Ratgeber zu Latein oder Französisch?

Von: (abgemeldet) , Frage gestellt am Do, 9. Dez 1999
Hi zusammen,

bis zum Zwischenzeugnis muss entschieden sein, ob der Schultyp, den meine Tochter fürderhin beschreiten soll, neusprachlich (7. Latein, 9. Französisch) oder sozialwissenschaftlich (7. Französisch, kein Latein) sein soll.

Ich hätte gerne ein paar knackige Argumente für Latein (ich bin nämlich dagegen). Nur, eines will ich gleich entkräften: Ich glaube, dass das Lernen einer weiteren romanischen Sprache von einem soliden Französisch aus exakt genauso gut (oder schlecht) funktioniert wie von Latein aus.

*neugierig*
Stefan

39 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von (abgemeldet) nach 5 Tagen hilfreich
    Re: Latein oder Französisch?
    Hallo Stefan! Ich hätte gerne ein paar knackige
    Argumente für Latein (ich bin nämlich
    dagegen).
    Nachdem ich den Thread durchgelesen habe, denke ich als ehemaliger Lateinschüler, daß die wichtigsten Argumente tatsächlich auf der Seite des Verständnisses für die eigene Sprache, da das Lateinische exakte Übersetzungen benötigt, für die Kultur, da z.B. die meisten unserer Gesetze auf die Römerzeit zurückgehen (jaja, die Römer haben nicht nur zerstört, sondern auch eine pax romana möglich gemacht...), die meisten Übersetzungen nicht den Kern der Aussage treffen, liegen. Hätte ich in der Schule nicht Latein gehabt, dann wäre ich zwar einerseits vielleicht nicht sitzengeblieben, aber ich hätte nun nicht die Muße, mir hin und wieder die alten Klassiker hervorzunehmen und diese mit den Übersetzungen zu vergleichen. Gerade dabei wird mir immer wieder die Beschränktheit der einschlägigen Übersetzung bewußt. Was ich durch den Lateinunterricht gelernt habe sind zwar in erster Linie Vokabeln, die ich nun bei meiner Arbeit anwenden kann (als Naturwissenschaftler), andererseits auch untergeordnet solche Dinge, daß man eine Übersetzung von einer Sprach in die andere wörtlich nie hinbekommt. Man muß Wortfelder lernen. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Wandelung der Sprache und ihrer Begriffe in der Zeit. Nur, eines will ich gleich
    entkräften: Ich glaube, dass das Lernen
    einer weiteren romanischen Sprache von
    einem soliden Französisch aus exakt
    genauso gut (oder schlecht) funktioniert
    wie von Latein aus.
    Dieses Argument kann ich nicht gelten lassen, da sowohl das Französische als auch jede andere romanische Sprache auf Latein zurückgehen, wie auch fast (!) jede europäische Sprache zumindest lateinisch beeinflußt ist (woher kommt wohl unser Fenster?). Jede der heutigen romanischen Sprachen können einerseits verstanden werden, wenn man sie selbst lernt, oder ihre Ursprünge kennt. Schwerer ist es, sich diese Ursprünge zu erschließen, wenn man von fortgeschrittenen, eigenständig sich entwickelten Sprachen ausgeht. In welcher heutigen romanishen Sprache sind alle Kasus ausgebildet?

    Was im Thread ebenfalls anklang, kann auch ich bestätigen. Man muß kein guter Schüler in Latein sein, um davon zu profitieren. Die deutsche Sprache habe ich auch erst richtig gelernt, als ich Latein in der Schule hatte. Das endgültige Aha-Erlebnis kam dann mit dem Lernen des Altgriechischen.

    Grüße,
    Thomas
    • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
      Re^2: Latein oder Französisch?
      Das
      endgültige Aha-Erlebnis kam dann mit dem
      Lernen des Altgriechischen.
      Hatte ich glatt vergessen. Latein ist wirklich nur Krieger-, Bauern- und Ingenieursprache. Aber Griechisch (schwelg)... aber wir wollen nicht abdriften, zumal diese Alternative wohl gar nicht in Frage kommt.

