Angst in der Schule

Von: , Frage gestellt am Fr, 29. Apr 2005

Hallo.
Als angehende Lehrerin interessiert es mich natürlich brennend mit welchen Einstellungen und Voraussetzungen meine Schüler später in den Unterricht kommen werden.
Da ich mich im Moment im Rahmen einer Hausarbeit mit Angst in der Schule beschäftige würde ich gern wissen welche Ängste ihr (oder eure Kinder) habt wenn es um Schule geht.
Fändet ihr es sinvoll im Unterricht über eure Ängste zu sprechen?
Liebe Grüße, Oleinka

19 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 57 Minuten 3 hilfreich
    Re: Angst in der Schule

    Da ich mich im Moment im Rahmen einer Hausarbeit mit Angst in
    der Schule beschäftige würde ich gern wissen welche Ängste ihr
    (oder eure Kinder) habt wenn es um Schule geht.
    Hallo oleinka,
    zunächst habe ich Angst davor, dass meine (noch nicht vorhandenen) Kinder irgendwann von Lehrern unterrichtet werden, die die richtigen Stellen verpassen, an denen ein Komma gesetzt werden könnte :)

    Aber im Ernst... Fändet ihr es sinvoll im Unterricht über eure Ängste zu
    sprechen?
    Ich kann nur aus meiner Erfahrung als Schüler berichten. In der Retroperspektive hätte ich es sinnvoll gefunden, wenn die Wahl unseres Vertrauenslehrers nicht nur eine Formalität gewesen wäre. Dann wäre ich vielleicht auch mit meinen Ängsten zu ihm gegangen. Aber viele Jahre wusste ich nicht einmal, dass es einen an meiner Schule gab.
    Über Ängste im Allgemeinen kann man sicherlich im Unterricht sprechen. Aber ob Schüler über ihre persönlichen Ängste - im Besonderen in Bezug auf Schule und Lehrer - im Unterricht sprechen würden, bezweifle ich. Die Scham könnte zu groß sein. Nicht nur, weil man sich vor versammelter Klasse outen müsste, sondern auch weil die Ursache der Angst vorne vor der Tafel stehen könnte. Aber das ist nur meine Meinung.

    gruß eddie.

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Angst in der Schule

      Du siehst es völlig richtig, eddie.

      jo perrey (ex-Gym-teacher)


      P.S.: Bert Brecht und A. Einstein könnten noch ein wenig mehr dazu sagen ...

      • Antwort von nach 9 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Angst in der Schule

        Was dahinter steckt ist die Frage:
        Wie sinnvoll ist es eigentlich Angst als Unterrichtsthema zu gestalten?
        Meint ihr das würde ankommen, bzw. auch als Diskussionsgrundlage genutzt werden? (Gehen wir mal davon aus, dass der Lehrer nicht ein völliges Monster und/oder Wrack ist...)

        Und vor allem: kann das Thema Angst nicht erst Jmd. ängstlich machen, weil er nun bewusst auf eine Sache gestoßen wird, die vorher für ihn gar nicht existiert hat, oder jmd. Anderen nicht in seinen Ängsten noch verstärken?

        Außerdem sind doch nicht alle Kinder gleich stark von Ängsten betroffen. Wäre es für einen Schüler dann überhaupt vorstellbar so einen Seelenstriptease zu machen, oder wäre er durch seine Sonderrolle zu gehemmt?

        Hättet ihr euch sowas mal im Unterricht gewünscht, oder fand es gar tatsächlich statt?

        • Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
          Re^4: Angst in der Schule

          Hallo, Oleinka, Wie sinnvoll ist es eigentlich Angst als Unterrichtsthema zu
          gestalten?
          es kommt natürlich stark auf Altersgruppe, Klassenstärke und -zusammensetzung an, aber meine Erfahrungen sprechen eher dagegen. Wäre es für einen Schüler dann überhaupt
          vorstellbar so einen Seelenstriptease zu machen, oder wäre er
          durch seine Sonderrolle zu gehemmt?
          Gerade Schüler in der Pubertät vermeiden es, ihre innersten Gefühle mitzuteilen - meist wissen ja nicht einmal die Eltern und engsten Freunde, was in einem Jugendlichen vorgeht.

