Deutsche Ausländer dumm gehalten?

Von: , Frage gestellt am So, 12. Feb 2006
http://onnachrichten.t-online.de/c/69/68/83/6968838....

Hier wird dargestellt, wie sehr die Ausländerkinder in Deutschland bildungstechnisch benachteiligt werden.

Ich behaupte mal, dass nicht Ausländer schlechte Schulabschnitte haben, sondern dass alle Sozial niedereren Schichten schlechtere Ziele in der Schule erreichen. Das haben schon viele Studien der KMK gezeigt.

Das Bildungssystem in D ist nun mal nicht wie in anderen Ländern als Erziehungsanstalt gedacht, sondern die Eltern *sollen* ja möglichst viel Freiheit in ihrer Erziehung haben. Wenn sie die Erziehung verkorksen, dann wäre es zwar schön, wenn ein Lehrer oder ein "Erzieher" im weitesten Sinne das wieder geradebiegt.

Das in der Schule zu erledigen hätte aber den Effekt, dass *alle* Kinder erzogen werden, auch die, die aus "gutem Elternhaus", und damit den Nachteil, dass auch diese Erziehung in der Schule wieder relativiert würde.

Ich meine, dass eine Erziehungsanstalt für schlechte oder gar nicht erzogene Kinder besser ist, als eine verkorkste Familie, dass eine Anstalt aber tausendmal schlechter ist als eine "gute" Familie.

Was meint Ihr als Schulexperten dazu?


Nick

49 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
    Hallo Nick, Ich behaupte mal, dass nicht Ausländer schlechte
    Schulabschnitte haben, sondern dass alle Sozial niedereren
    Schichten schlechtere Ziele in der Schule erreichen. Das haben
    schon viele Studien der KMK gezeigt.
    Du sprichst ein Lieblingsaufreg-Thema von mir an.
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Dass Kinder mit Immigrationshintergrund schlechtere Schulabschlüsse machen, ist unter anderem die Folge von bildungsfernen Elternhäusern und mangelnden Sprachkenntnissen. Das haben wir in anderen europäischen Ländern auch.
    Es ist aber dem Verdienst deutscher Grundschullehrer und Grundschuldirektoren zuzuweisen, dass Deutschland hier ein "Spitzenreiter" ist, Kindern mit Immigrationshintergrund unabhängig von ihrem geistigen Potential möglichst auf die Hauptschule oder
    allenfalls auf die Realschule weiterzuleiten, und somit von höheren Bildungsformen abzuhalten.
    Eine Selektion, die man in anderen Ländern als rassistisch und ungerecht betrachten würde, hilft uns in Deutschland den Anteil von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern in Gymnasien möglichst niedrig zu halten.

    Gruß
    Carlos

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    • Antwort von (abgemeldet) nach einem Tag 1 hilfreich
      Re^2: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
      Eine Selektion, die man in anderen Ländern als rassistisch und
      ungerecht betrachten würde, hilft uns in Deutschland den
      Anteil von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern in
      Gymnasien möglichst niedrig zu halten.

      Gruß
      Carlos

      Dieser Beitrag kann Spuren von Zynismus enthalten.
      Liberalala-Blödsinn!
      Ein intelligenter, leistungswilliger Schüler kommt aufs Gymnasium und macht seinen Weg anschließend auch im Studium und Beruf gut. Egal, ob deutsch- oder ausländischstämmig.

      Die ganzen Hauptschul-Murats sind doch nur deshalb dort, weil sie faul sind und aus ungebildeten, nicht integrierbaren Elternhäusern stammen. Hier ist die Politik gefragt, dringend für die ersehnte Minus-Zuwanderung zu sorgen, um die Sozial- und Schulsysteme zu entlasten.

      In meinem Abi-Jahrgang waren genug Einwandererkinder, die sich von der Hauptschule (wohin wohl alle Ausländerkinder ab einem gewissen Alter zuerst geschickt werden, wenn sie gar kein Deutsch können) bis zum Abi durchgearbeitet haben. Gleichzeitig sind etliche faule deutschstämmige Mitschüler, die nicht leistungfsfähig waren,
      im Laufe der Schulzeit abgegangen auf niedrigere Schulformen.