      Chaire, o phile!
      • Antwort von (abgemeldet) nach 6 Tagen hilfreich
        Re^3: Latein oder Französisch?
        Hatte ich glatt vergessen. Latein ist
        wirklich nur Krieger-, Bauern- und
        Ingenieursprache. Aber Griechisch
        (schwelg)... aber wir wollen nicht
        abdriften, zumal diese Alternative wohl
        gar nicht in Frage kommt.

        Chaire, o phile!
        Ahh, das tut gut, ein Gleichgesinnter!!!
        ;-)))

        hyia sou, adelphe!
        • Antwort von (abgemeldet) nach 9 Tagen hilfreich
          gnothi seauton!
          Chaire, o phile!
          Ahh, das tut gut, ein Gleichgesinnter!!!
          ;-)))

          hyia sou, adelphe!
          ... ich weiss auch nicht, was das heisst, das ist Griechisch!
          ...und ein Zitat von Herrn Goscinny!
          • Antwort von nach 10 Tagen hilfreich
            Re: gnothi seauton!
            ... ich weiss auch nicht, was das heisst,
            das ist Griechisch!
            ...und ein Zitat von Herrn Goscinny!
            "Erkenne Dich selbst" - die Inschrift auf dem Apollotempel in Delphi. Und eine der Grundlagen abendländisch-europäischen Denkens.

            Andreas
    • Antwort von (abgemeldet) nach 6 Tagen hilfreich
      Re^2: Latein oder Französisch?
      Hi Thomas,

      wenn ich dich richtig verstehe, bist du einerseits wegen Latein sitzengeblieben (das heisst du hast ein Jahr deines Lebens an Latein geopfert) und hast andererseits
      1. deine eigene Sprache besser verstanden
      2. gelernt, dass wörtliche Übersetzungen von einer Sprache in die andere nie funktionieren,
      3. eine Freude daran, die schlechten Lateinübersetzungen zu verbessern
      4. eine Hochachtung vor der pax romana
      zu 1.: hab ich schon zugegeben
      zu 2.: da brauchts Latein nicht dafür, um das einzusehen
      zu 3.: ok, die Freude lass ich dir gerne
      zu 4.: siehst du, ich hatte 8 Jahre Latein, aber dieser Aspekt wär mir nie freiwillig eingefallen. Mag an meiner selektiven Wahrnehmung liegen oder aber, was ich eher glaube, das habe ich einfach nie gehört!

      Sind diese 4 Punkte ein ganzes Schuljahr wert???? Nur, eines will ich gleich
      entkräften: Ich glaube, dass das Lernen
      einer weiteren romanischen Sprache von
      einem soliden Französisch aus exakt
      genauso gut (oder schlecht) funktioniert
      wie von Latein aus.
      Dieses Argument kann ich nicht gelten
      lassen, da sowohl das Französische als
      auch jede andere romanische Sprache auf
      Latein zurückgehen, wie auch fast (!)
      jede europäische Sprache zumindest
      lateinisch beeinflußt ist (woher kommt
      wohl unser Fenster?).
      Das bestreite ich doch gar nicht, ich sag bloß, dass das Lernen einer weiteren lebenden romanischen Sprache auch von Frz. aus funktioniert. Latein ist dafür weder notwendig noch hinreichend. Auch das Wort Fenster benutzt meine Tochter seit etlichen Jahren im richtigen Zusammenhang, ohne je von fenestra gehört zu haben... In welcher
      heutigen romanishen Sprache sind alle
      Kasus ausgebildet?
      Vermutlich in keiner. Aber die Sprachen haben halt andere Mittel gefunden die Kasus auszudrücken. Na und? Sicher sind nicht viele Feinheiten verlorengegangen. Und selbst wenn, können wir sie in unserer Sprache nicht mehr ausdrücken (das ist logisch!). Was im Thread ebenfalls anklang, kann
      auch ich bestätigen. Man muß kein guter
      Schüler in Latein sein, um davon zu
      profitieren.
      Aber mensch muss einE guteR SchülerIn sein, wenn mensch nicht wegen Latein kleben bleiben will. Und das ist mein Punkt: Ist es das Wert??? Das
      endgültige Aha-Erlebnis kam dann mit dem
      Lernen des Altgriechischen.
      OK, da beissts bei mir aus. Da kann ich nicht mehr mitreden.

