Der Mensch kann nicht im Paradies leben

Von: , Frage gestellt am Do, 12. Feb 2004

Hallo Gemeinde,

wir leben in Westeuropa und Nordamerika in einer Welt, die die Phantsien früherer Künstler und Denker bezüglich Paradies und Schlaraffenland weit in den Schatten stellt.

Lebensmittel gibt es in Hülle und Fülle, in einer Qualität, Auswahl und Menge, die mansich vor hundert Jahren nicht vorzustellen wagte.

Die meisten Menschen haben Wohnungen, die vor hundert Jahren der blanke Luxus waren.

Die medizinische Versorgung ist immer noch sehr gut, die großen Seuchen gibt es zumindestens in unserern Breiten nicht mehr.

Aber was macht unser Körper und unsere Seele mit diesem Zustand?

Weil das Immunsystem chronisch unterfordert ist, läuft es ins Leere und erzeugt munter Allergien.
Unser Körper und unser Geist (oder vielleicht besser Wille) kann mit dem Überangebot an Lebensmittel nicht umgehen und erzeugt bei vielen Fettleibigkeit und/oder Zivilisationskrankheiten.

Weil wir keine oder nur wenige existentielle Sorgen mehr haben (damit meine ich die elementare Sorgen, also zu verhungern oder zu erfrieren), suchen wir uns andere Felder in denen wir unglücklich sein können.

Um es kurz zu machen.
Ich kenne nur wenige, die trotz so guter materieller Bedingungen wirklich glücklich sind.

Woran liegt das?

Sind wir unfähig glücklich zu sein?

fragt sich Gandalf

29 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Definieren wir doch erstmal Paradies ... :-)

    Hallo Gandalf,

    meine Antwort gehört wahrscheinlich eher ins Psychobrett. Die Versorgung mit den überlebenswichtigen Grundlagen (Nahrung, Dach überm Kopf, medizinische Versorgung etc.) vorausgesetzt, denn ohne sie bewegen wir uns ja auf einer ganz anderen Ebene, ist das Glücklichsein m. E. herzlich wenig an materielle Dinge geknüpft.

    Weil ich etwas in Eile und grad ein ganz klein bisschen faul bin, an dieser Stelle der Verweis auf eine psychologische Studio:

    "Was macht uns glücklich?
    von Heidi Krüger-Braun
    Genau so wie man die organischen Notwendigkeiten einer Pflanze kennen muss, um durch die Zugabe der richtigen Stoffe maximalen Erfolg – in diesem Fall Wachstum, beim Menschen eben Glück – zu erreichen.
    Der Psychologe Kennon M. Sheldon von der University of Missouri-Columbia hat mit seinen Kollegen insgesamt drei Studien mit verschiedenen Gruppen von College-Studenten in den USA gemacht. Er wollte die zehn für den Menschen wichtigsten psychologischen Gefühle identifizieren.
    Auch Studenten aus Süd-Korea machten mit, um zu sehen, ob die Ergebnisse kulturell übergreifend sind. Bei der ersten Studie wurden die Teilnehmer gefragt, was für sie persönlich das befriedigendste Ereignis des vergangenen Monats war.
    Bei der zweiten Studie wurden die Teilnehmer lediglich nach dem allgemein befriedigendsten Ereignis des Vormonats gefragt, und bei der dritten Studie wurde nach dem befriedigendsten und dem unbefriedigendsten Ereignis des Semesters gefragt.
    Das Ergebnis zeigte konstante Ergebnisse für die drei Fragestellungen, auch bei übergreifenden Kulturkreisen: Autonomie und Selbständigkeit, Kompetenz, Beziehungen und Selbstbewusstsein waren die Spitzenreiter."

    Wen's interessiert, weiter geht der Text hier: Die Ergebnisse der Studie -> http://www.freenet.de/freenet/wissenschaft/mensch/ps...

    Im großen und ganzen entspricht meine persönliche Erfahrung dem, was der Artikel erwähnt.

    Schönen Gruß,
    Christiane

  2. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Der Mensch kann nicht im Paradies leben

    Hallo Gandalf,

    Das Paradies hat es nie gegeben, also kann man nichts vermissen oder bewerten was man nicht kennt.
    Glücklichsein hat sehr selten was mit den Umständen zu tun unter denen man lebt.
    Die Welt hat sich zwar verändert, aber der Mensch steht im Endeffekt immer noch auf der gleichen Stufe, wie vor 1000 Jahren.
    Die Befindlichkeiten eines jeden sind immer subjektiv, auch die beste Ausbildung ändert da nichts dran, denke ich.
    Dem einen ist es nur bewusster warum er unzufrieden ist und dem einfachen Gemüt bleibt nur das Jammern, weil ihm die Hintergründe nicht so klar sind.

    Gruß Regine

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: unklar

      Hallo Gina ! Das Paradies hat es nie gegeben, also kann man nichts
      vermissen oder bewerten was man nicht kennt.
      Ich hab Gandalf so verstanden, dass er es im Vergleich zu den früher objekt schlechteren Bedingungen gemeint hat. Glücklichsein hat sehr selten was mit den Umständen zu tun
      unter denen man lebt.
      *zustimm* Die Welt hat sich zwar verändert, aber der Mensch steht im
      Endeffekt immer noch auf der gleichen Stufe, wie vor 1000
      Jahren.
      In welcher Hinsicht meinst Du das ? Die Befindlichkeiten eines jeden sind immer subjektiv, auch
      die beste Ausbildung ändert da nichts dran, denke ich.
      Dem einen ist es nur bewusster warum er unzufrieden ist und
      dem einfachen Gemüt bleibt nur das Jammern, weil ihm die
      Hintergründe nicht so klar sind.
      Demnach dürfte es keinen glücklichen Menschen geben, sondern nur solche, denen ihre Unglücksursachen bewusst sind und solche, bei denen das nicht der Fall ist. Warum gibt es dann mich ;-) ? Gruß Regine
      lieben Gruß
      Wolkenstein

