Ist Schwindelgefühl bei alten Menschen normal?

Hallo,

meine Oma leidet unter Schwindelgefühl.
Sie weiss aber nicht, ob das von den starken Schmerzmitteln ist, die sie
gegen Osteoporose nimmt oder nicht.
Auf NAchfrage bei ihrem Arzt meinte der, dies sei bei alten Menschen normal.
So wie die Gelenke usw. an Leistung verlieren, so würde auch der Gleichgewichtssinn
Einschränkungen erleben.
Das klingt mir ziemlich an den Haaren herbei gezogen.

Stimmt das?

Danke für eure Antworten.

Gruß,
Sebastian

Hallo,
teilweise schon. Die mit dem älterwerden einhergehenden degenerativen Prozesse erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit für solche Probleme. Was nicht heißt, daß man nicht mit angepaßten Verhalten die Latenz wieder kompensieren kann. Die einfachste und wohl weitverbreiteste Ursache wäre, daß Deine Oma schlicht zuwenig trinkt. Und dem könnte ja vermutlich Abhilfe geschaffen werden.

Gruss
Enno

Hallo Sebastian,

Auf NAchfrage bei ihrem Arzt meinte der, dies sei bei alten
Menschen normal.

Der Arzt ist anscheinend schon prima auf Billigmedizin gedrillt. Die Kunst der Diagnose ist ja etwas tendenziell „unwirtschaftliches“, da lauert im Hintergrund immer die KV, wenn ein Arzt so arbeitet, wie er es gelernt hat und eigentlich auch tun sollte.

So wie die Gelenke usw. an Leistung verlieren, so würde auch
der Gleichgewichtssinn
Einschränkungen erleben.

Ohne Mediziner zu sein, gebe ich Dir mal drei Fälle aus meiner unmittelbaren Umgebung:

(1) 81jährige Patientin, zunächst anfallsweises, später ständig beim Gehen und Stehen erlebtes Schwindelgefühl. Keine ständig eingenommenen Medikamente. Anfallsweise Attacken von extremem Bluthochdruck im Alter von 57 Jahren, seinerzeit medikamentös in Ordnung gebracht, RR seither normal. Schwindelgefühl durch Neurologen in Verbindung gebracht mit einem im Alter entwickelten Hydrocephalus (per Tomographie bestätigt), Therapieversuch: Punktierung. Keine Änderung des Zustandes. Vier Monate danach Tumor-Resektion im Darmbereich, im Anschluß Geriatrische Reha. Facharzt Geriatrie hält die Hypothese „Hydrocephalus“ für nicht gesichert und bezeichnet das (subjektiv erlebte) Schwindelgefühl als häufige Begleiterscheinung beginnender Demenz, wenn deren Entwicklung erlebt wird als Grundgefühl der Unsicherheit bei nachlassendem Orientierungsvermögen in Zeit und Raum. Entlassung aus Reha nach Hause, nach wenigen Monaten Übersiedlung ins Pflegeheim. Schwindelgefühl ist seither nicht mehr bedeutend, weil Gehen und Stehen nicht mehr ohne fremde Hilfe möglich.

(2) Schwester zu (1), 79jährig, erlebt das Gefühl von Schwindel und Unsicherheit in der Folge einer erfolgreichen HüftgelenksOP (Prothese) seit dem 75ten Lebensjahr. Die wiedergewonnene körperliche Mobilität macht das Gefühl der Unsicherheit im Kontrast erfahrbar. Internistisch und neurologisch ohne Befund, auf Empfehlung des Internisten psychologische Diagnostizierung einer Agoraphobie. Verhaltenstherapeutisch insofern erfolgreich behandelt, als die Patientin jetzt die Situationen, in denen das Schwindelgefühl auftritt, vorab einschätzen kann und Techniken entwickelt hat, wie sie damit leben kann. Sie ist heute in der Lage, kritische Alltagssituationen (Aussteigen aus der Straßenbahn, Durchqueren einer Gaststube etc.) ohne fremde Hilfe zu bewältigen.

(3) Gatte zu (1), 79jährig, gehbehindert (Oberschenkelamputation links), Dauermedikation Betablocker. Rechte Hand infolge degenerativer Deformierung einiger Wirbel teilweise gelähmt, ohne erfolgreiche Therapie. Erlebt eine Reihe von unklaren Stürzen (Fahrrad, Treppenabsatz) mit jeweils kurzer Erinnerungslücke. Verstirbt zehn Monate später an einem Bronchialkarzinom. Zytologische Untersuchung des Karzinoms zur Beurteilung von eventuellen Therapiemöglichkeiten einen Monat vor seinem Tod. Ergebnis: Das bekannte Karzinom ist eine Metastase. Keine Autopsie nach dem Tod, so daß wie auch immer geartete Zusammenhänge offen bleiben müssen. Es bleibt unklar, in welchem Umfang der Pat. selbst eingehende diagnostische Maßnahmen verhindert hat.

Dreimal Schwindel bei alten Leuten, drei verschiedene Situationen. Einer von drei Fällen gebessert, zwei nicht.

Warum gibt es im Fall Deiner Mutter keine ordentliche Diagnostik?