      Ich danke dir für den ausführlichen Kommentar!
      S_
      • Antwort von (abgemeldet) nach 6 Tagen hilfreich
        Re^3: Latein oder Französisch?
        Hallo Stefan! wenn ich dich richtig verstehe, bist du
        einerseits wegen Latein sitzengeblieben
        Korrekt! Aber was tut das zur Sache? Einstein ist auch sitzengeblieben - und dann? Ich finde, daß ich mich in guter Gesellschaft befinde.;-) (das heisst du hast ein Jahr deines
        Lebens an Latein geopfert)
        Nicht geopfert, sondern investiert! und hast
        andererseits
        <schnipp> 4. eine Hochachtung vor der pax romana
        <schnipp> zu 4.: siehst du, ich hatte 8 Jahre
        Latein, aber dieser Aspekt wär mir nie
        freiwillig eingefallen. Mag an meiner
        selektiven Wahrnehmung liegen oder aber,
        was ich eher glaube, das habe ich einfach
        nie gehört!
        Nun, dann scheint der Lateinunterricht insgesamt recht unterschiedlich zu sein (wen wundert es, bei unterschiedlichen Schulen?). Auf meiner Schule standen mit dem Lernen der Sprache immer die geschichtlichen Hintergründe im Vordergrund. Die Verfasser meines Lateinlehrbuches hatten in den einzelnen Lektionen historische und philosophische Hintergründe aufgearbeitet und stets deutsch Kommentare zur römischen Geschichte beigesteuert. Und gerade diese Ausbildung hat meine Denkweise stark beeinflußt. Daher verdanke ich dem Lateinunterricht mehr als jedem anderen Fremdsprachenunterricht. Hinzu kommt, daß ich den Englischunterricht in der Schule knicken konnte und für mein Studium praktisch diese Sprache neu lernte. Sind diese 4 Punkte ein ganzes Schuljahr
        wert????
        Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Dem einen Schuljahr kann ich eine nachfolgende schnellere Ausbildung entgegensetzen. Durch mein Wehrdienstjahr habe ich ein weiteres Jahr "verloren" (was ich ebenfalls nicht als solches empfinde-aber das ist eine andere Geschichte). Nun bin ich unter den Doktoranden einer der jüngsten.

