Antwort von
nach 6 Tagen
hilfreich
da bin ich aber skeptisch
Das ist vielleicht generell bei allen
Sprachen so, aber man kann sich schon
vorstellen, dass eine afrikanische
Sprache mit vielleicht nur 10.000
Begriffen nicht die "Wertigkeit" besitzt
wie Deutsch oder Englisch.
da bin ich äusserst skeptisch, dass das wirklich stimmt.
es gibt auch die entgegengesetzte theorie, dass eine sprache (von fremdeinflüssen abgesehen) tendenziell verarmt, je älter sie wird, weil sie immer abstrakter wird und viel mehr wortkonkretionen verloren gehen als eigene Neubildungen hinzukommen (z.B. die Vielzahl von Bezeichnungen für Eis bei den Inuit, siehe "mare" H. 6 S.89, oder im Deutschen das Verlernen/der Fortfall einer Vielzahl von Substantiven aus dem landwirtschaftlichen Bereich). Im Dezemberheft von "lettre international" hat sich, meine ich mich zu erinnern, Iveta Gerasimtchuk mit ihrem "Wörterbuch der Winde" über diesen Gesamtprozess ironisch ausgelassen.
zum anderen: hinsichtlich der reichhaltigkeit, die eine sprache zulässt, sind aussagen und worte nicht gleichzusetzen. eine komposita-reiche sprache kann viel mehr aussagen erlauben als eine wortreiche! kann, muss nicht. So dass die Abfolge von drei, vier substantiven, mit denen eine beziehung ausgedrückt wird, viel konkreter ist als langwierige umschreibungen in einer anderen sprache...
schliesslich ist das schema noch eurozentrisch, denn was ist mit sprachen, bei denen nicht nur das wort bedeutungsträger ist?
zu guter letzt gibts ausser der objektiven seite auch noch die subjektive. Mag sein, dass Englisch 700.000 worte hat und Deutsch nur 400.000. Aber was solls, wenn ein Durchschnittsmensch nur ein aktives Vokabular von 30, 40.000 Worten hat und wenn er sehr gut ausgebildet ist, 60 oder 70.000? Kann man natürlich sagen: 100 englische Schriftsteller benutzen insgesamt 500.000 worte, 100 deutsche vielleicht nur 300.000. aber was soll das? wem nützt das? nach den frequenzwörterbüchern, die sich mit der häufigkeit der wörter in den sprachen beschäftigen, macht das beim gebildeten leser aus, dass er 99,999 Prozent aller Worte versteht, und der durchschnittsleser versteht 99,9 Prozent aller Worte....
dietmar