      Also: Wer Leistung bringt, kann alles erreichen. Das Schulsystem ist gut. Alles andere ist Gutmenschen-PC-Gejammere. Die 68er sind vorbei! "Alles für alle" könnt Ihr Euch abschminken.
      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re^3: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
        Hallo Seb,

        als Student glaubt man begriffen zu haben wie die Welt funktioniert.
        Wenn du erst mal im Leben stehst wirst du dir die eine oder andere Vorstellung langsam abschminken. Also: Wer Leistung bringt, kann alles erreichen.
        Das glaubte ich auch mal. Pustekuchen. Leistung ist ganz nett, aber dreifach so wichtig ist soziale Intelligenz, fünf mal so wichtig ist Selbstmarketing und zehn mal so wichtig sind Beziehungen. Ein intelligenter, leistungswilliger Schüler kommt aufs
        Gymnasium und macht seinen Weg anschließend auch im Studium
        und Beruf gut. Egal, ob deutsch- oder ausländischstämmig.
        Wenn du meinen Beitrag nicht nur gelesen sondern auch verstanden hättest, wüsstest du, dass ich genau diesen Punkt kritisiere. Nicht Leistung zählt bei der Empfehlung für die weiterführende Schule, sondern Herkunft. In meinem Abi-Jahrgang waren genug Einwandererkinder, die sich
        von der Hauptschule (wohin wohl alle Ausländerkinder ab einem
        gewissen Alter zuerst geschickt werden, wenn sie gar kein
        Deutsch können) bis zum Abi durchgearbeitet haben.
        Ähh,... wieviele waren es? Zwei? Fünf? Siebzehn? Also: Wer Leistung bringt, kann alles erreichen. Das
        Schulsystem ist gut. Alles andere ist
        Gutmenschen-PC-Gejammere.
        Ein wirklicher Leistungsträger würde so etwas nicht schreiben.
        Das deutsche Schulsystem ist unzureichend. Es gibt viele Länder, die deutlich leistungsfähigere Schulsysteme habe. Der Anteil von Schülern mit Hochschulreife oder Studenten ist gemessen an den Anforderungen zu niedrig.
        Ein wirklicher Leistungsträger würde die Frage stellen, wie man das Potential, welches die hiesige Jugend bietet, besser ausschöpfen kann.

        Gruß
        Carlos
        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
          Hallo Carlos, Also: Wer Leistung bringt, kann alles erreichen.
          Das glaubte ich auch mal. Pustekuchen. Leistung ist ganz nett,
          aber dreifach so wichtig ist soziale Intelligenz, fünf mal so
          wichtig ist Selbstmarketing und zehn mal so wichtig sind
          Beziehungen.
          hat ein Migrantenkind per se keine soziale Intelligenz und keine Fähigkeit zum Selbstmarketing? Ein intelligenter, leistungswilliger Schüler kommt aufs
          Gymnasium und macht seinen Weg anschließend auch im Studium
          und Beruf gut. Egal, ob deutsch- oder ausländischstämmig.
          Wenn du meinen Beitrag nicht nur gelesen sondern auch
          verstanden hättest, wüsstest du, dass ich genau diesen Punkt
          kritisiere. Nicht Leistung zählt bei der Empfehlung für die
          weiterführende Schule, sondern Herkunft.
          In meinem Bekanntenkreis sind mehrere Studenten, die mit ihren Familien hergekommen und erst einmal in die Haupt- oder Realschule gesteckt wurden. Das sind halt Leute, bei denen schon in ihrem Heimatland klar war, dass sie mal studieren werden, weil die Eltern auch Akademiker sind. Als sie hergekommen sind, stand die Frage, ob Abitur oder nicht, gar nicht im Raum. Die Frage war nur: Wie komme ich auf allerkürztestem Wege zu einem möglichst guten Abitur? Insofern sehe ich das eigentliche Problem in den bildungsfernen Elternhäusern vieler Migranten. Eine Empfehlung kann man ohne größere Probleme ausgleichen, wie meine Beispiele zeigen. Man muss es aber wollen. Es gibt viele
          Länder, die deutlich leistungsfähigere Schulsysteme habe. Der
          Anteil von Schülern mit Hochschulreife oder Studenten ist
          gemessen an den Anforderungen zu niedrig.
          Ein wirklicher Leistungsträger würde die Frage stellen, wie
          man das Potential, welches die hiesige Jugend bietet, besser
          ausschöpfen kann.
          Hier stimme ich dir zu.