        <schnipp> Dieses Argument kann ich nicht gelten
        lassen, da sowohl das Französische als
        auch jede andere romanische Sprache auf
        Latein zurückgehen, wie auch fast (!)
        jede europäische Sprache zumindest
        lateinisch beeinflußt ist (woher kommt
        wohl unser Fenster?).
        Das bestreite ich doch gar nicht, ich sag
        bloß, dass das Lernen einer weiteren
        lebenden romanischen Sprache auch von
        Frz. aus funktioniert.
        Wie gesagt, sehr viel schwerer. Latein ist dafür
        weder notwendig noch hinreichend.
        Das sehe ich aus eigener Erfahrung anders. Nie hatte ich Französischunterricht genossen, und dennoch konnte ich während meines Studiums ein Referat vorbereiten, welches fast ausschließlich auf französischer Literatur beruhte. Eine meiner Kommilitoninen, die in der Schule französisch hatte, gab es auf, mit mir die Texte durchzugehen, da sie selbst meinte, daß ich ihr mehr über die Zusammenhänge des Textes erklären könne als sie mir. Auch
        das Wort Fenster benutzt meine Tochter
        seit etlichen Jahren im richtigen
        Zusammenhang, ohne je von fenestra gehört
        zu haben...
        Weiß daher auch gleich etwas über die Geschichte des Fensters? ;-) Wenn es nur darum geht, das aktuelle Geschehen zu erfassen, dann reicht es, sich nicht mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Um eine Sache zu begreifen, muß man die Herkunft kennen. Erst dadurch werden dann Weiterentwicklungen möglich. Und die europäische Geschichte fängt nicht erst 1933 an!!! In welcher
        heutigen romanishen Sprache sind alle
        Kasus ausgebildet?
        Vermutlich in keiner. Aber die Sprachen
        haben halt andere Mittel gefunden die
        Kasus auszudrücken.
        Folglich wird es in jeder romanischen Sprache Eigenheiten geben, die nicht einfach auf das Französische zurückzuführen sind, jeodch auf jeden Fall auf das Lateinische, oder sehe ich das falsch? Na und? Sicher sind
        nicht viele Feinheiten verlorengegangen.
        Wenn nur ein einziger Kasus verlorengeht, dann ist das bereits eine Menge. Der Unterschied ist dann zwischen zwei abgeleiteten Sprachen noch größer, wenn in jeder Sprache ein anderer Kasus verlorengeht. Und selbst wenn, können wir sie in
        unserer Sprache nicht mehr ausdrücken
        (das ist logisch!).
        Das ist richtig (und auch meine Argumentation). Daher kann man lateinische Klassiker nur verstehen, wenn man sie im Original liest und nicht in einer Reclam (oder sonst einer) Übersetzung, wie Du es ja vorgeschlagen hattest. Obwohl man nicht in der Lage ist, die Sprache direkt wiederzugeben, kann man sie dennoch besser verstehen. Was im Thread ebenfalls anklang, kann
        auch ich bestätigen. Man muß kein guter
        Schüler in Latein sein, um davon zu
        profitieren.
        Aber mensch muss einE guteR SchülerIn
        sein, wenn mensch nicht wegen Latein
        kleben bleiben will. Und das ist mein
        Punkt: Ist es das Wert???
        Wert ist es das auf jeden Fall. Du scheinst ja unheimliche Angst zu haben, daß Deine Tochter ein Mensch zweiter Klasse wird, wenn sie sitzenbleibt. Aber dies sind Erfahrungen, die einen Menschen formen. Wenn man nicht an die Grenzen seiner Leistungen gebracht wird, dann weiß man auch nicht, wozu man fähig ist, und kann sich folglich selbst nicht richtig einschätzen. Durch das Sitzenbleiben wird man auch beileibe kein Mensch zweiter Klasse. Das
        endgültige Aha-Erlebnis kam dann mit dem
        Lernen des Altgriechischen.
        OK, da beissts bei mir aus. Da kann ich
        nicht mehr mitreden.
        In meiner Schule wurde stets auf die anderen Sprachen im Unterricht verwiesen. Daher empfinde ich es so, daß erst durch die Wurzel des Lateinischen, zu der auch das Griechische zählt, die europäische Kultur(en) begriffe habe.
        Aber um dieses Begreifen zu ermöglichen muß man die Wurzeln kennen. Möchtest Du diese Erfahrungen Deiner Tochter vorenthalten?

        Übrigens sind die Nobelpreise für Deutsche Forscher seit der Abschaffung der humanistischen Gymnasien zurückgegangen. Das gibt mir schon Anlaß zum Nachdenken...

        Grüße,
        Thomas
        • Antwort von (abgemeldet) nach 8 Tagen hilfreich
          Re^4: Latein oder Französisch?
          Hi Thomas, Auf meiner Schule standen mit
          dem Lernen der Sprache immer die
          geschichtlichen Hintergründe im
          Vordergrund. ... Daher verdanke ich dem
          Lateinunterricht mehr als jedem anderen
          Fremdsprachenunterricht.
          Hmmm. Ja, so macht mir das Sinn. Aber kann ich davon ausgehen, dass Lateinunterricht so ist? Ich fürchte nein. Nun bin ich unter den
          Doktoranden einer der jüngsten.
          Jungsein ist für mich nicht direkt ein Wert an sich. Aber was bedeutet das für dich, einer der Jüngsten zu sein? Hat das nicht Vorteile (neben dem großen Nachteil eben noch nicht so viel Moos angesetzt zu haben)?

