Frakturschrift

Von: , Frage gestellt am Di, 5. Okt 1999

Neulich las ich in einem Internetbeitrag eines Vereines zur Wahrung der dt. Schrift (o.aehnlich), dass die Frakturschrift von der NS - Regierung 1941 verboten und als Druckschrift nur noch das Lateinische erlaubt wurde, weil die Frakturbuchstaben dem Hebraeischen aehnlich seien. Wer kennt sich damit aus? Stimmt das wirklich ?

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Frakturschrift

    Ja. Die Sache ist inzwischen völlig aufgeklärt.
    Der Wechsel wurde genau während des Kampfes um Kreta verfügt. Worum ging es den Machthabern also? Ganz Europa sollte von den deutschen Siegen lesen können.

    Weil nun zu erwarten war, daß gerade aus der nationalen, aber auch aus der wissenschaftlich-kulturellen Ecke Proteste gekommen wären, hat man flugs eine ideologische Unterfütterung benannt. Die "Schwabacher" sei eine Judenschrift.

    Ich weiß aber nicht mehr, ob von Juden entwickelt oder aus dem Hebräischen abgeleitet (halte ich für eher unwahrscheinlich).

    Andreas [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: Frakturschrift

    Hier zu Deiner Freude und Erbauung das diesbezügliche Rundschreiben (Quelle A. Kapr: Fraktur, Mainz 1993):

    Der Stellvertreter des Führers
    Stabsleiter
    München 33 z.Z. Obersalzberg, den 3.1.1941

    Rundschreiben (nicht zur Veröffentlichung)
    Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit:
    Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des uchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern.
    Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, daß die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normalschrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist, wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normalschrift gelehrt werden.
    Die Verwendung der schwabacher-Judenettern durch Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normalschrift gefertigt werden.
    Im Auftrage des Führers wird Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normalschrift umstellen.
    gez. M. Bormann

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Frakturschrift

      Hier zu Deiner Freude und Erbauung das
      diesbezügliche Rundschreiben (Quelle A.
      Kapr: Fraktur, Mainz 1993):
      - Was heißt "Freude und Erbauung" ? Schon immer habe ich mich für so ziemlich alles interessiert, und da mir diese These ziemlich ungewoehnlich vorkam, beschloss ich, der Sache einmal auf den Grund zu gehen. Meinst Du, ich gehoere zu jenen, die "Heil Hitler" groelen und nicht mal wissen, wer das war? Auf jedenfall danke ich allen fuer ihre Hinweise !
      Der Stellvertreter des Führers
      Stabsleiter
      München 33 z.Z. Obersalzberg, den
      3.1.1941

      Rundschreiben (nicht zur
      Veröffentlichung)
      Zu allgemeiner Beachtung teile ich im
      Auftrag des Führers mit:
      Die sogenannte gotische Schrift als eine
      deutsche Schrift anzusehen und zu
      bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit
      besteht die sogenannte gotische schrift
      aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie
      sie sich später in den Besitz der
      Zeitungen setzten, setzten sich die in
      Deutschland ansässigen Juden bei der
      Einführung des uchdrucks in den Besitz
      der Buchdruckereien, und dadurch kam es
      in Deutschland zu der starken Einführung
      der Schwabacher-Judenlettern.
      Am heutigen Tage hat der Führer in einer
      Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann
      und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf
      Müller entschieden, daß die
      Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift
      zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen
      sämtliche Druckerzeugnisse auf diese
      Normalschrift umgestellt werden. Sobald
      dies schulbuchmäßig möglich ist, wird in
      den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr
      die Normalschrift gelehrt werden.
      Die Verwendung der
      schwabacher-Judenettern durch Behörden
      wird künftig unterbleiben;
      Ernennungsurkunden für Beamte,
      Straßenschilder u. dergl. werden künftig
      nur mehr in Normalschrift gefertigt
      werden.
      Im Auftrage des Führers wird Reichsleiter
      Amann zunächst jene Zeitungen und
      Zeitschriften, die bereits eine
      Auslandsverbreitung haben, oder deren
      Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf
      Normalschrift umstellen.
      gez. M. Bormann

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3: Frakturschrift

        Ey, ey, ey.
        Das mit der Freude und Erbauung war ernst gemeint.
        Ich finde die Argumentation in dem Rundschreiben jedenfalls ziemlich vergnüglich. Als kulturgeschichtliches Kuriosum taugt es allemal.
        Aus Kriegsgründen ist die Anordnung nie so richtig in die Tat umgesetzt worden, es gibt allerdings ein paar Bücher aus jener Zeit (Schulbücher zumeist), wo die Type mittendrin von gebrochener Schrift zu Antiqua wechselt. Wenn Du je auf sowas stößt: nicht wegschmeißen. Es gibt Liebhaber (mich zum Beispiel), die für sowas Geld bezahlen.

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