gehen. Man kann Geräte mit identischen MAC-Adressen haben, wenn man sie nicht im selben Subnetz hat (und keine "komischen" Ding wie Layer 2 Routing macht). Praktisch wird´s halt soweit nicht kommen.
      Was auch immer die sich bei IPv6 mit so vielen
      Adressen gedacht haben...
      Sie haben aus der Vergangenheit gelernt. Als man IPv4 mit 8 Byte Adressraum eingerichtet hat, konnte man sich nicht vorstellen, dass das jemals knapp wird.

      Und ich finde es eigentlich ganz nett, wenn ich jedem Gerät eine öffentliche IP zuweisen kann.

      Grüße,
      Moritz

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: Korrektur

      Was auch immer die sich bei IPv6 mit so vielen
      Adressen gedacht haben...
      Die haben sich gedacht, dass damit auch jedes popelige Gerät, jeder Kühlschrank, jede Taschenuhr, jede Lampe eine IP-Adresse bekommen kann, ohne dass man so perverse Sachen wie NAT machen muss. Man muss nicht mehr knauserig mit IP-Adressen umgehen (wie das jetzt der Fall ist, zumindest bei guten LIRs), sondern kann ganz einfach jedem, der braucht, ein Netz geben und gut ist. Netze können potentiell auch viel leichter umziehen. Wenn man sich schon was neues ausdenkt, dann kann man auch gleich klotzen statt kleckern. Es schadet nicht, einen so großen Adressraum vorzusehen.

      MAC-Adressen sind dabei ziemlich irrelevant. Sobald eine Layer 2-Wolke verlassen wird, interessieren die nicht mehr, und Layer 2-Wolken möchte man nicht nur aus Adressierungsgründen nicht zu große werden lassen.

      Gruß,

      Malte

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