          Thema andere romanische Sprache erlernen: Dein Beispiel mit deiner Kommilitonin kann mich noch nicht davon überzeugen, dass es *leichter* ist von Latein aus. Weiß daher auch gleich etwas über die
          Geschichte des Fensters? ;-)
          Die Geschichte des Fensters ist in Alt-Rom zu suchen??? ;-)) Und die
          europäische Geschichte fängt nicht erst
          1933 an!!!
          Japp, so ist es. Folglich wird es in jeder romanischen
          Sprache Eigenheiten geben, die nicht
          einfach auf das Französische
          zurückzuführen sind, jeodch auf jeden
          Fall auf das Lateinische, oder sehe ich
          das falsch?
          Na ja, zum Teil gebe ich dir Recht: Latein ist nun mal die Grundlage der romanischen Sprachen. Die sich in jeder lebenden Sprache ergebenden Eigenheiten sind aber dann sicher nicht mehr auf das Lateinische, sondern nur noch auf die jeweilige Entwicklung zurückzuführen. Aber mensch muss einE guteR SchülerIn
          sein, wenn mensch nicht wegen Latein
          kleben bleiben will. Und das ist mein
          Punkt: Ist es das Wert???
          Wert ist es das auf jeden Fall. Du
          scheinst ja unheimliche Angst zu haben,
          daß Deine Tochter ein Mensch zweiter
          Klasse wird, wenn sie sitzenbleibt.
          Ich sehe das mit dem Durchfallen so: Es gehört ebenso wie ein Beinbruch nicht zu den Sachen die mensch unbedingt haben sollte. Mensch kann auch an anderer Stelle lernen, was Schmerzen sind. Sicher, es bringt einen nicht um, aber es gleich zu etwas Tollem hochzustilisieren, geht mir zu weit. Aber
          dies sind Erfahrungen, die einen Menschen
          formen. Wenn man nicht an die Grenzen
          seiner Leistungen gebracht wird, dann
          weiß man auch nicht, wozu man fähig ist,
          und kann sich folglich selbst nicht
          richtig einschätzen.
          Du meinst, wer nicht Latein lernt, lernt nicht wie hart das Leben wirklich ist? Vielleicht etwas überspitzt gezeichnet, aber das lese ich aus deinen Worten. Und dem stimme ich ganz und gar üüüüüberhaupt nicht den Deut einer Andeutung zu! Ich glaube es gibt deutlich weisere Menschen als Lateinlehrende (Moment: erst den Satz fertig lesen!), die dazu befähigt sind, einen an die eigenen Grenzen zu führen (der alte Karate-Meister z. B.). Durch das
          Sitzenbleiben wird man auch beileibe kein
          Mensch zweiter Klasse.
          Mönsch, nö. Das ist ja bei einem gebrochenen Bein auch nicht so. Ausserdem würd ich mich ja selber niedermachen... Daher empfinde ich es so, daß erst durch
          die Wurzel des Lateinischen, zu der auch
          das Griechische zählt, die europäische
          Kultur(en) begriffe habe.
          Aber um dieses Begreifen zu ermöglichen
          muß man die Wurzeln kennen. Möchtest Du
          diese Erfahrungen Deiner Tochter
          vorenthalten?
          Sicher nicht, ich will Sie nur nicht dazu vergewaltigen.
          Übrigens sind die Nobelpreise für
          Deutsche Forscher seit der Abschaffung
          der humanistischen Gymnasien
          zurückgegangen. Das gibt mir schon Anlaß
          zum Nachdenken...
          Na ja, das sind halt Zusammenhänge aber keine Kausalitäten. Die Geburtenrate in Deutschland ist auch mit dem Rückgang der Störche kleiner geworden...

          Nochmal:
          Wenn ich die Chance als hoch einschätzen könnte, dass meiner Tochter Latein in einer Art vermittelt wird, wie du das erlebt hast, würde ich das eine ganze Ecke anders sehen als so. Mittlerweile habe ich schon mit einer ganzen Reihe von Menschen zu dem Thema gesprochen (ca. 30), unter anderem ja auch hier im Brett.
          Was sich in meinen Augen wie ein roter Faden durch alle pro-Latein Stimmen zu ziehen scheint, ist: "Ich bin dankbar, die harte Schule Latein durchlitten haben zu dürfen. Deshalb liebe ich heute Latein."
          Ich stelle mal eine gewagte These auf:
          Es gibt doch bei Entführungsopfern einen beschriebenen Effekt, dass sie unter gewissen Bedingungen eine hohe Wahrscheinlichkeit zeigen, sich mit den Entführern zu solidarisieren. Wenn es da tatsächlich was dazu gibt (werd ich gleich mal danach forschen!). Ich hab das aus zwei Actionfilmen: In die hard I, wird der Effekt Helsinki-Syndrom genannt, im neuen Bond Stockholm-Syndrom.
          Sollte es diesen Effekt geben und die emotionale Belastung im Lateinunterricht an die Grenze gehen, die du beschreibst, dann sollte die Vorhersage sein: Je mehr die Menschen unter Latein leiden, desto toller finden sie es. Da bleib ich dran, das prüf ich nach!