          Gruß,
          Anja
          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
            Hallo Anja, hat ein Migrantenkind per se keine soziale Intelligenz und
            keine Fähigkeit zum Selbstmarketing?
            Sorry, dass habe ich nicht gekennzeichnet. Damit beziehe ich vor allem auf die spätere Karriere und die Stellung in der Gesellschaft. Insofern
            sehe ich das eigentliche Problem in den bildungsfernen
            Elternhäusern vieler Migranten. Eine Empfehlung kann man ohne
            größere Probleme ausgleichen, wie meine Beispiele zeigen. Man
            muss es aber wollen.
            Hier kommt der Punkt, wo Leistung eben nicht mehr zählt. Da ist ein hochintelligentes Kind, welches auch Leistung bringt. Aber weil es aus einem bildungsfernen Elternhaus kommt, seien es deutsche oder ausländische Eltern, steckt man es in die Hauptschule.
            http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
            Die Leistungsselektion unseres Schulsystems ist eine Farce, wenn nicht die Leistung der Kinder den Ausschlag gibt, sondern die der Eltern.

            Gruß
            Carlos
            • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
              Re^6: Deutsche Ausländer dumm gehalten?
              Hallo Carlos!
              Hier kommt der Punkt, wo Leistung eben nicht mehr zählt. Da
              ist ein hochintelligentes Kind, welches auch Leistung bringt.
              Aber weil es aus einem bildungsfernen Elternhaus kommt, seien
              es deutsche oder ausländische Eltern, steckt man es in die
              Hauptschule.
              Das denke ich nicht. Und zwar nicht zum Selbstzweck denke ich das nicht.

              Ich glaube hier kommen mehrere Faktoren zusammen, die zur Misere beitragen. Solche, die mir spontan einfallen:

              1. Herkunftsselektion durch die Lehrer (der von dir betonte Faktor)
              2. Tatsächliche Leistungsmängel von Zöglingen bildungsferner Elternhäuser bedingt durch unzureichende Förderung. Hierbei ist zu beachten, dass Maß für Förderung nicht immer von Finanzen abhängt. Es ist öfter mehr ein unzureichendes Stellemaß, das Bildung zugerechnet wird.
              3. Mangelhafte Eigeninitiative: Meiner Meinung nach wird in Deutschland zu oft betont, welchen Einfluss Schule in Bildung und Erziehung haben sollte und suboptimale Entwicklung der Kinder wird fast immer der Lehranstalt zugeschrieben. Hingegen ist der elterliche Einfluss auf die Kinder enorm und kann kaum überschätzt werden. Ich denke Psychologen würden mir da zustimmen. Vor allem auch, weil Kinder schon vor der Einschulung eine Persönlichkeit entwickeln (Wir könnten ja mal Oliver vom Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften um seine Einschätzung fragen)

              Insgesamt zeichnet sich für mich ein Bild ab, in dem es Migranten oft doppelt schwer haben:
              Sie starten mit weniger Deutschkenntnissen auf. Bildungsferne ist ach oft im Spiel. Durch die Gesellschaft werden die Eltern darin bestärkt, das das Bildungssystem allein dafür verantwortlich ist, dass die eigenen Kinder eine ordentliche Ausbildung und Erziehung erhalten.

              Zusätlich wachsen die Kinder abhängig von den örtlichen Gegebenheiten teilweise in mehr oder weniger ausgeprägten "Parallelgesellschaften" auf.

              Das Ende der Fahnenstange ist dann, dass die Kinder ihr Potential nicht ausleben und weiterentwickeln. In Verbindung mit dem ungerechten Selektieren haben Kinder mit Immigrationshintergrund besonders schlechte Chancen.
              Meine Beispiele lassen sich gut auch auf andere bildungsferne deutsche Gruppen beziehen, denke ich.

