'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrates

Von: , Frage gestellt am Mi, 13. Apr 2005

Hallo Ihr,

ich studiere auf Lehramt für Gymnasien und habe nun im 2. Semester die Vorlesung "Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung" und habe dazu ein begleitendes Seminar zu besuchen. Eine gute Kollegin und ich haben uns das Thema "Ich weiss, dass ich nichts weiss." ausgesucht. Der Spruch stammt von Sokrates.

Wir wollte jetzt einfach mal wissen, ob dazu jemand was weiß, wie dies mit Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung zusammenhängt, oder ob jemandem irgendetwas dazu einfällt oder ob jemand dazu Internetadressen hat usw.

Einfach mal alles, was zu diesem Spruch passt, hier mitteilen.

MfG

Andi

18 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 52 Minuten 0 hilfreich
    Re: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrates

    Na ja, hm. Mir fällt nur ein, dass es heutzutage unmöglich ist über alles bescheid zu wissen. Jeder kennt nur einen eingeschränkten Teil. Selbst wenn man sich lange mit Hunden beschäftigt, kommt trotzdem immer etwas neues hinzu , was man vorher nicht wusste. Dies kann einersseits frustrierend aber auch anregend sein. Die Erkenntnis, dass man vielleicht doch nicht so bescheid weiß, kann einen demotivieren. Somit formt es auch die Persönlichkeit. Gerade pubertierende Jugendliche haben die Anwandlung zu denken, dass sie über alles bescheid wissen.
    Mehr fällt mir dazu aber auch nicht ein. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
      Re^2: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrate

      Gerade pubertierende Jugendliche haben die Anwandlung zu denken, dass sie über alles Bescheid wissen.
      Wie kommst du darauf, dass solches Denken auf pubertierende Jugendliche beschränkt sei?

      Sokrates formuliert seinen Satz in seiner Verteidigungsrede, um darauf hinzuweisen, dass er die Leute verärgerte, weil er aufzeigte, dass alle, die glaubten, etwas zu wissen, auf seine Nachfragen zugeben mussten, dass sie Falsches wussten und so als vorlaute Schwätzer entlavrt wurden.

      Nur er, der wusste, dass er nichts wusste, und sich nicht einbildete, ein irgendwie geartetes Spezialwissen zu haben, wusste dadurch über sich selbst Bescheid und war somit allen anderen überlegen.

      Dieses: keine Illusionen über die eigene Person zu pflegen, macht den Weisen.

      Und das zu erkennen, schadet keinem.

      Fritz, der trotz der Tatsache, dass er einiges weiß, gern noch mehr wüsste.

      • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrate

        Gerade pubertierende Jugendliche haben die Anwandlung zu denken, dass ::sie über alles Bescheid wissen.
        Wie kommst du darauf, dass solches Denken auf pubertierende
        Jugendliche beschränkt sei?
        Ich habe es in keiner Weise nur auf pubertierende Jugendliche beschränkt. Dann hast du es falsch Interpretiert. Es gibt auch genug 80 jährige Omas , die denken nur weil sie alt sind, dass sie wirklich über alles bescheid wissen. DAss die Sachen, die sie früher gelernt haben, heutzutage aber oft schon überholt und falsch sind, wollen sie nicht eingestehen.

  2. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Andreas

    Eine gute Kollegin und ich haben uns das Thema "Ich weiss,
    dass ich nichts weiss." ausgesucht. Der Spruch stammt von
    Sokrates.
    Ist schon klar, das ist abendländisches Allgemeingut. Aber wie seid Ihr auf die Idee gekommen, dazu etwas zu schreiben? Ich meine, Ihr müßt doch eine Verbindung sehen zwischen Sokates' Schlaumeierspruch und dem Seminarthema. Und wenn das so ist, dann schreibt doch los! Wenn Ihr's nicht könnt, nehmt ein anderes Thema oder ein anderes Seminar.
    Oder einen Ghostwriter.

    jp

  3. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrates

    Hallo Andreas,

    dem was Fritz sagt ist an sich nichts hinzuzufügen. Wir wollte jetzt einfach mal wissen, ob dazu jemand was weiß,
    wie dies mit Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung
    zusammenhängt, oder ob jemandem irgendetwas dazu einfällt oder
    ob jemand dazu Internetadressen hat usw.
    Einfach mal alles, was zu diesem Spruch passt, hier mitteilen.
    Ich arbeite in meiner Branche gerne und schon lange. Während meiner Arbeit durfte ich einigen jungen Menschen bei der Diplomarbeit oder auch der Dissertation helfen. Ich selbst lernte von diesen jungen Menschen sehr viel, nicht nur fachlich. Heute bin ich wieder im Service-Aussendienst tätig auch hier lerne ich von Menschen die über eine wesentlich geringere Ausbildung verfügen als ich manchmal verblüffende Dinge. Beispiel: Ein türkischer Hilfsarbeiter zeigte mir einen Trick an einer 2Mio € Maschine, den unsere Ings aus der Anwendungstechnik nicht kannten.
    Ich denke nimm den Titel des Seminars mit für Dein (Berufs-) Leben. Auch wenn es in Deinem Leben nur ein paar mal passieren wird, daß Dir ein Kind etwas sagt oder zeigt was Du nicht wußtest, nimm es an. Und noch wichtiger: Du weißt nicht welcher Mensch Dir Wissen mitgeben kann oder möchte. Er kann viel jünger sein wie Du, er kann schlechter ausgebildet sein wie Du, er kann sozial eine viel niedrigere Stellung als Du innehaben, aber er gibt Dir etwas mit. Du kannst eventuel auch erst viel später in Deinem Leben erkennen was er Dir an Wissenswertem anvertraut hat.