          Also der gegenwärtige Stand ist 70:30 gegen Latein. Und zwar wirklich so. Nicht für Französisch, sondern gegen Latein.

          Grüße
          S_
          • Antwort von (abgemeldet) nach 8 Tagen hilfreich
            Re^5: Latein oder Französisch?
            Hallo Stefan! Auf meiner Schule standen mit
            dem Lernen der Sprache immer die
            geschichtlichen Hintergründe im
            Vordergrund. ... Daher verdanke ich dem
            Lateinunterricht mehr als jedem anderen
            Fremdsprachenunterricht.
            Hmmm. Ja, so macht mir das Sinn. Aber
            kann ich davon ausgehen, dass
            Lateinunterricht so ist? Ich fürchte
            nein.
            In dieser Hinsicht können sich Eltern ja erkundigen. ;-)
            Da würde ich jedoch auch sagen, lieber einen guten neusprachlichen Unterricht als einen schlechten Lateinunterricht, der einem jede Freude am Lernen nimmt. Nun bin ich unter den
            Doktoranden einer der jüngsten.
            Jungsein ist für mich nicht direkt ein
            Wert an sich. Aber was bedeutet das für
            dich, einer der Jüngsten zu sein? Hat das
            nicht Vorteile (neben dem großen Nachteil
            eben noch nicht so viel Moos angesetzt zu
            haben)?
            Ich wollte damit nur ausdrücken, daß ich beileibe zeitlich in der Ausbildung nicht allzu sehr aufgehalten wurde... ;-) Thema andere romanische Sprache erlernen:
            Dein Beispiel mit deiner Kommilitonin
            kann mich noch nicht davon überzeugen,
            dass es *leichter* ist von Latein aus.
            Ich fand es damals (als ich es erlebte) sehr erstaunlich. Aber das hat nichts zu bedeuten. Weiß daher auch gleich etwas über die
            Geschichte des Fensters? ;-)
            Die Geschichte des Fensters ist in
            Alt-Rom zu suchen??? ;-))
            Sicher geht das Fenster noch weiter zurück, die Römer haben es nur in ihrem Reich Publik gemacht. Neben der Pax romana eine weitere positive Errungenschaft im Gegensatz zu den ständigen Kriegen... ;-)

            <schnipp> Aber mensch muss einE guteR SchülerIn
            sein, wenn mensch nicht wegen Latein
            kleben bleiben will. Und das ist mein
            Punkt: Ist es das Wert???
            Wert ist es das auf jeden Fall. Du
            scheinst ja unheimliche Angst zu haben,
            daß Deine Tochter ein Mensch zweiter
            Klasse wird, wenn sie sitzenbleibt.
            Ich sehe das mit dem Durchfallen so: Es
            gehört ebenso wie ein Beinbruch nicht zu
            den Sachen die mensch unbedingt haben
            sollte. Mensch kann auch an anderer
            Stelle lernen, was Schmerzen sind.
            Sicher, es bringt einen nicht um, aber es
            gleich zu etwas Tollem hochzustilisieren,
            geht mir zu weit.
            Toll nicht, aber manchmal unausweichlich. Soweit ich weiß, bleiben einige andere Schüler anderer Fächer wegen sitzen. ;-) Aber
            dies sind Erfahrungen, die einen Menschen
            formen. Wenn man nicht an die Grenzen
            seiner Leistungen gebracht wird, dann
            weiß man auch nicht, wozu man fähig ist,
            und kann sich folglich selbst nicht
            richtig einschätzen.
            Du meinst, wer nicht Latein lernt, lernt
            nicht wie hart das Leben wirklich ist?
            Nicht nicht, aber es ist eine von vielen Möglichkeiten. Vielleicht etwas überspitzt gezeichnet,
            aber das lese ich aus deinen Worten. Und
            dem stimme ich ganz und gar üüüüüberhaupt
            nicht den Deut einer Andeutung zu!
            So überspitzt meinte ich das auch nicht. Ich
            glaube es gibt deutlich weisere Menschen
            als Lateinlehrende (Moment: erst den Satz
            fertig lesen!), die dazu befähigt sind,
            einen an die eigenen Grenzen zu führen
            (der alte Karate-Meister z. B.).
            Stimmt. Auch meine Judo-Lehrer hatten ihren Anteil dabei. Allerdings auf anderer Ebene.