              VG, Stefan

              1. Anmerkung:
              In der Gesellschaft wird nicht verdeutlicht, dass Korelation noch kein Kausalitätsbeweis und erst recht kein Maß für Stärke des Kausalität ist. Die Folge ist, dass viele denken, weil Kinder aus akad. Familien öfter die Gymnasialempfehlung erhalten hat die Schule a priori Fehler bei der Empfehlung durch ungerechtfertigte "Standesselektion" begangen. Nichtsdestotz halte ich diese Selktion für existent und für ein Unding.

              2. Anmerkung:
              In Deutschland waren die Zustände einst etwas anders. Meine Mutter z.B. wuchs mit zwei Geschwistern in einer Arbeiterfamilie (Meine Großmutter war Hausfrau, mein Großvater Lokomotivführer, der sich von unten bis an die Spitze der nicht studierten Beamten raufgearbeitet hat.) Alle drei Kinder haben Abi gemacht und studiert.
              Meine Großelten hatten immer die Bedeutung von Bildung im Kopf, wobei es keine autoritäre Familie, sondern eine christliche, sonst sehr liberale war. (Das ganze hat ja mit der Öffnung der Gymnasien für die Arbeiterkinder in den 70ern zu tun)
              Heute gilt oft, dass Kinder von Eltern relativ armen Akademikern selbst eine gute Schulbildung erlangen. (So war es z.B. bei meiner Schwester der Fall. Zu "ihrer Zeit" hatten meine Eltern aus bestimmten Konstellationen heraus weniger Geld als den Sozialhilfesatz. Dennoch hat sie es immerhin zur Pastorin (das schwarze Schaaf ;-) ) geschafft)

              Außerdem sind es auch teilweise gesellschaftliche Aspekte, die eine Rolle bei Immigranten zu spielen scheinen. So ist der Anteil von Asiaten unter Gymnasiasten und Studenten signifikant hoch.

              Ich selbst denke sogar, dass ich wohl objektiv fälschlicherweise (von den Pädagogen und Eltern zusammen) nicht aufs Gymnasium geschickt worden wäre, wäre ich in einem ganz anderen Umfeld aufgewachsen, da ich wohl ein recht schwieriger, wenn auch keinesfalls dummer Schüler war.
            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Warum gerade Deutschland?
              Hallo Stefan,

              du hast ziemlich gut verstanden worum es mir ging.
              Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle warum Migrantenkindern deutlich schlechtere Ausbildungen erhalten.

              Bei dem Ursprungsposting ging es darum, dass die UN Deutschland unter die Lupe nimmt, weil hier ein besonderes Mißverhältnis besteht.
              Jetzt stellt sich die Frage warum das so ist.
              Hat Deutschland eine andere Struktur an Migranten?
              Sind die Migranten in Deutschland besonders schlecht integriert?
              Mag sein, ich kann es nicht beurteilen.

              Aber folgende Punkte unterscheidet Deutschland von viele anderen Ländern.
              1.) Eine recht frühe Einteilung der Schüler in Kategorien
              2.) Der Anteil der Kinder, die schon im Kindergarten oder Vorschule mit der Bildung beginnen, ist relativ gering.

              Punkt 1.) ermöglicht die herkunftsbedingte Selektion zu seinem frühen Zeitpunkt. Dieser Punkt wird sicherlich nicht entscheidend sein.
              Aber er regt mich deshalb so sehr auf, weil er so überflüssig und vor allem so ungerecht ist. Glaubst du, dass sich Grundschulrektoren vor die UN-Inspektoren stellen werden und sagen; "Natürlich haben Migrantenkinder schlechtere Ausbildungen, weil sie mehrheitlich aus bildungsfernen Familien kommen. Da können wir sie nicht mit zu hohen Anforderungen überfordern."
              Es ist pure Heuchelei. Da wird eine Leistungsgesellschaft gepredigt und eine Ständegesellschaft wird gelebt.

              Abgesehen davon.
              Vor einiger Zeit war von eine Studie in den Medien zu lesen, bei der die Empfehlungen von Grundschullehrern anhand der späteren Schulentwicklung beurteilt wurden. Das Ergebnis war, das die Empfehlungen häufig falsch lagen. Eigentlich nicht überraschend.
              Die Lebenserfahrung und die Vernunft zeigen einem, dass man kaum vorhersagen kann, wie sich ein 9/10jähriger sich mit 16, 26 oder 46 entwickeln wird.

