Antoniusfeuer

Von: , Frage gestellt am Di, 4. Mär 2003
Hallo,

in einem Gemälde (Versuchung des Hl. Antonius) ist ein Aussätziger/Kranker dargestellt, der dick mit Geschwüren übersät war, und das "Antoniusfeuer" haben sollte. Was ist das für eine Krankheit?

Danke für Tips

Antal

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Minuten 1 hilfreich
    Re: Antoniusfeuer
    Hallo Antal,
    das Antoniusfeuer wurde durch Mutterkornvergiftung (Alkaloide)
    hervorgerufen. Dies wird bei verschimmeltem Korn gebildet.

    Gib mal in Google "Antoniusfeuer" ein, da kommen jede Menge Links.
    Viel Erfolg
    Ullrich Sander
    Pinzke f__hrt __ber box
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    Weitere passende Videos:
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    Maddox - H*re

    • Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: kleine Korrektur
      Hallo Ullrich, das Antoniusfeuer wurde durch Mutterkornvergiftung (Alkaloide)
      hervorgerufen. Dies wird bei verschimmeltem Korn gebildet.
      das hat mit Schimmel nichts zu tun, diese Alkaloide (Lysergsäurederivate) werden von einem Pilz erzeugt, der auf Getreide, speziell Roggen schamrotzt.

      Gandalf
  2. Antwort von nach 22 Minuten 1 hilfreich
    Re: Antoniusfeuer
    Hallo, Antal,

    wenn du es genauer haben willst, könnte ich meine Quelle einscannen und dir den Text zuschicken, aber hier zunächst mal kurz:

    Antoniusfeuer, auch "heiliges Feuer" genannt, ist eine durch Roggenparasiten verursachte Vergiftung, die sich in zweierlei Formen äußert; einmal als Form des Mutterkornpilzbrandes - also eine Art Ergotismus - und zum zweiten in Form von Nervenkrämpfen.
    Diese äußerst schmerzhafte Krankheit führt zu einem Gefühl intensiver Verbrennungen an den Gliedmaßen; die fühllosen Hände und Füße werden brandig und fallen ab; die Krankheit kann auch zu Halluzinationen (!) und Muskelkrämpfen führen.

    Hauptsächlich in den Hospitälern der Antonitern, darunter auch in Isenheim, wo Grünewald den Altar malte, wurden entsprechende Amputationen durchgeführt und die am "Antoniusfeuer" erkrankten Menschen gepflegt.
    Man reichte auch Wein, den man vorher über die Reliquien des HL. Antonius hatte fließen lassen.
    Da sich der Antoniterorden besonders dieser Kranken annahm, kam die Krankheit zu diesem Namen.

    Gruß Fritz
  3. Antwort von (abgemeldet) nach 12 Stunden 2 hilfreich
    Re: Mutterkorn
    Hallo Antal,


    noch ein paar Infos zu
    Mutterkorn
    Claviceps purpurea
    Schlauchpilze


    Bestimmungsmerkmale:

    Der Mutterkornpilz ist ein Parasit, der sich während der Gras- und Getreideblüte an der Ähre festsetzt, und entwickelt sich bis zur Reife zu einem 4 cm langen und etwa 3 mm breiten, blauschwarzen, kornähnlichen Gebilde.
    Das Mutterkorn ist wesentlich größer als ein Getreidekorn und daher recht auffällig.


    Geschichtliches:

    Mutterkorn hat in vergangenen Zeiten zu schrecklichen Massenvergiftungen geführt. Der auf dem Roggen wachsende Pilz konnte sich immer dann ausgedehnt verbreiten, wenn das Frühjahr naß und der Sommer heiß und windig waren. Roggen war damals, vor allem unter der armen ländlichen Be-ölkerung, das Hauptnahrungsmittel.
    So wird in den Chroniken immer wieder von Mutterkornvergiftungen berichtet, die ganze Dörfer und Städte befielen und die Menschen unter dem "Antoniusfeuer", dem "Heiligen Feuer", dem "Höllenfeuer" und unter "Ergotismus" leiden ließen.
    Die ersten Berichte über eine wahrscheinliche Mutterkornepedimie stammen aus dem Jahr 857 n.Chr. aus Xanten. Es wird dort erst von einer Hungersnot berichtet und dann eine große Plage erwähnt, einer "abscheulichen Fäulnis, die Knochen der Betroffenen aufzehrt".
    Die Epidemien wurden meist als Gottesgericht und als reinigendes Feuer gedeutet, woher auch die oben genannten Namen rühren. Die Menschen der damaligen Zeit wußten freilich noch nichts vom Zusammenhang ihrer Krankheit und dem Genuß von verseuchtem Roggenmehl.
    Vielfach wurden die Massenvergiftungen, die sich oft in bizarren Wahnvor-stellungen zeigten, den Hexen in die Schuhe geschoben, was Hexenver-folgungen und Verbrennungen nach sich zog.
    Die Mutterkornvergiftungen waren bis etwa 1600 verschwunden, tauchten aber dann wieder mit aller Macht auf. Im Jahre 1676 wurde das erste Mal auf eine Verbindung der Epidemien mit dem Mutterkornpilz hingewiesen. 1790 wurde die Landbevölkerung das erste Mal von der deutschen Regierung über Mutterkornvergiftungen informiert, es wurden technisch verbesserte Dreschmaschinen eingesetzt und die Seuche so gut wie zum Verschwinden gebracht.
    Doch noch im Jahre 1927 brach eine weitere Epidemie über 11000 russische Bauern aus.
    Die letzte schwere Massenvergiftung geschah im Jahre 1951 in Frankreich, der ca. 300 Menschen durch verseuchtes Mehl zum Opfer fielen. Die Betroffenen litten teilweise noch monatelang unter den immer wiederkehrenden Vergiftungs-erscheinungen.
    Das Mutterkorn wurde 1582 von Adam Lonitzer erstmals erwähnt. Ende des 17. Jahrhunderts führte es Camarus bei der Geburtshilfe ein.
    DR. Albert Hofmann entwickelte im Jahre 1943 aus dem Mutterkorn das LSD.

    aus
    http://www.botanikus.de/

    Viele Grüße
    Heidi



  4. Antwort von nach 22 Stunden 1 hilfreich
    Re: Antoniusfeuer
    Hallo an alle!

    Das Mutterkorn ist ein extrem häufiger Pilz. Er lebt nicht nur auf den Ähren unserer Getreide sondern auf vielen häufigen Wildgräsern (so z.B. auch auf der Quecke, Pfeiffengras etc.). Nur werden hier die Mutterkörner wesentlich kleiner und damit unauffälliger. Somit läßt sich der Pilz aber nicht zurückdrängen bzw. gar ausrotten, im Gegenteil... In den letzten Jahren wurden verstärkt Hybridroggensorten angebaut, bei denen die Blütezeit der Ähre gegenüber den "alten" Sorten verlängert ist. Da aber gerade während der Blüte die Infektion erfolgt, hat das Mutterkorn auf den Roggenschlägen massiv zugenommen.
    So gelangt es auch in unsere Lebensmittel. Achtet mal darauf, ob ihr in Euren Stullen vom Roggenvollkornbrot Körner findet, die im Anschnitt violettlich (und nicht weiß) sind - alles Mutterkorn...

    Gruß
    Manfred
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