            <schnipp> Daher empfinde ich es so, daß erst durch
            die Wurzel des Lateinischen, zu der auch
            das Griechische zählt, die europäische
            Kultur(en) begriffe habe.
            Aber um dieses Begreifen zu ermöglichen
            muß man die Wurzeln kennen. Möchtest Du
            diese Erfahrungen Deiner Tochter
            vorenthalten?
            Sicher nicht, ich will Sie nur nicht dazu
            vergewaltigen.
            Nicht,daß Du mich falsch verstehst, ich meine nicht, daß jeder Mensch um jeden Preis Latein lernen sollte. Das wichtigste ist, daß man das Kind nicht quält (gilt auch für jedes andere Fach in gewissem Maße - Musikinstrumente z.B.). Nur wenn Lateinunterricht in Erwägung gezogen wird, tendiere ich dazu, diesem den Vorzug zu geben. Übrigens sind die Nobelpreise für
            Deutsche Forscher seit der Abschaffung
            der humanistischen Gymnasien
            zurückgegangen. Das gibt mir schon Anlaß
            zum Nachdenken...
            Na ja, das sind halt Zusammenhänge aber
            keine Kausalitäten. Die Geburtenrate in
            Deutschland ist auch mit dem Rückgang der
            Störche kleiner geworden...
            Vielleicht hat diese Korrelation nichts zu bedeuten. Ich zähle jedoch Latein zur Grundlagenforschung. Aber in der Hinsicht bin ich als Naturwissenschaftler eher im angewandten Bereich des Lateinischen. ;-) Nochmal:
            Wenn ich die Chance als hoch einschätzen
            könnte, dass meiner Tochter Latein in
            einer Art vermittelt wird, wie du das
            erlebt hast, würde ich das eine ganze
            Ecke anders sehen als so.
            Ich wünsche auf jeden Fall Deiner Tochter viel Erfolg in ihrer weiteren Schullaufbahn (mit oder ohne Latein) und Dir und Deiner Frau ein glückliches Händchen bei der Entscheidung. Es handelt sich ja bereits um eine Laufbahnlenkung. Mittlerweile
            habe ich schon mit einer ganzen Reihe von
            Menschen zu dem Thema gesprochen (ca.
            30), unter anderem ja auch hier im Brett.
            Was sich in meinen Augen wie ein roter
            Faden durch alle pro-Latein Stimmen zu
            ziehen scheint, ist: "Ich bin dankbar,
            die harte Schule Latein durchlitten haben
            zu dürfen. Deshalb liebe ich heute
            Latein."
            Nein, das ist bei mir nicht so. Zwar es für mich nicht leicht, aber ich wollte von Anfang an Latein lernen. Ich stelle mal eine gewagte These auf:
            Es gibt doch bei Entführungsopfern einen
            beschriebenen Effekt, dass sie unter
            gewissen Bedingungen eine hohe
            Wahrscheinlichkeit zeigen, sich mit den
            Entführern zu solidarisieren. Wenn es da
            tatsächlich was dazu gibt (werd ich
            gleich mal danach forschen!).
            So etwas gibt es. Allerdings war (zumindest bei mir) die Entscheidung, Latein zu lernen, vollkommen freiwillig. Das Helsinki Syndrom tritt ja aus einer ungewollten Beziehung heraus auf. Ich hab das
            aus zwei Actionfilmen: In die hard I,
            wird der Effekt Helsinki-Syndrom genannt,
            im neuen Bond Stockholm-Syndrom.
            Sollte es diesen Effekt geben und die
            emotionale Belastung im Lateinunterricht
            an die Grenze gehen, die du beschreibst,
            dann sollte die Vorhersage sein: Je mehr
            die Menschen unter Latein leiden, desto
            toller finden sie es. Da bleib ich dran,
            das prüf ich nach!
            Ich kenne auch einige ehemalige Mitschüler, die absolut keinen Spaß am Lateinunterricht hatten und vorzeitig die Schule verließen (nicht auf Grund der schlechten Noten!). Sie lieben Latein auch heute nicht. Also halte ich eine solche Korrelation auch für sehr gewagt. Also der gegenwärtige Stand ist 70:30
            gegen Latein. Und zwar wirklich so. Nicht
            für Französisch, sondern gegen Latein.
            Aus reinem Interesse der Statistik usw.: Wieviele ehemalige Lateinschüler sind unter den Gegnern und unter den Befürwortern?