              Gruß
              Carlos
            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re: Warum gerade Deutschland?
              Hallo Carlos, Aber folgende Punkte unterscheidet Deutschland von viele
              anderen Ländern.
              1.) Eine recht frühe Einteilung der Schüler in Kategorien
              2.) Der Anteil der Kinder, die schon im Kindergarten oder
              Vorschule mit der Bildung beginnen, ist relativ gering.
              Ich würde noch einen dritten, imho den wichtigsten Grund mit anführen: Die fehlende individuelle Betreuung der Schüler. Imho wäre das der einzige Weg aus der Misere. Nachdem ich gelesen hatte, dass in Schweden Schüler, die Schulprobleme haben, individuell unterrichtet, für sie individuelle Lehrpläne erstellt werden, wurde mir klar, woran es Deutschland mangelt. Punkt 1.) ermöglicht die herkunftsbedingte Selektion zu seinem
              frühen Zeitpunkt. Dieser Punkt wird sicherlich nicht
              entscheidend sein.
              Aber er regt mich deshalb so sehr auf, weil er so überflüssig
              und vor allem so ungerecht ist.
              Das finde ich nicht. Ich finde sogar, dass die Kinder gerade eben Nutznießer einer solchen Einteilung sind, weil der Unterricht dadurch ihrem Lernniveau angepasst erfolgt. Das Problem ist eher, dass dieses System mittlerweile ins Lächerliche gezogen wurde. Alle Eltern, die "etwas von sich halten", wollen ihr Kind aufs Gymnasium durchboxen, selbst wenn es vom Lernstand her gar nicht dort hingehört. Und die Hauptschulen verkommen zu einem Sammelsurium gescheiterter Existenzen. So war dieses System aber nicht konzipiert. Es ist pure Heuchelei. Da wird eine Leistungsgesellschaft
              gepredigt und eine Ständegesellschaft wird gelebt.
              Sehe ich nicht so. Abgesehen davon.
              Vor einiger Zeit war von eine Studie in den Medien zu lesen,
              bei der die Empfehlungen von Grundschullehrern anhand der
              späteren Schulentwicklung beurteilt wurden. Das Ergebnis war,
              das die Empfehlungen häufig falsch lagen. Eigentlich nicht
              überraschend.
              Die Lebenserfahrung und die Vernunft zeigen einem, dass man
              kaum vorhersagen kann, wie sich ein 9/10jähriger sich mit 16,
              26 oder 46 entwickeln wird.
              Deswegen finde ich, dass die Durchlässigkeit (in beide Richtungen) stark erhöht werden sollte.

              Grüße,
              Anja
            • Antwort von (abgemeldet) nach 2 Tagen 1 hilfreich
              Re^2: Warum gerade Deutschland?
              Hallo Carlos, Aber folgende Punkte unterscheidet Deutschland von viele
              anderen Ländern.
              1.) Eine recht frühe Einteilung der Schüler in Kategorien
              2.) Der Anteil der Kinder, die schon im Kindergarten oder
              Vorschule mit der Bildung beginnen, ist relativ gering.
              Ich würde noch einen dritten, imho den wichtigsten Grund mit
              anführen: Die fehlende individuelle Betreuung der Schüler.
              Imho wäre das der einzige Weg aus der Misere. Nachdem ich
              gelesen hatte, dass in Schweden Schüler, die Schulprobleme
              haben, individuell unterrichtet, für sie individuelle
              Lehrpläne erstellt werden, wurde mir klar, woran es
              Deutschland mangelt.

              Das ist doch doch nur eins: übertriebener Unfug.

              Individuelle Betreuung ist nicht der heilige Gral und dient meistens nur dazu, zu versuchen, den Frontalunterricht anzugreifen.

              Ich weiß nicht, woher diese Illusion kommt, daß eine engagierte Lehrerin eine 20 oder 25 (oder auch 30) Schüler starke Klasse nicht so unterrichten kann, daß keiner unter die Räder kommt.