          Um offen über seine Ängste zu sprechen, bedarf es eines großen Vertrauens, welches ein Schüler kaum haben wird zu allen Klassenkameraden (unter denen er ja vielleicht nicht nur Freunde hat) und zu einem Lehrer, den er privat gar nicht oder kaum kennt.

          Es wird vielleicht weniger problematisch sein, über "typische Alltagsängste" zu reden wie z. B. Prüfungsangst. Aber Ängste sind oft irrational und finden bei anderen kein Verständnis - als Schüler würde ich z. B. nie und nimmer offenbaren, dass ich mich vor Spinnen fürchte oder vor dem Gang in den Keller, weil ich großes Gelächter und fortwährende Hänseleien zu befürchten hätte. - Und welchen Effekt so ein Unterrichtsgespräch auf Kinder haben könnte, die Angst vor dem prügelnden Vater oder dem grabschenden Onkel haben, lässt sich gar nicht ermessen - vor der Klasse darüber reden würden sie bestimmt nicht.

          Ich denke, dieses Thema kann als Unterrichtsgegenstand höchstens sehr oberflächlich behandelt werden - oder aber man läuft als Lehrer Gefahr, dass man, ohne das zu wollen, ein Kind bloßstellt und damit großen Schaden anrichtet. oder fand
          es gar tatsächlich statt?
          Bestenfalls in klein(st)em Kreis, z. B. auf einer Klassenfahrt, oder unter vier Augen mit einem Lehrer, dem man wirklich vertraute.

          Gruß
          Kreszenz

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Angst in der Schule

          Was dahinter steckt ist die Frage:
          Wie sinnvoll ist es eigentlich Angst als Unterrichtsthema zu
          gestalten?
          Meint ihr das würde ankommen, bzw. auch als
          Diskussionsgrundlage genutzt werden? (Gehen wir mal davon aus,
          dass der Lehrer nicht ein völliges Monster und/oder Wrack
          ist...)

          Und vor allem: kann das Thema Angst nicht erst Jmd. ängstlich
          machen, weil er nun bewusst auf eine Sache gestoßen wird, die
          vorher für ihn gar nicht existiert hat, oder jmd. Anderen
          nicht in seinen Ängsten noch verstärken?
          hallo oleinka!

          ich bin schüler in klassenstufe 11. wie eddie schon gesagt hat, wird sich im unterricht sicher keiner frank und frei über seine persönlichen ängste äußern, es sei denn sie sind eh schon überall bekannt und er steht dazu. auch bei uns gibt es nen vertrauenslehrer, aber im ernst: er ist das geworden, weil die stelle noch besetzt werden musste, er ist das schon die 7 jahre die ich jetzt hier bin und davon, dass er mal von den schülern gewählt wurde, weiß ich rein gar nichts. so nen vertrauenslehrer find ich sinnlos. da fallen mir auf anhieb ne ganze reihe seiner kollegen ein, zu denen ich mit privaten problemen noch eher gehen würde.

          was du vielleicht machen kannst, ist, mit der klasse über lösungen von ängsten zu reden, wie man damit klarkommen könnte, evtl. ansprechpartner usw., wo man sich hilfe holen könnte usw.
          bei uns im unterricht fand sowas eher nicht statt, es gab nur den ein oder anderen lehrer, der mal so zwischen den zeilen rüberbrachte, dass wir mit problemen zu ihm kommen könnten, aber das ist ja nun nicht jedermanns sache.

          gruß
          yvi

        • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Angst in der Schule

          Hoi, Wie sinnvoll ist es eigentlich Angst als Unterrichtsthema zu
          gestalten?
          wenig bis gar nicht. Meint ihr das würde ankommen, bzw. auch als
          Diskussionsgrundlage genutzt werden?
          Glaube ich nicht. Außerdem sind doch nicht alle Kinder gleich stark von Ängsten
          betroffen. Wäre es für einen Schüler dann überhaupt
          vorstellbar so einen Seelenstriptease zu machen, oder wäre er
          durch seine Sonderrolle zu gehemmt?
          Er wäre. Und selbst wenn alle betroffen wären, dann wären eben alle gehemmt. Hättet ihr euch sowas mal im Unterricht gewünscht, oder fand
          es gar tatsächlich statt?
          Nein. Im Unterricht kannst Du sowas nur sehr abstrakt und maximal weit weg vom konkreten Geschehen und den konkreten Personen in der Klasse angehen. Sicher kann man - in einem geeigneten Unterrichtsfach (Philo, Ethik, Bio, Sozialkunde...) über Angst und ihre Auswirkungen reden - wozu der Mensch in Angstsituationen fähig ist oder wie er sich lähmen lässt. Womöglich kann man sogar Bewältigungsstrategien anreißen.

