Wieso kommt es zur Querschnittslähmung?

Ich würde mal genau erfahren, wie es zu einer Querschnittslähmung kommt, evtl. nach einem Rückenbruch und warum man diese schlimme Krankheit nicht heilen kann??

Hallo Sonja,

Es gibt verschiedene Unfälle und Entstehungsmöglichkeiten einer Querschnittslähmung; was aber immer passiert ist, dass das Rückenmark verletzt wird. Es kann bei einem Bruch der Wirbelsäule zur direkten Zerreissung kommen, oder aber es wird durch einen Bluterguss abgedrückt. Das Rückenmark ist eine Bündelung von ganz vielen Nervenfasern, das entlang der Wirbelsäule verläuft. Diese haben ganz viele verschiedene Aufgaben, wie Bewegung, das Gefühl, Kälte/ Wärmeempfinden, auch Funktionen wie Gefäßweite und Regulierung der Organdurchblutung.
In verschiedenen Höhen der Wirbeläule treten Nervenstränge für verschiedene Körperregionen aus.Die Versorgung der Beine liegt sehr tief, sie sind bei einer Verletzung im tieferen Brustwirbelsäulenbereich nicht mehr nerval versorgt und man kann sie nicht mehr bewegen und nichts mehr fühlen. Gleichzeitig fehlt die „Steuerung“ für die willentliche Darmentleerung (der Sphinktertonus kann nicht durch pressen überwunden werden) und auch zur Blasenentleerungsstörung.

Dies ist nur sehr oberflächlich und allgemein, aber zum Verständnis vielleicht ein Anfang.

Wenn die Verletzung weiter oben ist, können auch die Arme gelähmt sein und schlimmstenfalls auch die Atmung - Die Atemmuskulatur, das Zwerchfell wird ja auch aktiv durch nervale Reize gesteuert.

Man spricht noch von einer kompletten oder inkompletten Lähmung - hierbei geht es nicht darum, ob jemand gar nichts mehr bewegen kann oder vielleicht doch noch, sondern darum, ob die „Ausfälle“, d.h., was man alles nicht kann zu der Höhe der Verletzung passt - man weiß, was in einer bestimmten Höhe alles ausfallen müßte - wenn jetzt jemand, der z.B. seine Beine nicht bewegen kann trotzdem etwas fühlt oder umgekehrt, dann ist er „inkomplett“.

Grundsätzlich kann man bei einer Schwellung oder Blutung, die das Rückenmark „abdrücken“ darauf hoffen, dass einige Funktionen zurückkehren, wenn die Schwellung abnimmt. So kann es innerhalb von den ersten paar Monaten noch zu recht deutlichen Veränderungen kommen - leider auch zur Verschlechterung.

Leider läßt sich Rückenmark bisher nicht reparieren - Nerven leiten ihre Reize nicht mehr weiter, selbst, wenn man sie wieder zusammennäht. Gequetschtes Rückenmark erholt sich nicht- wenn Gewebe im Körper erst einmal abgestorben ist, wird Narbengewebe daraus, beim Rückenmark fatal, denn es kann seine Funktion nicht erhalten.

Hoffe, es hilft Dir, sonst frage noch mal nach, ich sitze hier „an der Quelle“ (Intensivzentrum für Rückenmarksverletzungen an der BGU Murnau)
Britta

Danke für Eure prompten Antworten. Ich habe nur am Wochenende das Sportstudion gesehen. Dort war Silvano (Nachnamen weiss ich nicht mehr), jedenfalls ein Skifahrer, Schweizer, der diesen schweren Sturz vor glaube ich zwei Jahren hatte, wo er durch das Fangnetz an einen Stahlmasten geknallt ist. Er ist seither querschnittsgelähmt, hat sich aber, jedenfalls augenscheinlich, äußerst gut mit der Behinderung arrangiert, wo man sich nur verneigen kann. Nun ist ja heutzutage nahezu alles medizinisch möglich, sogar einen Menschen zu klonen. Nur diese Nerven irgendwie wieder intakt zu bekommen oder evtl. nachzuzüchten (Ihr merkt, ich bin ein absoluter Laie) soll nicht möglich sein?? Nahezu unbegreiflich!!! Ich hoffe, dass ich es noch erleben werde, dass man diese schreckliche Krankheit besiegen kann und die armen Menschen wieder aus Ihren Rollstühlen aufstehen können.

Gruß
Sonja

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Nachzüchten von Nervenzellen
Hi Sonja,

Nun ist ja heutzutage nahezu
alles medizinisch möglich, sogar einen Menschen zu klonen. Nur
diese Nerven irgendwie wieder intakt zu bekommen oder evtl.
nachzuzüchten (Ihr merkt, ich bin ein absoluter Laie) soll
nicht möglich sein??

Das Nachzüchten von Nervenzellen ist relativ schwierig, aber es wird daran gearbeitet. Nervenzellen sind Zellen, die sich wenn sie erstmal ausgewachsen sind nicht mehr vermehren. Das bedeutet, daß daher auch bei einer Verletzung keine neuen gebildet werden.Diese Zellen zum neuen Auswachsen zu bringen ohne das sie gleich anfangen zu wuchern. Oder fremde Zellen zu Implantieren … daran wird geforscht…

Man hatte auch schonmal versucht Nervenzellen im gehirn zu implantieren und zumindest kurzfristige Erfolge bei einem Parkinsonähnlichem Krankheitsbild erreicht. Leider sind eben gerade Nervenzellen deswegen so schwierig zu implantieren, weil man ja auch dafür sorgen muß, daß sie sich richtig untereinander vernetzen. Und dann quasi richtig verschaltet werden.

Gruß Julia

Hallo Sonja!

Wie Britta schon schrieb liegt das Problem im Rückenmarkbereich zum einen an der Vielzahl der Nerven - die ja alle wieder einigermaßen an ihren Platz müssen, zum anderen daran, daß die „Stützzellen“ der Nerven im Bereich des Zentralnervensystems (also Gehirn und Rückenmark) auf Verletzung mit Bildung einer Narbe reagieren, die die Aussprossung der Nervenzellfortsätze unterdrückt.

Kleinere verletzte Nerven im Peripheren Nervensystem lassen sich hingegen nähen - und mit Geduld und Glück nehmen sie die Funktion auch wieder auf.

In Frankreich gibt es übrigens meine ich Versuche, durch elektrische Reizübermittlung eine gewisse Restfunktion zu übertragen und auch auf zellulärer Ebene wird heftig geforscht, zum einen die Narbenbildung nach dem Unfall zu unterdrücken, zum anderen die Neuaussprossung der Nervenzellen zu fördern.

Da kommt man dann aber schon auf ein abgefahrenes Niveau wie der folgende Link zeigt:

http://www.nature.com/cgi-taf/DynaPage.taf?file=/nm/…

Diesen Link und andere Infos findest Du übrigens auf der Seite der Stiftung des Schauspielers Reeves, der natürlich stark in der Querschnittsforschung engagiert ist…

http://www.christopherreeve.org/index.cfm

Gruß Peter