              Es ist eher das Problem, daß die Lehrer in ihre Methodik regelrecht reingezwängt werden. Wenn man so manche Referendare über ihre Referendariate hört, kann einem übel werden.

              Man muß dem Lehrer wieder Möglichkeiten einräumen, die schlaueren Schüler in einer Klasse konstruktiv zu beschäftigen, damit er sich den schwächeren widmen kann.

              Das geht auch im Frontalunterricht - erfordert aber vielmehr
              eine Einstellung zu Schule, in der Bildung etwas zählt und Leistung nicht per Dekret verpöhnt oder mit Anwiderung ertragne wird.
              Hier sind die Eltern gefragt.
              Daraus folgt dann, daß die Lehrer auch genug in der Hinterhand zu einem Thema haben müssen, um etwaige schnelle Leute sinnvoll beschäftigen zu können - also nicht Beschftigungstheorie-Beschäftigungstherapie, sondern die entspr. Schüler sollen auch einen Wissensgewinn einstreichen.

              Gerade in der Grundschule kann das sehr gut funktionieren, weil hier eine Lehrerin die zentrale Bezugsperson in vielen Fächern ist. Sprich, zumeist die Klassenlehrerin, die dann Deutsch in den 4 Unterteilungen (Oder gibt es das heute nicht mehr?), Mathematik, Heimatkunde, ... erteilt.
              Damit ist ein hohes Maß an Kontinuität gegeben - auch in Sachen Zensuren, Kopfzensuren, verbalen Bewertungen beim Zeugnis. Das finde ich nicht. Ich finde sogar, dass die Kinder gerade
              eben Nutznießer einer solchen Einteilung sind, weil der
              Unterricht dadurch ihrem Lernniveau angepasst erfolgt.
              Nein, das ist ein pures Gerücht, daß es hilft, Kinder per Frühselektion schon in jungem Alter auf eine Schiene zu schicken.

              Frühselektion funktioniert nur in einer relativ statischen Umgebung und Enwticklung - doch wann gab es in der Geschichte wirklich einmal mehrere Jahrhunderte, wo die Gesellschaft wirklich statisch gewesen ist? Richtig - maximal das Mittelalter. Toll!

              Frühselektion fordert bereits sehr zeitig extrem konkrete Vorstellungen, wie es später einmal weitergehen soll. Das war schon früher oftmals ein Problem - heute ist es eine Katastrophe; schau Dich unter Jugendlichem um, wie unkonkret deren Lebenspläne oftmals sind, und das dann schon im Alter von 17 oder 18.

              Frühselektion übersieht auch die charakterliche Entwicklung eines Kindes. Man selektiert ein Schema, BEVOR sich die Persönlichkeit in die entscheidenden Entwicklungsphasen begibt.

              Das Leistungsargument ist einfach nicht gegeben, denn es liegt AM LEHRER, wie Schüler ihrem Lernniveau angepaßt sind. Man kann ein ziemlich hohes Mittel auch an einer normalen 10klassigen Schule fahren, ohne das schwächere Schüler baden gehen oder stärkere allzusehr unterfordert werden.

              Pure Illusion zu glauben, ein Kind mit etwas solideren Lernleistungen kann nur aufs Gymnasium, weil sonst "Verschwendung", "mangelnde Förderung" anstehen et cetera.
              Zu einem Kind gehört immer die Reife, die es in den Zustand versetzt, Dinge überblicken zu können. Ein 10jähriger überblickt gar nichts - auch wenn das einige immer vehement bestreiten und sich einreden, das 10jährige Kind sei ein voll entfaltetes, mit vollen Rechten ausgestattetes, vollwertiges und vollständig sich selbst bewußt handelndes Mitglied der Gesellschaft ist. Ganz das Gegenteil ist der Fall.

              Eine wesentlich gesünderes Modell ist eine 10klassige, allgemeinbildende Standardschule mit relativ hohem Niveau, und dann ,wenn man 14 oder 16 ist, aus hauptsächlich eigenem Antrieb die gymnasiale Oberstufe bis zum Abitur in Klasse 12.