            Grüße,
            Thomas
            • Antwort von (abgemeldet) nach 9 Tagen hilfreich
              Re^6: Latein oder Französisch?
              Hi Thomas, Da würde ich jedoch auch sagen, lieber
              einen guten neusprachlichen Unterricht
              als einen schlechten Lateinunterricht,
              der einem jede Freude am Lernen nimmt.
              Oh ja! Dazu kommt aber meiner Ansicht, dass die "Rettungsanker", sollte es schwierig werden, bei einer lebenden Sprache zahlreicher sind als bei Latein.

              Durchfallen: Toll nicht, aber manchmal unausweichlich.
              Soweit ich weiß, bleiben einige andere
              Schüler anderer Fächer wegen sitzen. ;-)
              Hab ich schon davon gehört, ja. Nur der Dorn im Fleisch scheint bei Latein in schmerzhafterer Erinnerung zu bleiben... Nicht,daß Du mich falsch verstehst, ich
              meine nicht, daß jeder Mensch um jeden
              Preis Latein lernen sollte. Das
              wichtigste ist, daß man das Kind nicht
              quält (gilt auch für jedes andere Fach in
              gewissem Maße - Musikinstrumente z.B.).
              Danke! Nur wenn Lateinunterricht in Erwägung
              gezogen wird, tendiere ich dazu, diesem
              den Vorzug zu geben.
              Ja, hast du aufs schönste begründet. Ich zähle jedoch Latein zur
              Grundlagenforschung. Aber in der Hinsicht
              bin ich als Naturwissenschaftler eher im
              angewandten Bereich des Lateinischen. ;-)
              Aha, jetzt rückst du das raus. So meine ich ja ist Latein voll angebracht: wenn ich alte lateinische Quellen verstehen will/muss. Aber das scheint mir doch nur ein relativ kleiner Ausschnitt aller beruflicher Möglichkeiten zu sein... Ich wünsche auf jeden Fall Deiner Tochter
              viel Erfolg in ihrer weiteren
              Schullaufbahn (mit oder ohne Latein) und
              Dir und Deiner Frau ein glückliches
              Händchen bei der Entscheidung. Es handelt
              sich ja bereits um eine Laufbahnlenkung.
              Vielen Dank! Zwar es
              für mich nicht leicht, aber ich wollte
              von Anfang an Latein lernen.
              OK, würde meine Tochter so was sagen, wär das auch ein Argument, wahrscheinlich das ausschlaggebende, allein, sie weiss es halt nicht, wie auch. Sie hört wie ihre Eltern über ihre Lateinerfahrungen reden...
              ...und deshalb bin ich ja so hinter Argumenten für Latein her. Neutralität gibts nun mal nicht. Ich kann nur alles auf den Tisch legen, was ich finde. Ich kenne auch einige ehemalige
              Mitschüler, die absolut keinen Spaß am
              Lateinunterricht hatten und vorzeitig die
              Schule verließen (nicht auf Grund der
              schlechten Noten!). Sie lieben Latein
              auch heute nicht. Also halte ich eine
              solche Korrelation auch für sehr gewagt.
              Schön, dann gibts ja doch Menschen, die es nicht vergessen haben. Ich hab im Psycho-Brett nach dem Effekt gefragt, da scheint meine Hypothese doch zu weit aus dem Fenster gehängt...
              Ich nehm das hier jetzt einfach zurück! Aus reinem Interesse der Statistik usw.:
              Wieviele ehemalige Lateinschüler sind
              unter den Gegnern und unter den
              Befürwortern?
              Unter den paar Befürwortenden sind alle ehemalige LateinschülerInnen, unter der erdrückenden Masse an GegnerInnen nur 3, die gar kein Latein hatten. (Ich weiss, die Statistik kann mit meinen Mengenangaben "paar" und "erdrückende Menge" nicht so gut rechnen, aber ein chi-square könnte schon trotzdem rausschauen... ;-) )

              Ich dank dir nochmal für deine Statements und wünsch dir eine frohe Weihnacht, guten Rutsch und eine spannende Diss!
              Stefan_


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