Schöne Grüße

MM

hallo!

zuerst leicht offtopic: mir hat mal ein uhrenmacher erzählt dass er niemals wieder eine automatikuhr jemandem über 60 verkaufen würde.
der grund? sehr viele (v.a. leute in altenheimen) bewegen sich so wenig dass die uhr nicht „aufgeladen“ wird (hab momentan auch einen solchen patienten dessen uhr zweimal am tag richtig geht).

soll heissen: wenn ich die fähigkeiten die mein körper hat nicht (mehr) nutze dann darf ich mich nicht wundern wenn eine nach der anderen ausfällt.
es gibt reihenweise untersuchungen die „alte“ menschen wieder aktivieren-da wird tai chi gemacht, die anderen gehen ins fitnesstudio, die dritten fangen mit laufen an, etc.-und immer sind die resultate hervorragend.
besonders überraschend: die zuwächse an kraft, etc. sind fast genauso gross wie bei jungen leuten.

die sturzgefahr (und die damit einhergehenden knochenbrüche) sinken dramatisch-die lebensqualität und lebensdauer steigt gleichzeitig an.

aber: man muss aktiv dran arbeiten.

tschüss

matthias

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Hallo,
mal allgemein gefragt, was ist im Alter normal?
A) was viele tun oder erleben
B) was normalerweise ablaeuft in der Natur
Wer normal lebt wie die meisten wird normal krank wie die meisten. Nur noch wenige sterben naturgemaess normal an Altersschwaeche, wenige an Unfaellen, die meisten an Krankheiten. Diese haben Ursachen. Manche verstehen die Ursachen und haben die Kraft einige Ursachen abzustellen, noch weniger schaffen das vor der Krankheit. Dann verhalten sie sich nicht normal, werden Aussenseiter.
Liebe Gruesse von Helmut

Hallo,
meine Oma leidet unter Schwindelgefühl.

…:Auf NAchfrage bei ihrem Arzt meinte der, dies sei bei alten Menschen normal.

So wie die Gelenke usw. an Leistung verlieren, so würde auch der Gleichgewichtssinn Einschränkungen erleben.

Sie weiss aber nicht, ob das von den starken Schmerzmitteln
ist, die sie
gegen Osteoporose nimmt oder nicht.

Hi, Sebastian, weisst Du zufällig welche Mittel Deine Oma einnimmt?
Manchmal liegt es nicht an einem bestimmten Medikament sondern daran wie sie miteinander reagieren.

Viele Grüße
Sue

Hallo Enno,

das hier…

Die einfachste und wohl weitverbreiteste Ursache wäre, daß Deine Oma schlicht zuwenig
trinkt. Und dem könnte ja vermutlich Abhilfe geschaffen werden.

…wollte ich gerade posten, da habe ich gesehen, daß du den Tipp schon geschrieben hast. Ca 1,5 - 2 l Wasser zu trinken hat u.a. meiner Schwiegermutter dabei geholfen, die Schwindelanfälle komplett zu beseitigen. Bei ihr hat der Arzt auch alles mögliche untersucht und nie was Gescheits gefunden.

Gruß

Faya

Hi,

bin Krankenpfleger und kann dazu sagen, dass Schwindel bei alten Leuten nicht immer an alterbedingten Abbauprozessen einhergeht. So haben manch 90jährige keinen Schwindel, wohingegeben 70jährige Schwindel haben.

In der Praxis habe ich gemerkt, dass eine ausreichende Wasserzufuhr von mindestens 2liter pro Tag unbedingt von Nöten sind, dagegen einzuwirken (wie hier auch schon erwähnt).
Durch die Medikamente kann es auch kommen, fall in den NW erwähnt ist.

Wasserzufuhr wirkt auch gegen kurzzeitige Verwirrtheitszustände, sofern sie nicht cerebral bedingt sind.

Gruß

nur Anmerkung
Hallo Sebastian,

Du hast schon viele, sicher hilfreiche, Tipps erhalten.
Auch ich bin der Meinung, dass häufig ein Flüssigkeitsmangel bei älteren Menschen vorliegt, der die Ursache für den Schwindel sein kann.
Ältere Menschen haben einfach kein richtiges Durstgefühl mehr und man muss ihnen am besten morgens schon die Trinkmenge bereitstellen, die sie den Tag über im Auge behalten sollen, sonst wird das Trinken einfach „vergessen“. Und die Gefahr lauert dann, wie so oft, im Detail. Abends fällt ihnen dann nämlich auf, dass sie ja erst eine Tasse getrunken haben… Dann trinken sie relativ spät eine übergroße Menge, um noch was aufzuholen. Und das endet dann, bei entsprechend „vorgeschädigten“ älteren Menschen, nicht selten auch in der Überladung des Kreislaufs mit Flüssigkeit und einer Druckbelastung der Herz-Vorhöfe. Nicht selten kommt es dabei, bei entsprechend „gealterten“ oder vorgeschädigten Herzen, zu Vorhofflimmern und entsprechenden Rhythmusstörungen.
Also unbedingt auch auf eine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit über den Tag achten.

lg gundja