    Gruß Norbert
    Der heute und morgen und in 10 Jahren immer noch wissen wird, daß er nicht alles Wissen mitgenommen hat das er hätte bekommen können.

  4. Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
    Re: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrates

    Hallo Andreas,

    einfach mal eine paar Stichworte als Anregung:

    - Hilfreich für die Erschließung eines Themas ist der Blick in ein Herkunftswörterbuch: einfach die wichtigsten Hauptworte des Themas nachlesen ... schon kommen Ideen und Fragen
    - Was ist Persönlichkeit/-entwicklung/-bildung?
    - Welche Ideale (im Sinne von Vorbild) hat wer?
    - Was kann der Mensch wissen?
    - Wieviel Information kann ein Mensch aufnehmen?
    - Wieviel dieser Information kann er behalten und: wie lange?
    - Stimmt es, dass die junge Generation (bis 20 Jahre) im Laufe ihres Berufslebens wahrscheinlich drei Berufe erlernen wird?
    - Welche Aufgabe(n)/Ziele hat Schule in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung? Welche stehen in den Lehr-/Stoffplänen? Sind diese Aufgabe(n)/Ziele realistisch/(noch) zeitgemäß?
    - Wenn die vorhergehenden Fragen zu allgemein sind: ihr könntet bei Wolfgang Klafki mal zu den epochaltypischen Schlüsselproblemen nachlesen (vermutlich zu umfangreiche Aufgabenstellung)
    - Halbwertzeit des Wissens
    - Orientierungs-/Strukturierungswissen statt Faktenwissen
    - Arroganz ist die Perücke geistiger Kargheit
    - Wieder staunen lernen - staunen/wundern wie die Kinder
    - Was sagt PISA in Bezug auf die Förderung der Persönlichkeit?
    - Wie und worüber würde sich wohl der Philosoph, dem das Zitat zugeschrieben wird mit der Bundesbildungsministerin unterhalten?
    - Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir (weiß dass die "Schule").

    Ein erstes Brainstorming ... vielleicht hilft es Euch.

    Grüsse aus Lüneburg
    Heiner Gierling

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrate

      Danke, also euch allen.

      Es hat uns wirklich weitergeholfen und ich denke wir haben die ersten Ansätze damit erreicht.

      Bis bald,

      Andi

  5. Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
    Re: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrates

    Hallo,

    mit diesem Spruch möchte Sokrates ausdrücken, dass alle Dogmen und Wahrheiten hinterfragbar sind - und sind sie scheinbar noch so einleuchtend. Mit seiner Alles-hinterfragen-Methode war er damit einer der ersten Aufklärer.
    Das sollte doch eines der Erziehungsideale an unseren Schulen sein: Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen. So gesehen passt der Spruch sehr gut zur Persönlichkeitsentwicklung. Denn ein langweiliger Ja-sager und dem-Leher-alles-Glauber besitzt keine Persönlichkeit.

    Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke, bietet der Untericht dafür leider nicht genügend Raum. Ich möchte auf einen Artikel von Heinz v. Foerster verweisen (Zukunft der Wahrnehmung: Wahrnehmung der Zukunft. In: ders.: Wissen und Gewissen. Frankfurt/M 1993), in dem er die Lehrerfragen in illegitime und legitime Fragen unterteilt. Illegitime Fragen sind demnach solche, deren Antwort bekannt ist und die der Lehrer erwartet. Illegitime Fragen sind dementsprechend solche, deren Antwort nicht bekannt ist. Lehrer stellen in unserem Schulsystem meistens illegitime Fragen.

    Beispiel:
    Frage: "Wann wurde Napoleon geboren?"
    Antwort: "1769."
    Richtig! (weil erwartet)

    Frage: "Wann wurde Napoleon geboren?"
    Antwort: "Sieben Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung."
    Falsch! (weil unerwartet)

    Ich bin aber schon einige Zeit aus der Schule raus. Vielleicht (so hoffe ich) hat sich bißchen was geändert.

    Gruß Eddie.

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: 'Ich weiss, dass ich nichts weiss' - Sokrate

      Illegitime Fragen sind demnach solche, deren Antwort bekannt ist und die der Lehrer erwartet.
      Illegitime Fragen sind dementsprechend solche, deren Antwort
      nicht bekannt ist. Lehrer stellen in unserem Schulsystem
      meistens illegitime Fragen.


      Ein bemerkenswerter Beitrag, eddie, und genau auf den Punkt. Ganz abgesehen von der moralischen Variante, ist es das, woran das meiste Testgeschehen krankt. Die PISA-Tests beispielsweise sind voll davon. Aber vor allem der deutsche Schulalltag. Lauter wohlmeinende Amateure am Start.
      Hab mir DEinen Beitrag ausgedruckt und zu den Akten genommen. Schade, daß wir beide nur Rufer in der Wüste sind. Oder?

      Gruß

      jo perrey (ehem. Englischlehrer, jetzt Gutachter für Widerspruchsverfahren)



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