...ist ein wirklich sehr komplexer Begriff, sowohl als Bezeichnung einer historischen "Bildungs"-Bewegung, als auch als philosophischer Terminus..
Also ohne Ausuferung...:-)
Zunächst:
"menschenfreundlich" = "human", was nichts mit "humanistisch" zu tun hat !
Historisch ist Humanismus die Bezeischnung für eine literarische Bewegung ca 1350...ca 1500 zunächst in Italien (Petrarca, Boccaccio), die im Kontrast gegen kirchlichen Dogmatismus sich um eine Einbeziehung der (zunächst) römischen und dann der griechischen Antike bemühte... später gabs Auswirkungen z.B. auf die Reformation (Zwingli, Calvin, Melanchthon...)
Auch im sog. Neuhumanismus (Goethe, Hölderlin, Schiller, F. Schlegel, W.v.Humboldt) spielt der Rückbezug auf die Antike Philosophie und Literatur eine wesentliche Rolle für das ideal individueller "Bildung" (wobei gerade auch Konzeptionen des Begriffs "Bildung" entworfen werden).
Philosophiegeschichtlich hatten Humanismuskritiken meist eine Neufassung des Begriffs "H." zur Absicht. So führte der Kritikpunkt, daß der klassische Humanismus Bildungsprivilegien derer implizierte, die sich eine Befassung mit der Antike (wozu ja Griechisch- und Lateinkenntnisse nötig waren) leisten konnten, zu neuen Konzeptionen des Humanismus-Begriffs, bei dem die Gleichheit von Bildungschancen eine wesentliche Rolle spielte: Herder, Hegel, Feuerbach, W.v.Humboldt bis zu Marx und Engels.
Auch Existenzphilosophien (Heidegger, Sartre, Camus, Merleau-Ponty) und Strukturalismus (Levi-Strauss) verstehen sich zugleich als Humanismus-Kritik als auch als Neufassungen des Humanismus-Begriffs...
Soweit in grauenhafter Kürze... war hoffentlich nicht ausufernd?
Gruß M.G.