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: unklar

        Hallo Wolkenstein! Das Paradies hat es nie gegeben, also kann man nichts
        vermissen oder bewerten was man nicht kennt.
        Ich hab Gandalf so verstanden, dass er es im Vergleich zu den
        früher objekt schlechteren Bedingungen gemeint hat.
        Habe das mit dem nächsten Absatz relativiert: Glücklichsein hat sehr selten was mit den Umständen zu tun
        unter denen man lebt.
        *zustimm* Die Welt hat sich zwar verändert, aber der Mensch steht im
        Endeffekt immer noch auf der gleichen Stufe, wie vor 1000
        Jahren.
        In welcher Hinsicht meinst Du das ?
        In Bezug auf sein objektives Verhalten...;o)) Die Befindlichkeiten eines jeden sind immer subjektiv, auch
        die beste Ausbildung ändert da nichts dran, denke ich.
        Dem einen ist es nur bewusster warum er unzufrieden ist und
        dem einfachen Gemüt bleibt nur das Jammern, weil ihm die
        Hintergründe nicht so klar sind.
        Demnach dürfte es keinen glücklichen Menschen geben, sondern
        nur solche, denen ihre Unglücksursachen bewusst sind und
        solche, bei denen das nicht der Fall ist. Warum gibt es dann
        mich ;-) ?
        Oooooh ich glaube Dir, dass Du glücklich bist, ich bin es ja auch...;o))
        Und ich mag die ewig jammernden Typen auch nicht, aber es gibt sie zu hauf.
        Also ich hoffe, ich habe mich jetzt deutlicher ausgedrückt.

        Liebe Grüße Gina Gruß Regine
        lieben Gruß
        Wolkenstein

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Paradies auf Erden

      Hallo Gina, liebe Gemeinde

      Das Paradies hat es nie gegeben, also kann man nichts
      vermissen oder bewerten, was man nicht kennt.

      Paradies bedeutet für jeden etwas anderes. Schon ein Leben in Freiheit kann für Sklaven das Paradies sein.

      Die Welt hat sich zwar verändert, aber der Mensch steht im
      Endeffekt immer noch auf der gleichen Stufe wie vor 1000
      Jahren.

      Der Mensch verhält sich tatsächlich noch wie in der Ur- bzw. Eiszeit. Er tötet Tiere wie auch sein eigen Fleisch und Blut und kämpt um seine Existenz, obwohl er das gar nicht mehr nötig hat.

      Die Befindlichkeiten eines jeden sind immer subjektiv, auch
      die beste Ausbildung ändert da nichts dran, denke ich.:Dem einen ist es nur bewusster warum er unzufrieden ist und
      dem einfachen Gemüt bleibt nur das Jammern, weil ihm die
      Hintergründe nicht so klar sind.
      Gruß Regine

  3. Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
    Re: Wäre auch zu langweilig, wenn es das gäbe.

    Hallo Gandalf!

    Ich bin der Meinung mit Deinen Überlegungen wärst Du im Philosophie-Brett besser aufgehoben.
    Aber eigentlich liest/hörst Du Dich an, als hättest Du momentan ein Stimmungstief. Soll zu dieser Jahreszeit häufiger vorkommen, als im tristen November.
    Ich würde Dich gern aufmuntern, aber dazu kennen wir uns nun mal nicht gut genug.
    Fest steht für mich, man sollte sich zwar Gedanken machen, aber keine Sorgen. Heut zutage werden viel zu viel Dinge zerredet und man kommt vom Kuhkäse auf´n Kirchturm. Dann reitet man sich nur tiefer in´s negative rein.
    Also ich kann dir nur mitteilen, ich bin glücklich - nicht mit allem zufrieden, aber glücklich!!!

    Gruß Ines

  4. Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
    Re: Der Mensch kann nicht im Paradies leben

    Hi Gandalf,

    bau einen Brunnen im Keller, kauf ein Flächenlos und heize mit Holz, renoviere dein Haus, oder kauf einen Altbau, fang an ein Instrument zu spielen, gründe einen Verein, oder oder...
    Dann kommen solche depressiven Gedanken erst gar nicht auf.
    Gruss,

  5. Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
    Re: Der Mensch kann nicht im Paradies leben

    Ja Gandalf,
    wir sind verwöhnt...
    und mit dem Luxus steigen die Ansprüche...
    und dann ist das Geringste nichts mehr wert...

    "Die Unstimmigkeit unserer Existenz
    durch irgendeine Art von Selbstüberforderung
    führt und schließlich zur Sterilität,
    weil es uns nicht gelingt,
    uns selbst anzunehmen."
    (Max Frisch, "Stiller")

    Gruß,
    Anja

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Ansprüche

      Hi Anja, wir sind verwöhnt...
      Genau. und mit dem Luxus steigen die Ansprüche...
      und dann ist das Geringste nichts mehr wert...
      Willst Du Patrokles reicher machen, musst Du seine Ansprüche herabsetzen, nicht sein Einkommen steigern. Kommt in Luciano de Crescenzos "Also sprach bellavista" vor. Literaturtipp:
      Also sprach Bellavista ISBN 325721670X [Buch anschauen]
      So, *breitestesgrins*, jetzt harre ich der Hedonisten und anderer Genussmenschen, die da kommen mögen *nochmehrgrins*. Gruß,
      Anja
      liebe Grüße
      Wolkenstein



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