          Das wird aber nur in höheren Jahrgängen (Oberstufe) funktionieren und wie gesagt nur auf "akademischer" Ebene.

          Du kannst es ja mal ausprobieren, ich prophezeie Dir, daß Du genau in dem Moment, in dem Du konkret wirst, eine Mauer vor Dir haben wirst.

          Pubertierende Kids wissen noch nicht mal selbst genau Bescheid, was sie da für Ängste haben, und dann willst Du DAS auch noch thematisieren? Als Lehrerin bist Du nicht die beste Freundin - versuch es gar nicht erst. Eher bewegst Du Dich irgendwo zwischen "Respektsperson" und "Feind".

          Mit Angst wirst Du aber vielleicht trotzdem konfrontiert, aber dann in so konkreten Einzelfällen, daß da nicht pädagogische Gerede ansteht, sondern handeln. Und im schlimmsten Fall bist Du diejenige, die Angst hat.

          Das klingt vielleicht alles etwas pessimistisch, kann dann aber vielleicht als Gegenpol zu Deiner etwas rosarot-bebrillten Frage stehen.

          Meine Meinung,

          Malte.

          PS: Ich bin auf eine relativ harmlose und friedliche Schule gegangen, ziemlich gewaltfrei. Trotzdem.

          • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Angst in der Schule

            Nein. Im Unterricht kannst Du sowas nur sehr abstrakt und
            maximal weit weg vom konkreten Geschehen und den konkreten
            Personen in der Klasse angehen. Sicher kann man - in einem
            geeigneten Unterrichtsfach (Philo, Ethik, Bio, Sozialkunde...)
            über Angst und ihre Auswirkungen reden - wozu der Mensch in
            Angstsituationen fähig ist oder wie er sich lähmen lässt.
            Womöglich kann man sogar Bewältigungsstrategien anreißen.
            Ja, da muss ich dir zustimmen. Das wird aber nur in höheren Jahrgängen (Oberstufe)
            funktionieren und wie gesagt nur auf "akademischer" Ebene.
            Da stimme ich dir nicht zu. Wir haben das damals in der 5. Klasse mit unserer GSW Lehrerin gemacht ( wir hatten son paar Mobbinopfer in der Klasse ). Man konnte sich allerdings freiwillig melden. Wir haben dann Strategien durchgesprochen, wie man den Mobbingteufelskreis durchbrechen kann und wie man sich wehren kann. Am Ende der Stunde gab es dann sogar nen Gutschein für nen Selbstverteidigungskurs. Du kannst es ja mal ausprobieren, ich prophezeie Dir, daß Du
            genau in dem Moment, in dem Du konkret wirst, eine Mauer vor
            Dir haben wirst.
            Kann , muss aber nicht. Als Lehrerin bist Du nicht die beste
            Freundin - versuch es gar nicht erst. Eher bewegst Du Dich
            irgendwo zwischen "Respektsperson" und "Feind".
            Da muss ich dir widersprechen. Wir hatten viele Lehrerinnen ( meist noch in der Ausbildung ) die mehr eine Freundin waren als eine Lehrerin und trotzdem ( oder vielleicht gerade deswegen ) lief der Unterricht klasse. Zu meiner alten Deutschlehrerin habe ich heute noch regelmäßigen Kontakt. Wir backen dann zusammen Kuchen ( Hauswirtschaftslehrerin ) und gehen auch mal zusammen abends weg zum tanzen.

            Es wäre sinnvoller die Kinder zu beobachten, ob sie ein auffälliges Verhalten an den Tag legen ( besonders schüchtern, nen Haudrauf etc. ) und dann gezielt mal mit den Eltern reden ( sowieso sich das familiäre Umfeld anschauen ) und mit dem Kind alleine reden. Meist bringen direkte Konfrontationen mehr. Allerdings sollte nicht nur die Schuld zu geschoben werden ( DU störst immer den Unterricht ), sondern mehr hinterfragt werden, warum das Kind dies tut. Bei pubertierenden Jugendlichen dürfte sich das allerdings als schwierig herausstellen, denn viele stellen dann auf Durchzug ( kenn ich noch von mir damals ).

            • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Angst in der Schule

              Es wäre sinnvoller die Kinder zu beobachten, ob sie ein
              auffälliges Verhalten an den Tag legen ( besonders schüchtern,
              nen Haudrauf etc. ) und dann gezielt mal mit den Eltern reden
              ( sowieso sich das familiäre Umfeld anschauen ) und mit dem
              Kind alleine reden.
              Ich denke auch, daß für eine angehende Lehrperson zunächst einmal die diagnostischen Fähigkeiten am Wichtigsten sind. Angst hat viele Gesichter und äußert sich je nach Alter und Persönlichkeit des Kindes verschieden. Dieses Thema im Unterricht zu behandeln halte ich auch für eher schwierig, weil "Angsthasen" "uncool" sind (war bei uns früher so und ist es heute noch). Im kleineren Kreis in der Freizeit kann man mit Kindern über sowas reden, wenn es sich ergibt, aber als gezieltes Unterrichtsthema...eher nicht.

              Wichtig ist die angstfreie Atmosphäre. Und dazu gibt es ja Methoden, die schon genannt wurden. Aber ich finde es gut, daß sich eine angehende Lehrerin damit beschäftigt. Ich kenne genug Leute, die eher uninteressiert auf Lehramt studieren und mit der ganzen Pädagogik erstaunlich wenig am Hut haben. Traurig, aber wahr.

  2. Antwort von nach 21 Stunden 4 hilfreich
    Re: Angst in der Schule

    Hallo, Oleinka, Da ich mich im Moment im Rahmen einer Hausarbeit mit Angst in
    der Schule beschäftige würde ich gern wissen welche Ängste ihr
    (oder eure Kinder) habt wenn es um Schule geht.
    Angst ist die mit über 600 empirischen Untersuchungen seit den 50er Jahren am meisten untersuchte Emotion in der Pädagogischen Psychologie. Ein Blick in die Literatur (z.B. Pekrun & Schiefele, 1998, oder auch die zum Thema Emotion und Motivation in den PISA-Berichtsbänden enthaltenen Kapitel, z.B. Pekrun & Zirngibel, 2004) dürfte Dir einen Eindruck davon verschaffen, welche Erkenntnisse über Bedingungen, Art und Folgen der Angst sowie über ihre Zusammenhänge mit kognitiven und motivationalen Faktoren gewonnen wurden. Fändet ihr es sinvoll im Unterricht über eure Ängste zu
    sprechen?
    Dabei muß man bedenken, daß Schülerinnen und Schüler eine gewisse Vorstellung davon haben, was Unterricht ist, was er beinhalten sollte und wie die Rollenverteilung zwischen Schüler und Lehrer ist. Weicht der Lehrer / die Lehrerin von diesen Vorstellungen ab, kann das - es muß aber nicht - zu Unmut in der Klasse führen. Man muß sich in diesem Zusammenhang vergegenwärtigen, daß die Lehrerin / der Lehrer für die Schülerinnen und Schüler eine hierarchisch höher gestellte Person ist, die über Macht verfügt, u.a. die Macht der Leistungsbeurteilung. Da Angst in der Schule v.a. Leistungs-, Bewertungs- und Prüfungsangst ist, ergibt sich bei Ansprechen dieser negativen emotionalen Zustände ein grundsätzliches Problem auf Seiten der Schülerin oder des Schülers: Die in den Augen vieler Schülerinnen und Schüler Quelle des Unbehagens - der mit Macht ausgestattete Lehrer - versucht nun auch noch den von ihm verursachten unangenehmen psychischen Zustand, d.h. die Angst, "auszukundschaften". Von einem wie auch immer gearteten aktiven oder passiven Widerstand dagegen kann man wohl zumindest für einige Schülerinnen und Schüler ausgehen.

    Grüße,

    Oliver Walter

    PS: Deine Anfrage im Psychologie-Brett wäre verständlicher gewesen, wenn Du klar benannt hättest, daß es sich um Angst bei Schülerinnen und Schülern handelt.



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