              Dann würde man nämlich auch sicherstellen, daß an der Einheitsschule auch breit in der Schülerschaft gewisse praktische Belange abgedeckt werden. Der reine Theoretiker ist heute so verloren wie der reine Praktiker - die nächsten Jahre werden das zum Theoretiker hin verschieben, jedoch kann es auch da in den seltensten Fällen der Fachidiot sein, den man anstrebt.


              Es spielen natürlich auch infrastrukturelle Dinge hinein.

              Ich hatte 1989 einen Schulweg von weniger als einer Minute in einem DORF.

              Nach der Umgestaltung in das Westsystem waren es dann schon fast 3 Kilometer bis zur Mittelschule (10 Minuten Bus). Laufen: 25 Minuten (Nachbardorf).

              Inzwischen werden aber mehr und mehr Schulen geschlossen, zusammengelegt usw. - natürlich werden dann die Anfahrtswege plötzlich von Belang. Dazu kommt dann auch noch, durch die verschiedenen Schultypen, kann es durchaus sein, daß man 2 Grundschulen vor der Nase hat, die nächste Realschule oder das nächste Gymnasium dann 10 oder 15 Kilometer weg ist.

              Durch die Zusammenlegung ergeben sich dann auch noch Dinge wie zu hohe Auslastung - das also Schulen an die 100% Grenze oder darüber gebracht werden. Das plustert sich alles mehr und mehr auf - mit jedem weiteren Parameter wird die Sache weniger beherrschbar.

              Hieran muß dringend gearbeitet werden. Das Problem ist eher, dass dieses System mittlerweile ins
              Lächerliche gezogen wurde. Alle Eltern, die "etwas von sich
              halten", wollen ihr Kind aufs Gymnasium durchboxen, selbst
              wenn es vom Lernstand her gar nicht dort hingehört. Und die
              Hauptschulen verkommen zu einem Sammelsurium gescheiterter
              Existenzen. So war dieses System aber nicht konzipiert.
              Wie es konzipiert war, ist relativ irrelevant - man hätte VORHERSEHEN MÜSSEN, daß es zu solchen Entartungen zwangsweise kommen MUSS.

              Wenn sich eine Gruppe engagierter Politiker 1975 mit klarem Kopf in den Alten Ländern zusammengefunden hätte, um zu überlegen, wo diese ganzen neuen propagierten Werte einst hinführen, hätte man das Problem gar nicht.

              Es gäbe bis heute kein Kurssystem (das eigentlich nur mehr Verwirrung und Lücken schafft, als geringfügige Spezialisierung nach den Neigungen zu sichern).

              Es gäbe bis heute noch nicht, diese militante Mentalität, die Du richtig angesprochen hast, von wegen "MEIN Kind - hach - MEIN Kind MUSS doch aufs Gymnasium...".

              Es würde schon reichen, wenn der Zugang zum Gymnasium mit einem notwendigen Zensurendurchschnitt, einem kleinen Eingangstest und - vor allem - einer gewichtigen ausführlichen verbalen Bewertung des Lehrers gesteuert werden würde.

              Das Ironische ist ja, daß das System soviele Abiturienten produziert, die dann gar nicht studieren, obwohl vergleichsweise sowieso weniger Abiturienten hinten rauskommen in Deutschland.
              Deswegen finde ich, dass die Durchlässigkeit (in beide
              Richtungen) stark erhöht werden sollte.

              Besser wäre es, die Frühselektion abzuschaffen. Durchlässigkeit kann eigentlich nur stark vorhanden sein, oder eben mangelhaft (und damit defacto nicht existent sein).

              Man führe sich bspw. vor Augen, daß es in Bayern (!) keinen geregelten Zugang zum Abitur für Realschüler gibt.
              Solche Modelle sind jetzt erst in der Testphase (FOS13) - ein Skandal in meinen Augen.

              Man stelle sich den intelligenten, engagierten Realschüler vor, der dann auf die Fachoberschule verwiesen wird, weil einfach keine Möglichkeit besteht, das Abitur regulär auch von der Realschule kommend zu erwerben.

              Unglaublich, daß es so etwas im Jahre 2006 in Deutschland noch gibt - naja, sofern man Bayern zu Deutschland hinzuzählt. ;) ;)


              MfG


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