Wie motiviert man jemanden zum 'Rechtschreiben'

Von: , Frage gestellt am Di, 5. Nov 2002

Hallo allerseits!

Ich beschäftige mich gerade ein wenig mit dem Phänomen, dass einige Menschen, die sonst weder unter gravierenden Bildungslücken noch unter Legasthenie leiden, auffallend viele Rechtschreibfehler machen.

Das Problem ist dabei, dass es scheinbar gar nicht so leicht ist, den betroffenen Personen den Wert eines orthographisch einwandfreien Schreibstils zu vermitteln. (Ich bin fast geneigt zu sagen: "Die schlechtesten Schüler haben immer die besten Ausreden.")

Ich vermute mal, dass dieses Problem vielen Lehrern und Eltern in diesem Forum hier nicht ganz unbekannt sein dürfte.

Ich - wie wohl auch einige andere Menschen - könnte manchmal fast dran verzweifeln, wenn jemand keinem Argument für eine fehlerfreie Ausdrucksweise zugänglich ist. Aber irgendwie muss sich doch eine schlüssige, überzeugende Argumentationskette finden lassen, um jemanden zu einem sorgfältigeren Umgang mit der Sprache zu bringen.

Wenn also jemand Tipps auf Lager hat, wie man eine Person zum fehlerfreien Schreiben motivieren kann, wäre ich sehr dankbar, wenn er bzw. sie diese Tipps hier oder in folgender Diskussion http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl... im Forum "deutsche Sprache" publik machen könnte.

Gruß

Stefan

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Tagen 2 hilfreich
    Paar Ideen

    Hallo Stefan und hallo all ihr anderen,

    erstens kann man - sofern man über die Macht und Zeit verfügt - eine lange Rede über das Selbstverständnis des Bürgertums seit der Ablösung des Feudalismus halten und diese mit der wunderschönen Satire "Das Leben Junker Hansens" (aus dem Reclam-Band "Satiren der Aufklärung") illustrieren. Der bürgerliche Mensch gewinnt sein Ansehen nämlich nicht, wie noch vor zweihundert Jahren, aus seiner Geburt. Sondern es ergibt sich aus seiner Fähigkeit, sich in die Gesellschaft einzufügen in dem Sinn, dass sein mündlicher und schriftlicher - überhaupt sein persäönlicher - Ausdruck die anderen möglichst überzeugt, zumindest aber von diesen rasch verstanden wird.Dies ist nur dann der Fall, wenn der Ausdruck sich in Übereinstimmung mit den allgemeinen Sprachnormen befindet. Die Aufklärung war der letzte (oder vielleicht doch schon der vorletzte?) Paradigmenwechsel in der Werteskala unserer Gesellschaft. Und gleichzeitig die Geburt der Rechtschreibung.

    Oder man könnte Betreffenden zum Beispiel ein mit komischen und gewöhnlichen Rechtschreib- und Stilfehlern gespicktes Bewerbungsschreiben für eine Stelle vorlegen, die für sie ziemlich wichtig ist - sagen wir, jemand will Hausverwalter für die von ihnen bewohnte Wohnung sein oder Krankenhauschef im nächstgelegenen Hospital oder meinetwegen Kindergartenleiterin im örtlichen Kindergarten. Macht das etwas aus? Möchten wir gern einem Polizisten, einem Staatsanwalt in einer komplizierten Situation ausgeliefert sein, der so schreibt? In der Imbissbude sind Rechtschreibfehler auf der Speisekarte noch lustig - hört der Spaß irgendwo auf? Wann und wo und warum?

    Zumindest letzteres hat bei mir in einer äußerst schwierigen neunten Klasse recht gut gewirkt. Klassenarbeit war dann, ein solches Bewerbungsschreiben argumentativ auseinanderzunehmen. Macht Spaß!

    Alles Gute wünscht
    Juliane

  2. Antwort von nach 26 Tagen 0 hilfreich
    Vielleicht sind es unerkannte/umerzogene Linkshänd

    Hallo allerseits!

    Ich beschäftige mich gerade ein wenig mit dem Phänomen, dass
    einige Menschen, die sonst weder unter gravierenden
    Bildungslücken noch unter Legasthenie leiden, auffallend viele
    Rechtschreibfehler machen.


    Nachdem auch meine Kinder davon betroffen waren: nämlich sonst nicht dumm zu sein, aber unerklärliche "Schusselfehler" zu machen, wurde ich auf das Thema "Unerkannte Linkshänder" gebracht und fand dort die Lösung.
    Da nach Meinung der Linkshänderforschung evtl. bis zu 50 % unserer Bevölkerung betroffen sein könnten, lässt sich erklären, dass es mehrere Leute mit diesem "Phänomen" gibt.

    Die meisten Kinder lernen ja durch Abschauen und wenn der Drang, mit links zu arbeiten, nicht so stark ist, schauen sie sich schon im Babyalter an, mit welcher Hand gefüttert wird und imitieren das. Dann im Kindergarten, mit welcher Hand die Schere funktioniert usw. - sie imitieren, es klappt und schwupp, schon sind sie "Rechtshänder". Damit aber laufen sie auf der falschen Gehirnhälfte, was bei der Kombination denken und schreiben später in der Schule dann zu "Datenverlust" führt - das ist, als ob das Auto auf 3 Pötten jahrelang Höchstleistung bringen soll.

    Es gibt ein tolles Buch. "Der Knoten im Gehirn" von Barbara Sattler dazu - sehr empfehlenswert.

    Und für einen ersten Überblick gibt es zwei tolle Seiten im Internet:

    www.linkshaender-beratung.de
    www.linkshaenderseite.de

    Vielleicht hilft dir das weiter

    Gruß
    Little Maggie

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