Hallo Sebastian,
Auf NAchfrage bei ihrem Arzt meinte der, dies sei bei alten
Menschen normal.
Der Arzt ist anscheinend schon prima auf Billigmedizin gedrillt. Die Kunst der Diagnose ist ja etwas tendenziell „unwirtschaftliches“, da lauert im Hintergrund immer die KV, wenn ein Arzt so arbeitet, wie er es gelernt hat und eigentlich auch tun sollte.
So wie die Gelenke usw. an Leistung verlieren, so würde auch
der Gleichgewichtssinn
Einschränkungen erleben.
Ohne Mediziner zu sein, gebe ich Dir mal drei Fälle aus meiner unmittelbaren Umgebung:
(1) 81jährige Patientin, zunächst anfallsweises, später ständig beim Gehen und Stehen erlebtes Schwindelgefühl. Keine ständig eingenommenen Medikamente. Anfallsweise Attacken von extremem Bluthochdruck im Alter von 57 Jahren, seinerzeit medikamentös in Ordnung gebracht, RR seither normal. Schwindelgefühl durch Neurologen in Verbindung gebracht mit einem im Alter entwickelten Hydrocephalus (per Tomographie bestätigt), Therapieversuch: Punktierung. Keine Änderung des Zustandes. Vier Monate danach Tumor-Resektion im Darmbereich, im Anschluß Geriatrische Reha. Facharzt Geriatrie hält die Hypothese „Hydrocephalus“ für nicht gesichert und bezeichnet das (subjektiv erlebte) Schwindelgefühl als häufige Begleiterscheinung beginnender Demenz, wenn deren Entwicklung erlebt wird als Grundgefühl der Unsicherheit bei nachlassendem Orientierungsvermögen in Zeit und Raum. Entlassung aus Reha nach Hause, nach wenigen Monaten Übersiedlung ins Pflegeheim. Schwindelgefühl ist seither nicht mehr bedeutend, weil Gehen und Stehen nicht mehr ohne fremde Hilfe möglich.
(2) Schwester zu (1), 79jährig, erlebt das Gefühl von Schwindel und Unsicherheit in der Folge einer erfolgreichen HüftgelenksOP (Prothese) seit dem 75ten Lebensjahr. Die wiedergewonnene körperliche Mobilität macht das Gefühl der Unsicherheit im Kontrast erfahrbar. Internistisch und neurologisch ohne Befund, auf Empfehlung des Internisten psychologische Diagnostizierung einer Agoraphobie. Verhaltenstherapeutisch insofern erfolgreich behandelt, als die Patientin jetzt die Situationen, in denen das Schwindelgefühl auftritt, vorab einschätzen kann und Techniken entwickelt hat, wie sie damit leben kann. Sie ist heute in der Lage, kritische Alltagssituationen (Aussteigen aus der Straßenbahn, Durchqueren einer Gaststube etc.) ohne fremde Hilfe zu bewältigen.
(3) Gatte zu (1), 79jährig, gehbehindert (Oberschenkelamputation links), Dauermedikation Betablocker. Rechte Hand infolge degenerativer Deformierung einiger Wirbel teilweise gelähmt, ohne erfolgreiche Therapie. Erlebt eine Reihe von unklaren Stürzen (Fahrrad, Treppenabsatz) mit jeweils kurzer Erinnerungslücke. Verstirbt zehn Monate später an einem Bronchialkarzinom. Zytologische Untersuchung des Karzinoms zur Beurteilung von eventuellen Therapiemöglichkeiten einen Monat vor seinem Tod. Ergebnis: Das bekannte Karzinom ist eine Metastase. Keine Autopsie nach dem Tod, so daß wie auch immer geartete Zusammenhänge offen bleiben müssen. Es bleibt unklar, in welchem Umfang der Pat. selbst eingehende diagnostische Maßnahmen verhindert hat.
Dreimal Schwindel bei alten Leuten, drei verschiedene Situationen. Einer von drei Fällen gebessert, zwei nicht.
Warum gibt es im Fall Deiner Mutter keine ordentliche Diagnostik?
Schöne Grüße
MM