Hallo zusammen,
die Mutter meiner Freundin (63 Jahre alt) ist an einem Kolonkarzinom (Darmkrebs)operiert worden. Leider sind bereits beide Leberlappen von Metastasen befallen, die nicht operabel sind. Der Darmtumor konnte aber operiert werden. Nun soll eine Chemotherapie durchgeführt werden.
Weiß jemand, ob in diesem Fall - weitere Metastasen ausgeschlossen, Primärtumor im Gesunden exzidiert - eine Lebertransplantation in Frage kommt ? Gibt es Quellen dazu oder kennt jemand Kliniken, die in dieser Hinsicht beraten ?
Klingt zumindest für den Nicht-Chirurgen sinnvoll, dass es besser sein könnte, das Organ zu ersetzen, anstatt mit der chemischen Keule „draufzuhauen“ und zu hoffen, das sich etwas tut, von den Nebenwirkungen mal abgesehen.
Für jeden Tipp oder Hinweis dankt Euch
Marcel
Hallo Marcel,
hört sich schlimm an.
Wenn man ein Organ ersetzt, dann muss man dem betroffenen
Menschen Immunsupressiva geben damit das Immunsystem -
also letztenendes der Körper - das neue Organ nicht abstösst.
Dadurch (das das Immunsystem „gehemmt“ wird) erhöht sich
die Krebsgefahr enorm, d.h. vermutlich würde es nichts bringen
eine neue Leber zu implantieren, weil das Risiko einer neuen
Krebserkrankung zu hoch ist.
Hier zwei Buchtipp:
- Heilen ist einfach
- Heilung ist möglich
Gruss
Oliver-Michael
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo,
die Transplantation ist nicht sinnvoll, da bei einem so massiven Befall davon ausgegangen werden muss, dass die Erkrankung nicht zum Stillstand kommt. Die Chemotherapie hat die Aufgabe, die Erkrankung bei vertretbaren Nebenwirkungen zu verlangsamen.
Eine Lebertransplantation bei Metastasen eines Dickdarmkarzinoms wäre eine nebenwirkungsREICHE Therapie, die die Überlebenschancen nicht vergrößert und die Überlebenszeit (im Mittel) verkürzt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. J. Sauer
Lebertransplantation bei Metastasen eines Dickdarmkrebses ist nicht sinnvoll (s. andere Antworten). Abhängig von der Zahl und Lokalisation der Metastasen kann man unterstützend zur Chemotherapie evtl. noch weitere Maßnahmen durchführen, z.B. die Metastasen mit Strom („HfTT“) oder Laser („LiTT“) sozusagen „verkochen“. Man würde dies bei bis zu fünf Metastasen in einer Größe bis zu 4-5 cm machen. Man kann evtl. auch die eine Hälfte der Leber operativ entfernen und einzelne Metastasen in der anderen Hälfte „verkochen“.
Ich würde (falls nicht eh schon passiert) die Vorstellung der Befunde in einem Leberchirurgischen Zentrum (versch. Unikliniken) empfehlen. Biete evtl. auch an, wenn Du die relevanten Computertomographischen Bilder einscannst und mir per email schickst einen Blick drauf zu werfen, ob irgendwas aus chirurgischer Sicht zu machen ist.